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Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung

Das Handlungsfeld zielt darauf ab, Siedlungen – Städte, Agglomerationen, aber auch ländlichere Gemeinden – und einzelne Gebäude so zu gestalten, dass sie trotz zunehmender Hitzebelastung und hoher baulicher Dichte eine gute Aufenthalts- und Wohnqualität bieten.

Die zunehmende Hitze wirkt sich im Siedlungsgebiet besonders stark aus. An heissen Sommertagen ist die Temperatur hier bis zu zehn Grad höher als in der umgebenden Landschaft – eine Belastung für Mensch und Umwelt. Wichtige Massnahmen gegen diesen Wärmeinseleffekt in dicht bebauten Gebieten sind die Förderung von Begrünungen (Fassaden, Dächer, Innenhöfe, Freiflächen) und Beschattungen durch Bäume. Zudem muss eine gute Durchlüftung sichergestellt werden. Die Schaffung von Grün- und Freiräumen, von unversiegelten Flächen und die Nutzung von Wasser als kühlendes Element in der Siedlung sind dabei zentrale Aspekte. Hierbei gilt es Synergien mit der Förderung der Artenvielfalt und der Vernetzung biodiversitätsfreundlicher Flächen im und angrenzend an das Siedlungsgebiet zu nutzen.

Handlungsfeld

In Gebieten mit einem hohen Versiegelungsgrad und einem grossen Anteil an Verkehrsflächen – vor allem in Agglomerationen und Städten – wird die sommerliche Hitzebelastung durch den Wärmeinseleffekt zusätzlich verstärkt. Der Wärmeinseleffekt beschreibt das spezielle Mikroklima von grösserer Erwärmung tagsüber und reduzierter Abkühlung nachts. Ursachen sind eine eingeschränkte Luftzirkulation, ein höherer Absorptionsgrad der Sonnenstrahlung aufgrund des hohen Anteils versiegelter Flächen und der verwendeten Baumaterialien, zusätzliche Abwärme von Verkehr, Industrie und Gebäuden sowie fehlende Grünflächen und Beschattung (Klimabedingte Risiken und Chancen, Bundesamt für Umwelt, 2017). Der Temperaturunterschied zwischen Städten und ländlicher Umgebung kann bis zu zehn Grad Celsius betragen und ist nachts am stärksten ausgeprägt. Aber auch in kleineren Gemeinden können lokale Hotspots zu deutlichen Temperaturunterschieden führen und die Aufenthaltsqualität massiv beeinträchtigen. Die grösseren Hitzebelastungen führen gemäss dieser Studie unter anderem zu einer Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit (Dehydrierung, Herzkreislaufprobleme usw. bis hin zum Hitzetod), zu negativen Hitzeauswirkungen auf Tiere und Pflanzen, Leistungseinbussen bei der Arbeit und in der Schule, sowie einem zunehmenden Kühlenergiebedarf.

Hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen

Gemäss aktuellen Projektionen werden bis 2040 im Kanton Aargau fast 200'000 Menschen mehr leben als im Jahr 2012. Das projizierte Bevölkerungswachstum will der Kanton Aargau bewusst auf die Kernstädte und urbanen Entwicklungsräume lenken (vgl. Planungswegweiser: 2. Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung ). Hier leben bereits heute rund 300'000 Menschen, was 50 Prozent der Aargauer Bevölkerung entspricht. Ein wesentlicher Bestandteil der hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen ist dabei der Erhalt und die Aufwertung von bestehenden Freiräumen, beziehungsweise die Schaffung von neuen attraktiven Freiräumen. Hier gilt es, die Synergien des Raumplanungsgesetzes mit einer hitzeangepassten Siedlungsentwicklung bewusst zu nutzen.

Städte und Agglomerationen, aber auch ländlichere Gemeinden sind so zu gestalten, dass sie trotz zunehmender Hitzebelastung und hoher baulicher Dichte eine gute Aufenthalts- und Wohnqualität bieten. Wichtige Massnahmen gegen die Überhitzung dicht bebauter Gebiete sind die Förderung von Begrünungen (Fassaden, Dächer, Innenhöfe, Freiflächen) und Beschattungen durch Bäume, die Sicherstellung einer guten Durchlüftung, die Vernetzung von Grün- und Freiräumen, die Schaffung von unversiegelten Flächen und die Nutzung von Wasser als kühlendes Element in der Siedlung. Hierbei gilt es Synergien mit der Förderung der Artenvielfalt und der Vernetzung biodiversitätsfreundlicher Flächen im und angrenzend an das Siedlungsgebiet zu nutzen.

