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Aus der Praxis

Labiola-Wiki

Wimmelbild mit landwirtschaftlichen Motiven wie Tiere Bauer Traktor.
Seit 35 Jahren lassen sich Aargauer Landwirtschaftsbetriebe bei der Biodiversitätsförderung beraten. Illustration: Julien Gründisch

Wie viele Betriebe machen bei Labiola mit? Diese und weitere Fragen beantwortet das neue Labiola-Wiki. Zum Jubiläum lancieren wir unser Nachschlagewerk mit 35 Fragen und Antworten.

Das Labiola-Wiki beantwortet 35 häufige Fragen rund um das Programm Labiola. Fehlt eine Frage, die Sie besonders interessiert? Schreiben Sie an labiola@ag.ch .

Geschichte und Zukunft

1. Wofür steht "Labiola"?

"Labiola" steht für "Landwirtschaft – Biodiversitätsförderung – Landschaft". Mit dem Programm Labiola unterstützt der Kanton Aargau die Leistungen der Landwirtschaft zur Erhaltung und Neuanlage artenreicher Lebensräume und zur Förderung attraktiver Naherholungsgebiete im Kulturland. Das Programm stützt sich auf Instrumente der eidgenössischen Agrarpolitik, insbesondere auf die Beitragssysteme Biodiversität und Landschaftsqualität.

2. Wie hat Labiola angefangen?

Labiola begann 1991 als Pilotprojekt im oberen Fricktal, um die Biodiver-sität in der Kulturlandschaft gezielt zu fördern. Beteiligt waren Landwirtschaftsbetriebe, die auf freiwilliger Basis Fördermassnahmen umsetzten, welche über die übliche Bewirtschaftung hinausgehen. Zentral waren von Beginn weg drei Elemente: vertraglich geregelte Massnahmen und Beiträge, fachliche Beratung vor Ort und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen.

Film "25 Jahre Labiola" aus dem Jubiläumsjahr 2016

3. Welches waren wichtige Meilensteine der letzten 35 Jahre?

Meilensteine
1991Pilotprojekt "Naturgemässe Kulturlandschaft Fricktal"; Abschluss von Bewirtschaftungsvereinbarungen mit Landwirtschaftsbetrieben im Oberen Fricktal.

Auftraggeber: Abteilung Landschaft und Gewässer, Landwirtschaft Aargau
Projektleitung: Agrofutura AG
1994Ausdehnung der "Bewirtschaftungsverträge naturnahe Landwirtschaft" (BeVe) auf Gemeinden in kantonalen Vorranggebieten (Beitrags- und Aufwertungsgebiete) ausserhalb des Fricktals
Gründung der IG Natur und Landwirtschaft (IG N&L) mit dem Ziel, die Interessen der am Programm beteiligten Landwirte zu vertreten.
2002Einführung von "Vernetzungsvereinbarungen" für Landwirtschaftsbetriebe in Gemeinden ausserhalb der kantonalen Vorranggebiete.
2009Erarbeitung neuer Richtlinien im Rahmen eines partizipativen Prozesses in Zusammenarbeit mit der IG Natur & Landwirtschaft; Auslöser waren Änderungen in der Ökoqualitätsverordnung (ÖQV) des Bundes; Erneuerung des Projektleitungs- und Beratungsmandats der Agrofutura AG.
2014Neue Namensgebung "Labiola" (Landwirtschaft, Biodiversität, Landschaft); damit einhergehend Einführung von Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsbeiträgen auf Bundesebene in Rahmen der Direktzahlungsverordnung; Überarbeitung der Labiola-Richtlinien; Wechsel von sechsjährigen zu achtjährigen Bewirtschaftungsverträgen.

Erarbeitung von regionalen Landschaftsqualitätsprojekten in Zusammenarbeit mit den Regionalplanungsverbänden, dem Jurapark Aargau und dem Bauernverband Aargau.
2016Jubiläumsfeierlichkeiten mit Bevölkerungsanlässen zum
25-jährigen Bestehen der Bewirtschaftungsverträge
2022Auftrag des Bundes an die Kantone zur Überführung der Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsbeiträge in die neuen "Beiträge für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität", die im Zeitraum 2028–2030 eingeführt werden sollen.

