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Klimaneutrale Industrie und Gewerbe basierend auf Kreislaufwirtschaft

Das Handlungsfeld fokussiert auf die Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs von Industrie und Gewerbe. Prozesse und Infrastrukturen sollen wo immer möglich energieeffizient und mit erneuerbaren Energien betrieben respektive bewirtschaftet werden. Dabei soll auch die Ressourceneffizienz gesteigert werden. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft und die Stärkung des Recyclings werden vorangetrieben.

Die Produktion von Gütern ist zwangsläufig mit Umweltbelastungen verbunden. Dazu gehört neben dem Verbrauch von Rohstoffen, Wasser und Energie auch der Ausstoss von Schadstoffen und Treibhausgasen. Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen hat nicht nur einen positiven Effekt auf den Klimaschutz, sondern macht auch aus ökonomischer Sicht Sinn. Für den Kanton Aargau hat die Industrie mit ihrem Beitrag zur Wertschöpfung einen hohen Stellenwert. Mit einem Anteil von rund 20 Prozent gehört sie gleichzeitig zu den wichtigsten Treibhausgasemittenten.

Handlungsfeld

Die Produktion von Gütern ist zwangsläufig mit Umweltbelastungen verbunden. Dazu gehört neben dem Verbrauch von Rohstoffen, Wasser und Energie auch der Ausstoss von Schadstoffen und Treibhausgasen. Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen hat nicht nur einen positiven Effekt auf den Klimaschutz, sondern macht auch aus ökonomischer Sicht Sinn.

Für den Kanton Aargau hat die Industrie mit ihrem Beitrag zur Wertschöpfung einen hohen Stellenwert. Mit einem Anteil von rund 20 Prozent an den Treibhausgasemissionen gehört sie gleichzeitig zu den wichtigsten Treibhausgasemittenten. Verantwortlich für diese Treibhausgasemissionen ist einerseits der Einsatz von Gas und Öl bei der Erzeugung von Wärme- und Prozessenergie. Andererseits ist insbesondere bei den grossen Energieverbrauchern ein erheblicher Anteil der CO₂-Emissionen prozessbedingt und nicht energetischer Natur. So werden zum Beispiel bei der Herstellung von Zement grosse Mengen an Kohlenstoffdioxid aus dem Kalkstein freigesetzt.

Grossverbrauchermodell mit Vereinbarung zur Reduktion des Energieverbrauchs

Im Rahmen des Grossverbrauchermodells werden mit den grössten Energieverbrauchern im Kanton – das sind rund 450 Unternehmen – verbindliche Vereinbarungen zur Reduktion von bezogener Wärmeenergie und Elektrizität getroffen. Mit Einsparungen von etwa 275 Gigawattstunden Wärme im Jahr 2019 konnten die CO₂-Emissionen um über 45'000 Tonnen reduziert werden. Das entspricht 1,5 Prozent der kantonalen CO₂-Emissionen. Ziel ist, dass die Unternehmen mit geeigneten Massnahmen ihre Effizienz innerhalb von zehn Jahren um 20 Prozent steigern (Monitoring-Bericht energieAARGAU 2020).

Die aktuellen Vereinbarungen des Grossverbrauchermodells legen den Fokus auf die Energieeffizienz der Unternehmen und leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Treibhausgase. Sie werden jedoch nicht ausreichen, die Treibhausgasemissionen der Industrie bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Zusätzliche Massnahmen zur Dekarbonisierung der Industrie, wie der Umstieg auf erneuerbare Energien für Wärme- und Prozessenergie, eine verbesserte Ressourceneffizienz und die Förderung der Kreislaufwirtschaft sind nötig.

Bereits heute müssen Unternehmen (wie auch Haushalte) eine Abgabe auf Brennstoffe zahlen. Sie können sich aber von der CO₂-Abgabe befreien lassen, wenn sie sich gegenüber dem Bund zur Verminderung ihrer Emissionen verpflichten. Stand 31. Januar 2021 sind im Kanton Aargau 147 Unternehmen betroffen.