Zusätzlicher Nutzen

Eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung weist zahlreiche Synergien auf: Mit einer hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen werden besonders wertvolle Freiräume erkannt, gesichert und aufgewertet. Sie erhöhen die Aufenthaltsqualität und damit auch die Arbeits- und Lebensqualität für die Bevölkerung, haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und fördern die Artenvielfalt im Siedlungsgebiet. Die Entsiegelung von Flächen ermöglicht eine natürliche Wasserversickerung und -retention. Das kann – neben der kühlenden Wirkung – bei Starkregenereignissen Abflussspitzen brechen und zur Entlastung der Kanalisation beitragen. Bäume tragen neben der Kühlung von Strassen- und Parkierungsflächen auch zu einer besseren Luftqualität bei, indem sie Schadstoffe aus der Luft filtern. Eine klimabewusste Aussenraumgestaltung hat auch einen positiven Einfluss auf das Innenraumklima, weil Fassadenbegrünungen oder Baumpflanzungen die Sonneneinstrahlung und die Fassadenerwärmung reduzieren.

Schnittstellen

Stossrichtungen

Klimaanpassungsmassnahmen in der Siedlungsentwicklung ermöglichen und fördern

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen bebauten und unbebauten Flächen mindert den Wärmeinseleffekt und schafft gleichzeitig attraktive Begegnungs- und Erholungsräume. Gut durchgrünte, vielseitig nutzbare öffentliche oder gemeinschaftliche Freiräume verbessern nicht nur die Aufenthaltsqualität im Freien und die Lebens- und Wohnqualität in der Gemeinde, sie sorgen auch für ein angenehmes Lokalklima und bieten Möglichkeiten, biodiversitätsfreundliche Flächen für die Artenvielfalt zu schaffen. Für wenig mobile Menschen wie Kinder oder ältere Menschen sind solche Freiräume im direkten Wohnumfeld besonders wichtig. Für diese sensiblen Zielgruppen ist auch die Verringerung der Hitze von besonderer Bedeutung.

Eine zentrale Rolle spielt das klimatische System innerhalb des Siedlungsraums (vgl. Klimakarten): Intakte, funktionierende klimatische Systeme tragen zur Kühlung bei und helfen, die Wärmebelastung im Siedlungsgebiet zu senken. Die massgeblichen Elemente des klimatischen Systems sind zum einen Entstehungsgebiete von Kaltluft, die meist ausserhalb der Siedlungen liegen, zum anderen Frischluftkorridore und Kaltluftleitbahnen, durch die frische, kühle Luft in das Siedlungsgebiet gelangt.

Der zweite wichtige Aspekt sind die "grünen" und "blauen" Infrastrukturen (Grünräume beziehungsweise Wasserflächen) im Siedlungsraum; siehe nachfolgende Stossrichtung "Qualität der Freiräume bezüglich Hitzeanpassung im Wohn- und Arbeitsumfeld erhöhen".

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Handlungsspielraum und Kompetenzen hat der Kanton insbesondere bei der Beratung von Gemeinden und Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, durch die Anpassung der gesetzlichen Grundlagen (Richtplan, Baugesetz, Bauverordnung) und eine angemessene Berücksichtigung von klimarelevanten Aspekten im Rahmen von Strassenbauprojekten oder der Vergabe von Geldern aus der Mehrwertabgabe. Zudem kann der Kanton Projekte im Rahmen des Programms Natur 2030 umsetzen. Mit der Programmvereinbarung Landschaft stehen Bundesmittel für Massnahmen zugunsten von Biodiversität und Landschaftsaufwertung bei Agglomerationsprogrammen zur Verfügung.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Qualität der Freiräume bezüglich Hitzeanpassung im Wohn- und Arbeitsumfeld erhöhen

