INV-RHE988 Spitalstrasse 9, 1955 (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE988
Ref. code AP:RHE988
Title:Spitalstrasse 9
Preview:
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Bildlegende:Ansicht von Süden (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Spitalstrasse 9
Versicherungs-Nr.:1327
Parzellen-Nr.:1572
Koordinate E:2627280
Koordinate N:1267091
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2627280.74,1267077.22&z=13&info=2627280.124005419,1267091.357666242,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1955
Grundlage Datierung:Baugesuch

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Atelierhaus

Information on related materials

Autorschaft:Silvio Fumasoli, Rheinfelden
Würdigung:Seltenes Beispiel eines Wohnhauses mit integriertem Atelier, das 1955 vom Rheinfelder Architekten Silvio Fumasoli für die Familie des Bildhauerehepaars Otto Frey-Thilo und Miquette Thilo-Frey errichtet wurde. Der aus einem zweigeschossigen Wohnbereich und einer die ganze Länge samt Annex einnehmenden, überhohen Atelierzone mit Galerie bestehende Baukörper zeichnet sich durch eine zeittypische Volumetrie mit gegengleich asymmetrischen Satteldächern aus. Bandfenster und einzeln gesetzte, unterschiedlich grosse Fensterquadrate sind Ausdruck einer funktionalen Gestaltung. Das Haus zeigt Ähnlichkeit mit dem zwei Jahre später realisierten Wohnhaus am Struveweg 2 (Bauinventarobjekt RHE972). Darüber hinaus kommt dem in seiner Grundanlage intakten Gebäude als Lebens- und Arbeitsstätte des Rheinfelder Künstlerehepaars ein besonderer lokalgeschichtlicher Zeugenwert zu.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Wohn- und Atelierhaus wurde 1955 vom Rheinfelder Architekten Silvio Fumasoli für das Bildhauerehepaar Otto Frey-Thilo und Miquette Thilo-Frey errichtet [1]. Die Baubewilligung wurde vom Gemeinderat unter der Bedingung erteilt, dass um den Arbeitshof eine Mauer erstellt werde, damit die Grabsteine von der Strasse her nicht einsehbar sind. Um der Mauer "die Schwere etwas zu nehmen" musste Otto Frey-Thilo zudem strassenseitig eine Hecke pflanzen [2]. Der in Maisprach bei Verwandten aufgewachsene Otto Frey und die aus Moudon VD stammende Miquette Thilo hatten sich 1938/39 an der Kunstgewerbeschule in Basel kennengelernt. 1943 zogen sie nach der Heirat nach Rheinfelden, wo sie immer wieder Aufträge von der Stadt erhielten. Das Haus an der Spitalstrasse 9 bewohnten sie mit ihren drei Kindern.
Später wurden im Haus unter den Nachkommen mehrere Änderungen vorgenommen: Der ehemalige Schuppen wurde zur Wohnung geschlagen, ausgebaut und dabei das Tor zu einem Fenster verkleinert. Im Erdgeschoss wurden die Türblätter zu den Zimmertüren entfernt und ein neuer Boden verlegt. Im Wohnzimmer wurde das offene Kamin ausgebaut. Der Hauseingang, die Gartenausgänge und die Fenster wurden erneuert.
Beschreibung:Das Grundstück des Hauses grenzt unmittelbar an das Trassee der Eisenbahn und befindet in einer engen Strassenkurve. Das südöstlich der Altstadt gelegene Quartier wurde mit einzelnen Ausnahmen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. überbaut.