4. Wie geht es weiter mit Labiola?

Im Rahmen der Agrarpolitik 22+ des Bundes haben die Kantone den Auftrag, die Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsbeiträge in die neuen "Beiträge für regionale Biodiversität und Landschaftsqualität" (rBL) zu überführen, die im Zeitraum 2028–2030 eingeführt werden sollen. Gegenwärtig erarbeiten die Programmleitung Labiola im Austausch mit den Verbänden und der IG N&L den rBL-Massnahmenkatalog.

Die achtjährigen Vereinbarungen mit gesamtbetrieblicher Beratung wird es weiterhin geben; es werden flächendeckend alle interessierten Aargauer Betriebe eine rBL-Vereinbarung abschliessen können.

Ziele und Zielüberprüfung

5. Welches sind die Grundwerte des Programms, und welche Ziele sollen erreicht werden?

Die Grundwerte und Ziele für das Programm Labiola sind:

  • Ökologisch wertvolle Lebensräume im Kulturland erhalten und fördern
  • Wertvolle Lebensräume räumlich vernetzen und die ökologische Infrastruktur sicherstellen
  • Definierte Ziel- und Leitarten von Flora und Fauna gezielt fördern
  • Landwirtschaftsbetriebe bei der Biodiversitätsförderung beraten, die Praxistauglichkeit der Fördermassnahmen sicherstellen und die Leistungen angemessen abgelten

6. Welche Elemente werden gefördert?

Gefördert werden arten- und strukturreiche Lebensräume wie extensive Wiesen und Weiden, Brachen und Säume, Hecken und Bäume sowie zahleiche Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen. Dazu gehören Anlage, schonende Bewirtschaftung und Pflege der Flächen und Objekte. Labiola trägt zur Sicherung einer funktionierenden ökologischen Infrastruktur bei.

7. Wie werden regionale Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigt?

Die Biodiversitätsfördermassnahmen im Programm Labiola basieren auf den kantonalen Inventaren von Lebensräumen und vorkommenden Arten. Für jede Region wurden spezifische Förderziele festgelegt, welche auf die Lebensraumansprüche der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten abgestimmt sind.

Die Landschaftsqualitätsmassnahmen basieren auf Landschaftsanalysen, welche im Rahmen der regionalen Projekte durchgeführt wurden. Je nach Landschaftstyp wurden prioritäre Massnahmen festgelegt.

8. Wie wird die Langfristigkeit gewährleistet?

Die beteiligten Betriebe schliessen achtjährige Bewirtschaftungsvereinbarungen ab. Sie werden beim Abschluss umfassend beraten und können sich jederzeit mit Fragen an die Beratungspersonen wenden. Die Programmleitung Labiola legt Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den beteiligten Landwirtschaftsbetrieben. Dadurch sind die meisten Landwirtinnen und Landwirte bereit, ihre Vereinbarungen jeweils um eine weitere achtjährige Periode zu verlängern. Viele Labiola-Elemente entfalten ihre volle Wirkung wirken erst über Jahre bis Jahrzehnte. Deshalb ist Kontinuität zentral.

9. Wie wird der Erfolg gemessen?

Um den Erfolg von Labiola zu messen, wurde im Auftrag des Kantonsparlaments der Labiola-Indikator (PDF, 4 Seiten, 654 KB) etabliert. Dieser misst die Entwicklung der Tagfalter- und der Brutvogelarten in der Aargauer Landschaft ab 2003. Der Labiola-Indikator baut auf dem kantonalen Biodiversitätsmonitoring LANAG auf. Zusätzlich zu den regelmässig im Kanton verteilten LANAG-Untersuchungsflächen (1 km2) werden Erhebungen in Gebieten mit einem hohen Anteil an Labiola-Vereinbarungsflächen durchgeführt. Der aus den Felddaten abgeleitete Indikator illustriert den Unterschied zwischen stark und schwach vernetzten Gebieten. Als "stark vernetzt" werden Gebiete mit einem sehr hohen Labiola-Flächenanteil von 25 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzfläche definiert, als "schwach vernetzt" solche mit einem tiefen Anteil von 5 Prozent. Als Referenz wurde der Indikator-Wert für die "stark vernetzten" Gebiete im Jahr 2017 als 100 Prozent definiert.

