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Handlungsfelder

Wald und Holz als Kohlenstoffspeicher

Das Handlungsfeld hat zum Ziel, den Aargauer Wald nachhaltig zu erhalten und bezüglich CO₂-Aufnahmen zu optimieren. Zudem soll Holz als erneuerbarer und emissionsfreier Bau- und Werkstoff sowie als Energieträger vermehrt eingesetzt werden.

Im Aargauer Wald waren im Jahr 2018 rund 40 Millionen Tonnen CO₂ in Waldboden, Biomasse und Totholz gebunden. Dies entspricht den heutigen jährlichen inländischen Gesamtemissionen der Schweiz. Nebst dieser positiven CO₂-Senkenleistung kann das System Wald und Holz auch zu einer CO₂-Quelle werden, zum Beispiel durch Sturmschäden, Krankheiten oder wenn zu viel Holz genutzt wird. Es ist bedeutend, dafür zu sorgen, dass er nicht zur Quelle wird (EBP 2024 (PDF, 97 Seiten, 2,2 MB)).

Die Wald- und Holzwirtschaft kann zur Reduktion des CO₂ in der Atmosphäre beitragen: durch die Aufnahme von Kohlendioxid der Bäume, durch die Verarbeitung von Holz zu langlebigen Holzprodukten und dessen Nutzung als Energieträger anstelle von fossilen Brennstoffen.

Wird Holz als Bau- und Werkstoff genutzt, ersetzt es häufig emissionsreiche Materialien wie beispielsweise Beton, Stahl oder Kunststoffe. Zudem ist damit der Kohlenstoff für längere Zeit im Gebäudepark und in Holzwerkstoffen gebunden. Am Ende seiner Nutzungsdauer lässt sich Holz klimaneutral energetisch verwerten.

Zusätzlicher Nutzen:

Die Produktion des nachwachsenden lokalen Rohstoffs Holz führt zu kurzen Transportwegen und steigert die lokale Wertschöpfung. Der moderne Holzbau verfügt zudem über ein hohes Innovationspotenzial.

Schnittstellen

Die am 12. Dezember 2025 vom Bundesrat verabschiedete "integrale Wald- und Holzstrategie 2050" beinhaltet neu eine integrale Sicht auf die gesamte Wertschöpfungskette Wald und Holz. Die Strategie umfasst unter anderem das Ziel, dass der Wald und die Holzverwendung einen optimalen Beitrag zur Klima-, Energie- und Umweltpolitik leisten und so positiv zum Netto-Null-Ziel 2050 der Schweiz beitragen.

Stossrichtungen

Waldfunktionen gewährleisten

Der Wald ist ein dynamisches Ökosystem und kann – je nach Entwicklungsstadium und Art der Bewirtschaftung – sowohl als CO₂-Senke wie auch als CO₂-Quelle fungieren. Eine Kohlenstoffsenke ist er, solange er wächst und nachhaltig genutzt wird. Naturwaldreservate dienen durch den Verzicht auf Holznutzung ebenfalls als temporäre Kohlenstoffsenke.

Wird hingegen die Waldfläche durch Rodungen verkleinert, wird Wald zur Kohlenstoffquelle: Der gespeicherte Kohlenstoff wird in Form von CO₂ wieder an die Atmosphäre abgegeben.

Mit der Inkraftsetzung des teilrevidierten Aargauischen Waldgesetzes 2019 erfolgte ein Wechsel von dynamischen zu festen, statischen Waldgrenzen. Somit kann die rechtlich als Wald geltende Fläche nicht mehr zunehmen. Zudem ist laut der zweiten Aargauer Waldinventur 2016

das nachhaltige Holznutzungspotenzial im Kanton Aargau praktisch ausgeschöpft. So wächst in etwa die gleiche Holzmenge nach, wie genutzt wird, beziehungsweise auf natürlichem Weg abstirbt. Damit sind die Potenziale des Waldes zur Kohlenstoffspeicherung weitgehend ausgeschöpft.

Dennoch kann der Kanton Aargau durch qualitative Optimierung der Waldbewirtschaftung einen Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten. Ein Vorratsaufbau von Laubholz und eine verstärkte Nadelholznutzung erhöht den Kohlenstoffspeicher (Studie zur CO2-Wirkung des Aargauer Waldes (PDF, 97 Seiten, 2,2 MB)).

Neben seiner Rolle im Kohlenstoffkreislauf erbringt der Wald eine Vielzahl weiterer Leistungen, die unter dem Begriff Waldfunktionen zusammengefasst werden. Dazu zählen die Schutzfunktion (zum Beispiel vor Erosion, Steinschlag und Rutschungen), die Nutzfunktion (zum Beispiel die Nutzung des erneuerbaren Rohstoffs Holz) sowie die Wohlfahrtsfunktion (zum Beispiel als Erholungs-, Freizeit-, und Erlebnisraum). Zudem bietet der Wald einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten und trägt wesentlich zur Erhaltung der Biodiversität bei.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Das System Wald und Holz weist neben der positiven CO₂-Senkenleistung ein bedeutendes Kohlenstofflager auf (aktuell rund 42 Millionen Tonnen). Dies entspricht etwa den heutigen jährlichen inländischen Gesamtemissionen der Schweiz. Um dieses Kohlenstofflager zu erhalten oder zu vergrössern, kann der Kanton als grösster Waldeigentümer im Aargau einen wichtigen Beitrag leisten.

