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Abteilung Kultur

Kantonsarchäologie Aargau

Weisser Bauhelm mit Logo des Kantons Aargau.
Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die Kantonsarchäologie ist eine Fachstelle mit der Aufgabe, archäologische Hinterlassenschaften zu schützen und zu erhalten oder vor ihrer unabwendbaren Zerstörung zu untersuchen und zu dokumentieren.

Unser Thema

Wir sind zuständig für dieses Thema.

Bauinvestitionen zerstören laufend unwiederbringlich Teile des archäologischen Bodenarchivs. Die gesetzliche Aufgabe der Kantonsarchäologie ist es, vor der Zerstörung die wichtigsten Informationen zu sichern und damit für künftige Generationen zu erhalten.

Aufgaben und Zuständigkeiten

Der archäologische Kreislauf
Visualisierung Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die Kantonsarchäologie besitzt im wesentlichen fünf Hauptaufgaben. Die primäre Aufgabe ist es, die archäologischen HInterlassenschaften im Kanton zu schützen und zu erhalten, und wenn immer möglich, im Boden zu belassen oder in der Bausubstanz zu erhalten. Wenn eine Erhaltung nicht möglich ist, führt die Kantonsarchäologie auf der Grundlage wissenschaftlcher Standards archäologische Untersuchungen durch mit dem Ziel, die archäologischen Befunde zu dokumentieren und die Funde sicherzustellen. Das Fundmaterial gesammelt, inventarisiert und aufbewahrt − als Wissensspeicher und Grundlage für die Forschung.

Erst durch die Auswertung und Erforschung dieser Grundlagen findet der eigentliche Erkenntnisgewinn statt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden der breiten Bevölkerung und der Forschung zugänglich gemacht und vermittelt. Das Wissen der Aargauerinnen und Aargauer um ihre Vergangenheit ist wiederum eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Erhaltung und den Schutz der archäologischen Hinterlassenschaften im Kanton.

Leitung und Team

Die Mitarbeitenden der Kantonsarchäologie stehen im Halbkreis vor einer archäologischen Mauer. Das Foto wurde von oben gemacht.
Die Mitarbeitenden der Kantonsarchäologie beim Teamausflug 2025 auf dem Altenberg BL. Foto: Kantonsarchäologie

Der Kanton Aargau ist seit mindestens 100'000 Jahren von Menschen bewohnt und blickt damit auf eine lange Kulturgeschichte zurück. Archäologisches Wissen stammt grösstenteils aus dem Boden − einem Archiv, das durch intensive Bewirtschaftung und Bautätigkeit stark gefährdet ist. Die Kantonsarchäologie kümmert sich um den Schutz dieses Bodenarchivs sowie den Erhalt, die Pflege und die Untersuchung der Hinterlassenschaften unserer Vorfahren. Über vielfältige und partizipative Vermittlungsangebote machen wir das archäologische Kulturerbe für die Bevölkerung zugänglich. Wir verdeutlichen die gesellschaftliche Relevanz der Archäologie und ermöglichen Zeitreisen durch die Geschichten unserer Geschichte − aus Überzeugung und mit Leidenschaft.

Der Kantonsarchäologe Thomas Doppler.
Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau
Thomas Doppler Kantonsarchäologe

Freiwillige der Kantonsarchäologie

Die Kantonsarchäologie beteiligt sich am Freiwilligenprogramm der Abteilung Kultur und bietet interessante Aufgaben in der Archäologie an. Der Einsatz für interessierte Freiwillige mit Wohnsitz im Kanton Aargau ist in allen fünf Aufgabenfeldern der Kantonsarchäologie möglich:

  • archäologische Untersuchungen
  • archäologische Feldbegehungen
  • Mitarbeit in der Archäologischen Sammlung
  • Unterstützung bei Forschungsprojekten
  • Mitarbeit bei Vermittlungsanlässen

Das freiwillige Engagement ist eine aktive Teilhabe im Einsatz für das archäologische Erbe des Kantons Aargau – unser gemeinsames Kulturerbe.