Eine wichtige Ergänzung zu den grossen, öffentlichen Erholungs- und Entlastungsräumen und Naherholungsgebiete wie Wälder und Gewässerabschnitte sind aus Sicht des Siedlungsklimas die kleineren und mittelgrossen Grünräume. Vorgärten, Gärten, Bäume, Wiesen und Pflanzflächen, Bäume vor Fassaden, Fassaden- und Dachbegrünungen, grüne Verkehrsinseln, Verkehrsbegleitflächen und andere Grünelemente bereichern den Siedlungsraum nicht nur visuell. Eine gute Durchgrünung, also ein möglichst dichtes Netz an standortgerechten Vegetationselementen, hilft auch, die Hitze im Siedlungsgebiet zu reduzieren. Dass diese häufig privaten oder halböffentlichen Grünräume unmittelbar zwischen den Baukörpern am Wohn- und Arbeitsort liegen, macht ihren besonderen Wert aus – einerseits, da diese Orte mit kühlender Wirkung in der Siedlung gut verteilt sind; andererseits, da sie innert kurzer Zeit gut zu Fuss erreichbar sind. Darüber hinaus verbessern sie grundsätzlich die Naturwerte im Siedlungsraum. Sie vernetzen Grünräume und Lebensräume und erhöhen die Biodiversität – insbesondere, wenn einheimische Arten verwendet werden.

Wasser trägt zur Kühlung bei

Wesentlich für das Siedlungsklima sind auch die "blauen" Flächen. Wasser trägt besonders an Hitzetagen zur Kühlung des Siedlungsraums bei. Offene, bewegte Wasserflächen und natürliche Gewäs-ser kühlen durch die Verdunstung auch ihre Umgebung und sind daher wichtig für den Temperaturausgleich. Daneben haben sie auch eine wichtige Funktion für die Biodiversität und die ökologische Vernetzung. Gewässer sind daher im Rahmen von Planungs- und Baumassnahmen zu erhalten, aufzuwerten und, wo sie noch eingedolt sind, möglichst zu öffnen. An geeigneten Orten können zudem künstliche Wasserelemente zur Kühlung eingesetzt werden. Auch Trinkbrunnen können eine sinnvolle ergänzende Massnahme sein.

Öffentliche Freiräume als kühle Orte

Öffentliche Freiräume in unmittelbarer Nähe von Wohnungen und Arbeitsplätzen (Parks, Friedhöfe oder sogar Wälder) sollen als Erholungs- und Entlastungsräume gesichert werden. In Hitzeperioden stehen diese kühleren Orte der Bevölkerung dank ihrer Aufenthaltsqualität als Erholungsraum zur Verfügung. Nachts tragen sie als siedlungsinterne Kaltluftentstehungsgebiete zur Abkühlung bei (siehe Stossrichtung "Klimaanpassungsmassnahmen in der Siedlungsentwicklung ermöglichen und fördern"). So lässt sich beispielsweise durch Begrünung und Baumschatten die gefühlte Temperatur am Tag um über 8 Grad Celsius senken, wie im Leitfaden Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung beschrieben.

Sickerfähige (d.h. unversiegelte) und begrünte Oberflächen sind ein weiteres zentrales Element. Sie speichern weniger Hitze und ermöglichen ein Versickern von Regenwasser im Boden. Wird dieses Wasser zudem zur Bewässerung von Pflanzen genutzt, so verstärkt deren Verdunstung den kühlenden Effekt. Ausserdem bieten solche Flächen vielfältige Möglichkeiten für die Förderung der Biodiversität und die Lebensraumvernetzung für die Artenvielfalt (namentlich Pflanzen und Insekten).