Zusätzlicher Nutzen

Eine ökologisch und ökonomisch effiziente Wirtschaft, welche innovative Lösungen für Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbarer Energie anbietet, ist im globalen Markt wettbewerbsfähiger. Sie wird zudem weniger von steigenden Energiekosten und höheren Besteuerungen, beispielsweise einer steigenden CO₂-Abgabe, betroffen sein. Zudem sind auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Unternehmen weniger von globalen Lieferketten abhängig. Dadurch sind sie resilienter und generieren mehr lokale Wertschöpfung, weil weniger Rohstoffe aus dem Ausland zugekauft werden müssen. Werden Produkte und Materialien im Umlauf gehalten, verringert sich nicht nur der Primärrohstoffverbrauch, es bremst gleichzeitig die Rohstoffverknappung, den Ausstoss von Emissionen, die Abfallmengen und die damit verbundenen Umweltbelastungen.

Schnittstellen

  • Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind auch Bestandteil der Strategie umweltAARGAU (2017). Mit der Stossrichtung 2, "Der Nachhaltigkeit und der Ressourceneffizienz verpflichtet", bekennt sich der Kanton zur Ressourceneffizienz. Sie nimmt ein wichtiges Anliegen im Umweltschutz auf: weg von der Abfallwirtschaft, hin zu einer Kreislaufwirtschaft.
  • Leitsätze Ressourcen Trialog: Verschiedene Organisationen aus der Wirtschaft, der privaten und öffentlichen Entsorgungsbranche, der Gesellschaft sowie der öffentlichen Hand haben unter der Federführung des Kantons Aargau gemeinsam elf Leitsätze für breit abgestützte Lösungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft erarbeitet. Diese zielen darauf ab, den Energie- und Materialeinsatz zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen zu minimieren, die Lebensdauer von Produkten zu optimieren und Abfälle wo immer möglich zu vermeiden.
  • Das Programm Hightech Aargau wurde vom Regierungsrat im Jahr 2012 mit dem Ziel lanciert, den Aargauer Unternehmen optimale Rahmenbedingungen und Dienstleistungen im Bereich der Innovationsförderung zu bieten. Die Wirtschaft ist einem hohen Innovationsdruck ausgesetzt – gerade hier bieten sich dem Kanton Aargau als Hightech-Standort grosse Chancen.
  • Mit dem Programm "Aargau 2030 – Stärkung Wohn- und Wirtschaftsstandort" lanciert der Regierungsrat verschiedene Teilprojekte, unter anderem eines mit Fokus auf ressourcenschonende Innovation. Damit werden Massnahmen erarbeitet, welche die Aargauer Unternehmen in der Entwicklung ressourceneffizienter, klimafreundlicher Technologien unterstützen und dazu beitragen, dass die Aargauer Wirtschaft ihre Marktchancen nutzen kann.

Stossrichtungen

Prozesse und Infrastruktur in Industrie und Gewerbe erneuerbar und energieeffizient gestalten

Während fossile Brennstoffe für die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser im Gebäudebereich relativ gut durch erneuerbare Energien ersetzt werden können, wird eine Substitution bei deren Nutzung als Prozessenergie (vor allem Erdgas) mit den heutigen Technologien als schwieriger eingeschätzt. Kann bei Prozessen nicht auf den Einsatz von Gas verzichtet werden, soll dieses aus erneuerbaren Quellen stammen (zum Beispiel Biogas).