Partnerschaften

Offene Stellen

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42 Mitarbeitende teilen sich 29 Vollzeitstellen
3'700 Fundstellen im gesamten Aargau
150 Untersuchungen pro Jahr

Unser neustes Video

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Grosse Geschichten – das war 2025

Ausgrabungsstilleben: links ein mit Erde gefüllter Kessel, daneben Handschuhe und eine Spitzkelle. Auf dem blauen Kniekissen steht "Grosse Geschichten".
Bild Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

In quälend langsamer Zeitlupe reisst eine Baggerschaufel unerbittlich eine römische Mauer nieder. Die sorgsam aufeinander geschichteten Steine der Mauer, die fast 2000 Jahre überdauert hat, fallen nieder. Wandverputz bröckelt ab, in wenigen Minuten ist nur noch ein Haufen Schutt übrig von einem einstmals monumentalen römischen Gebäudekomplex. Ende Mai 2025 verschwinden die archäologischen Hinterlassenschaften im Steinacher in Gebenstorf, um einer grossen Wohnüberbauung Platz zu machen.

Es ist natürlich ein grosses Bedauern, dass die archäologischen Hinterlassenschaften abgebrochen werden, die Geschichte sind, die unsere Geschichte erzählen. Es gehört aber auch zu unserem Alltag als Archäologen, dass so etwas passiert. Wir wissen das. Wir sind darauf vorbereitet.

Thomas Doppler Kantonsarchäologe, in: "Rom an der Limmat" 2025
Blick auf die Ausgrabungsfläche in Gebenstorf, darüber sind in transparentem weiss drei Grossgebäude projiziert.
Visualisierung Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die grosse Ausgrabung in Gebenstorf hat die Kantonsarchäologie 2025 intensiv beschäftigt. Auf dem rund 4000 Quadratmeter grossen Areal waren erstaunlich gut erhaltene Überreste eines grossen Gebäudekomplexes erhalten. Dieser wurde gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. vermutlich durch die 11. Legion errichtet. Es handelte sich um einen Warenumschlagplatz am Ufer der Limmat, und womöglich gar ein politisches und rechtliches Zentrum. "Rom an der Limmat" war denn auch der Titel des Dokumentarfilms über die Ausgrabungen in Gebenstorf, der am 8. Dezember 2025 im Kino Odeon in Brugg Premiere feierte. Über 100 Gäste schauten sich Archäologie auf grosser Leinwand an. Und im darauffolgenden Monat schauten sich über 30'000 Menschen den Film auf youtube an, ein grossartiger Erfolg! Das zeigt: Die Aargauer Archäologie liefert immer wieder grosse Geschichten – auch wenn es sich um ganz kleine unscheinbare Funde handelt. In Gebenstorf konnte nämlich erstmals der Nachweis von römerzeitlichen Sardinen in der Schweiz erbracht werden. Diese Nachricht zog ihre Runden sogar über den grossen Teich und wurde in Kolumbien vermeldet. Doch auch diese grosse Ausgrabung in Gebenstorf war nur eine unter vielen.

Wir ziehen weiter auf die nächsten Baustellen. Im Moment läuft sehr viel im Kanton. Und wir werden dort weitermachen und genau gleich dokumentieren, wie wir es hier auch gemacht haben.

Thomas Doppler Kantonsarchäologe, in: "Rom an der Limmat" 2025

Das ist die Aufgabe der Kantonsarchäologie: von Baustelle zu Baustelle zu ziehen, um das archäologische Erbe des Kantons vor der Zerstörung zu dokumentieren und so für die Nachwelt zu erhalten – damit auch künftig grosse Geschichten erzählt werden können.

Was uns 2025 beschäftigt und bewegt hat

Schützen und erhalten

Schützen und erhalten

Archäologe macht eine Bohrung auf einem Feld.
Bohrungen im Lenzburger Lindfeld.

Ein grösseres Unterfangen fand 2025 seinen vorläufigen Anschluss. Das Projekt "Auf der Suche nach der verlorenen Stadt" hat die Kantonsarchäologie in den letzten fünf Jahren immer wieder im Lenzburger Lindfeld beschäftigt. Die im Boden erhaltene römische Kleinstadt wurde mit nicht invasiven Methoden in ihrer ganzen Dimension erfasst, um künftig ihren Schutz sicherstellen zu können. Die bisherigen geophysikalischen Untersuchungen lieferten einen dichten Siedlungsplan und lassen die kleine Stadt optisch aus dem Boden hervortauchen. Doch wie gut die Mauern der Gebäude noch im Boden erhalten sind, lässt sich mit geophysikalischen Methoden nicht feststellen. Deshalb führte die Kantonsarchäologie im letzten Jahr minimal invasive Bohrungen durch mit dem sogenannten Pürckhauer, einem Hohlmeisselbohrer. Damit konnten tatsächlich Proben von Gebäudemauern genommen werden. Im Weiteren kamen verschiedene Drohnen zum Einsatz, die LiDAR-Aufnahmen vom Lindwald machten, um zu prüfen, ob sich zwischen den Bäumen vielleicht noch weitere archäologische Überreste verbergen. Die Auswertungen laufen derzeit noch – es bleibt spannend.

