INV-RHE949 Stadtweg 51, 1926-1927 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE949
Ref. code AP:RHE949
Title:Stadtweg 51
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Bildlegende:Ansicht von Nordwesten (2024)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Eremitage
Adresse:Stadtweg 51
Versicherungs-Nr.:862
Parzellen-Nr.:1902
Koordinate E:2626984
Koordinate N:1266387
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626984.41,1266384.52&z=13&info=2626984.1062934385,1266387.1336685473,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1926 - 1927
Grundlage Datierung:Baugesuch; Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Information on related materials

Autorschaft:Ernst Schelling
Würdigung:Wohnhaus in frei adaptierten Formen des Heimatstils und Neoklassizismus, das 1929 zusammen mit einem originell gestalteten Ökonomiegebäude am östlichen Rand des Kapuzinerbergs für Fritz Wüthrich-Müller errichtet wurde. Die Pläne für die Gebäude und den Garten stammten aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen zur Brauerei Feldschlösschen von deren Hausarchitekt Ernst Schelling. Der Hof bildet zusammen mit dem etwas jüngeren Pächterhaus ein intaktes Ensemble in unverbauter Umgebung. Im Innern bewahrt das Wohnhaus neben der Raumstruktur wesentliche Teile der bauzeitlichen Ausstattung, darunter das Treppenhaus mit Art déco-Geländer, Füllungstüren, Parkett- und Dielenböden. Weitgehend erhalten ist auch der gleichzeitig angelegte Garten mit Gartenhaus von 1935.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Wohnhaus und die südlich benachbarte Scheune wurden 1926/27 für Fritz Wüthrich-Müller erstellt [1]. Der neue Hof löste den grossen Landwirtschaftsbetrieb "Rosenau" von Wüthrich an der Kaiserstrasse/Zürcherstrasse ab. Für die Pläne zeichnete der Architekt Ernst Schelling (1885–1955) verantwortlich, der das Baubüro Feldschlösschen leitete und im Umfeld der Familien Wüthrich und Roniger bei Bauprojekten beigezogen wurde. Gleichzeitig plante Schelling auch die umfriedete Gartenanlage, die 1935 mit einem Gartenhaus der südwestlichen Ecke ergänzt wurde.
1946 wurde am Wohnhaus der rückwärtige Terrassen- und Laubenbau zwecks Vergrösserung des südwestlichen Zimmers erweitert, wodurch dieser eine asymmetrische Volumetrie erhielt. 1977 liess der Eigentümer A. Jenny eine Innenrenovation vornehmen und in diesem Zusammenhang die Fenster ersetzen. Möglicherweise wurde damals im Wohnzimmer die Korbbogennische mit Kachelofen und Sitzkunst eingebaut. Weitere Veränderungen der jüngeren Zeit betreffen u. a. die Zusammenlegung der beiden westlichen Räume im Erdgeschoss, den Einbau von vier Dachflächenfenstern anstelle der halbrunden Blechgauben (2012), und die Verlegung eines neuen Plattenbodens im Eingangsbereich.
Das Ökonomiegebäude von 1926 wurde 1976 unter Dr. iur. Max Wüthrich nach einem Brand annähernd identisch wiederaufgebaut (Backsteinmauern, Hourdisdecken, neu mit Eternitverkleidung im oberen Fassadenbereich). Der lange giebelständige Bau birgt ein Tenn, zwei Ställe für Rindvieh mit dazwischen liegendem Futtergang und im Untergeschoss einen Hühnerstall. Strassenseitig sind ein Pferdestall und ein Geräteraum untergebracht. Die symmetrisch zu beiden Seiten angeordneten polygonalen Kopfbauten sind unter Walmdächern geborgen. Der zum Wohnhaus hin gelegene Teil diente früher als Autogarage und Rübenkeller, der zum Pächterhaus hin gelegene als Remise – beide mit rückwärtiger Einfahrt.
Beschreibung:Das nach der nahegelegenen Eremitage benannte Wohnhaus schliesst zusammen mit den anderen Hofgebäuden die Bebauung des Kapuzinerbergs nach Osten ab. Die Baugruppe ist von Wiesland und Bäumen umgeben; dahinter fliesst der Magdenerbach durch das Kunzental.
