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Bevölkerung

Menschenmenge. © Le Yen Ha

Bevölkerungsstand, Bevölkerungsbewegung und Migration

Informationen über die Wohnbevölkerung des Kantons Aargau stammen aus kantonalen Quellen sowie aus Quellen des Bundes. Dabei werden verschiedene Aspekte der Bevölkerung beleuchtet, die mit unterschiedlichen Methoden erhoben werden.

Die Bevölkerungszahlen können sich aufgrund der verschiedenen Datenquellen leicht unterscheiden.

Beschreibung der Datenquellen

  • Die Kantonale Bevölkerungsstatistik basiert auf dem kantonalen Einwohnerregister, welches die Gemeinden nachführen. Als ständige Wohnbevölkerung zählen seit dem 31.12.2012 die Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der jeweiligen Gemeinde und einer schweizerischen Staatsangehörigkeit oder einer ausländischen Staatsangehörigkeit und einer (kumulierten) Aufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten (Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung: Ausweis B, C, F oder EDA-Ausweis bei internationalen Funktionären, Diplomanten und ihren Familienangehörigen; Kurzaufenthaltsbewilligung: Ausweis L; Personen im Asylprozess: Ausweis N).
  • Informationen zur Bevölkerung und den Haushalten basieren auf der Registererhebung des Bundes (STATPOP) sowie auf Stichprobenerhebungen des Bundes (Strukturerhebung). In der STATPOP werden Informationen aus dem kantonalen Bevölkerungsregister und der ZEMIS sowie der BEVNAT kombiniert (s. unten).
  • Die Statistik der ausländischen ständigen und nicht ständigen Wohnbevölkerung aufgeschlüsselt nach Staatszugehörigkeit stammt aus dem Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) des Staatssekretariats für Migration SEM.
  • Die Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung beinhaltet Informationen über Todesfälle, Geburten sowie Eheschliessungen und stammt aus der gleichnamigen Bundesstatistik (BEVNAT).

Dynamik und soziodemografische Merkmale der Zu- und Wegwandernden

Wanderungsverhalten

Jährlicher durchschnittlicher Wanderungssaldo (2016–2020) nach letztem Wohnort. © Statistik Aargau
Jährlicher durchschnittlicher Wanderungssaldo (2016–2020) nach letztem Wohnort. © Statistik Aargau

Seit 2016 kommen jedes Jahr im Durchschnitt rund 25'200 Personen in den Kanton Aargau wohingegen 19'100 Personen diesen verlassen. Die stärkste interkantonale Dynamik findet mit Zürich statt, mit durchschnittlich 2'000 Nettozuzügen pro Jahr seit 2016. Auf internationaler Ebene ist der Wanderungssaldo mit Deutschland und Italien mit jeweils etwa 600 Nettozuzügen pro Jahr am höchsten. Die Nettozuzüge aus anderen Ländern der Welt kumulieren sich im Durchschnitt auf etwa 1'400 Personen, was kleiner als der interkantonale Wanderungssaldo mit Zürich ist.

Soziodemografische Merkmale der Zu- und Wegwandernden

Soziodemografische Merkmale der Wohnbevölkerung und der Zu- und Wegwandernden 2016–2020 (internationale und interkantonale Zuwanderung und interkantonale Wegwanderung, zwei Jahre nach dem Umzug). © Statistik Aargau
Soziodemografische Merkmale der Wohnbevölkerung und der Zu- und Wegwandernden 2016–2020 (internationale und interkantonale Zuwanderung und interkantonale Wegwanderung, zwei Jahre nach dem Umzug). © Statistik Aargau

Vergleicht man die Wohnbevölkerung mit den Zu- und Wegwandernden, so zeigt sich, dass die Zuwandernden und Wegwandernden ähnliche Profile aufweisen, während sie sich von der länger ansässigen Wohnbevölkerung unterscheiden. Personen, die vor zwei Jahren von anderen Kantonen oder Ländern zugezogen sind, oder in andere Kantone abgewandert sind, sind im Durchschnitt jünger, häufiger erwerbstätig und haben viel häufiger einen Universitätsabschluss als die Personen, die seit mehr als zwei Jahren im Kanton Aargau ansässig sind.

