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Aus der Praxis

Feuchtwiesen ansäen: eine Chance für die Artenvielfalt

Eine bunte Riedwiese im Hochsommer.
Traditionelle Feuchtwiesen sind artenreich. Auf verarmten Standorten lässt sich die Vielfalt mit einer Ansaat wiederherstellen. Foto: Albert Krebs, Bildarchiv ETH Zürich

Bis 2040 sollen Aargauer Landwirtschaftsbetriebe freiwillig 280 ha Feuchtflächen aufwerten oder neu schaffen; so hat es der Grosse Rat beschlossen. Das Programm Labiola setzt dazu einen Schwerpunkt bei der Ansaat von Feuchtwiesen.

Gegenvorschlag setzt auf freiwillige Lösungen

Der Grosse Rat stimmte 2024 dem Gegenvorschlag zur Aargauer Gewässerinitiative einstimmig zu. Der Gegenvorschlag setzt auf freiwillige Massnahmen. Bis 2060 sollen insgesamt 1'000 ha Feuchtgebiete im Wald, in der Landwirtschaft und im Siedlungsgebiet geschaffen werden. Für die Landwirtschaft bedeutet das: Bis 2040 sollen im Kulturland über das Programm Labiola 280 ha Feuchtflächen aufgewertet oder neu geschaffen werden. Es werden keine Flächen zur Wiedervernässung vorgeschrieben. Stattdessen werden gemeinsam mit interessierten Bewirtschaftenden geeignete Standorte gesucht, geprüft und schrittweise umgesetzt. Die Ziele sind mehr Biodiversität, ein längerer Wasserrückhalt und damit eine Minderung der Folgen von Trockenheit und Starkregen.

Feuchtwiesen ansäen

Neben der Anlage von Tümpeln und vernässenden Mulden oder der Revi-talisierung von Quellbereichen setzt das Programm Labiola einen Schwerpunkt auf die Ansaat von Feuchtwiesen. Labiola-Betriebe haben die Möglichkeit, auf mässig feuchten bis nassen Flächen eine von drei neu entwickelten Mischungen anzusäen (siehe Hinweisbox). Diese enthalten ein breites Spektrum an Gräsern und Kräutern, die typischerweise an feuchten Standorten vorkommen. Damit wird lokal eine Verschiebung der gesamten Lebensgemeinschaft angestossen: Es siedeln sich Arten an, welche die neu angelegte Feuchtvegetation als Nahrung oder Lebensraum nutzen; dazu gehören Bakterien, Pilze, Insekten, Spinnen sowie seltene Amphibien- und Vogelarten.

Eine Sumpfschrecke auf einem Feuchtgras.
Die Sumpfschrecke ernährt sich von Binsen, Seggen und anderen Feuchtgräsern. Ihre Eier legt sie in feuchten Boden. Foto: Albert Krebs, Bildarchiv ETH Zürich

Standort entscheidet über den Erfolg

Nicht jede feuchte Fläche eignet sich für die Ansaat einer Feuchtwiese. Der ökologische Erfolg hängt stark von Wasserhaushalt, Nährstoffgehalt, Bodenart und Bewirtschaftung ab. Entscheidend ist eine standortangepasste Umsetzung, die gemeinsam mit den Bewirtschaftenden erarbeitet wird.

Neue Labiola-Feuchtmischungen

Hervorgehoben:Drei Labiola-Mischungen im Test

Die nachfolgenden drei Mischungen wurden für das Programm Labiola entwickelt. Erste Flächen wurden 2025 und 2026 auf Labiola-Betrieben angelegt, um die Mischungen zu testen. Wir suchen weitere Testflächen. [Unter Link Referenz: Link zum Beitrag 2 "Newsletter Wiesen für Testmischungen gesucht" einfügen]

Labiola Feuchtwiese

Grosser Wiesenknopf Pflanzen in einer Feuchtwiese.
Der Grosse Wiesenknopf ist eine typische Art der Feuchtwiesen. Foto: Albert Krebs, Bildarchiv ETH Zürich

Diese Mischung eignet sich für feuchte Standorte, auf denen in niederschlagsreichen Jahren zeitweise Wasser stehen kann. Die Fläche wird zweimal genutzt. Der erste Schnitt erfolgt ab 15. Juni bzw. 1. Juli. Typische Arten sind Kuckucks-Lichtnelke und Grosser Wiesenknopf.

Labiola Streuewiese

Streuewiese mit vielen blühenden Blutweiderich.
Der Blutweiderich blüht in Streuewiesen bis in den Spätsommer. Foto: Albert Krebs, Bildarchiv ETH Zürich

Die Mischung ist für feuchte bis nasse Standorte geeignet, etwa im Gewässerraum oder in Senken. Auf der Fläche sollte mindestens alle drei Jahre für einige Tage Wasser stehen. Nutzung: Die Fläche wird einmal ab 1. September geschnitten. Typische Arten sind Blutweiderich und Nelkenwurz.

Labiola Krautsaum feucht

Blühende Mädesüss Hochstauden in feuchtem Krautsaum.
Hochstauden wie das Mädesüss prägen den Pflanzenbestand in Streuewiesen. Foto: Albert Krebs, Bildarchiv ETH Zürich

Die Mischung eignet sich für feuchte bis nasse Standorte, insbesondere für die Anlage von Randstreifen an Waldrändern oder um Kleingewässer. Hier erfolgt nur ein Schnitt ab 1. August. Dabei kann die Hälfte oder die gesamte Fläche geschnitten werden. Typische Arten sind Mädesüss (Spierstaude) und Gemeiner Gilbweiderich.