INV-RHE987 Birkenweg 5, 1932 (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE987
Ref. code AP:RHE987
Title:Birkenweg 5
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Bildlegende:Ansicht von Südosten (2025)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kapuzinerberg
Adresse:Birkenweg 5
Versicherungs-Nr.:969
Parzellen-Nr.:199
Koordinate E:2626852
Koordinate N:1266572
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626857.38,1266558.68&z=13&info=2626852.0354336887,1266572.0938186853,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1932
Grundlage Datierung:Baugesuch; Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wohnhaus

Information on related materials

Autorschaft:Heinrich A. Liebetrau
Würdigung:Wohnhaus im Stil der moderaten Moderne, das 1932 von Heinrich A. Liebetrau für den Direktor Walter Scherrer errichtet wurde. Das Wohnhaus stellt stilistisch eine Weiterentwicklung des Architekten-Eigenheims am Alleeweg 20 (Bauinventarobjekt RHE953) dar. Obschon in bewusster Rücksichtnahme auf die Umgebung auf ein Flachdach verzichtet wurde, kommt die Hinwendung Liebetraus zur Moderne bei keinem anderen Wohnhaus in Rheinfelden so klar zum Ausdruck wie hier. Das Wohnhaus hat sich im Äusseren weitgehend unverändert erhalten und bewahrt im Inneren viel bauzeitliche Ausstattung, weshalb im ein hoher Zeugenwert zukommt.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Wohnhaus wurde 1932 nach Plänen von Architekt Heinrich A. Liebetrau (1886–1953) für den Direktor Walter Scherrer errichtet. Liebetrau zählt zu den seinerzeit bedeutendsten in Rheinfelden tätigen Architekten. Er arbeitete zunächst für das renommierte Architekturbüro Curjel & Moser in Karlsruhe und übernahm für dieses die Bauleitung bei der Renovierung des Rheinfelder Rathauses. 1913 machte er sich selbständig und realisierte in der Stadt als gefragter Architekt zahlreiche Neu- und Umbauten. Später wandte er sich zunehmend der Restaurierungstätigkeit zu und engagierte sich als Mitglied der Bau- und Altstadtkommission für die Erhaltung der Johanniterkapelle [1].
Das Wohnhaus am Birkenweg 5 gehört zu den späteren Werken Liebetraus, mit denen sich der Architekt einer moderaten Moderne zuwandte. Liebetrau publizierte 1934 nach der Erstellung in der Schweizerischen Bauzeitung dazu [2]. Den Ausführungen zufolge wurde zugunsten einer besseren Einordnung in die bestehende Bebauung des Quartiers bewusst auf ein Flachdach verzichtet. Das Raumkonzept war an die Bedürfnisse des alleinstehenden Bauherrn und die Möglichkeit einer späteren Familie angepasst. Besonderer Wert wurde auf den Komfort und die Haustechnik gelegt: Eine Ölfeuerung für die mit der Warmwasseraufbereitung kombinierte Zentralheizung und eine Niederdruckwasserversorgung zur Vermeidung von Leitungsgeräuschen gehörten ebenso dazu wie eine elektrische Küche, eine Kühlanlage für die Vorräte und eine Waschküche. Durchdacht war auch die Einbettung des Baukörpers in das Gelände des Bauplatzes. So vermittelt eine breite Terrasse zwischen dem südseitig höher gelegenen Garten und dem dadurch als Hochparterre erscheinenden Hauptwohngeschoss. Währenddessen entspricht das Terrain auf der Nordseite des Hauses dem Strassenniveau, so dass die integrierte Garage und das Kellergeschoss ebenerdig zugänglich sind.
Die Schlichtheit täuscht, wurde das Wohnhaus aufgrund des modernen Ausbaus 1932 mit einem Versicherungswert von 95'000 Franken doch deutlich höher geschätzt als dasjenige des Architekten (1934: Fr. 75'000.-) oder die stattliche Villa Grawehr (1922/1934: Fr. 67'000.-). Es ist somit auch ein aussagekräftiger Bauzeuge für die Haltung des Architekten, der sich zunehmend gegen unnütze Schnörkel ("komplizierte Dächer mit Giebeln und Türmchen verziert") und stattdessen für "vernünftiges Bauen" unter "Rücksichtnahme auf die Umgebung" und für technische Modernisierung aus-sprach. Er verstand sich darin als Vertreter eines "gesunden Heimatschutzes" [3].
Wie im Vergleich mit den publizierten Abbildungen feststellbar ist, erfuhr das Wohnhaus am Äusseren kaum Veränderungen und präsentiert sich einschliesslich der Umfriedung und des Gartens weitgehend im bauzeitlichen Zustand. Erneuert wurden am Äusseren nur der Verputz, das Garagentor und die Rollstoren. Im Südwesten kam ein zusätzlicher Kamin hinzu.