Damit Bäume und Grünflächen ihre Wirkung entfalten können, sind gute Standort- und Wachstumsbedingungen sowie die Wahl von standortgerechten Arten von zentraler Bedeutung. Empfehlenswert ist beispielsweise die Verwendung von hitze- und trockenheitsresistenten einheimischen Pflanzenarten. Bäume benötigen genügend Wurzelraum und sollten wann immer möglich Zugang zum gewachsenen Boden haben (Problematik Unterbauung). Das kann den Bewässerungsbedarf erheblich reduzieren und die Lebensdauer der Pflanzen erhöhen.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Die Handlungsspielräume und Kompetenzen des Kantons liegen vor allem bei den Vorgaben im Richtplan, in der Beratung der Gemeinden in der Nutzungs- und Sondernutzungsplanung und Vorgaben an die Gemeinden im Rahmen von Gestaltungsplänen/Sondernutzungsplanungen. Zudem werden Massnahmen im Rahmen des Programms Natur 2030 umgesetzt. Im Rahmen der NFA-Programmvereinbarung Landschaft stehen Bundesmittel für Massnahmen zugunsten von Biodiversität und Landschaftsaufwertung im Rahmen der Agglomerationsprogramme zur Verfügung.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Bezüglich Biodiversität und Vernetzung siehe auch Handlungsfeld Klimaresiliente Ökologische Infrastruktur
  • Unversiegelte und begrünte Flächen ermöglichen Regenwasserversickerung und -retention und entlasten die Abwassersysteme, siehe auch Handlungsfeld Wasserspeicherung und klimaresilientes Trinkwasser- und Wassermanagement, Stossrichtung "Wasserrückhaltung in Siedlung und Landschaft"
  • Bezüglich Freiräume siehe auch Handlungsfeld Klimaresilientes Waldmanagement, Stossrichtung "Synergien zwischen Wald als Lebens- und Erholungsraum identifizieren und Konflikte lösen"
  • Mit der Siedlungsentwicklung nach innen ergibt sich die Chance, Grün- und Freiräume nachhaltig zu entwickeln und Synergien zu nutzen: Gut gestaltet und bewirtschaftet, bieten sie der Bevölkerung attraktive Aufenthaltsorte für Freizeitaktivitäten und Erholung, fördern die Biodiversität und tragen zur Klimaanpassung bei.
  • Ortsbild und Identität: Im Sinne einer hochstehenden Baukultur sind wertvolle historische Ortsbilder zu erhalten und zu stärken. Neben der geschützten historischen Substanz sind vorhandene Grünstrukturen, Freiräume, unversiegelte Vorplätze, Gärten, Brunnen, Streuobstwiesen oder offene Bäche prägende Elemente des Ortsbilds.
  • Die Aktion Klimaoase animiert und unterstützt Aargauer Gemeinden, vermehrt Bäume im Siedlungsgebiet zu pflanzen. Die Idee wird mit gemeinsamen Baumpflanzaktionen von Gemeinde zu Gemeinde weitergetragen.
  • Der Kanton stellt diverse Hilfsmittel zur klimaangepassten Siedlungsentwicklung zur Verfügung: die Klimaanalyse- und Klimakarten, den Klimawandel-Check für Gemeinden und den Leitfaden Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung

Bei Um- und Neubauten von Gebäuden sommerlichen Hitzeschutz fördern

Neubauten sind zwar gut gedämmt, weisen oft aber grosse Fensterflächen auf. Hier ist Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung mittels aussenanliegendem Sonnenschutz essenziell (zum Beispiel gemäss Minergie-Standard). Diese sogenannte passive Gebäudekühlung umfasst aussenanliegende Sonnenblenden, Dämmung, Fassadenbegrünung. Solche Massnahmen benötigen keine Energie für den Betrieb und sind deshalb der aktiven Gebäudekühlung (Klimaanlagen) zu bevorzugen.

Technische Lösungen am Gebäude sollen wann immer möglich mit Massnahmen am Gebäude (begrünte Fassaden, "blau-grüne" Dächer) und in der direkten Umgebung (zum Beispiel Beschattung durch Bäume, offene Wasserflächen) ergänzt werden. So können Fassadenbegrünungen oder Baumpflanzungen im Sommer durch gezielte Beschattung die Sonneneinstrahlung reduzieren und die Fassadenerwärmung mindern. Beides verringert den Bedarf an zusätzlicher Innenraumkühlung und verbessert die Wohn- und Arbeitsraumqualität. Im Winter, wenn die Pflanzen laubfrei sind, kann Sonnenlicht in das Gebäude eindringen und einen Beitrag zur Wärmegewinnung leisten. Auch Dachbegrünungen können durch Beschattung und Dämmwirkung zu einem guten Raumklima und Energieeinsparungen bei der Klimatisierung beitragen. Bei der energetischen Planung von Gebäuden sind daher technische Massnahmen am Gebäude und Massnahmen im Freiraum gleichermassen zu berücksichtigen und aufeinander abzustimmen.