Zudem fliessen auch Ergebnisse aus anderen Monitorings (Biodiversitätsmonitoring Schweiz, Amphibienmonitoring Aargau) in die Weiterentwicklung der Labiola-Massnahmen ein.

Leistungen

10. Wie viele Landwirtschaftsbetriebe beteiligen sich am Programm Labiola?

Rund 1'560 Landwirtschaftsbetriebe bewirtschaften ihre Biodiversitätsförderflächen nach den Labiola-Richtlinien. Im Jahr 2025 waren es 1'399 Gesamtbetriebsvereinbarungen und 162 Einzelflächen- beziehungsweise Pflegevereinbarungen.

Die Landschaftsqualitätsmassnahmen sind in separaten Vereinbarungen festgelegt. Im Jahr 2025 waren es rund 1'400 Landschaftsqualitätsvereinbarungen.

11. Wie viele Fläche wird im Programm Labiola bewirtschaftet?

Die am Programm Labiola beteiligten Bauernfamilien bewirtschaften und pflegen über 8'000 ha Biodiversitätsförderflächen sowie über 90'000 Bäume (Stand 2025). Die Labiola-Fläche umfasst nahezu 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kantons Aargau.

Fläche und Flächenanteil der Labiola-Objekttypen (Stand 2025, ohne Bäume)
ObjekttypFläche in haAnteil in %
Streueflächen2092,6
Magerwiesen5536.9
Fromentalwiesen1'96724,5
Übrige extensiv genutzte Wiesen2'39129,8
Extensiv genutzte Weiden85510,6
Brachen und Säume auf Ackerfläche3944,9
Hecken, Feld- und Ufergehölze5246,5
Artenreiche Rebflächen1151,4
Getreide in weiter Reihe und Ackerschonstreifen7999,9
Andere Objekte2252,8
Total8'032100

12. Wie viele Blumenwiesenfläche wurde gesät?

Im Zeitraum 2017–2025 wurden 590 Hektar Blumenwiesen angelegt, meistens als Aufwertungsmassnahme auf bestehenden Wiesenflächen. Seit dem Programmstart 1991 wurden schätzungsweise über 2'000 Hektar Blumenwiesen gesät.

13. Wie viele Bäume und Hecken wurden gepflanzt?

  • Bäume: Schätzung Bäume [RG] pendent
  • Hecken: Im Zeitraum von 2018–2025 pflanzten die Labiola-Betriebe 35 km Hecken. Seit dem Programmstart 1991 dürften es schätzungsweise 100 km Hecken sein, die neu gepflanzt wurden.

14. Wie viele Kleinstrukturen wurden angelegt?

In jeder gesamtbetrieblichen Labiola-Vereinbarung sind mindestens drei Kleinstrukturen (Ast- oder Steinhaufen, naturnahe Holzbeige, Gebüschgruppe etc.) vereinbart. Die meisten Labiola-Betriebe legen jedoch deutlich mehr Kleinstrukturen an. Eine konservative Schätzung* ergibt eine Gesamtzahl von mindestens 10'000 Kleinstrukturen, die von Labiola-Betrieben unterhalten und gepflegt werden.

* Die Kleinstrukturen sind in den Bewirtschaftungsvereinbarungen detailliert erfasst. Eine automatische Auswertung über das gesamte Kantonsgebiet ist jedoch aus technischen Gründen nicht möglich.

