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INV-RHE985 Lichsweg 13, 1910 (Dossier (Bauinventar))
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General information |
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Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1910 |
| Grundlage Datierung: | Brandkataster |
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Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Einzelobjekt |
| Nutzung (Stufe 1): | Profane Wohnbauten |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Wohnhaus |
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Information on related materials |
| Würdigung: | Im Heimatstil errichtetes Wohnhaus, das mit Baujahr 1910 aus der frühen Bebauungsphase des Kapuzinerbergs stammt und von siedlungsgeschichtlicher Bedeutung ist. Mit der behäbigen, traditionellen Dachform und allseitig unterschiedlichen Fassaden mit Veranda, verglaster Laube, Altan, Treppenhausturm und geschütztem Eingang ist der gepflegte Bau ein charakteristischer Vertreter seiner architektonischen Ausrichtung. Aussagekraft geht insbesondere auch von seinem Innern aus, das neben der Raumstruktur wesentliche Elemente der bauzeitlichen Ausstattung bewahrt, darunter das wohl noch in ursprünglicher Farbgebung erhaltene, schlicht ornamentierte Treppenhaus, Plattenböden aus rotem Feinsteinzeug und einen Teil der bauzeitlichen Fenster. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Das Wohnhaus wurde 1910 für den Bezirkslehrer Hermann Merz-Pfister erbaut. In stilistischer Hinsicht kommt als Architekt Heinrich A. Liebetrau in Frage, der von 1908–11 für das Architekturbüro Curjel & Moser den Rathausumbau leitete [1]. Da er sich im Anschluss in Rheinfelden selbständig machte, liegt die Vermutung nahe, dass er schon gegen Ende seiner Anstellung erste Aufträge erhielt. Das Wohnhaus würde somit zu den Frühwerken gehören, zusammen mit den Wohnhäusern am Alleeweg 17 (RHE963) und 19 (RHE964) von 1914. Parallelen finden sich sowohl zum gleichzeitig erbauten Wohnhaus Lichsweg 8 (RHE986, Rundbogen am Vorbau und beim Hauseingang, Kellenwurf am Kellersockel), dessen Architekt ebenfalls nicht überliefert ist, als auch zur 1924–26 entstandenen Villa Lichsweg 16 (RHE954, polygonaler Treppenhausrisalit mit gedrungenem Turmhelm), die nachweislich von Liebetrau stammt. In der äusseren Erscheinung ist der Bau mit Ausnahme einer gross dimensionierten, gartenseitigen Lukarne, die dem Gestaltungsanspruch des Hauses nicht gerecht wird, weitgehend unverändert [2]. Auch ein Teil des bauzeitlichen Fensterbestands ist erhalten. Im Innern wurde in den 1940er-Jahren die Wand zur Veranda mit einem breiten Stichbogenfenster und einer Tür mit bleigefassten Scheiben dem damaligen Zeitgeschmack angepasst. Aus jüngerer Zeit stammen die Linoleum- und Parkettböden in den beiden Hauptwohngeschossen, die laut Auskunft der Eigentümerschaft alte gemusterte Linoleumbeläge ersetzen. |
| Beschreibung: | Das vom Lichsweg etwas zurückversetzte Wohnhaus steht inmitten eines Gartens. Die für diesen älteren Teil des Quartiers typische Umfriedung bewahrt die gemauerten Pfosten und Sockel aus der Bauzeit. Ein schmiedeeisernes Gartentor öffnet auf den gepflasterten Weg zum Hauseingang. Am östlichen Parzellenrand führt eine Einfahrt zur Garage im hinteren Bereich des Grundstücks. Das als Einfamilienhaus genutzte, zweigeschossige Wohnhaus steht firstparallel zum Lichsweg. Es trägt ein hohes, verkröpftes Halbwalmdach, das nach Norden zwei Fledermausgauben besitzt. Ebenfalls nordseitig durchbricht ein polygonaler Treppenrisalit die Traufe, der mit einem gedrungenen, geschweiften Turmhelm abschliesst. Die kaum einsehbare Südseite des Hauptdachs wird währenddessen von einer jüngeren, architektonisch fremd wirkenden Lukarne bestimmt. Die Fassaden des Mauerbaus sind einschliesslich des abgesetzten Kellersockels mit einem zeittypischen Kellenwurf verputzt. Sie sind durch Fassadenvor- und rücksprünge volumetrisch belebt und zeigen die für den Heimatstil typische, nach allen Seiten unterschiedliche Gestaltung durch verschiedene, entsprechend den dahinter liegenden Räumen platzierte Fenster. Die der Strasse zugewandte Nordseite des Wohnhauses ist als Haupt- und Eingangsfassade gestaltet, obwohl sich hier aufgrund der Himmelsausrichtung auch die Fenster zur inneren