Beschreibung:Der verputzte Mauerbau ist mit einem für die Bauzeit charakteristischen knappen Satteldach errichtet. Die braun engobierten Pfannenziegel schliessen stirnseitig fassadenbündig an. Auf die Moderne verweisen die querliegenden und teilweise raumhohen Fensterformate, der Verzicht auf Sprossen, die schmalen oder ganz weggelassenen Gewände und die Ausstattung mit Rollstoren statt mit Klappläden. Zeittypisch sind ausserdem die kubischen und geometrischen Formen in der Gestaltung der Balkone und Fenstergitter, die horizontalen Vordächer und die Backstein- und Klinkerelemente, die den Hauseingang einfassen und die Treppen und Vorplätze im Aussenbereich sowie Teile der Sockelzone verkleiden. Die mittig angeordneten Dachgauben treten durch eine bewusst dunkel gewählte Tönung der Kupferverkleidung zurück. Der südwestlichen Ecke des Wohnhauses ist eine Veranda vorgelagert, deren vorkragendes Kupferblechdach etwas unterhalb der Traufe an die Fassade anschliesst und auf dieser Höhe als schmales Vordach über die ganze Gebäudelänge weitergeführt ist. Die Erschliessung erfolgt stirnseitig vom Birkenweg her. Im Erdgeschoss befindet sich die Einfahrt zur Garage in der nördlichen Gebäudehälfte, darüber ist der Hauseingang angelegt, der über einen ebenso breiten, überdachten Balkon mit Treppe zugänglich ist. Ein zweiter Eingang führt von Norden her in den Bereich der Kellertreppe.
Die Raumstruktur ist abgesehen von einer nachträglich im Estrich eingebauten Küche und einem Tankraum im Keller unverändert. Durch die bauzeitliche Haustür mit Strukturglaseinsätzen, neben der in die Mauer der Einwurfschlitz für den innenseitig angebrachten Briefkasten eingelassen ist, gelangt man ins Entrée mit nordseitig angelegter Garderobe und Toilette. Von hier öffnet eine weitere Tür geradeaus auf einen Gang und die daran anschliessende grosszügige Wohndiele mit Treppenaufgang ins Dachgeschoss. Südseitig sind das Wohn- und Esszimmer mit verglaster Veranda, das Herrenzimmer und das Schlafzimmer angelegt, nordseitig die Küche und das Gästezimmer. Das Bad ist zwischen Schlaf- und Gästezimmer geschoben und über einen kleinen Vorraum erreichbar. Im Obergeschoss befinden sich neben einem nach Norden ausgerichteten Bad weitere Zimmer und eine nachträglich eingerichtete Küche.
Farbanstriche, Tapeten, teilweise eingebautes Wand- und Deckentäfer sowie Pavatexplatten datieren mehrheitlich von Umbauten in den Jahren 1969 und 1978; auch wurden die Durchgänge von der Wohndiele zum Gang und zum Herrenzimmer nachträglich zu Stichbogen umgestaltet und im Wohnzimmer ein Cheminée eingebaut. Abgesehen davon bewahrt das Innere einen ausserordentlich hohen Grad an bauzeitlicher Ausstattung: Diese umfasst die Bodenbeläge aus Solnhofer Platten, Parkett, Dielen und Feinsteinzeugfliesen, Fenster, Türen, Einbauschränke, Treppenaufgang und Radiatoren. Die Fenster sind fast durchwegs mit Espagnolettverschlüssen versehen. In der Veranda hat sich zur Fensterfront ein steinernes Gesims erhalten. Türen und Einbauschränke sind mehrheitlich gestrichen, zeigten ursprünglich aber wohl eine mittelbraune Holzoberfläche, wie sie sich in der Garderobe und der Küche erhalten hat. Das Treppengeländer zeichnet sich durch eine ungewöhnliche geschlossene Ausführung mit Strukturglaseinsätzen aus. Die Radiatoren sind teilweise in Nischen gestellt. Die Küche bewahrt als Rarität den grossen, bauzeitlichen Küchenschrank, geplättelte Wände, einen separaten Trog und eine elektrische Vorrichtung, bei der es sich mutmasslich um die Anzeige einer Sonnerie für den Zimmerservice handelt. Nahezu unverändert erhalten sind auch die beiden Badezimmer, wobei dem unteren aufgrund seiner speziellen Ausführung mit grossen marmorierten Fliesen, Nischen mit Spiegelkästchen über den Lavabos, Kugelwandleuchten, einer abgerundeten Badewanne und integriertem Badtuchwärmer – einer Spezialität, die Liebetrau auch in seinem Eigenheim am Alleeweg 20 (Bauinventarobjekt RHE953) eingebaut hatte – Seltenheitswert zukommt. Auch die Garderobe und die Schlafzimmer sind mit bauzeitlichen Lavabos ausgestattet. In mehreren Räumen sind die ursprünglichen kugelförmigen Lampen vorhanden.
Anmerkungen:[1] Zu Liebetrau: Edith Hunziker, "Liebetrau, Heinrich Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047830/2008-11-25/, abgerufen am 05.11.2025. – Isabel Haupt, "ohne die früher beliebte Altertümelei". Der Umbau des Rheinfelder Rathauses in den Jahren 1908 bis 1911 durch Curjel & Moser, in: Kunst + Architektur in der Schweiz, hg. v. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Heft 4, Bern 2014, 68–77.
[2] Heinrich A. Liebetrau, Ein Wohnhaus in Rheinfelden, in: Schweizerische Bauzeitung, 1934, S. 28/29.
[3] Vgl. Heinrich A. Liebetrau, Ausbau und Neubau von Hotels nach modernen Grundsätzen, in: Illustrierte schweizerische Handwerker-Zeitung, Bd. 43 (1927), Heft 17, S.206/207).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Heinrich A. Liebetrau, Ein Wohnhaus in Rheinfelden, in: Schweizerische Bauzeitung, 1934, S. 28/29.
Quellen:- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche o. Nr. (1932); Nr. 39 (1969).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142419
 

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