Die Zivilschutzausbildung

Die allgemeine Grundausbildung (AGA) und die funktionsbezogene Grundausbildung (FGA) im Zivilschutz dauern insgesamt zwölf Tage. Danach können verschiedene Zusatz- und Kaderausbildungen absolviert werden.

Grundausbildung

Zwei aufeinanderfolgende Ausbildungsmodule

Eine Darstellung der Zusammensetzung der Grundausbildung. Bild vergrössern
© Kanton Aargau

Um einen möglichst breiten Einsatz zu ermöglichen, werden die Schutzdienstpflichtigen in einer Grundfunktion ausgebildet: Stabsassistent, Betreuer (Schutz und Betreuung), Pionier (Unterstützung), Anlagewart, Materialwart oder Koch. Die Grundausbildung besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Ausbildungsmodulen: Einer allgemeinen Grundausbildung (AGA) und einer funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA). Da die Schutzdienstpflichtigen ein breites Aufgabenspektrum abdecken, dauern die allgemeine und funktionsbezogene Grundausbildung zusammen zwölf Tage. Die Dienstpflichtigen besuchen regelmässig Wiederholungskurse.

1. Allgemeine Grundausbildung

In der allgemeinen Grundausbildung (AGA) wird allen Schutzdienstpflichtigen das nötige Grundwissen vermittelt. Dazu gehören Informationen über Risiken und Gefahren, Bevölkerungsschutz und Zivilschutz, Alarmierung der Bevölkerung, Verhalten in Krisensituationen und Nothilfe.

2. Funktionsbezogene Grundausbildung

In der funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA) folgt – getrennt nach den Grundfunktionen – die einsatzbezogene fachtechnische Ausbildung:

  • Der Stabsassistent unterstützt die Führung bei der Lageverarbeitung (Informationsbeschaffung, -auswertung, -verbreitung) und setzt die Kommunikationsnetze (Draht und Funk) ein.
  • Der Betreuer hilft bei der Evakuierung und Betreuung gefährdeter, schutz- und hilfsbedürftiger Personen, steht Menschen in Gefahr bei und übernimmt Arbeiten in der Pflege.
  • Der Pionier bedient die Geräte des Unterstützungszugs fachgerecht. Bei zerstörter Infrastruktur sorgt er für Schadenminderung, Situationsüberbrückung und Instandstellung.
  • Der Materialwart ist zuständig für die Inventarisierung, die zweckmässige Lagerung, die Wartung und Bereitstellung des Materials und der Geräte des Zivilschutzes.
  • Der Anlagewart sorgt für die Funktionstüchtigkeit und Einsatzbereitschaft der technischen Einrichtungen in den Schutzanlagen des Zivilschutzes.
  • Der Koch unterstützt den Küchenchef und den Fourier (Rechnungsführer) bei der Planung, Organisation, Zubereitung und Verteilung der Verpflegung.

Zivilschutz Grundfunktionen gemäss Verordnung über die Funktionen, die Grade und den Sold im Zivilschutz, Stand 1.2.2012 (PDF, 4 Seiten, 4.0 MB)

Zusatzausbildung

Zusatzausbildung

Übersich Dauer und Häufigkeit der Wiederholungs- und Weiterbildungskurse. Bild vergrössern
© Kanton Aargau

Der Zivilschutz benötigt ein breites Spektrum an Personen mit Spezialkenntnissen. Mit einer Zusatzausbildung von maximal sieben Tagen können ausgewählte Schutzdienstpflichtige ihr Grundwissen für Spezialaufgaben ergänzen. Die Zusatzausbildung dieser Spezialisten kann direkt im Anschluss an die allgemeine und funktionsbezogene Grundausbildung oder auch später erfolgen.

Zusatzausbildungen sind in folgenden Bereichen möglich:

Ausbildung durch Bund oder Kanton

Die Mehrzahl der Zusatzausbildungen werden durch die Kantone durchgeführt. Der Bund übernimmt Ausbildungen, die hauptamtliches Lehrpersonal mit besonderen Fachkenntnissen oder eine aufwändige Infrastruktur erfordern. Auf Stufe Bund können diese Ausbildungen wirtschaftlicher erfolgen.

Weiterbildung für Spezialisten

Um die rasche Umsetzung von Neuerungen zu gewährleisten, haben die Spezialisten periodisch Weiterbildungen zu besuchen. Sie können innerhalb von vier Jahren zu Weiterbildungskursen von maximal 14 Tagen Dauer aufgeboten werden.

Kaderausbildung

Kaderausbildung

Übersicht der möglichen Kaderausbildungen in den verschiedenen Fachgebieten. Bild vergrössern
© Kanton Aargau

Motiviertes Führungspersonal

Die Motivation der Schutzdienstpflichtigen und die Effizienz des Zivilschutzes hängen in hohem Masse von der Arbeit der Führungscrew ab. Deren Führungsarbeit ist insbesondere das Resultat ihrer eigenen Motivation und Fähigkeiten – und letztlich ihrer Ausbildung. Wer eine Kaderfunktion übernimmt, muss deshalb eine Kaderausbildung von 7-14 Tagen zum Gruppenführer, Zugführer oder zum Chef eines Sachbereichs absolvieren. Die Kaderausbildung zum Zivilschutzkommandanten dauert 21-28 Tage, von denen 7-14 Tage im Kanton absolviert werden können. Die Kader sind für Führung, Ausbildung und Einsatzfähigkeit ihrer Formationen beziehungsweise Bereiche verantwortlich.

