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Massnahmenplan

Klimaschonende Landwirtschaft

Das Handlungsfeld Landwirtschaft fokussiert auf den Erhalt der wertvollsten Landwirtschaftsflächen, den sogenannten Fruchtfolgeflächen, und auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Böden. Zudem sollen die Klimagase der Landwirtschaft aus der Tierhaltung und der Düngung sowie des Fuhrparks reduziert werden.

Die Landwirtschaft – und somit ein wichtiger Teil der Ernährungswirtschaft – spielt im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine wichtige Rolle. Sie ist im Aargau mit rund 8 Prozent (2023) aller Treibhausgasemissionen Verursacherin von Klimagasen. Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft sind hauptsächlich nichtenergetischen Ursprungs; es handelt sich vor allem um die Klimagase Methan (CH4) aus der Viehhaltung und Lachgas (N2O), das bei der Stickstoff-Düngung im Boden entsteht (siehe Abbildung). Während Lachgas über 100 Jahre in der Atmosphäre bleibt, wird Methan in zwölf Jahren zu Kohlendioxid abgebaut und kann in dieser Form über das Grasland wieder gebunden werden.

Die Klimagase der Landwirtschaft fallen im Gegensatz zu industriellen Emissionen nicht punktuell an, sondern entstehen räumlich verteilt (zum Beispiel durch Tiere auf der Weide, Emissionen aus Böden). Dadurch sind technische Lösungen, wie sie beispielsweise in der Industrie angewendet werden können, bedeutend schwieriger umsetzbar.

Kuchendiagramm der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft.
Komplette, sektorenübergreifende Treibhausgasemissionen der Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2015 (blau: nichtenergetische THG-Emissionen, orange: energetische THG-Emissionen; Quelle: AgroCleanTech

Die Anteile der Treibhausgasemissionen in der Aargauer Landwirtschaft (EcospeedREGION, 2023)

Gleichzeitig kann die Land- und Ernährungswirtschaft einen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik leisten, indem sie einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden fördert und die Produktion von erneuerbaren Energien wie (Agri-)Photovoltaik, Solarthermie oder Biogas ermöglicht. Zudem bedeuten regional produzierte Nahrungs- und Futtermittel – neben Versorgungssicherheit – kürzere Transportwege und somit einen verminderten CO2-Ausstoss.

Böden sind wichtige Kohlenstoffspeicher; der Humusaufbau und die Anreicherung von Kohlenstoff im Boden können durch eine geeignete Bewirtschaftung gefördert werden. Grasland und andere landwirtschaftliche Nutzflächen können durch die Einbringung von organischer Substanz im Rahmen der Fruchtfolge einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit leisten und den im Boden gespeicherten Kohlenstoff erhöhen.

Eine klimaschonende Agrarpolitik muss Anreize setzen, so dass die Landwirtschaft ihre eigenen Emissionen an Treibhausgasen reduziert und gleichzeitig zur Kohlenstoffspeicherung im Boden beiträgt. Über erneuerbare Energien kann sie zudem mithelfen, fossile Energieträger zu ersetzen. Jedoch wird es auch mit einer nachhaltigen Tierhaltung und einem optimierten Düngermanagement nicht möglich sein, die Emissionen auf Netto-Null zu bringen. Analog beispielsweise zur Kehrichtverbrennung und Zementproduktion sind mittel- bis langfristig Kompensationsmöglichkeiten in- und ausserhalb der Landwirtschaft notwendig.

Zusätzlicher Nutzen

Intakte und nachhaltig bewirtschaftete Böden sind gleichzeitig gute Wasserspeicher, die Trockenperioden besser ausgleichen und Hochwasserspitzen dämpfen.

Schnittstellen

Stossrichtungen

Landwirtschaftliche Böden als Kohlenstoffspeicher erhalten und fördern

Der Boden ist nach den Ozeanen der zweitgrösste globale Kohlenstoffspeicher. Er speichert Kohlenstoff in lebendem beziehungsweise nicht vollständig abgebautem Pflanzenmaterial, Humus und Holz sowie im Gestein. Intakte, humusreiche und tiefgründige Böden sind daher von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz.

Eine standortoptimierte Bodenbewirtschaftung trägt wesentlich zur Stabilisierung und Erweiterung dieses natürlichen CO2-Speichers bei. Dazu gehören eine organische Düngung (zum Beispiel Hofdünger), eine schonende Bodenbearbeitung sowie eine Bodenbedeckung zwischen den Hauptkulturen. Diese Massnahmen verbessern nicht nur die Kohlenstoffspeicherkapazität der Böden, sondern tragen auch zur langfristigen Bodenfruchtbarkeit und Vermeidung von Erosion bei.