Unter den Zuwandernden und Wegwandernden sind 8 von 10 Personen erwerbstätig, während es unter der Wohnbevölkerung nur 6 von 10 Personen sind. Dieser Unterschied ist hauptsächlich auf die Altersstruktur zurückzuführen. Tatsächlich sind die Zuwandernden und Wegwandernden jünger (die Mehrheit ist zwischen 25 und 44 Jahre alt), während 21 Prozent der Wohnbevölkerung 65 Jahre oder älter sind. Etwa ein Viertel der Zu- und Wegwandernden hat einen Universitätsabschluss, während dies nur bei 13 Prozent der seit mehr als zwei Jahren ansässigen Bevölkerung der Fall ist. Fast die Hälfte der neu im Kanton Aargau ansässigen Erwerbstätigen arbeitet ausserhalb des Kantons, während es bei der Wohnbevölkerung nur ein Drittel ist.

Diese Ergebnisse werden auf der Grundlage der Strukturerhebung geschätzt, einer vom Bundesamt für Statistik (BFS) organisierten Umfrage, die jährlich an eine Stichprobe der über 15-jährigen Wohnbevölkerung der Schweiz gesendet wird. Da die ins Ausland abwandernden Personen keinen Fragebogen erhielten, ist es nicht möglich, die Merkmale der internationalen Wegwanderung zu untersuchen.

Umzugsgründe

Um die Gründe für Zu- und Wegzüge besser zu verstehen, wurde von der Aargauer Staatskanzlei im 2021 eine Wanderungsbefragung durchgeführt. Die häufigsten Umzugsgründe von Zu- und Wegwandernden waren eine Vergrösserung des Haushalts und eine Veränderung im Zusammenhang mit der Arbeit oder der Ausbildung. Wegwandernde verkürzten ihre Pendelzeit am neuen Wohnort ausserhalb des Aargau, während diese bei den Zuwandernden etwa gleich blieb. Sowohl Wegwandernde als auch Zuwandernde waren der Meinung, dass ihr Wohnraum im Kanton Aargau günstiger war und sie von einem niedrigeren Steuerfuss profitieren konnten als an ihrem Wohnort ausserhalb des Kantons Aargau. Die Wegwandernden waren jedoch der Ansicht, dass die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs, die Kinderbetreuungsangebote, die Freizeitangebote und der Zugang zu Dienstleistungen an ihrem neuen Wohnort besser sind als im Kanton Aargau. Der zusammenfassende Bericht ist verfügbar.

Aargauer Bevölkerungsprojektionen (Aktualisierung 2022)

Effektive (1990–2021) und projizierte kantonale Bevölkerung der Modelle AG2013 (2013–2040) und AG2020, Update 2022 (2022–2050) mit Projektionsbereich. © Statistik Aargau

Aktualisierte Bevölkerungsprojektionen

Im aktualisierten Modell AG2020 (Update 2022) wurde der zu Grunde liegende Beobachtungszeitraum auf 2013–2021 erweitert, um die neueste Bevölkerungsentwicklung zu berücksichtigen. Weiter wurden die Projektionen für die jüngsten Alterskohorten leicht verbessert (siehe Begleitbericht 2022). Fast wie im Vorgängermodell (AG2020, Update 2021) werden für den Kanton Aargau bis 2050 gut 906'000 Personen projiziert (Projektionsbereich 819'000–994'000), das heisst nur 1'000 Personen oder knapp 0,1 Prozent mehr als im Modell AG2020 (Update 2021).

Die Projektion von 2013 ging ab ca. 2025 von deutlich weniger Personen aus als die aktuelle Projektion. Das Referenzszenario (orange Linie) des Modells AG2013 liegt 2040 gerade noch im Projektionsbereich des Modells AG2020 (Update 2022), welches im Referenzszenario für 2040 von rund 36'000 zusätzlichen Personen ausgeht.

Die letzte Aktualisierung berücksichtigt die langfristige demografische Dynamik – das Baugeschehen und Ereignisse wie die Covid 19-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine werden in den Parametern nicht abgebildet.