Der kompakte, zweigeschossige Mauerbau trägt ein steiles, geknicktes Satteldach mit Fusswalm an der strassenseitigen Giebelseite. Die mit einem groben Kellenwurf verputzten Fassaden werden von glatten Ecklisenen und einem niedrigen Sockel eingefasst. Die der Strasse zugewandte Giebelseite ist als Schaufassade mit axial angeordneten Zwillingsfenstern ausgezeichnet. Die beiden Rechteckfenster im Giebelfeld sind mit einem schmalen durchlaufenden Kranzgesims zusammengefasst. Den Bereich darüber ziert ein kleines Fensterchen mit Kielbogenabschluss und wuchtigem Gesims. Dasselbe Fensterchen findet sich auf der rückwärtigen Giebelseite, während sonst gewöhnliche Rechteckfenster eingelassen sind und den beiden Hauptwohngeschossen ein Anbau mit Terrasse und Laube unter Walmdach vorgelagert ist. Die Laube im Obergeschoss ist rundum verglast, wobei die Fenster nur durch Holzpfosten mit stilisierten Kapitellen und Zierkonsolen voneinander geschieden sind. Die Terrasse und die anschliessende Zimmererweiterung im Erdgeschoss gewähren mit grossen querliegenden Fenstern den Blick ins Grüne. Der Klinkerboden der Terrasse dürfte zum ursprünglichen Baubestand gehören. Der Treppenabgang zum Garten wird von einem Korbbogen überspannt. Gleich daneben führt eine Treppe entlang der Hauswand von der Waschküche im Keller zum Garten. Die Nordfassade ist mit rechteckigen Einzelfenstern und einem Gartenausgang mit knappem blechverkleidetem Vordach sowie einem aus grob zubehauenen Steinquadern gemauerten Treppenabgang versehen. Die dem Ökonomiegebäude zugewandte Südfassade ist als Eingangsseite mit zentralem Hauseingang gestaltet. Dieser ist über eine zweiläufige Treppe zu erreichen, auf deren Podest zwei toskanische Säulen ein grosses abgewalmtes Vordach tragen. Darüber ist das Fenster zum Treppenhaus mit einer Giebelbekrönung akzentuiert. Das Wappen der Familie Wüthrich, das auf dem Plan von Schelling fehlt und ausserdem aus einem anderen Steinmaterial gehauen ist, dürfte eine spätere Ergänzung sein. Die Kunststeingewände zu den Fenstern und Eingängen sind sorgfältig scharriert und mit abgestuften Sohlbänken versehen. Die Jalousieläden sind Nachbildungen aus Aluminium.
Das Entrée des Hauses ist mit wasserblauen Wandplättchen ausgekleidet (Bodenplatten neu). Über wenige Stufen gelangt man zum Vorplatz, um den herum sich im Westen das Wohnzimmer (ehemals zwei Räume), im Osten die Küche und eine Toilette sowie im Südosten ein weiteres Zimmer gruppieren. Im Obergeschoss sind die Räume analog aufgeteilt, wobei über der Küche ein Badezimmer eingeschoben ist und die Wand zwischen den Westzimmern noch besteht. Der Dachraum ist mit zwei bauzeitlichen Kammern teilweise ausgebaut. Neben Füllungstüren, Parkett- und Dielenböden, bewahrt das Haus die bauzeitliche Innentreppe, der aufgrund des aussergewöhnlichen Art déco-Geländers mit sorgfältig ausgesägtem Zackenmotiv handwerkliche Bedeutung zukommt.
Die Umgebung des Wohnhauses besitzt auf der Hofseite teilweise eine Pflästerung. Im Norden und Westen wird das Haus von einem winkelförmigen Garten umschlossen, der sich in der dreiteiligen Grundanlage samt Einfriedung und strukturbildenden Mäuerchen, Hecken, Plattenwegen und einer Pergola erhalten hat. Zur Gestaltung des Gartens, der Elemente des Zier-, Nutz- und Wohngartens vereint, gehören weiter ein offenes Gartenhaus in der Südwestecke und eine lebensgrosse knieende Bronzefigur.
Anmerkungen:[1] Baugeschichte gemäss den jeweiligen Bauplänen des Baugesuchsarchivs Rheinfelden.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142463
 

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