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Archäologie

Die Kantonsarchäologie ist eine Fachstelle mit der Aufgabe, archäologische Hinterlassenschaften zu schützen und zu erhalten oder vor ihrer unabwendbaren Zerstörung zu untersuchen und zu dokumentieren.

Archäologie erforscht die Vergangenheit des Menschen anhand von materiellen Überresten. Diese stammen überwiegend aus dem Boden. Bodenfunde sind die Quellen für Zeitepochen, in denen es keine oder nur wenig schriftliche Überlieferungen gibt. Deshalb sind archäologische Hinterlassenschaften von öffentlichem, allgemeinem Interesse. Darum beansprucht sie der Kanton von Gesetzes wegen auch als Eigentum zugunsten der Allgemeinheit – Das heisst: die archäologischen Hinterlassenschaften gehören uns allen als Gemeinschaft.

Aktuell

  1. Ausgrabungsplan Amphitheater Vindonissa aus dem Jahr 1899

    4. Feldkurs

    Der diesjährige Feldkurs folgt anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums der Gesellschaft Pro Vindonissa den Spuren der ersten Freiwilligen in Vindonissa.

Das war 2021 − Jahresrückblick

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An einem schönen Herbsttag im Oktober 2021 stehen fünf Mitarbeitende der Kantonsarchäologie auf einer dicht bewaldeten Halbinsel in Seengen am Hallwilersee. Und damit schreiben sie Forschungsgeschichte. Denn zum ersten Mal seit fast genau hundert Jahren stehen wieder Archäologen – und zum ersten Mal überhaupt Archäologinnen – auf der Riesi. Tief im Untergrund liegen die Überreste einer Pfahlbausiedlung, die ihre Vorgänger 1923 entdeckt haben. Damals war es die erste Siedlung aus der Bronzezeit in der Schweiz, viele weitere folgten und heute sind die "Prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen" seit 2011 ein universelles Erbe der Menschheit. Das 10-Jahres-Jubiläum nahm die Kantonsarchäologie 2021 zum Anlass, eine Zustandsüberprüfung auf der Halbinsel Riesi durchzuführen. Wie tief wurzeln die Bäume? Sorge um die Pfahlbauten, deren Schutz Aufgabe der Kantonsarchäologie ist, trieb uns um. Beim Augenschein konnten die Grabungsschnitte von 1923 lokalisiert werden. Weitere Untersuchungen werden folgen.

Wir sind seit 96 Jahren die ersten Archäologen, die hier wieder vor Ort sind. Etwas Spezielles ist der Geist, den diese Fundstelle ausstrahlt. Es ist ein Stück Forschungsgeschichte, die wir hier heute schreiben.

Thomas Doppler, Kantonsarchäologe Am 5. Oktober 2021 auf der Halbinsel Riesi

Was uns 2021 beschäftigt und bewegt hat

Schützen und erhalten

Schützen und erhalten

Nicht nur verborgene archäologische Hinterlassenschaften haben uns 2021 beschäftigt, sondern auch heute noch erhaltene und öffentlich zugängliche Monumente wie die Burgruine Tegerfelden. Gemeinsam mit der Pfadi Big Horn fand im August ein Aktionstag statt, bei dem die Ruine von Bewuchs und Abfall befreit wurde. Auf der Ruine Schenkenberg überprüften wir den Zustand der Mauern mit einer Drohne. Ebenfalls mit Hightech-Gerät unterwegs waren wir an verschiedenen Fundstellen im Kanton. Mithilfe der sogenannten Geoelektrik und Geomagnetik untersuchen wir ohne Bodeneingriffe − im Sinne des Schutzgedankens − die archäologischen Überreste. Die Methode kommt mittlerweile sehr häufig zum Einsatz und liefert uns beispielsweise auch im Vorfeld von Bauprojekten Planungssicherheit.

Die Methode

Schematische Darstellung einer Messung mit einem Magnetometer.

Untersuchen und Dokumentieren

Untersuchen und Dokumentieren

Im vergangenen Jahr hat die Kantonsarchäologie insgesamt 185 archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Baudynamik im Kanton fordert uns stetig. Grossflächige Ausgrabungen fanden in Möriken-Wildegg (Mittelbronzezeit) und Vindonissa statt. Der verregnete Sommer liess manche Grabungsfläche zum Teich werden, das Grabungsteam trotzte Regen und Kälte. Alle Grabungen wurden termingerecht abgeschlossen, sodass in Zukunft auf den Orten der Vergangenheit gebaut werden kann. Kurz vor Weihnachten überraschte eine Entdeckung uns alle: am Rheinufer in Kaiseraugst kam ein römisches Amphitheater zum Vorschein – das jüngste überhaupt im gesamten römischen Imperium, wie sich später herausstellte. Die Entdeckung ging Anfang 2022 um die Welt. Und zeigt damit, dass auch heute noch grosse Monumente unbekannt im Boden schlummern.

Doch nicht nur Draussen im Feld wurde viel bewegt, auch im rückwärtigen Bereich haben unsere Mitarbeitenden am Laufmeter gearbeitet: im Digitalisierungsprojekt Grabungsarchiv sind Akten und Grabungsdossiers digitalisiert und einheitlich gemäss Standards der Langzeitarchivierung abgelegt worden. Gerade in Zeiten der Homeoffice-Pflicht war damit der Zugang auch für Heimarbeitende jederzeit möglich. Bereits sind 25 von 68 Laufmetern Akten digitalisiert und damit die originale Papierdokumentation optimal geschont.

