INV-RHE984 Wohnhaus Erika, 1902-1903 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE984
Ref. code AP:RHE984
Title:Wohnhaus Erika
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Bildlegende:Ansicht von Westen (2024)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Dianastrasse 4
Versicherungs-Nr.:637
Parzellen-Nr.:1932
Koordinate E:2627193
Koordinate N:1266942
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2627204.71,1266948.32&z=13&info=2627193.1269818307,1266941.9733314624,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1902 - 1903
Grundlage Datierung:Inschrift (Nordostfassade); Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Information on related materials

Würdigung:Für die Bauzeit um 1902 charakteristisches Wohnhaus mit aufgelockerter Volumetrie, verspielter Dachlandschaft, Rustikasockel, akzentuierenden Bossenquadern, Gurtgesims und beschnitzten Balkenköpfen. Das an einer Geländekante oberhalb des Rosengässchens und der Bahngeleise thronende villenähnliche Gebäude gehört zu den frühesten Wohnhäusern im Quartier, das vor allem von Mehrfamilienhäusern und Überbauungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und jüngeren Bauten geprägt ist. Während das Äussere vorwiegend historistisch geprägt ist, bewahrt die Villa im Innern als Rarität eine Jugendstildecke mit Landschaftsdarstellungen in Medaillons, wodurch ihr eine besondere künstlerische Bedeutung zukommt.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Wohnhaus Erika wurde gemäss Brandkataster 1902 für den Ingenieur Erich von Seemen errichtet. Der Bauplatz schloss unmittelbar an das weitläufige Anwesen mit Park der 1899/1900 erbauten Villa Mon Repos von Kraftwerkdirektor Emil Frey (1861-1916) an [1]. Nachdem sie 1909 von Anna Klipfel und dem Chemiker Emil Klipfel übernommen worden war, wurde sie 1936 ganz an Emil Klipfel – mittlerweile Fabrikant von Hefe (vgl. Bauinventarobjekt RHE948) – überschrieben.
Umbaupläne von 1977, die eine Grundrissänderung im Erdgeschoss vorsahen, wurden von der damaligen Eigentümerschaft offenbar nicht umgesetzt [2]. 1979 erwarb das Architekturbüro Rudolf Vogel und Partner AG die Liegenschaft und liess anlässlich einer Renovation die im südlichen Erdgeschosszimmer entdeckte Deckenmalerei freilegen und restaurieren. 1980 wurden nordostseitig zwei liegende Dachfenster ergänzt und 1996 an der nördlichen Ecke eine Doppelgarage angebaut. Erneuert wurden auch die Terrasse samt dem darüber liegenden Balkon und teilweise der Eingang. Anlässlich der letzten Handänderung 2016 wurden in den Räumen die alten Tafel- und Fischgratparkette durch neue Böden ersetzt.
Beschreibung:Der Zugang zum Wohnhaus erfolgte ehemals über eine private Zufahrt von der Zürcherstrasse her, weshalb der Eingang südwestseitig angelegt ist. Das Volumen des Baukörpers ist durch Risalite, unterschiedliche Materialisierung und Architekturelemente vielfältig gegliedert. In der Grundform ist er von einem zweigeschossigen Kubus unter Walmdach abgeleitet, der nach Nordwesten und Südosten je einen Eckrisalit und auf der Südwestseite einen Treppenhausrisalit unter Quergiebel aufweist. Dabei sind die stirnseitigen Dachabschlüsse auf originelle Weise mit Walmen und kleinen Giebeldreiecken variiert. Auf der Nordostseite befindet sich eine Schleppgaube. Zum Zierwert des Dachwerks tragen auch die beschnitzten Balkenköpfe, Bughölzer und Flugpfetten bei. Die über einem Rustikasockel aus Kalksteinen verputzten Fassaden sind durch ein Gurtgesims zwischen den beiden Hauptgeschossen horizontal gegliedert. Die Ecken werden von einzeln gesetzten Bossenquadern rhythmisch akzentuiert. Den Abschluss unter den Satteldächern der Eckrisalite heben Werksteine in Gestalt wuchtiger Balkenköpfe hervor. Die noch – wie für das 19. Jh. typisch – achsensymmetrische Anordnung der Fenster geht mit einer grosser Variationsfreude bezüglich deren Ausgestaltung einher. Die mehrheitlich rechteckigen, einzeln gesetzten oder gekuppelten Fenster weisen geohrte Gewände mit gotisierender Kehlung und teilweise Konsolen auf. An den Eckrisaliten werden sie im Obergeschoss von Entlastungsbögen überfangen. Das Treppenhaus besitzt ein überhohes Rundbogenfenster und als oberen Abschluss ein dreiteiliges Reihenfenster. Die Giebelfelder der Eckrisalite zeichnen sich ebenfalls durch Rundbogenöffnungen aus.
Den Hauseingang schützt ein grosszügiges Vordach auf zwei schlanken Gusseisensäulen. Die seitliche Mauer ist eine nachträgliche Ergänzung. Der Hauseingang öffnet auf eine Treppe zum Hochparterre. Vier Räume sind jeweils U-förmig um den Vorplatz gruppiert, wobei der nordwestliche Raum im Erdgeschoss als Küche genutzt wird und im Obergeschoss in zusätzliche Nasszellen unterteilt ist. Das nach Süden ausgerichtete Zimmer bewahrt eine Jugendstildecke aus der Bauzeit des Hauses. Die teils grafisch, teils lasierend aufgetragene Malerei zeigt organisches Bänder- und Flechtwerk und Schlingpflanzen mit Blättern und Blütendolden, welche die Decke in vier Felder unterteilen. Jeweils in der Mitte einer Seite umschliessen die Bänder ein Rundmedaillon, das eine ländliche Ansicht mit Häusern, einer Kirche, und Bildstöcken zeigt. Die Natur ist durchgehend zur Frühlings- oder Sommerzeit dargestellt.
Zur bauzeitlichen Ausstattung, die sich im Weiteren erhalten hat, zählen die Treppe mit gedrechseltem Antrittspfosten und flächig geschlossenem Geländer, Füllungstüren samt Rahmen und Fensterlaibungen mit Täfer.
Anmerkungen:[1] Angaben zur Baugeschichte gemäss den jeweiligen Baugesuchen.
Literatur:- Marcel Hauri, Die Wohnsiedlungen beim Kohlplatz, Dianapark und Rosengässchen, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 2016, S. 73-103, insbesondere S. 93 (Abb.) und 97.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 637, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 70 (1977) nicht ausgeführt; Nr. 77 (1980); Nr. 133 (1995).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142416
 

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