15. Wie viele Arbeitskraftstunden leisten die Labiola-Betriebe pro Jahr?

Die am Programm Labiola beteiligten über 1'500 Landwirtschaftsbetriebe leisten jährlich ungezählte Pflegestunden. Dazu gehört die gestaffelte Mahd von Wiesen, die Bewirtschaftung und Neuanlage von Brachen und Säumen, das Freihalten aller Flächen vor Problempflanzen sowie die Hecken-, Baum- und Tümpelpflege.

Eine konservative Schätzung, basierend auf Standardwerten (Quelle: Deckungsbeitragskatalog 2025), ergibt eine Bewirtschaftungsleistung auf den Labiola-Flächen von rund 300'000 Arbeitskraftstunden pro Jahr.

16. Wie werden die Leistungen der Labiola-Betriebe finanziell abgegolten?

Labiola-Betriebe erhalten gemäss ihren vereinbarten Leistungen Biodiversitäts-, Vernetzungs-, Naturschutz- und/oder Landschaftsqualitätsbeiträge. Während die Biodiversitätsbeiträge zu 100 Prozent vom Bund finanziert werden, beteilig sich der Kanton Aargau bei den Vernetzungs- und Land-schaftsqualitätsbeiträgen zu jeweils 10 Prozent

  • Biodiversitätsbeiträge DZV: Die im Rahmen der Bewirtschaftungsverträge Labiola ausbezahlten Biodiversitätsbeiträge gemäss Direktzahlungsverordnung (DZV) des Bundes setzen sich aus den Beiträgen der Qualitätsstufe I, der Qualitätsstufe II und der Vernetzung zusammen. Insgesamt waren es rund 18 Millionen Franken.
  • Kantonale Beiträge Vernetzung und Naturschutz: Total wurden 2025 rund 1,3 Millionen Franken kantonale Vernetzungs- und Naturschutzbeiträge an Labiola-Betriebe ausbezahlt.
  • Landschaftsqualitätsbeiträge: Jährlich werden rund 8,2 Millionen Franken Landschaftsqualitätsbeiträge an Labiola-Betriebe ausbezahlt. Der kantonale Anteil daran beträgt rund 820'000 Franken.

17. Welche Anreize gibt es für besonders hohe ökologische oder landschaftliche Qualität?

Jeder Labiola-Betrieb wird persönlich vor Ort beraten, wie er seine Wiesen, Weiden, Ackerflächen oder Hecken oder so bewirtschaften kann, dass eine möglichst hohe Lebensraum-Qualität entsteht. Das Beitragssystem berücksichtigt sowohl die ökologische Qualität der Flächen (Qualitätsstufe I und II) als auch die Leistung zur Erhaltung und Förderung dieser Qualität. Das Programm Labiola unterstützt Baum- und Heckenpflanzungen sowie Ansaaten von Blumenwiesen und bunter Ackerbegleitflora, um das Nahrungsangebot für Insekten zu fördern und bunte Akzente in der Landschaft zu setzen.

Wirkung

18. Welche Wirkung hat Labiola auf die Artenvielfalt im Aargau?

Der Labiola-Indikator (PDF, 4 Seiten, 654 KB) zeigt nachweislich eine positive Wirkung auf die Artenvielfalt. Der Indikator vergleicht die Artenvielfalt von Tagfaltern und Brutvögeln in schwach und in stark vernetzten Gebieten im Aargau. Aktuell liegt der Indikator mit 98 Prozentpunkten in den stark vernetzten Gebieten deutlich höher als in den schwach vernetzten (83 Prozentpunkte). Beide Werte liegen zudem nochmals deutlich über den Gebieten mit Standard-Biodiversitätsförderflächen (BFF) ohne Labiola-Vereinbarung ("BFF Basis", 78 Prozentpunkte) oder gar Gebieten ohne BFF ("LN ohne BFF", 74 Prozentpunkte).

