Ökologische Infrastruktur
Die Ökologische Infrastruktur ist ein Netzwerk an natürlichen und naturnahen Flächen, die für den Erhalt der Biodiversität entscheidend sind. Die Fachgrundlage zur Ökologischen Infrastruktur im Aargau zeigt auf, wo die Natur bereits heute Vorrang hat und wo Lebensraumaufwertungen und die Schaffung von ökologischen Verbindungen besonders wichtig sind. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage für verschiedene Akteurinnen und Akteure und trägt so wesentlich dazu bei, die ökologische Vernetzung nachhaltig zu verbessern.
Fachgrundlage Ökologische Infrastruktur im Aargau
Der Bund strebt ein nationales Netzwerk an natürlichen und naturnahen Flächen an, die sogenannte Ökologische Infrastruktur. Mit der Strategie Biodiversität Schweiz, dem Landschaftskonzept Schweiz und dem internationalen Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) hat die Schweiz sich für den Erhalt der Biodiversität verantwortet. Denn die Vielfalt an Arten und Lebensräumen, geht seit Jahrzehnten stark zurück. Die aktuell noch vorhandenen geeigneten Lebensräume sind für den Erhalt zahlreicher Tier- und Pflanzenarten zu klein, zu isoliert oder von zu geringer Qualität. Dies gefährdet die langfristige Erhaltung der Biodiversität. Daher hat der Kanton Aargau mit der Fachgrundlage der Ökologischer Infrastruktur ein strategisches Planungsinstrument erarbeitet, welches eine gesamtheitliche Koordination zwischen Kanton, Gemeinde, Organisationen und Privaten ermöglicht.
Mehr Informationen:
- Umwelt Aargau Nr. 101 Fachgrundlage Ökologische Infrastruktur: Ein Werkzeug für die Biodiversität (S. 43-50)
- BAFU-Video: Ökologisch wertvolle Lebensräume fördern und vernetzen
- ecoinfra suisse: Kompetenzzentrum Ökologische Infrastruktur
Grundlage für die strategische Planung
Das Hauptprodukt der Fachgrundlage ist eine Fachkarte, die aufzeigt, wo bereits mit gezielten Massnahmen die grösste Wirkung erzielt werden kann.
Das Hauptprodukt der Fachgrundlage ist eine Fachkarte, welche bestehende natürliche und naturnahe Flächen, den Ist-Zustand (bestehend aus Kern- und Vernetzungsgebieten; Stand 2020) sowie die Schwerpunkträume im Aargau aufzeigt:
- Kerngebiete sind Flächen zum Schutz von Arten und Lebensräumen. Langfristig dienen sie als Reproduktions-, Entwicklungs- und Ausbreitungszentren für (Quell-)Populationen der vorkommenden Arten.
- Vernetzungsgebiete sind Flächen die Kerngebiete funktionell verbinden. Sie ermöglichen die Wanderungen zwischen Gebieten, die Wieder- und Neubesiedlung von Lebensräumen.
- Schwerpunktraum sind prioritäre Flächen mit hohem ökologischem Potential. Die Flächen beruhen auf Potentialmodellierungen, bestehenden Standortpotentialen und anderen relevanten Faktoren.
Die Fachkarte steht auf dem kantonalen Geoportal zur Verfügung: Onlinekarten
Einbezug bei kantonalen Umwelt-Programmen
Die erarbeitete Fachgrundlage Ökologische Infrastruktur wird in verschiedenen kantonalen Programmen als Planungsinstrument einbezogen. Bei der Abteilung Wald fliesst die Fachrgundlage Ökologische Infrastruktur in die Umsetzung der sechsten Etappe des Naturschutzprogramms Wald ein und bei der Abteilung Landwirtschaft in die Weiterentwicklung des Programms Labiola (Landwirtschaft – Biodiversität – Landschaft), wo sie unteranderem im Bereich Beratung integriert wird. In der Abteilung Landschaft und Gewässer fliesst die Fachgrundlage in zahlreiche Handlungsfelder der neuen Etappe von Natur2030 ein, zum Beispiel in die Pflege und Aufwertung von Schutzgebieten, in das kantonale Programm "Natur findet Stadt" oder in die Revitalisierungsplanung. Auch verschiedene Sanierungsprogramme des Kantons, beispielsweise zur Wiederherstellung von Wildtierkorridoren, bauen auf diesen Grundlagen auf. Auf kommunaler Ebene kann die Fachgrundlage, ähnlich wie im Landschaftsentwicklungsprogramm, bei der Entwicklung von Leitbildern und Sachplänen als wichtiges Werkzeug dienen. Ein erstes Pilotprojekt wurde im Rahmen des Landschaftsentwicklungsprogramms in Zusammenarbeit mit dem Regionalplanungsverband Lebensraum Lenzburg-Seetal umgesetzt.