Die Zahlen

Kuchendiagramm in blau.

Die Grabungen

Der Archivmeter

Etwa ein Meter Papierakten vorbereitet für die Digitalisierung.

Sammeln und Inventarisieren

Sammeln und inventarisieren

Die Ausgrabungen brachten Hunderte von Funden zum Vorschein. Darunter gab es herausragende Stücke: Mittelalterliche Model für die Ofenkachelherstellung aus Würenlingen belegen zum ersten Mal in der Schweiz dieses Handwerk ausserhalb einer Stadt. Ein vollständiger Bronzedolch aus Möriken-Wildegg ist seit 20 Jahren der erste Fund dieser Epoche in dieser Vollständigkeit. Und aus der Ausgrabung Windisch-Zürcherstrasse stammen Preziosen aus der römischen Epoche wie mehrere Gemmen von Fingerringen und eine ganz erhaltene, seltene Figur der Göttin Minerva. Eine Bleiplombe der South Sea Company (1711−1853) aus Wohlen wurde von einem Freiwilligen mit dem Metalldetektor entdeckt und belegt Verbindungen nach England. Von der weiten Welt in den Aargau: Fundstücke sind nicht nur dingliche Überreste aus der Vergangenheit, sondern auch Träger von Informationen.

Der Fund des Jahres

Bronzestatuette der Göttin Minerva.

Das ist Minerva, die Göttin der Weisheit, Schutzgöttin der Dichter und Lehrer und Hüterin des Wissens. Sie ist liegend dargestellt mit Schild, Helm und einer Opferschale in der vorgestreckten rechten Hand. Die Göttin lagert auf einem Kissen und lehnt sich an ihren Schild. Sie trägt einen Helm mit markantem Helmbusch sowie ein langes Gewand, aus dem nur die Füsse hervorschauen.

Die liegende Position der Göttin könnte mit dem Brauch der Götterbewirtung zusammenhängen, lateinisch lectisternium. Der Begriff kommt von lateinisch lectus "Bett" und sternere "ausbreiten". Es war ein feierliches Göttermahl im alten Rom. Dabei wurden die Bildnisse der Götter oder ihre jeweiligen Attribute auf prächtige Polster, die mit kostbaren Decken drapiert waren, gelegt und mit daneben gestellten Speisen symbolisch bewirtet. Welche Bedeutung die Statuette hier in Vindonissa hatte, wissen wir allerdings noch nicht. Dies werden weitere Forschungen zeigen.

Erforschen

Erforschen

In der Forschung werden auch neue digitale Methoden genutzt. Im Projekt "Steininschriften von Vindonissa" der Kantonsarchäologie kam erstmals die 3D-Dokumentation von Objekten zum Einsatz, wobei eine ganze Gruppe von Funden dokumentiert wurde. Das bietet nicht nur die Chance, die schweren Steininschriften digital von allen Seiten zu betrachten, sondern erleichtert mögliche virtuelle Rekonstruktionen der Inschriften. Ziel ist, die 3D-Modelle auch in einer Publikation und auf Webseiten zu veröffentlichen und dadurch für die Forschung zugänglich zu machen.

Das Projekt

In Stein gemeisselt – römische Inschriften aus Vindonissa

Vermitteln

Vermitteln

Die Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit der Kantonsarchäologie stand ganz im Zeichen des Pfahlbaujubiläums. Das neue Pfahlbauhaus in Seengen konnte nach sechs Monaten Bauzeit im Juni eingeweiht werden. Bis dahin hatte das Haus schon zwei Hochwasser überlebt und zeigte damit eindrücklich, wie die Pfahlbauer mit solchen Naturereignissen umzugehen wussten. Die Bauweise mit abgehobenem Boden, in Anlehnung an Befunde von der Halbinsel Riesi, stellte sicher, dass der Fussboden stets rocken blieb. Nicht einmal ein Starkregen am Tag der Einweihung am 28. Juni konnte dem Haus etwas anhaben. Als Schlusspunkt im Jubiläumsjahr veröffentlichte die Kantonsarchäologie ihren ersten Podcast. Er erzählt die Entdeckungsgeschichte der Aargauer Pfahlbauten nach und nimmt die Zuhörerinnen und Zuhörer in der letzten von fünf Episoden gar mit auf die Halbinsel Riesi im Hallwilersee. So sind sie mit dabei, als zum ersten Mal nach fast genau hundert Jahren wieder Archäologinnen und Archäologen auf der Riesi standen.

Die Aktivitäten

Medienberichte

Die Kantonsarchäologie als Fachstelle

Die Kantonsarchäologie kümmert sich um sämtliche archäologischen Belange im Kanton Aargau. Ziel ist, die archäologischen Grundlagen zur Rekonstruktionen unser aller Vergangenheit zu sichern. Damit ist die Kantonsarchäologie Hüterin und Fürsprecherin des Kulturerbes, sowie eine wissenschaftliche Fachstelle im Auftrag der Gesellschaft.

Aufgaben der Kantonsarchäologie