Der Wert für die stark vernetzten Gebiete ist im Jahr 2024 allerdings erstmals unter den Referenzwert von 100 Punkten aus dem Jahr 2017 gefallen. Der Rückgang in den beiden letzten Jahren ist auf zwei besonders arten- und individuenarme Tagfaltersaisons zurückzuführen. So wurden im Jahr 2024 in den vierzehn Untersuchungsflächen insgesamt nur rund ein Drittel so viele Tagfalterindividuen gezählt (7'000 Individuen) wie im Rekordjahr 2018 (20’000 Individuen).

Die leicht sinkende Tendenz tritt in allen Kategorien des Labiola-Indikators gleichermassen auf. Der Indikatorwert liegt heute sowohl in den stark wie auch den schwach vernetzten Gebieten noch rund 10 Prozentpunkte über dem niedrigen Ausgangswert von 2003. In diesem Zeitraum wurde die Labiola-Fläche insgesamt von 2'760 ha auf rund 9’000 Hektar gesteigert: Einerseits wurde der Vernetzungsperimeter deutlich ausgedehnt und andererseits die Vernetzung verdichtet.

19. Welche Arten profitieren von Labiola und welche bleiben trotz Förderung gefährdet?

Bei den Tieren profitieren insbesondere Arten, die auf strukturreiche Lebensräume angewiesen sind, wie die Goldammer und der Neuntöter. Ebenso profitieren Magerwiesenspezialisten wie der Himmelblaue Bläuling (Lysandra bellargus) oder der Hainveilchen-Perlmutterfalter sowie Arten der feuchten Lebensräume wie die Gelbbauch-Unke und die Kreuzkröte.

Bei den Pflanzen profitieren Arten der wenig intensiven bis extensiven Nutzung wie Orchideen, Glockenblumen, Lilien, Nelken und viele mehr.

Bei der Entwicklung der Arten- und Individuenzahlen bestätigen die Monitoring-Ergebnisse im Aargau den schweizweiten Trend: Bei Arten mit geringen bis mittleren Lebensraumansprüchen nehmen Individuenzahlen und Verbreitung zu. Bei den anspruchsvollen Arten, die auf besonders vielfältige Lebensräume, grosse Streifgebiete oder lange Nutzungsintervalle angewiesen sind, nehmen Individuenzahlen und Verbreitung weiterhin ab.

20. Welche Fördermassnahmen sind besonders wirksam?

Wirksam ist die standortangepasste, extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden sowie die Bereitstellung von blüten- und strukturreichen Flächen für Kleintiere. Zentral sind die Vernetzung der Lebensräume sowie kurze Distanzen zwischen Nahrungsquelle, Tagesverstecken und Brutplätzen.

Massnahmen zur Förderung der Pflanzenvielfalt in Wiesen

  • Verzicht auf Düngung in Wiesen
  • Späte oder gestaffelte Nutzung
  • Neuansaaten mit regionalem Saatgut

Massnahmen zur Förderung der Strukturvielfalt

  • Pflanzung und Pflege von Hecken und Bäumen
  • Anlage von Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen
  • Rückzugsstreifen oder gestaffelte Nutzung in Wiesen

Massnahmen zur Förderung des Angebots an Nahrung und Brutplätzen

  • Anlage und Pflege von Blühflächen im Ackerbaugebiet
  • Pflege von Weiden mit lückiger Vegetation
  • sowie alle oben genannten Massnahmen

21. Welche Anreize gibt es für besonders hohe ökologische oder landschaftliche Qualität?

Im Rahmen der Beratung werden die Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter dafür sensibilisiert, welche Massnahmen für die Zielarten in ihrer Region besonders wertvoll sind.

Für die Biodiversitätsförderflächen besteht ein abgestuftes Beitragssystem, welches sich an der Qualitiät der Flächen sowie am Bewirtschaftungsaufwand orientiert. Bei den Landschaftsqualitätsmassnahmen besteht ein Bonus-System, basierend auf definierten Fördergebieten.