Ein wichtiger Aspekt ist das Verhalten der Nutzer, die sich oft nicht "hitzekonform" verhalten (zum Beispiel offene Fenster bei hoher Aussentemperatur). Dieses Verhalten kann nur durch gezielte Information beeinflusst werden. Ausserdem lässt sich der Energieverbrauch unter anderem auch steuern, indem der Temperaturunterschied von gekühlten (beziehungsweise im Winter beheizten) Räumen zur Umgebungstemperatur möglichst klein gehalten wird.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Handlungsspielraum hat der Kanton in erster Linie in regulatorischer Hinsicht (Baugesetz/Bauverordnung) und bei den eigenen Gebäuden. Da Baugesuchsverfahren in der Kompetenz der Gemeinden sind, liegt der Fokus bei den übrigen Gebäuden bei der Sensibilisierung und Vorbildfunktion. Im Rahmen der Sondernutzungsplanungen können beispielsweise entsprechende Energiestandards, eine Einschränkung der unterirdischen Baufelder oder eine höhere Freiraumqualität usw. gefordert werden.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Sommerlicher Hitzeschutz hilft den Energiebedarf für Gebäudekühlung zu reduzieren und ist eng verknüpft mit dem Klimaschutz, siehe Handlungsfeld Ressourcenschonender, energieeffizienter und CO₂-freier Gebäudepark, Stossrichtung "Integrale Betrachtung von Gebäuden weiterentwickeln und umsetzen"
  • Fassadenbegrünungen oder Baumpflanzungen sorgen für ein angenehmes Innenraumklima, indem sie durch gezielte Beschattung die Sonneneinstrahlung reduzieren und die Fassadenerwärmung mindern. Siehe Stossrichtung "Qualität der Freiräume bezüglich Hitzeanpassung im Wohn- und Arbeitsumfeld erhöhen".

Hitzebelastung durch Verkehrsflächen vermindern

Verkehrsinfrastrukturen nehmen in unseren Siedlungen viel Raum ein. Meist sind diese Flächen versiegelt – im Allgemeinen mit dunklen Belägen, die viel Wärme speichern und Verdunstung verunmöglichen. Daher tragen sie wesentlich zum Wärmeinseleffekt bei. Hellere Beläge, Beschattung, Kühlung durch Wasser und Entsiegelung können der Überhitzung der Verkehrsinfrastrukturen und damit der Wärmebelastung im Siedlungsgebiet entgegenwirken. Zugleich beugen diese Massnahmen Hitzeschäden an der Infrastruktur vor.

Der bewusste Umgang mit Verkehrsräumen und ihre sorgfältige Gestaltung können einen wichtigen Beitrag zur Hitzereduktion leisten. Strassenbreiten sind auf das notwendige Minimum zu beschränken. Empfehlenswert ist die Förderung von strassenbegleitenden Grünstreifen und Bäumen. Rand- und Parkierungsflächen sollten wo immer möglich entsiegelt werden. Diese Massnahmen tragen neben ihrer klimatischen Wirkung auch zu attraktiveren Strassenräumen bei. Häufig sind zudem Synergien mit Belangen des Ortsbildschutzes möglich.

Zusätzlich können beschattete Fuss- und Velowegverbindungen zu einer Verbesserung beitragen: Um eine gute Erreichbarkeit von Wohn- und Arbeitsorten sowie Erholungsräume sicherzustellen, ist nicht nur die Distanz, sondern auch die Gestaltung der Wegverbindungen wichtig, insbesondere auch für hitzesensible Personen (zum Beispiel Schulweg). Grundsätzlich steigern attraktive Verbindungen mit genügend Schatten und einer hohen Aufenthaltsqualität die Nutzungsintensität von Erholungsräumen. Bestehende Fuss- und Velowege sind entsprechend aufzuwerten und das Wegenetz ist zu ergänzen.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann Massnahmen zur Verringerung von versiegelten Flächen prüfen und im Rahmen von Strassenbauprojekten umsetzen. Der Handlungsspielraum bewegt sich innerhalb des Kantonsstrassennetzes und bei Velowegen. Gegenüber Gemeinden kann der Kanton sensibilisieren, beraten und Anreize schaffen.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Entsiegelung der Flächen ermöglicht eine natürliche Wasserversickerung und -retention. Das Regenwasser wird gespeichert und kann bei Starkregenereignissen Abflussspitzen brechen. Siehe Handlungsfeld Wasserspeicherung und klimaresilientes Trinkwasser- und Wassermanagement, Stossrichtung "Wasserrückhaltung in Siedlung und Landschaft erhöhen"
  • Synergie mit Biodiversitätsförderung, indem das Potenzial der Verkehrsbegleitflächen für die Förderung der Artenvielfalt und Vernetzung naturnaher Lebensräume genutzt wird. Siehe Handlungsfeld Klimaresiliente Ökologische Infrastruktur, Stossrichtung "Ökologisch wertvolle Lebensräume fördern, aufwerten und vernetzen"
  • Ortsbild und Identität: Im Sinne einer hochstehenden Baukultur sind wertvolle historische Ortsbilder zu erhalten und zu stärken. Neben der geschützten historischen Substanz sind vorhandene Grünstrukturen, Freiräume, unversiegelte Vorplätze, Gärten, Brunnen, Streuobstwiesen oder offene Bäche prägende Elemente des Ortsbilds.