Auch wenn CO₂ das meistemittierte klimarelevante Gas von Industrie und Gewerbe ist, sind andere Gase nicht zu vernachlässigen, namentlich Methan (Diffusion aus Biogasproduktion, Klärwerken und Deponien), Lachgas (vor allem Kunststoffindustrie) und Fluorgase (hauptsächlich als Treib- und Kühlmittel genutzt). Bei vielen KMU im Aargau besteht nach wie vor ein hohes Potenzial für die Re-duktion von Klimagasen durch Optimierung der Prozesse und der Infrastruktur (siehe Projekt ÖKOPROFIT des Kantons Zürich). Es ist bereits heute Stand der Technik, das Entweichen von Methan aus Biogasanlagen, Klärwerken und Deponien zu minimieren und das Gas stattdessen für die Energieproduktion zu nutzen.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann rechtliche Grundlagen und den Vollzug so gestalten, dass eine signifikante Reduktion von Klimagasemissionen erreicht wird. Ein grosser Hebel liegt zudem in der Förderung von Innovation und Forschung, zu denen der Kanton ebenfalls beitragen kann.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

  • Mit innovativen Lösungen für Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbarer Energie kann die Aargauer Industrie zum weltweiten Klimaschutz beitragen und entsprechende Marktchancen nutzen. Mit Innovationsförderung und geeigneten Rahmenbedingungen für eine ressourceneffiziente und klimafreundliche Wirtschaft gemäss Programm Hightech Aargau unterstützt der Kanton diesen Prozess, siehe Handlungsfeld Innovationsförderung und Partizipation
  • Energietechnologien und Ressourceneffizienz sind Schwerpunktthemen des Hightech Zentrums Aargau
  • Eine Studie zu Arbeitsplatzpotenzialen im Kanton Aargau untersucht die Auswirkungen der Energiestrategie 2050 des Bundes und zeigt auf, wie viele Arbeitsplätze im Kanton Aargau im Bereich der erneuerbaren Energien voraussichtlich entstehen werden.

Ressourceneffizienz von industriellen Prozessen und Anlagen erhöhen

Ressourceneffizienz ist das Verhältnis des Nutzens eines Produkts oder einer Dienstleistung zu dem dafür erforderlichen Einsatz an natürlichen Ressourcen. Je geringer der Input an natürlichen Ressourcen entlang des ganzen Lebenszyklus, desto höher die Ressourceneffizienz. Das geht von der Einsparung von Rohstoffen bei der Fertigung, über die Reduktion von Verbrauchsmaterial in der Nutzungsphase bis hin zur Trennung und Rückführung der Materialen in die technischen oder natürlichen Kreisläufe.

Grundsätzlich sind alle Branchen gefordert, ihre Prozesse und Anlagen ressourceneffizient zu betreiben. Speziell grosse Hebel ergeben sich bei den energie- und ressourcenintensiven Industrien, insbesondere bei der Herstellung und Verarbeitung von Zement, Metall, Maschinen, Lebensmitteln (unter anderem Kühlung), Kunststoff, Chemie und Pharmazie sowie Datencenter und Verarbeiter von seltenen Erden (Herstellung von Batterien/Akkus).

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen durch Information und Beratung (analog zur Energieberatung) oder durch steuerliche Anreize unterstützen. Damit das Potenzial möglichst umfassend erkannt und genutzt wird, kann der Kanton den Dialog mit besonders ressourcenintensiven Branchen (Unternehmen und Verbände) suchen und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Mit dem Schaffen von besseren Rahmenbedingungen kann der Kanton Aargau innovative Ideen fördern, die aus Ressourcengründen sinnvoll, aber mit den aktuellen Rahmenbedingungen hohen Hürden ausgesetzt sind.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Gesamtsystem Kreislaufwirtschaft und Recycling stärken

Die Kreislaufwirtschaft zeichnet sich – im Gegensatz zu einem linearen Wirtschaftssystem – dadurch aus, dass Rohstoffe effizient und so lange wie möglich genutzt werden. Gelingt es, Material- und Produktekreisläufe zu schliessen, können Rohstoffe immer wieder verwendet werden. Kreislaufwirtschaft ist ein ganzheitlicher Ansatz, der von der Rohstoffgewinnung, über das Design, die Produktion und die Distribution eines Produkts bis zu einer möglichst langen Nutzungsphase und das Recycling betrachtet.