22. Wie fliessen Erkenntnisse aus der Biodiversitätsforschung ins Programm Labiola ein?

Die Programmleitung Labiola sowie die mit der Beratung der Labiola-Betriebe beauftragte Agrofutura AG stehen im Austausch mit der Forschungsanstalt Agroscope, den Universitäten und Fachhochschulen sowie mit den Züchtern von Wildblumen. Darüber hinaus plant und begleitet die Agrofutura AG im Auftrag des Kantons regelmässig Praxisversuche auf Biodiversitätsförderflächen im Aargau. Die Erkenntnisse aus Forschung und Versuchen fliessen in Form angepasster oder neuer Elemente oder Bewirtschaftungsformen ins Programm ein. So wurden beispielsweise ab 2022 eine Reihe neuer Fördermassnahmen für Wildbienen ins Programm aufgenommen, die zuvor im Aargau erfolgreich getestet worden waren.

23. Wie fliesst das Praxiswissen der Labiola-Betriebe ins Programm ein?

Das Bewirtschaftungs-Know-how der Labiola-Betriebe wird über die Beratung direkt an andere Betriebe weitervermittelt. Fachfragen werden an Veranstaltungen der IG Natur und Landwirtschaft (IG N&L) sowie des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg diskutiert und direkt "von Bäuerin zu Bauer" weitergegeben.

Herausforderungen

24. Was unternimmt der Kanton Aargau gegen invasive Neophyten und andere Problempflanzen auf Labiola-Flächen?

Der Kanton setzt auf Prävention und fachliche Anleitung. Der fachgerechte Umgang mit Problempflanzen ist Bestandteil der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung. Aktionen zur Sensibilisierung und Unterstützung aller Akteure und Betroffener erfolgen im Rahmen der kantonalen Strategie Invasive Neobiota 2025+.

Wenn ein Problempflanzen-Befall auftritt, der das bewältigbare Ausmass übersteigt, melden sich die betroffenen Bewirtschafter bei ihrer Beratungsperson. Gemeinsam wird eine geeignete Massnahme vereinbart, wie beispielsweise Säuberungsschnitte, Ausreissaktionen oder Umbruch und Neuansaat von betroffenen Flächen.

Die Beurteilung der Pflanzenbestände auf Problempflanzen ist zudem Bestandteil der regulären Betriebskontrollen, welche im Auftrag des Kantons durch die Agricon GmbH durchgeführt werden.

25. Welche Herausforderungen müssen Labiola-Betriebe meistern?

  • Überblick behalten: Labiola-Betriebe bewirtschaften ihre Biodiversitätsförderflächen nach vereinbarten Vorgaben. Bei umfangreichen Vereinbarungen ist es eine Herausforderung, die Nutzungs- und Pflegeingriffe so zu planen, dass sie sich in die Betriebsabläufe integrieren lassen und zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Methode erfolgen. Eine besondere Herausforderung sind dabei Änderungen in den Bewirtschaftungsvorgaben, die sich aufgrund von Anpassungen der Direktzahlungsverordnung ergeben.
  • Planungssicherheit: Auf vielen Labiola-Betrieben ist die Biodiversitätsförderung ein Betriebszweig, welcher wesentlich zum Einkommen beiträgt. Die Betriebe vertrauen darauf, dass die vereinbarten Beiträge über die ganze Vereinbarungsperiode gleichbleiben. In den vergangenen Jahren führten agrarpolitische Entscheide auf Bundesebene zu Beitragssenkungen, welche die Kantone an die Betriebe weitergeben mussten. Bei fehlender Planungssicherheit sinkt die Bereitschaft der Betriebe, sich an Förderprogrammen zu beteiligen.
  • Problempflanzen: Biodiversitätsförderflächen weisen naturgemäss eine lückigere Vegetation auf als intensiver bewirtschaftete Flächen. Entsprechend besteht ein höhere Verunkrautungsrisiko mit Problempflanzen. Labiola-Betriebe verbringen jährlich viel Zeit damit, ihre Biodiversitätsförderflächen frei von Problempflanzen zu halten.