Erschliessung und zu den Nasszellen befinden. Eine repräsentative Gesamtwirkung erzeugen der in die Südwestecke des Hauses integrierte, von einem Korbbogen überwölbte Windfang, die grosszügige Verglasung der darüber liegenden Laube und das als Turm vorspringende Treppenhaus, welches die Mittelachse der Fassade akzentuiert. Das Treppenhaus ist auf jedem Zwischenpodest dreiseitig belichtet und im Erdgeschoss wie die angrenzenden Räume mit filigranen, geometrischen Fenstergittern geschmückt. Die in der südlichen Haushälfte angelegten Hauptwohnräume besitzen mehrheitlich traditionelle, mit breiten Gewänden und Klappläden ausgestattete Fenster. Nach Süden ist dem Wohnzimmer ein polygonaler Verandaanbau vorgelagert, der dem darüber liegenden Zimmer als teilweise loggienartig eingezogener Balkon dient. Zwischen der gemauerten Brüstung und den Fenstern der Veranda verläuft ein kurzes, um die Ecken geführtes Vordächlein. Unter der Veranda befindet sich ein direkter Ausgang vom Keller in den Garten. Nach Westen kragt ein kleiner Standerker vor, dessen Walmdach am Firstgrat mit einer bauzeitlichen Keramikverzierung geschmückt ist. Der Hauseingang ist als Rundbogen in das Gewölbe des Windfangs geschnitten. Er bewahrt das bauzeitliche eichene Türblatt, das mit einem kleinen achteckigen Fensterchen und einem schmucklosen, massiv geschmiedeten Gitter an die Befestigungsarchitektur erinnert und wohl im Sinne der Burgenromantik zu verstehen ist. Durch den Eingang gelangt man in einen kleinen Vorraum und von diesem auf das unterste Zwischengeschoss im Turm, von dem eine Tür auf die Toilette und eine zweite auf den Kellerabgang öffnet. Ein Treppenlauf führt auf einen kleinen Vorplatz im Hochparterre, um den herum sich im Gegenuhrzeigersinn ein Zimmer mit vertäfelter Fensternische (Altan), das Wohnzimmer mit anschliessender Veranda, das Esszimmer und die Küche gruppieren. Der Grundriss für die Zimmer im Obergeschoss ist analog angelegt. Das in der Raumstruktur unveränderte Innere des Hauses hat den Charme der Bauzeit in wesentlichen Elementen bewahrt. So ist der ganze Eingangsbereich mitsamt dem Treppenhaus erhalten. Das rotbraun gebeizte Holzwerk, das farblich mit den sechseckigen Bodenplatten aus zeittypischem rotem Feinsteinzeug zusammenspielt, dürfte noch die bauzeitliche Fassung zeigen. Ebenso die Zimmertüren, die als einfache Füllungstüren gefertigt sind. Weiter haben sich im Esszimmer die vertäfelte Fensterleibung mit zugehörigem Radiatorenkasten und im Wohnzimmer ein hoher Radiator mit Wärmefach erhalten. Die Gipsdecken sind mit unterschiedlichen Hohlkehlen versehen. Vorhanden sind auch die historischen Sockelleisten, während die Parkettböden in jüngerer Zeit als Ersatz für die ehemals vorhandenen gemusterten Linoleumböden verlegt wurden. Das Westzimmer verfügt über eine vollständig getäfelte Sitznische (Altan). Im Erdgeschoss sind die bauzeitlichen Fenster samt Vorfenster erhalten; das Fenster und die Tür mit bleigefasstem Strukturglas vom Wohnzimmer zur Veranda wurden vermutlich in den 1940er-Jahren eingebaut. Das Obergeschoss bewahrt Türen und Wandschränke, das Dachgeschoss zusätzlich Dielenböden. Ein zeittypisches Detail ist die in die polygonale Aussenwand eingebaute Sitzbank auf dem obersten Zwischenpodest im Treppenhaus. Der Keller weist Hourdisdecken auf. |
| Anmerkungen: | [1] Zu Liebetrau: Edith Hunziker, "Liebetrau, Heinrich Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047830/2008-11-25/, abgerufen am 05.11.2025. – Isabel Haupt, "ohne die früher beliebte Altertümelei". Der Umbau des Rheinfelder Rathauses in den Jahren 1908 bis 1911 durch Curjel & Moser, in: Kunst + Architektur in der Schweiz, hg. v. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Heft 4, Bern 2014, 68–77. [2] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 114 (2000). |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. |
| Quellen: | - Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 709, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden. - Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 114 (2000). |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
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URL for this unit of description |
| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142417 |
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