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Massnahmenplan

Klimaneutrale und kreislauffähige Industrie und Gewerbe

Das Handlungsfeld fokussiert auf die Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs von Industrie und Gewerbe. Prozesse und Infrastrukturen sollen wo immer möglich energieeffizient und mit erneuerbaren Energien betrieben respektive bewirtschaftet werden. Dabei soll auch die Ressourceneffizienz gesteigert werden. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft und die Stärkung des Recyclings werden vorangetrieben.

Die Produktion von Gütern ist in den meisten Fällen mit Umweltbelastungen verbunden. Dazu gehört neben dem Verbrauch von Rohstoffen, Wasser und Energie auch der Ausstoss von Schadstoffen und Treibhausgasen. Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen hat nicht nur einen positiven Effekt auf den Klimaschutz, sondern macht auch aus ökonomischer Sicht Sinn.

Für den Kanton Aargau hat die Industrie mit ihrem Beitrag zur Wertschöpfung einen hohen Stellenwert. Mit einem Anteil von rund 33 Prozent an den Treibhausgasemissionen gehört sie gleichzeitig zu den wichtigsten Treibhausgasemittenten. Verantwortlich für diese Treibhausgasemissionen ist einerseits der Einsatz von fossilen Energieträgern bei der Erzeugung von Wärme- und Prozessenergie. Andererseits ist ein erheblicher Anteil der CO2-Emissionen prozessbedingt und nicht energetischer Natur. So werden zum Beispiel bei der Herstellung von Zement grosse Mengen an Kohlenstoffdioxid aus dem Kalkstein freigesetzt.

Im Rahmen des Grossverbrauchermodells werden mit den grössten Energieverbrauchern im Kanton – das sind rund 450 Unternehmen – verbindliche Vereinbarungen zur Reduktion von bezogener Wärmeenergie und Elektrizität getroffen. Mit Einsparungen von etwa 320 Gigawattstunden Wärme im Jahr 2023 konnten die CO2-Emissionen um über 125'000 Tonnen reduziert werden. Das entspricht drei Prozent der kantonalen CO2-Emissionen. Ziel ist, dass die Unternehmen mit geeigneten Massnahmen ihre Effizienz innerhalb von zehn Jahren um 20 Prozent steigern (Monitoring-Bericht zu energieAARGAU 2024 (PDF, 86 Seiten, 8,9 MB)).

Die aktuellen Vereinbarungen des Grossverbrauchermodells legen den Fokus auf die Energieeffizienz der Unternehmen und leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Treibhausgase. Sie werden jedoch nicht ausreichen, die Treibhausgasemissionen der Industrie bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Zusätzliche Massnahmen zur Dekarbonisierung der Industrie wie der Umstieg auf erneuerbare Energien für Wärme- und Prozessenergie, eine verbesserte Ressourceneffizienz und die Förderung der Kreislaufwirtschaft sind nötig.

Bereits heute müssen Unternehmen (wie auch Haushalte) eine Abgabe auf Brennstoffe zahlen. Sie können sich aber von der CO2-Abgabe befreien lassen, wenn sie sich gegenüber dem Bund zur Verminderung ihrer Emissionen verpflichten. Für die Verpflichtungsperiode 2013 - 2024 sind rund 145 Aargauer Unternehmen eine Verminderungsverpflichtung mit dem Bund eingegangen.

Für die neue Verpflichtungsperiode von 2025 bis 2040 haben gemäss revidiertem CO2-Gesetz seit dem 1. Januar 2025 alle Unternehmen – d.h. nicht wie bis anhin Unternehmen mit Tätigkeiten gemäss Anhang 7 der CO₂-Verordnung – die Möglichkeit, sich von der CO2-Abgabe zu befreien und mit dem Bund eine Verminderungsverpflichtung einzugehen. Es ist daher damit zu rechnen, dass die Zahl der Unternehmen, die eine Verminderungsverpflichtung eingehen, deutlich steigen wird.