Beratung

26. Wer berät die Labiola-Betriebe?

Die Labiola-Betriebe werden im Mandat durch die Agrofutura AG beraten. Die Ausschreibung des Beratungsmandats erfolgt periodisch im Submissionsverfahren.

27. Wie viele Beratungsstunden leisten die Labiola-Beraterinnen und-Berater jährlich?

[pendent]

28. Wie werden die Labiola-Beraterinnen und Berater ausgebildet?

Die Labiola-Beraterinnen und -Berater der Agrofutura AG verfügen über abgeschlossene Ausbildungen an einer Fachhochschule oder Hochschule in den Fachbereichen Agronomie, Biologie, Geografie oder Umweltnaturwissenschaften. Gelernte Landwirtinnen und Landwirte EFZ gehören ebenfalls zum Beratungsteam. Neue Mitarbeitende absolvieren den Lehrgang Biodiversitätsberatung.

Organisation & Finanzen

29. Wer kann bei Labiola mitmachen?

Beteiligen können sich direktzahlungsberechtigte Aargauer Landwirtschaftsbetriebe mit Flächen innerhalb des Vernetzungsperimeters. Im Zeitraum 2028–2030 wird der Vernetzungsperimeter wegfallen. Ab dann können sich auch Betriebe in Gemeinden beteiligen, die bisher kein Vernetzungsprojekt hatten.

30. Wer ist beim Kanton für Labiola verantwortlich?

Labiola ist ein gemeinsames Programm von Landwirtschaft Aargau (DFR) und der Abteilung Landschaft und Gewässer (BVU). Für die Programmleitung sind Markus Peter und Ramona Gaggini verantwortlich.

Programmorganisation Labiola (PDF, 1 Seite, 238 KB)

31. Wer sind die Labiola-Partner?

Die wichtigsten Akteure im Programm Labiola sind die rund 1'560 beteiligten Landwirtschaftsbetriebe. Diese sind Mitglieder der IG Natur und Landwirtschaft (IG N&L). Weitere wichtige Partner in der Zusammenarbeit sind die Agrofutura AG, welche im Mandat für die Beratung der Landwirtschaftsbetriebe Zuständig ist, die Gemeinden, die Regionalplanungsverbände, der Bauernverband Aargau, der Jurapark Aargau, die Aargauer Naturschutzverbände, die Fachstellen der Nachbarkantone sowie das Bundesamt für Landwirtschaft.

32. Auf welche Rechtsgrundlagen stützt sich das Programm?

Als gemeinsames Programm von Landwirtschaft Aargau (DFR) und der Abteilung Landschaft und Gewässer (BVU) nutzt das Programm Labiola die Förderinstrumente der Landwirtschafts- und Naturschutzgesetzgebung. Massgebend sind folgende Rechtsgrundlagen:

Bund:

Kanton:

33. Was kostet Labiola und wie wird das Programm finanziert?

Labiola wird über Direktzahlungen und Naturschutzbeiträge des Bundes sowie über kantonale Beiträge finanziert. Die Labiola-Betriebe beteiligen sich an den Kosten der Vertragserarbeitung.

Abzüglich der Bundesbeiträge und der Kostenbeteiligungen der Landwirtinnen und Landwirte verbleiben dem Kanton Netto-Kosten von 1,5 Millionen Franken.

34. Wie werden die Betriebe finanziert?

Die Kontrolle der Bewirtschaftungsvorgaben erfolgt durch die Agricon GmbH im Auftrag von Landwirtschaft Aargau.(DFR). Jährlich werden rund [pendent] Betriebe kontrolliert.

35. Welche Synergien gibt es mit anderen Programmen?

Labiola ist abgestimmt mit dem Programm Natur 2030 der Abteilung Landschaft und Gewässer (BVU). Weitere Synergien bestehen mit dem Auenschutzpark Aargau, Artenförderungsprojekten, Waldrandaufwertungen und anderen kantonalen und regionalen Naturschutzprojekten.