Zivilschutzkommando: Ausbildung durch den Bund

Der Zivilschutz wird vom Zivilschutzkommando geführt. Dieses besteht in der Regel aus dem Zivilschutzkommandanten und seinem Stellvertreter. Um seine Aufgaben gezielt und wirkungsvoll erfüllen zu können, strebt die Ausbildung durch den Bund folgende Qualitäten an:

  • Vertiefte Kenntnisse in den Bereichen Führung und Umgang mit Menschen
  • Organisatorische und administrative Fähigkeiten
  • Fähigkeiten in den Bereichen Repräsentation und Beratung
  • Fundiertes Wissen über die Einsatzmöglichkeiten des Zivilschutzes

Weiteres Kader: Ausbildung durch Bund oder Kanton

Neben dem Zivilschutzkommandanten und seinem Stellvertreter bildet der Bund weitere Kadermitglieder aus. Der Bund übernimmt Ausbildungen, die hauptamtliches Lehrpersonal mit besonderen Fachkenntnissen oder eine aufwändige Infrastruktur erfordern und die auf Stufe Bund wirtschaftlicher erfolgen können. Dies betrifft die Ausbildung des Kaders der Führungsunterstützung zugunsten der zivilen Führungsorgane (Sachbereiche Lage, Telematik, ABC-Schutz, Logistik) und des Kulturgüterschutzes. Das weitere Kader bilden die Kantone selbst aus, etwa Zug- und Gruppenführer Betreuung, Gruppenführer Sanität, Zug- und Gruppenführer Unterstützung oder Feldweibel und Rechnungsführer.

Möglichkeit zur Verpflichtung

Schutzdienstpflichtige können gemäss Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz (BZG, Art. 26) "verpflichtet werden, Kaderfunktionen zu übernehmen und die damit verbundenen Dienstleistungen zu erfüllen".

Periodische Weiterbildung

Um die rasche Umsetzung von Neuerungen zu gewährleisten, haben die Kader des Zivilschutzes periodisch Weiterbildungen zu besuchen. Sie können innerhalb von vier Jahren zu Weiterbildungskursen von maximal 14 Tagen Dauer aufgeboten werden.

Wiederholungskurse

Wiederholungskurse

Übersicht Dauer und Häufigkeit der Wiederholungskurse. Bild vergrössern
© Kanton Aargau

Um jederzeit für den Ernstfall vorbereitet zu sein, sind regelmässige Trainings nötig. Deshalb führt der Zivilschutz jährlich Wiederholungskurse von 2-7 Tagen durch. Zivilschutzkommandanten und deren Stellvertreter können zu 21 weiteren Tagen pro Jahr aufgeboten werden, die übrigen Kader sowie die Spezialisten zu höchstens 14 weiteren Tagen. Wiederholungskurse dienen in erster Linie der Überprüfung, Erhaltung und Verbesserung der Einsatzbereitschaft der Zivilschutzformationen. Zudem ermöglichen sie dem Kader, die notwendigen Führungserfahrungen zu sammeln. Wiederholungskurse lassen sich auch für Übungen im Verbund mit den anderen Partnerorganisationen des Bevölkerungsschutzes nutzen.

Unterschiedliche Tätigkeiten

Im Sinne der obengenannten Zielsetzungen können in Wiederholungskursen folgende Tätigkeiten ausgeführt werden:

  • Erworbene Kenntnisse auffrischen, vertiefen und erweitern
  • Neue Kenntnisse aneignen
  • Planungen und Vorbereitungen für den Einsatz erstellen, überprüfen und testen
  • Die Zusammenarbeit von Formationen schulen
  • Die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen schulen
  • Material inventarisieren, lagern, instand halten, bereitstellen und entsorgen
  • Schutzbauten kontrollieren, warten und unterhalten
  • Ausstellungen und Informationsanlässe für die Bevölkerung, Behörden, Führungsorgane, Partner und Schutzdienstpflichtige durchführen

Zusätzliche Dienstleistungen

Neben dem eigentlichen Wiederholungskurs, in dem der Ernstfall trainiert wird, gelten weitere Dienstleistungen als Wiederholungskurse:

  • Rapporte, die vor allem der Information und Koordination dienen
  • Kadervorkurse, bei denen Vorbereitungen für die Wiederholungskurse getroffen werden
  • Dienst in der Zivilschutzverwaltung (bei zwingendem Bedarf)

Ernstfalleinsätze sind keine Wiederholungskurse

Einsätze bei Katastrophen und Notlagen sowie Einsätze zugunsten der Gemeinschaft gelten nicht als Wiederholungskurse.

Rechtliche Grundlagen

Bundesebene

Kantonsebene