Bevölkerungsprojektionen: Weitere Informationen

Hintergrundwissen Bevölkerungsentwicklung

Bisherige und mögliche zukünftige Bevölkerungsentwicklung für den Kanton Aargau bis 2050 gemäss Statistik Aargau (STAAG) und dem Bundesamt für Statistik (BFS). © Statistik Aargau
Bisherige und mögliche zukünftige Bevölkerungsentwicklung für den Kanton Aargau bis 2050 gemäss Statistik Aargau (STAAG) und dem Bundesamt für Statistik (BFS). © Statistik Aargau

Mit Bevölkerungsprojektionsmodellen werden Annahmen über die zukünftige Entwicklung der demografischen Parameter (das heisst Fruchtbarkeit, Sterblichkeit, Zu- und Wegwanderung) getroffen. Die modellierten Entwicklungen werden meist anhand von drei Zukunftsszenarien dargestellt. Dabei wird das plausibelste Szenario als Referenzszenario bezeichnet (die durchgezogenen Linien in der Abbildung). Die Bandbreite der möglichen Entwicklung wird oft von zwei gegensätzlichen Szenarien mit besonders starkem beziehungsweise schwachem Wachstum begrenzt (die transparenten "Trichter" um das Referenzszenario). Im 2020 wird das Bevölkerungsprojektionsmodell durch Statistik Aargau erneuert und voraussichtlich im Herbst publiziert.

Lernen aus der Vergangenheit

Anteil von Geburtenüberschuss (orange) und Wanderungsbilanz (blau) am jährlichen Bevölkerungswachstum der letzten Dekade. © Statistik Aargau

Die Abschätzung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung ist mit Unsicherheiten behaftet. So haben die älteren Modelle der Jahre 2002, 2009 und 2010 die Bevölkerungsentwicklung des Kantons Aargau zum Teil stark unterschätzt: Der aktuelle Bevölkerungsbestand des Kantons (2019: ca. 685'400 Einwohner/innen) wurde vom AG-2002-Modell um ca. 89'900 und vom BFS-2002-Modell um ca. 98'200 Einwohner/innen unterschätzt. Nur das wachstumsfreundlichste Szenario des BFS-2010-Modells kommt der effektiven Bevölkerungsentwicklung nahe. Die später entwickelten Modelle der Jahre 2013 und 2015 zeigen für das Referenzszenario bisher eine gute Übereinstimmung mit dem realisierten Aargauer Bevölkerungswachstum, allerdings ist die Vergleichsperiode mit 5 beziehungsweise 7 Jahren relativ kurz.
Ein Modell kann immer nur eine Annäherung an eine mögliche Zukunft sein, die von der Realisierung der zugrundeliegenden Annahmen abhängt. In Krisenzeiten reichen vergangene Trends jedoch nicht immer aus, um daraus Annahmen abzuleiten und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.
Von allen demografischen Modellparametern ist die Migration derjenige, der am schwierigsten abzuschätzen ist. Paradoxerweise ist es auch der Parameter, der den grössten Einfluss auf das Bevölkerungswachstum hat: So kann das Aargauer Bevölkerungswachstum der letzten 10 Jahre zu 77 Prozent durch Zuwanderung aus dem Ausland sowie aus anderen Kantonen erklärt werden.
Aufgrund der durch COVID-19 verursachten Wirtschaftskrise ist im Jahr 2020 mit einem Rückgang der Migration zu rechnen. Da es sich jedoch um ein Grossereignis ohne Vergleich in der jüngeren Geschichte handelt, ist der Verlauf der Pandemie und ihr Effekt auf die Wirtschaft und Bevölkerungsdynamik (noch) nicht "datengetrieben" zu modellieren. Die Daten für die erste Hälfte des Jahres 2020 werden helfen, die Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung besser zu verstehen und das Modell je nach Verlauf der Pandemie und ihren Effekt auf die Wirtschaft und die Bevölkerungsdynamik flexibel anzupassen.
Während das Bundesamt für Statistik seine Projektionen für die gesamte Schweiz und für jeden Kanton erstellt, projiziert Statistik Aargau die Bevölkerung unseres Kantons auch auf kleinräumiger regionaler Ebene. Die am schwierigsten zu schätzende demografische Komponente ist die Migration und ihre Verteilung innerhalb des Kantons. Statistik Aargau entwickelt ein neues Modell für die räumliche Feinverteilung der Migration.
Weiter wird für 2020 der Effekt der wirtschaftlichen Abkühlung auf den Wanderungssaldo geschätzt. Die Annahmen über die wichtige zukünftige Wanderungsentwicklung und allenfalls weitere Modellparameter sollen neu jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, um auch in unsicheren Zeiten möglichst verlässliche Schätzungen zu ermöglichen. Das neue Modell wird voraussichtlich im Herbst 2020 verfügbar sein.