Hervorgehoben:Auf der Suche nach der verlorenen Stadt

Auf einem grossen Feld in Lenzburg finden sich schon seit über 100 Jahren immer wieder Spuren aus der Vergangenheit. Es sind Überreste einer verlorenen Stadt, deren Namen niemand kennt. Neue Untersuchungsmethoden bringen die Stadt wieder zum Vorschein.

Untersuchen und dokumentieren

Untersuchen und Dokumentieren

Restaurator legt ein eisernes Schwert frei.
Blockbergung des Saxes in Auenstein.

Im Feld beschäftigte die Kantonsarchäologie nicht nur die Grossgrabung in Gebenstorf sondern auch die Grossgrabung in der Schürmatt in Kaiseraugst und die Grossgrabung an der Zürcherstrasse in Windisch – drei grosse Projektgrabungen prägten somit das Grabungsjahr 2025. Das forderte viel Energie, Planung, Aufmerksamkeit, Schweiss und Muskelkraft. Abseits von Vindonissa und Kaiseraugst, auf den Baustellen im Kanton, gab es aber ebenso zu tun. Der Zufall wollte es, dass im vergangenen Jahr viele Gräber zum Vorschein kamen, Befunde, die ansonsten in früheren Jahren nicht so oft angetroffen wurden. In Auenstein legte das Grabungsteam der Kantonsarchäologie im Mai 2025 eine Bestattung aus dem Frühmittelalter (7. Jahrhundert) frei. Der Mann trug im Grab einen Sax, ein typisches einschneidiges Hiebschwert, das in einer reich verzierten ledernen Scheide steckte. In Boswil kamen an der Bachstrasse neben mehreren Grubenhäusern des frühen Mittelalters (8./9. Jahrhundert) zwei Gräber ohne Beigaben zum Vorschein. In Baden dokumentierte das Grabungsteam bei Werkleitungssanierungen auf dem Kirchplatz im Juli 2025 über 40 Bestattungen. Diese gehörten vermutlich zum dort vom Frühmittelalter bis 1820 bestehenden Friedhof. Schliesslich kam kurz vor Weihnachten auf dem Kirchplatz in Zofingen beim Anlegen eines Pflanzlochs für einen Baum ein Massengrab zum Vorschein. Möglicherweise handelt es sich um Pesttote, die im 17. Jahrhundert dort beigesetzt wurden. Ganz besonders Bestattungen zeugen immer wieder von Geschichten, die vielleicht nicht ganz so gross sind, sondern eher klein, dafür aber berührend menschlich. So fand die Archäologin in Zofingen im Grab eines Kindes einen Anhänger, der das Kind wohl über den Tod hinaus schützen sollte.

Das Skelett, wo der Anhänger dabei war, ist ein Kind, und das hat ja jemand dieser Person mitgegeben auf den Weg in den Tod, ins Grab. Und das ist auch immer etwas, wo man sieht, man hat Sorge getragen zu diesen Menschen, man hat sie hingebettet und zurechtgelegt. Das ist jemand, der Angehörige hatte, die sich um ihn gekümmert haben. Und das ist eigentlich etwas Schönes, dass man dies auch sieht.

Jana Lingg Archäologin, SRF-Regionaljournal vom 20. Januar 2026

Die Grabungen

Die Zahlen

Grafik Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Sammeln und inventarisieren

Sammeln und inventarisieren

Grossflächige Partie von Wandmalerei, in den Farben ockergelb, schwarz und weiss-bunt gemustert.
Römische Wandmalerei geborgen in Gebenstorf.