Zusätzlicher Nutzen

Eine energieeffiziente Wirtschaft ist weniger von steigenden Energiekosten und höheren Besteuerungen, beispielsweise einer steigenden CO2-Abgabe, betroffen und erhöht dadurch seine Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt. Zudem sind auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Unternehmen weniger von globalen Lieferketten abhängig. Dadurch sind sie resilienter und generieren mehr lokale Wertschöpfung, da weniger Rohstoffe aus dem Ausland zugekauft werden müssen. Werden Produkte und Materialien im Umlauf gehalten, verringert sich nicht nur der Primärrohstoffverbrauch. Ein solcher Kreislauf bremst gleichzeitig die Rohstoffverknappung, den Ausstoss von Emissionen, die Abfallmengen und die damit verbundenen Umweltbelastungen.

Indem ressourcenschonende Technologien und Produktionsmethoden gefördert werden, um die Umweltbelastung zu reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, wird ein wichtiger Beitrag zur Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Umweltauswirkungen geleistet.

Schnittstellen

  • energieAARGAU zeigt die Stossrichtung der kantonalen Energiepolitik mit einem Zeithorizont von zehn Jahren auf und weist auch Massnahmen in Industrie und Gewerbe aus.
  • Mit Innovationsförderung und geeigneten Rahmenbedingungen für eine ressourceneffiziente und klimafreundliche Wirtschaft sollen Unternehmen im Aargau unterstützt und die Wertschöpfung erhöht werden. Das Hightech Zentrum Aargau und die Aargauer Kantonalbank bieten den Aargauer Unternehmen Dienstleistungen im Bereich der Innovationsförderung an, ebenso die FHNW mit der neuen Hochschule für Technik und Umwelt in Brugg-Windisch sowie weitere Akteure wie das Kunststoff Ausbildungs- und Technologiezentrum KATZ in Aarau.
  • Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind auch Bestandteil der Strategie umweltAARGAU. Mit der Stossrichtung 2, "Der Nachhaltigkeit und der Ressourceneffizienz verpflichtet", bekennt sich der Kanton zur Ressourceneffizienz. Sie nimmt ein wichtiges Anliegen im Umweltschutz auf: weg von der Abfallwirtschaft, hin zu einer Kreislaufwirtschaft.
  • Leitsätze Ressourcen Trialog: Verschiedene Organisationen aus der Wirtschaft, der privaten und öffentlichen Entsorgungsbranche, der Gesellschaft sowie der öffentlichen Hand haben unter der Federführung des Kantons Aargau gemeinsam elf Leitsätze für breit abgestützte Lösungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft erarbeitet. Diese zielen darauf ab, den Energie- und Materialeinsatz zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen zu minimieren, die Lebensdauer von Produkten zu optimieren und Abfälle wo immer möglich zu vermeiden.

Stossrichtungen

Industriell-gewerbliche Prozesse und Infrastrukturen erneuerbar, energieeffizient und ressourcenschonend gestalten

Während fossile Brennstoffe für die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser im Gebäudebereich relativ gut durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, wird eine Substitution bei deren Nutzung als Prozessenergie – vor allem Erdgas – mit den heutigen Technologien als schwieriger eingeschätzt. Kann bei Prozessen nicht auf den Einsatz von Gas verzichtet werden, soll dieses aus erneuerbaren Quellen stammen (zum Beispiel Biogas).

Auch wenn CO₂ das meistemittierte klimarelevante Gas aus der Industrie und dem Gewerbe darstellt, sind andere Gase nicht zu vernachlässigen, namentlich Methan (Diffusion aus Biogasproduktion, Klärwerken und Deponien), Lachgas (vor allem Kunststoffindustrie) und Fluorgase (hauptsächlich als Treib- und Kühlmittel genutzt). Bei vielen KMU im Aargau besteht nach wie vor ein hohes Potenzial für die Reduktion von Klimagasen durch Optimierung der Prozesse und der Infrastruktur. Es ist bereits heute Stand der Technik, das Entweichen von Methan aus Biogasanlagen, Klärwerken und Deponien zu minimieren und das Gas stattdessen für die Energieproduktion zu nutzen.