Die Fachgrundlage der Ökologischen Infrastruktur deckt nicht alle Aspekte des Naturschutzes ab, z. B. die spezifische Artfenförderung. Dennoch unterstützt sie diese, indem sie eine erste Einschätzung zum Potenzial eines Standorts ermöglicht und damit wertvolle Hinweise für gezielte Massnahmen liefert. So trägt sie entscheidend dazu bei, die Funktionsfähigkeit und Vernetzung der Naturflächen im Kanton Aargau zu erhalten und zu stärken.
Die Ökologischen Infrastruktur in ihrer Vielfalt
Um der Vielfalt der Ansprüche verschiedener Arten gerecht zu werden, wurde mit Ökologischen Gilden gearbeitet. Die Gilden setzen sich aus verschiedenen Arten mit ähnlichem Lebensraum und Mobilitätsansprüchen zusammen. Wir unterscheiden insgesamt acht Gilden:
Die acht Gilde
Gilde A: Strukturgebundene, mobile Arten: Das Vorkommen und die Ausbreitung sind abhängig von einem Mindestmass an Strukturelementen. Da sich die Arten weitläufig bewegen, ist die Durchlässigkeit der Landschaft nebst vielfältigen Strukturen nötig.
Gilde B: An trockene, nährstoffarme Standorte gebundene Arten: Wichtig sind hier artenreiche Magerwiesen und -weiden sowie Trockenstandorte.
Gilde C1: An Fliessgewässer gebundene Arten: Das Spektrum ist breit, von Auenlebensräumen bis hin zu kleinen Wiesenbächen.
Gilde C2: An Feuchtgebiete gebundene Arten: Arten sind an Flach- und Hochmoore, Feuchtwiesen und kleine Stillgewässer gebunden.
Gilde D1: An geschlossene, alt- und totholzreiche Wälder gebundene Arten: Arten sind besonders auf grossflächige, altholzreiche Buchenwälder, Altholzinseln und einzelne Biotopbäume angewiesen.
Gilde D2: An lichte Wälder und Sonderstandorte gebundene Arten: Die Gilde lebt in strukturreichen Wäldern und Sonderstandorten.
Gilde E: An den Siedlungsraum gebundene Arten: Arten haben sich stark an den Siedlungsraum angepasst und sind davon abhängig.
Gilde F: An das offene Ackerland gebundene Arten: Arten, die von der offenen, weitläufigen Fläche im Ackerbaugebiet profitieren.
Zielarten der Ökologischen Infrastruktur (PDF, 4 Seiten, 507 KB)
Wanderausstellung zur Ökologischen Infrastruktur
Der Kanton Aargau möchte das vielseitige und neue Thema in die breite Bevölkerung tragen. Er hat dazu die mobile Ausstellung «Ökologische Infrastruktur – Ein Lebensnetz für den Aargau» lanciert. Diese informiert in sechs frei stehenden Modulen über die Vielseitigkeit der Ökologischen Infrastruktur im Kanton Aargau.
Gemeinden, Firmen oder weitere Interessierte können die Ausstellung buchen. Idealerweise steht sie für mindestens eine bis maximal drei Wochen an Standorten mit viel Publikumsverkehr. Der Kanton Aargau unterstützt die Standorte finanziell grosszügig. Koordination und Ausleihe der Ausstellung erfolgen über das Naturama.
Informationen zum Tourneeplan und Anmeldung für eine Buchung