Die Ausgrabungstätigkeit brachte 2025 nicht nur grossformatige, sondern auch grossartige Funde ins Restaurierungslabor und damit in die Archäologische Sammlung. Auf der Ausgrabung Gebenstorf wurden mehrere Partien von verstürztem Wandverputz geborgen, der vielfarbig bemalt war. Die Wandmalerei gehörte zu einem repräsentativen Bau und sollte teure Buntsteinplatten imitieren. Aussergewöhnlich waren auch mehrere Gewichtssteine – drei Stein- und zehn Bleigewichte – für römische Waagen, ein Klappmassstab sowie zahlreiche Schreibgriffel. Die Funde verdeutlichen den Bezug zu Handel und Verwaltung.

Das ist das erste Mal, dass wir wirklich so tolle Wandmalerei in so grossen Blöcken haben.

Barbara Ihrig Restauratorin, in: "Rom an der Limmat" 2025
Stark korrodiertes Eisenschwert in einem Gipsmantel auf einem Tisch liegend. Unten sind grünliche Bronzeniete zu sehen.
Saxgarnitur aus einem frühmittelalterlichen Grab in Auenstein.

Als besonderer Fund darf auch der frühmittelalterliche Sax aus Auenstein gelten. Das Schwert wurde mitsamt Scheidenresten und Gürtelteilen eingegipst und im Block geborgen. Der Block wurde geröntgt, damit man alle kleinen Metallobjekte, die im Block enthalten waren, lokalisieren und identifizieren konnte. Mit dem Röntgenbild als Orientierung wurden danach die einzelnen Bestandteile der Saxgarnitur im Restaurierungslabor freigelegt. Eine spannende und herausfordernde Arbeit! Das Resultat lässt sich sehen.

Erforschen

Erforschen

Rekonstruktionszeichnung des römischen Baden.
Die römischen Bäder am Limmatknie.

Mehrere grosse Forschungsprojekte der Kantonsarchäologie konnten 2025 entscheidend vorangebracht werden. Insbesondere aber kamen die Auswertungsarbeiten zu den Ausgrabungen in den Badener Bädern von 2009 bis 2020 zu einem Abschluss. Die Autorinnen und Autoren haben ihre Manuskripte weitgehend fertiggestellt, Abbildungen und Pläne wurden angefertigt, Kataloge und Listen verfasst. Ein Meilenstein in der archäologischen Geschichte der Badener Bäder ist erreicht. Im laufenden Jahr erfolgt nun der Publikationsprozess.

Hervorgehoben:Die Badener Bäder

Wissenschaftliche Auswertung der 2000-jährigen Geschichte der Badener Bäder.

Vermitteln

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Visual der Ausstellung Schatzfunde.
© HMB

Die grossen Geschichten der Aargauer Archäologie lassen sich am besten in bewegten Bildern festhalten und vermitteln. Das zeigte eindrücklich der Dokumentarfilm "Rom an der Limmat" über die Ausgrabungen in Gebenstorf. Innerhalb kürzester Zeit haben zehntausende Menschen von den Resultaten der Ausgrabung erfahren. Und die Kommentare zum Film auf youtube zeigen, dass die Archäologie einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung hat. Wir scheuen uns nicht, die Realität zu zeigen, auch wenn es ein zerstörender Bagger ist. Wir zeigen die Menschen und deren Leidenschaft für die Archäologie. Und wir sind überzeugt: dieser Funke springt über.

Ein grosses Ereignis prägte das Archäologie-Jahr 2025 ganz besonders: Die Erneuerung des sogenannten Römervertrags zwischen den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Aargau. Der Römervertrag wurde 1975 abgeschlossen und regelte den Schutz, die Erforschung und Vermittlung der antiken Stadt Augusta Raurica. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums wurde der Vertrag überarbeitet und an einem grossen Festakt feierlich neu unterzeichnet. Gleichzeitig eröffnete im Historischen Museum Basel die Ausstellung "Schatzfunde – versteckt verschollen, entdeckt", die als Höhepunkt den Kaiseraugster Silberschatz zeigt.

Das vergangene Jahr lieferte wahrlich grosse Geschichten: vom monumentalen römischen Gebäudekomplex an der Limmat, über den ersten Nachweis einer römerzeitlichen Sardine in der Schweiz bis zum grössten spätantiken Silberschatz – ein grossartiges Archäologie-Jahr.

Die Aktivitäten

Film

Bücher und Magazine

Ausstellungen

Veranstaltungen

Freiwilligenprogramm

Die Medienberichte