Auch die Ressourceneffizienz ist ein zentraler Faktor für die Reduktion der Treibhausgasemissionen. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem Nutzen eines Produkts oder einer Dienstleistung und dem dafür eingesetzten Aufwand an natürlichen Ressourcen – dies über den gesamten Lebenszyklus hinweg und unter der Voraussetzung, dass Funktion und Nutzen erhalten bleiben. Je geringer der Einsatz an natürlichen Ressourcen pro erbrachte Funktion oder erreichtem Nutzen, desto höher die Ressourceneffizienz. Das geht von der Einsparung von Rohstoffen und Vermeidung von Schadstoffen bei der Fertigung, über die Reduktion von Verbrauchsmaterial in der Nutzungsphase bis hin zur Trennung und Rückführung der Materialen in die technischen oder natürlichen Kreisläufe.

Die neue EU-Ökodesign-Verordnung fordert auch von Schweizer Unternehmen, ihre Produkte nachhaltiger zu gestalten und einen digitalen Produktpass einzuführen.

Grundsätzlich sind alle Branchen gefordert, ihre Prozesse und Anlagen energie- und ressourceneffizient zu betreiben. Speziell grosse Hebel ergeben sich bei der Herstellung und Verarbeitung von Zement, Metall, Maschinen, Lebensmitteln (unter anderem Kühlung), Kunststoff, Chemie und Pharmazie sowie Datencenter und Verarbeiter von seltenen Metallen (Herstellung von Batterien/Akkus).

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann rechtliche Grundlagen und den Vollzug überprüfen und so gestalten, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch vermindert wird. Mit dem Grossverbrauchermodell steht dem Kanton ein wirksames Mittel für die Förderung der Energieeffizienz in der Wirtschaft zur Verfügung.

Zudem gibt es insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen ein Informationsangebot (Energieberatung). Weitere Unterstützungsmöglichkeiten sind steuerliche Anreize oder Beratungs- und Förderangebote zur Dekarbonisierung von Industrie und Gewerbe. Damit das Potenzial möglichst umfassend erkannt und genutzt wird, kann der Kanton zudem den Dialog mit besonders energie- und ressourcenintensiven Branchen suchen (Unternehmen und Verbände) und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Ein Beispiel dafür ist der Arbeitskreis CO₂-effiziente Wirtschaft. Besonders CO₂-intensive Aargauer Unternehmen diskutieren gemeinsam mögliche CO₂-Reduktionsmassnahmen. Sie werden dabei von Partnerorganisationen wie dem Hightech Zentrum Aargau oder der FHNW beraten, beispielsweise zu Möglichkeiten bezüglich Fördermittel aus dem Klima- und Innovationsgesetz.

Mit dem Schaffen von besseren Rahmenbedingungen kann der Kanton Aargau innovative Lösungen fördern, die aus Ressourcengründen sinnvoll, aber mit den aktuellen Rahmenbedingungen hohen Hürden ausgesetzt sind.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Kreislaufwirtschaft stärken

Die Kreislaufwirtschaft zeichnet sich – im Gegensatz zu einem linearen Wirtschaftssystem – dadurch aus, dass Rohstoffe effizient und so lange wie möglich genutzt werden. Kreislaufwirtschaft ist ein ganzheitlicher Ansatz, der von der Rohstoffgewinnung über das Design, die Produktion und die Distribution eines Produkts bis zu einer möglichst langen Nutzungsphase und das Recycling betrachtet.

Mit einer erhöhten Nutzungs- und Lebensdauer von Produkten werden diese länger im Kreislauf behalten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Ökodesign, ein Ansatz, der ökologische Überlegungen systematisch und von Beginn weg in die Planung, Entwicklung und Gestaltung von Produkten einbezieht. Ökodesign umfasst Konzepte, Materialien und Bauweisen, die sicherstellen, dass ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst wenig Ressourcen und Rohstoffe verbraucht und keine Schadstoffe enthält. Das ermöglicht nicht zuletzt Kosteneinsparungen.