Mit der Förderung der Baumartenvielfalt, des Laubholzes und des Totholzes sowie einer bodenschonenden Holzernte kann ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung beziehungsweise Vergrösserung des gespeicherten Kohlenstoffs geleistet werden. Auch die Jungwaldpflege ist ein wichtiger Hebel, um die Waldentwicklung an den Klimawandel anzupassen und gleichzeitig mehr Kohlenstoff zu binden ( CO₂-Studie (PDF, 8 Seiten, 4,2 MB)).

Der Kanton Aargau, beziehungsweise die Revierförsterinnen und Revierförster, unterstützen private Waldeigentümerinnen und -eigentümer, um die nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Klimaschutz zu fördern (zum Beispiel Beratungsdienstleistungen und Förderbeiträge für die Jungwaldpflege, die Begründung klimafitter Waldbestände sowie die Ausscheidung von Altholzinseln).

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Holz als Bau- und Werkstoff verwenden und Kaskadennutzung fördern

Holz als Biomasse bietet den Vorteil, dass es vielseitig einsetzbar und – bezogen auf die energetische Verwertung – gut lagerfähig ist. Wird es als Bau- oder Werkstoff eingesetzt, ist nicht nur der Kohlenstoff über längere Zeit im Produkt gebunden, sondern es können dadurch in vielen Fällen CO₂-intensive Baumaterialien (zum Beispiel Zement, Stahl) oder erdölbasierte Materialen (zum Beispiel Kunststoffe) ersetzt werden.

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist bei jeglicher Nutzung von Holz eine Kaskadennutzung sinnvoll: zuerst als Bau- oder Werkstoff, anschliessend zur Herstellung von Span- und Faserplatten oder Papier. Erst am Ende seiner Einsatzmöglichkeiten – als nicht mehr wiederverwertbares Abfall- und Altholz – wird es energetisch genutzt. Mehrere Nutzungsstufen oder Kaskaden steigern so die Wertschöpfung, reduzieren den Ressourcenverbrauch und sorgen für eine langfristige CO₂-Bindung.

Eine direkte Verwendung von Holz als Energieträger ist vor allem für diejenigen Holzsortimente sinnvoll, die nicht auf andere Weise stofflich verwertet werden können. Lokale Wärmeverbünde zur Verwertung stofflich nicht nutzbarer Holzsortimente aus dem Wald überzeugen durch kurze Transportwege sowie die lokale, meist im ländlichen Raum anfallende Wertschöpfung. Schweizweit fielen 2023 bei der Verarbeitung von Stammholz 38 Prozent der verarbeiteten Holzmenge als Restmaterial an, das für die Energieproduktion oder als Industrieholz verwendet werden kann (Jahrbuch Wald und Holz 2025). In Zukunft werden auch das Recycling von Altholz und die Energiegewinnung aus Altholz an Bedeutung zunehmen. Obschon damit keine hochwertige Holzverwertung erfolgt, werden fossile Brennstoffe durch einen CO₂-neutralen Energieträger ersetzt.

Als nachwachsende und CO₂-speichernde Ressource kann Holz – bei einer nachhaltigen Nutzung der Wälder – in einer zukünftig postfossilen und zirkulären Wirtschaft eine zentrale Rolle spielen. In der sogenannten Bioökonomie werden fossile Ressourcen durch verschiedene nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Darunter sind alle Formen der Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe zu verstehen, zum Beispiel für die Papierherstellung, in der Möbelindustrie, Arzneimittelproduktion oder Lebensmittelverarbeitung. Mit der Entwicklung innovativer Produkte und Prozesse – zum Beispiel die Kombination von Holz mit anderen Materialien in Zusammenarbeit mit anderen Fachgebieten – können neue Anwendungsbereiche für Holz erschlossen werden.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton als Eigentümer von Liegenschaften und als Bauherr kann die Verwendung von Holz als Bau- und Werkstoff erhöhen. Grundlage dafür bilden der neue Holzförderartikel in der Aargauischen Waldgesetzgebung (AWaG, § 26b),die Strategie umweltAARGAU und die interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB 2019).

Die kantonale Verwaltung bekennt sich in seiner Roadmap Netto-Null 2040 für die kantonale Verwaltung zur verstärkten Nutzung von Holz als Baustoff, Werkstoff und – am Ende der Kaskade – auch als Energieträger. Dabei soll Holz bevorzugt stofflich genutzt werden. Bei der Beschaffung wird auf Holz aus nachhaltiger und naturnaher Waldbewirtschaftung geachtet, um zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beizutragen.

Zusätzlich können Anreizsysteme für die Verwendung von Holz bei privaten Bauten geprüft werden. Der Kanton kann beispielsweise die Baubranche motivieren, den Holzanteil in Konstruktion und Ausbau zu fördern, auf eine vermehrte Verwendung von Altholz im Ausbau zu setzen sowie Bauprodukte und Holzelemente wiederzuverwenden und dadurch den Anteil an energetischer Nutzung von Holz in jedem Nutzungszyklus zu reduzieren. Eine weitere Möglichkeit ist die Prüfung von Vorgaben zur Verwendung von Holz in Bauvorschriften.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene

  • Feinstaubemissionen bei der energetischen Nutzung von Holz können zu Konflikten mit der Luftreinhaltung führen.

Klima-Metrik

Die Klima-Metrik überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der Klimastrategie des Kantons.