Damit Produkte und Materialien in diesem Kreislauf verbleiben, braucht es ein Umdenken aller Akteure. Mit einer erhöhten Nutzungs- und Lebensdauer von Produkten werden diese länger im Kreislauf behalten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Ökodesign, ein Ansatz, der ökologische Überlegungen systematisch und von Beginn weg in Planung, Entwicklung und Gestaltung von Produkten einbezieht (Ökobilanzierung). Ökodesign sucht nach Konzepten, Materialien und Bauweisen, die sicherstellen, dass ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst wenig Ressourcen und Rohstoffe verbraucht. Das ermöglicht nicht zuletzt Kosteneinsparungen.

Im Idealfall findet am Lebensende eines Produktes eine weitgehende Nutzung der darin enthaltenen Rohstoffe statt. Oft ist aber eine absolut gleichwertige Nutzung mit verhältnismässigem Aufwand – beispielsweise auf Grund von Verunreinigungen eines sekundären Rohstoffs – nicht mehr möglich. In diesen Fällen wird eine Kaskadennutzung angestrebt. Damit wird erreicht, dass ein Rohstoff über mehrere Produktelebenszyklen genutzt werden kann, in der Regel mit abnehmender Wertschöpfung und einer abschliessenden energetischen Nutzung oder im Falle von organischem Material durch Kompostierung des Rohstoffs.

Handlungsmöglichkeiten Kanton

Der Kanton kann mit geeigneten Rahmenbedingungen und (steuerlichen) Anreizen eine ressourceneffiziente und auf Kreisläufen basierende Wirtschaft fördern. Mit dem Hightech Zentrum Aargau berät er diejenigen Unternehmen, die Innovationen im Bereich Energietechnologie und Ressourceneffizienz oder ressourcenschonende Produkte und Technologien entwickeln möchten. Informationskampagnen sind eine weitere Möglichkeit, Öffentlichkeit und Unternehmen zu sensibilisieren und motivieren.

Damit das Potenzial möglichst umfassend erkannt und genutzt wird, kann der Kanton das Gespräch mit besonders ressourcenintensiven Branchen (Unternehmen und Verbände) suchen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene

Klima-Metrik

Die Klima-Metrik überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der Klimastrategie des Kantons, die aus Klimakompass und Massnahmenplan besteht. Das übergeordnete Ziel im Bereich Klimaschutz ist Netto-Null Treibhausgasemissionen bis im Jahr 2050. Pro Handlungsfeld werden die bisherigen Treibhausgasemissionen auf der Fläche des Kantons Aargau ausgewiesen. Der Absenkpfad orientiert sich an den Energieperspektiven des Bundes (Szenarien "Netto-Null 2050" und "Weiter-wie-bisher").

Indikator: Treibhausgasemissionen Wirtschaft und Industrie

Dieser Indikator besteht aus den energetischen Emissionen des tertiären Sektors (Dienstleistungsgebäude, insbesondere Wärme und Warmwasser) sowie den energie- und prozessbedingten Emissionen des sekundären Sektors (Industrie). Die Emissionen aus der Abfallbewirtschaftung (inkl. Abfallverbrennung) und sowie aus Deponien und Abwasserreinigungsanalgen werden ebenfalls mitgezählt.

Datenquelle: EcospeedRegion, 2024

Treibhausgasemissionen aus Wirtschaft und Industrie. Aufgeteilt nach Dienstleistungen, Industrie und Abwasser und Abfall. Bisherige Entwicklung und Szenarien.

Erläuterung zu den Kategorien:

  • Dienstleistungen = Energetische Emissionen des tertiären Sektors
  • Industrie = Energetische Emissionen des sekundären Sektors, Flüchtige Emissionen, Emissionen von Grossverbrauchern (energetische und nicht-energetische Emissionen)
  • Abwasser und Abfall = Deponierung, Industrielle Kompostierung/Vergärung, Abfallverbrennung, Abwasserreinigung gemäss Bund