Im Idealfall findet am Lebensende eines Produktes eine weitergehende Nutzung der darin enthaltenen Rohstoffe statt. Oft ist aber eine gleichwertige Nutzung mit verhältnismässigem Aufwand – beispielsweise aufgrund von Verunreinigungen eines sekundären Rohstoffs – nicht mehr möglich. In diesen Fällen wird eine Kaskadennutzung angestrebt. Damit wird erreicht, dass ein Rohstoff über mehrere Produktlebenszyklen genutzt werden kann, in der Regel mit abnehmender Wertschöpfung und einer abschliessenden energetischen Nutzung oder im Falle von organischem Material durch Kompostierung des Rohstoffs.

Aargauer Unternehmen setzen Kreislaufwirtschaftsaktivitäten etwas häufiger um als der Schweizer Durchschnitt – insbesondere bei internen Produktionsprozessen und in der Logistik. Auch in der Beschaffung und im Produktdesign zeigt sich ein grösseres Engagement als im nationalen Vergleich (Statusbericht der Schweizer Kreislaufwirtschaft 2024). Trotz dieser leicht überdurchschnittlichen Werte bleibt der Handlungsbedarf gross: Der Anteil der Unternehmen mit einer umfassenden Umsetzung der Kreislaufwirtschaft liegt schweizweit erst bei rund 10 Prozent, im Aargau bei etwa 13 Prozent. Die Studie betont zudem wesentliche Hürden für eine breitere Umsetzung: Dazu zählen vor allem ein Mangel an qualifiziertem Personal beziehungsweise internem Fachwissen sowie die hohen Investitionskosten. Insgesamt zeigt sich, dass die Transformation zur Kreislaufwirtschaft komplex ist und erhebliche finanzielle Mittel erfordert.

Grosses Verbesserungspotenzial gibt es auch im Bereich der Lebensmittel: Vor allem bei lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Privathaushalten, zu einem kleineren Teil auch in der Landwirtschaft, Gastronomie und im Detailhandel, können durch das Vermeiden von Foodwaste und das Schliessen von Stoffkreisläufen der Energieverbrauch und die Schadstoffemissionen deutlich reduziert werden (BAFU, Monitoring Lebensmittelverluste 2025).

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann mit einer übergeordneten Kreislaufwirtschaftsstrategie, geeigneten Rahmenbedingungen und (steuerlichen) Anreizen eine ressourceneffiziente und auf Kreisläufen basierende Wirtschaft fördern. Über das Hightech Zentrum Aargau berät er Unternehmen, die Innovationen im Bereich Energietechnologie und Ressourceneffizienz entwickeln möchten. Informationskampagnen und Pilotprojekte, die häufig betriebs- und regionsübergreifend angelegt sind, sind eine weitere Möglichkeit, Öffentlichkeit und Unternehmen zu sensibilisieren.

Damit das Potenzial möglichst umfassend erkannt und genutzt wird, kann der Kanton das Gespräch mit besonders ressourcenintensiven Branchen (Unternehmen und Verbände) suchen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Zudem kann die kantonale Verwaltung bei der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen vermehrt Kriterien zu Kreislaufwirtschaft und Rezyklierbarkeit von Materialien berücksichtigen. Im Rahmen der Roadmap Netto-Null 2040 für die kantonale Verwaltung wird mit einer kantonsweiten Weisung für nachhaltige Beschaffung eine strategische Grundlage erarbeitet, die ein koordiniertes Vorgehen der Beschaffungsstellen ermöglicht und Nachhaltigkeit in der Praxis verankert. Dabei wird verstärkt auf eine ganzheitliche Kostenbetrachtung gesetzt: Statt nur die Anschaffungskosten zu berücksichtigen, sollen die gesamten Lebenszykluskosten in die Bewertung einfliessen.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Kreislaufwirtschaft hat ein hohes Innovations- und Wertschöpfungspotenzial, siehe E transversales Handlungsfeld, Stossrichtung "Innovationen fördern und Zusammenarbeit mit Forschung verstärken". siehe transversales Handlungsfeld, Stossrichtung Innovationen fördern und Zusammenarbeit mit Foschung stärken
  • Das Vermeiden von Foodwaste und das Schliessen von Stoffkreisläufen in der Lebensmittelproduktion und beim Konsum trägt auch zur Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft bei, siehe Handlungsfeld Klimaschonende Landwirtschaft. Zudem engagiert sich der Kanton mit dem Projekt "Aufgabeln! – Gemeinsam Food Waste messen".
  • Das Programm "Circular Argovia" des Hightech Zentrums Aargau ist ein Massnahmenprogramm zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Kanton Aargau. Zielsetzung des Programms ist es, interessierte Firmen zu sensibilisieren und mittels Wissenstransfers sowie zweckmässiger Anschubfinanzierungen massgeblich bei der Umsetzung eigener Lösungen zu unterstützen.