Auch das Grasland leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Selbst im Aargau, der durch einen hohen Anteil von Ackerkulturen gekennzeichnet ist, ist rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche Grasland. Zum einen ist dies ständiges Grasland aufgrund Bodenbeschaffung oder Topografie, zum anderen Grasland auf ackerbaulich genutzten Flächen als Teil der Fruchtfolge. Über das Grasland produzierte Lebensmittel (Milch- und Fleischprodukte) tragen zur Ernährungssicherheit bei und vermindern den Landdruck.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten das Fruchtbarmachen und Entwässern mit Drainagen zu den wichtigsten Meliorationsmassnahmen in der Schweiz. Feuchte und nasse Böden wie Moore speichern in nicht abgebautem Pflanzenmaterial besonders viel Kohlenstoff, da das Pflanzenmaterial dort nur unvollständig zersetzt wird. Werden solche Flächen entwässert, entweichen grosse Mengen CO2 (Bonn et al. 2015). Diese Flächen sind so zu bewirtschaften, dass möglichst wenig CO2 entweicht. Bei anstehenden Erneuerungen von Meliorationen und Drainagesystemen ist eine Interessensabwägung zwischen der Wiedervernässung und dem Erhalt von Fruchtfolgeflächen notwendig. Aus landwirtschaftlicher Sicht haben Wiedervernässungen zweite Priorität.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Im Rahmen Bildungsangeboten und Beratung (Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg) hat der Kanton bei der Sensibilisierung der relevanten Akteure Handlungsspielraum. Beim beratenden Vollzug der Agrarpolitik ist der kantonale Spielraum eingeschränkt. Über Ressourcenprojekte oder andere Massnahmen können zu den aufgeführten Themenbereichen finanzielle Mittel beim Bund beantragt werden, sofern sich der Kanton anteilsmässig beteiligt. Zudem kann der Kanton als Mitfinanzierer Vorgaben bei Meliorationsprojekten machen.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Intakte, strukturreiche und tiefgründige Böden sind gleichzeitig auch gute Wasserspeicher, die Trockenperioden besser ausgleichen und Abflussspitzen dämpfen (Retention), siehe Handlungsfeld Wasserspeicherung und klimaresilientes Wassermanagement.
  • Eine nachhaltige und standortangepasste Bodenbewirtschaftung erhält den Boden langfristig als Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion.

Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene

  • Es besteht ein Zielkonflikt zwischen der Wiedervernässung von organischen Böden und der Ernährungssicherheit und dem Pariser Klimaschutzabkommen, wonach Klimaschutzmassnahmen die Nahrungsmittelproduktion und damit die Nahrungsmittelsicherheit nicht beeinträchtigen dürfen

Klimagase der Landwirtschaft reduzieren

Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft sind hauptsächlich nichtenergetischen Ursprungs; es handelt sich vor allem um die Klimagase Methan (CH4) aus der Viehhaltung und Lachgas (N2O), das bei der Stickstoff-Düngung im Boden entsteht. Methan wird in der Atmosphäre deutlich rascher abgebaut als CO2. Umgekehrt ist Methan ein sehr starkes Treibhausgas: Über 100 Jahre summiert, erwärmt Methan die Atmosphäre etwa 28-mal stärker, Lachgas sogar um ein 265-faches im Vergleich zu der gleichen Menge CO2 (SCNAT, Agroscope).

Ohne Berücksichtigung der fossilen Kohlenstoffe (Mechanisierung, Transport und Energie) kann beingleichbleibendem Tierbestand, von einem an nährend neutralen biogenen Kohlenstoffkreislauf gesprochen werden.

Durch die bewusste Förderung des Konsums und Anbaus pflanzlicher Lebensmittel gemäss der Lebensmittelpyramide des Bundes kann die Landwirtschaft aktiv zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen. Zusätzlich bieten innovative Ansätze in der Tierernährung, ein optimiertes Hofdüngermanagement, spezifisch gestaltete Stallbauten sowie gezielte Züchtungsstrategien weitere, jedoch beschränkte Möglichkeiten zur Optimierung.

Landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge haben nur einen geringen Anteil an den landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Dennoch kann mit der Dekarbonisierung des Fahrzeugparks ein Beitrag geleistet werden. Dieser wird im Wesentlichen von den in der Entwicklung stehenden, alternativen Antriebstechniken bei Motorfahrzeugen beeinflusst.

Neben ihrer Relevanz als Treibhausgasemittent weist die Landwirtschaft ein Potenzial beim Zubau von erneuerbaren Energien auf. Grosse Dachflächen mit Photovoltaik und solarthermischen Anlagen, Agri-PV Anlagen sowie die Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse wie Gülle oder Speiseabfälle leisten einen Beitrag an den Ersatz von fossilen Energieträgern.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Handlungsspielraum des Kantons liegt im Rahmen von Ausbildung und Beratung (Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg) der relevanten Akteure. Beim beratenden Vollzug der Agrarpolitik ist der kantonale Spielraum eingeschränkt. Über Ressourcenprojekte oder andere Gefässe können zu den aufgeführten Themenbereichen finanzielle Mittel beim Bund beantragt werden, sofern sich der Kanton anteilsmässig beteiligt.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene

  • Konflikt Klimaschutz mit Tierwohl: Herausfiltern von Methan bei Tieren im Freien und in offenen Ställen nicht möglich.
  • Landschafts-/Heimatschutz bei PV-Anlagen in Schutzzonen oder Schutzgebieten.

Klima-Metrik

Die Klima-Metrik überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der Klimastrategie des Kantons.