Kantonale Bevölkerungsstatistik 2021

Geburtenüberschuss nach Nationalität im Kanton Aargau, 1980–2021. © Statistik Aargau

Die Bevölkerung im Kanton Aargau nahm im Jahr 2021 um 9'126 Personen zu (+1,3 Prozent). Per 31.12.2021 erreichte der Bestand der ständigen Wohnbevölkerung 703'186 Personen (521'499 Schweizerinnen und Schweizer, 181'687 Ausländerinnen und Ausländer). Der Ausländerteil beträgt somit 25,8 Prozent.
Im Jahr 2021 betrug der Geburtenüberschuss 1'897, während die Wanderungsbilanz 6'929 betrug. 2'565 Personen wurden eingebürgert.

Im Jahr 2021 sank einerseits die Zahl der Todesfälle leicht gegenüber dem Vorjahr (–2,5 Prozent), andererseits stieg die Zahl der Geburten (+7,1 Prozent). Bei der ausländischen Bevölkerung betrug die Zahl der Geburten 1'952 und jene der Todesfälle 673, was einen Geburtenüberschuss von 1'279 ergibt. Mit diesem Wert setzt sich der meist stabile Trend der letzten Jahre fort. Bei der schweizerischen Bevölkerung betrug die Zahl der Geburten 5'288 und jene der Todesfälle 4'670, was einen Geburtenüberschuss von 618 ergibt. Dies steht im starken Kontrast zum Tiefpunkt des negativen Geburtenüberschusses (–21) im Jahr 2020. Die Erholung der natürlichen Entwicklung bei der schweizerischen Bevölkerung zeigt eine Rückkehr auf das Niveau von vor der Covid-19-Pandemie, was sich auch im Geburtenüberschuss der Gesamtbevölkerung widerspiegelt.

Kantonale Bevölkerungsstatistik erstes Halbjahr 2021

Der Geburtenüberschuss (Geburten minus Todesfälle), die Wanderungsbilanz (Zu- minus Wegzüge) und die Bereinigungen (nicht dargestellt) ergeben die Veränderung des Totals. Dargestellt sind die Daten des ersten Halbjahrs 2021 nach Bezirken. © Statistik Aargau

Per 30. Juni 2021 zählte der Aargau 698'570 Einwohnerinnen und Einwohner

Die ständige Wohnbevölkerung im Kanton Aargau nahm während des ersten Halbjahrs 2021 um 4'510 Personen zu (0,65 Prozent). Die schweizerische Bevölkerung trug mit 1'878 Personen zu etwas mehr als 40 Prozent zu diesem Wachstum bei, die ausländische mit 2'632 Personen zu knapp 60 Prozent. Per 30. Juni 2021 erreichte damit der Bevölkerungsbestand im Kanton Aargau die Zahl von 698'570 (518'875 Schweizerinnen und Schweizer, 179'695 Ausländerinnen und Ausländer). Der Ausländeranteil beträgt neu 25,72 Prozent.

Alle Bezirke weisen ein positives Bevölkerungswachstum auf. Die grösste absolute Zunahme verzeichnet der Bezirk Zofingen (580 Personen) gefolgt von den Bezirken Bremgarten (558) und Kulm (502). Dagegen weisen die Bezirke Laufenburg (243 Personen), Rheinfelden (249) und Baden (293) die geringsten absoluten Bevölkerungszunahmen auf.

Kanton Aargau

Quelle: Kantonale Bevölkerungsstatistik und weitere, siehe Quellenangaben im jeweiligen Dokument

Gemeinden

Quelle: Kantonale Bevölkerungsstatistik

Bevölkerung und Haushalte

Quelle: STATPOP und Strukturerhebung, Bundesamt für Statistik

Bestand ausländische ständige und nicht ständige Wohnbevölkerung

Quelle: ZEMIS, Staatssekretariat für Migration SEM

Natürliche Bevölkerungsbewegung

Quelle: BEVNAT, Bundesamt für Statistik

Weitere Daten und Veröffentlichungen