Kohlenstoff-Sequestrierung ermöglichen

Aufgrund der aktuellen weltweiten Entwicklung der Treibhausgasemissionen ist davon auszugehen, dass das Netto-Null Ziel bis 2050 nicht erreicht wird. Das heisst, der Atmosphäre muss zusätzlich mit Negativemissionstechnologien (NET) CO₂ entzogen und in unterirdischen Lagerstätten dauerhaft eingelagert werden (sogenannte Kohlenstoff-Sequestrierung). Dabei geht es nicht nur um die Kompensation künftig nicht vermeidbarer Treibhausgasemissionen, sondern auch um ein "Rückgängigmachen" vergangener Emissionen.

Der weltweite Bedarf nach finanziell tragbaren Lösungen ist sehr hoch. Natürliche Speichermöglichkeiten wie Böden, Wald oder Moore haben zwar im Aargau noch ein gewisses Potenzial. Es braucht jedoch auch technische Lösungsansätze (u.a. Pflanzenkohle), die aktuell sehr teuer und energieaufwändig sind. Entsprechend hoch ist hier der Forschungs- und Entwicklungsbedarf. In Zukunft müssten solche Lösungen verursachergerecht getragen werden können – analog beispielweise zu Kehrichtverbrennungsanlagen.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Im Kanton Aargau sind Grossemittenten wie Kehrichtverbrennungsanlagen, Zementwerke und Chemieanlagen angesiedelt, die jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen CO2 ausstossen. Gleichzeitig verfügt der Kanton mit dem Paul Scherrer Institut (PSI) und der Fachhochschule Nordwestschweiz über wichtige Wissens- und Forschungspartner, die Innovationen bei der technischen Kohlenstoffabscheidung und -speicherung erst ermöglichen.

Mittels Innovationsförderung und Pilotprojekten für neue Ansätze im Bereich der technischen Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie dessen Transport könnte der Aargau als Pionier- und Hightech-Kanton einen Beitrag leisten (siehe dazu auch Studie "CCS und CDR Perspektiven Kanton Aargau", 2025 (PDF, 32 Seiten, 1,6 MB)). Dabei ist die Schaffung geeigneter finanzieller, logistischer und regulatorischer Rahmenbedingungen durch Bund und Kanton und damit Planungssicherheit für die betroffenen Unternehmen von grundlegender Bedeutung. Konkret könnte der Kanton Aargau verursachergerechte Finanzierungslösungen prüfen, wie sie bei den Kehrichtverbrennungsanlagen in Form eines solidarisierten Modells konzipiert sind ("Sackgebühr"), und dabei notwendige gesetzliche Anpassungen unterstützen.

Auch der Austausch mit dem Bund, den anderen Kantonen und den betroffenen Akteuren aus Industrie und Zivilgesellschaft soll weitergeführt und gestärkt werden. Der Kanton kann sicherstellen, dass die Unternehmen und Forschungsakteure über die Möglichkeiten für eine Förderung aus dem nationalen Klima- und Innovationsgesetz informiert sind.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene

  • Die Abscheidung von CO₂ ist energieintensiv. Besonders bei KVA wird dadurch die nutzbare Strommenge stark vermindert. Dies betrifft teilweise auch die Abwärme (die heute als erneuerbar gilt und Fernwärmenetze speist).

Klima-Metrik

Die Klima-Metrik überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der Klimastrategie des Kantons.