Der firstparallel zum Bahngeleise erstellte Baukörper besteht aus einem zweigeschossigen Wohngebäude unter knappem Satteldach mit rückwärtigem Atelier und Schuppen unter angeschlepptem Dach sowie einem eingeschossigen Atelieranbau unter knappem Satteldach mit Vorplatz unter angeschlepptem Dach. Dadurch ergibt sich eine Dachlandschaft mit gegengleich asymmetrischen Satteldächern. Entlang der südwestseitigen Stirnfassade des Hauptbaukörpers führt ein markanter breitrechteckiger Kamin empor. Die Südwestmauer des Annexbaus ist als hohe, winkelförmige Umfriedung des Vorplatzes weitergeführt. Jüngere Kalksandsteinmauern schliessen den Hof heute gegenüber dem restlichen Grundstück ab. Die miteinander fluchtenden Nordwestfassaden beider Gebäudeteile bilden eine vertikal verkleidete Holzfront mit durchgehendem Fensterband zur optimalen Belichtung der Ateliers und einzelnem Quadratfenster zum ehemaligen Schuppen. Dieselbe Holzoptik besass früher auch die Nordostfassade des Schuppens. Die Farbfassung der Holzfassade war ursprünglich gelb [3]. Alle zum Wohnbereich gehörenden Fassaden sind verputzt und betont mural gehalten, indem sie – in Abhängigkeit von den dahinter liegenden Räumen – nur punktuell mit verschiedengrossen quadratischen Fenstern versehen sind. Das Vorherrschen der Mauerflächen und die Unregelmässigkeit der Öffnungen lassen den Baukörper in sich bezogen und zugleich modern verspielt erscheinen.
Das Innere gliedert sich in eine strassenseitige, zweigeschossig angelegte Wohnzone und eine leicht breitere und vor allem längere rückwärtige Atelierzone mit Luftraum und Galerie. Die Aufteilung der Nutzfläche veranschaulicht, welche Bedeutung der Arbeit im Verhältnis zum Wohnen beigemessen wurde. Der annähernd ebenerdige Hauseingang öffnet auf einen kurzen Korridor, von dem rechts eine Tür zur Toilette und links eine zur kleinen Küche abgehen. Geradeaus gelangt man ins Wohnzimmer, in dem wohl auch gegessen wurde. Über eine steile, zwischen Küche und Wohnzimmer geschobene Wangentreppe ist das Obergeschoss mit den drei südostseitig gelegenen Schlafräumen erschlossen. Das etwas grössere südwestliche Zimmer besitzt als Besonderheit eine in den Kaminschacht eingelassene Wandnische. Das ursprünglich sehr kleine Badezimmer am nordöstlichen Ende des Korridors ist seit einem Umbau in den Stauraum über dem ehemaligen Schuppen erweitert. Über das obere Wohngeschoss ist auch die Galerie des Ateliers erschlossen, welche früher die Bearbeitung hoher Skulpturen erleichterte. Die Atelierräume sind von der Wohnung aus über den ehemaligen Schuppen zugänglich; das Aussentor zum Schuppen ist nicht mehr vorhanden. Vom mittleren Atelierraum gelangt man durch eine Tür mit Rampe in das etwas tiefer gelegene Atelier im Annex, das einen direkten Ausgang auf den gedeckten Vorplatz und den umfriedeten Arbeitshof besitzt.
Während der Grundriss weitgehend erhalten und die ursprüngliche Nutzung des Hauses trotz kleinerer Veränderungen nachvollziehbar geblieben ist, hat sich mit Ausnahme des Tannenriemenbodens im Obergeschoss und der Holztreppe samt einseitigem Handlauf kaum bauzeitliche Ausstattung erhalten.
Anmerkungen:[1] Zu Otto Frey-Thilo und Miquette Thilo-Frey: Hans Krattiger, Der Bildhauser Otto Frey-Thilo, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 1977, S. 77–83; Susette Biber-Klemm, Miquette Thilo-Frey zum achtzigsten Geburtstag, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 1990, S. 103–117. – Katrin Berchtold-Frey, Otto Frey-Thilo 1916–2004, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 2005, S. 188– 190.
[2] Zitat: Hauri 2016, S. 103.
[3] Gemäss freundlicher Mitteilung der Eigentümerschaft. – Auch die Holzfassade des Wohnhauses am Struveweg 2 (Bauinventarobjek RHE972) von Silvio Fumasoli war gelb gestrichen, wie eine Farbuntersuchung zeigte.
Literatur:- Marcel Hauri, Die Wohnsiedlungen beim Kohlplatz, Dianapark und Rosengässchen, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 2016, S. 73-103, insbesondere S. 103.
Quellen:- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 11 (1955).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142420
 

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