Klima-Metrik

Die Klima-Metrik überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der Klimastrategie des Kantons, die aus Klimakompass und Massnahmenplan besteht. Die übergeordneten Ziele im Bereich Klimaanpassung sind die Reduktion klimabedingter Risiken bzw. die Nutzung von Chancen, ein verbesserter Umgang mit den klimabedingten Risiken und/oder eine gesteigerte Anpassungsfähigkeit der Systeme. Bei den Indikatoren wird zwischen Impact-Indikatoren (= Auswirkungen des Klimawandels) und Response-Indikatoren (= Wirkung einer Anpassungsmassnahme) unterschieden.

Impact Indikator: Anzahl Hitzetage

Der Indikator gibt für die Messstation Buchs-Aarau an, an wie vielen Tagen im Jahr die Temperatur 30°C oder höher ist. Zusätzlich ist ein fliessendes Mittel (2-Jahres-Durchschnitt) und eine lineare Trendlinie dargestellt.

Datenquelle: Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz 2024

Anzahl Hitzetage pro Jahr (Messstation Buchs-Aarau) 1990 bis 2022.

Response Indikator: Anteil grüner und blauer Infrastrukturen an der Baugebietsfläche

Der Indikator zeigt den Anteil an grünen und blauen Flächen an der Baugebietsfläche des Kantons gemäss amtlicher Vermessung. Die Baugebietsfläche bezeichnet die Flächen innerhalb der Aussengrenzen der Bauzonen inklusive Strassen und Gewässer. Der Indikator gibt einen Hinweis auf den Anteil unversiegelter Fläche im Siedlungsgebiet. Allerdings ist zu beachten, dass Gartenflächen den gesamten Hausumschwung beinhalten und somit auch versiegelte Flächen (wie z.B. Sitzplätze und Garageneinfahrten) miteingerechnet werden.

Datenquelle: Amtliche Vermessung Kanton Aargau, 2024

Anteil grüner und blauer Infrastrukuren an gesamter Baugebietsfläche. Aufgeteilt in die Kategorien Gartenflächen, Wiesen und Weiden, bestockte Flächen, Gewässer stehend, Gewässer fliessend und Schilfgürtel gemäss amtlicher Vermessung.

Erläuterung zu den Kategorien gemäss amtlicher Vermessung (Richtlinie amtliche Vermessung):

  • Gartenflächen: Freizeitgärten, Parkanlagen, Kinderspielplätze, Gebüsche, Gartenbestockungen, Gartengebüsche, Rasen, Hausumschwung.
  • Wiesen und Weiden: Flächen, die in eine Fruchtfolge einbezogen sind, der Futtergewinnung oder als Weide dienen. (sind in kleinem Umfang auch innerhalb der Baugebietsgrenzen vorhanden)
  • Bestockte Flächen: Weidwälder und Selven (Kastanienselven, Nussbaumselven), forstliche Hecken, Bestockungen von Ufer- und Bachzonen, Mischzonen zwischen Wald und Weide/Fels/Geröll
  • Gewässer stehend: Seen, Weiher und Biotope (sehr kleine Flächen, kaum sichtbar in Grafik)
  • Gewässer fliessend: Flüsse, Bäche und Kanäle (sehr kleine Flächen, kaum sichtbar in Grafik)
  • Schilfgürtel: mit Schilf bedeckte Flächen, die den Übergang zwischen dem offenen Gewässer und der landseitigen Bodenbedeckung bilden. Das heisst der Schilfgürtel beinhaltet Schilf, das vorwiegend im Wasser wächst. In der Gewässerfläche stehende isolierte Schilfbestände werden nicht erhoben. (sehr kleine Flächen, kaum sichtbar in Grafik)