INV-RHE981 Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt, 1926-1931 (Dossier (Bauinventar))

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Ref. code:INV-RHE981
Ref. code AP:RHE981
Title:Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt
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Bildlegende:Ansicht von Westen (2024)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Kraftwerkstrasse
Versicherungs-Nr.:1026, 1025, 965 (Magazingebäude mit Zoll)
Parzellen-Nr.:930, 888
Koordinate E:2629707
Koordinate N:1270693
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2629729.42,1270701.72&z=13&info=2629706.8785355063,1270693.047081282,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1926 - 1931
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Verkehrs- und Infrastrukturbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wasserkraftwerk

Information on related materials

Autorschaft:Motor Columbus AG, Baden
Würdigung:Von 1926 bis 1931 durch die Motor Columbus AG, Baden, errichtetes Wasserkraftwerk, das sich im Wesentlichen aus einem grösstenteils auf der deutschen Seite des Rheins stehenden Maschinenhaus und einem Stauwehr mit Windwerksbrücke auf der Schweizer Seite zusammensetzt. Als leistungsstärkstes Flusskraftwerk am Hochrhein ist es von technik- und industriegeschichtlicher Bedeutung. In Abgrenzung von der früheren Generation ist das Kraftwerk nicht mehr dem Historismus oder dem Heimatstil verpflichtet, sondern in der Formensprache der Neuen Sachlichkeit realisiert. Der Bau bewahrt aussen wie innen weitgehend bauzeitliche Substanz und vermutlich auch Farbigkeit.
Zum Kraftwerk gehört ein Zollhäuschen mit Magazin in zeittypischer Formensprache, das 1940 von Heinrich A. Liebetrau erweitert und mit einer Werkstatt ergänzt wurde.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Als Grenzkraftwerk war der Bau des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt das Gemeinschaftsprojekt vier beteiligter Gesellschaften, nämlich der Motor-Columbus AG, der Nordostschweizerischen Kraftwerke mit Sitz in Baden (CH), der Kraftübertragungswerke Rheinfelden (D) und der "Badenwerk" in Karlsruhe. Die Bauleitung lag bei Motor Columbus, die als Finanzierungs- und Ingenieurgesellschaft im Kraftwerkbau von Brown, Boveri & Cie. 1895 gegründet worden war (damals unter dem Namen Motor AG).
Das Stauwehr war samt den Pfeileraufbauten und den Brücken in armiertem Beton bereits im Bau und das Windwerkhaus war schon aufgesetzt, als die Motor-Columbus 1928 die Vertreter des Schweizer und des Deutschen Heimatschutzes zu einem Augenschein vor Ort und einer Jurierung von Projekteingaben für das Maschinenhaus einlud. Es lagen Projekte von vier Architekten aus der Schweiz und aus Deutschland vor, die auf die grundsätzlichen Gestaltungsfragen wie Betonung der Horizontalen oder der Vertikalen, Gliederung entsprechend den Maschinengruppen oder Behandlung als grosszügiger Einheitskörper, reine Zweckmässigkeit oder ergänzender Bauschmuck, Verhältnis der Fenster zu den Wandflächen, Dachgestaltung, Materialisierung, Farbigkeit etc. unterschiedliche Ansätze vorschlugen. Eingeladen worden waren die Architekten C. A. Meckel aus Freiburg i. Br., H. Wielandt, Baurat in Bruchsal i. Br., die Gebrüder Pfister aus Zürich sowie Alexander von Senger aus Bad Zurzach. Die Entwürfe von Wielandt und von Senger waren als "Kilowattkirche" mit spitz zulaufenden Fenstern bzw. Blendbögen in der Vertikalen betont und der Entwurf von Meckel sah neben traditionellen Gliederungselementen gar Dachknäufe auf dem klassizistisch schwach geneigten Zeltdach vor [1]. Die Gebrüder Pfister plädierten als einziges Architekturbüro für einen rein funktional aufgefassten Bau als einfacher Wetterschutz der Maschinenanlage, mit einer flächigen Gestaltung der Wände – das Gitter der Eisenkonstruktion hätten im oberen Teil Betonplatten und im unteren Teil Glasscheiben gefüllt – und einem Flachdach. Offenbar vermochte jedoch keiner der eingereichten Vorschläge das Fachgremium ganz zu überzeugen, so dass man sich auf ein ebenfalls im Saal ausgestelltes Projekt einigte, das vom Baubüro des Unternehmens selbst stammte. Dieses wurde "wegen seiner edlen Verhältnisse, seiner ruhigen Sachlichkeit, seiner schlichten, natürlichen Vertikalgliederung der Fensterwand und seines niedrigen Zeltdachs über einem einheitlich durchgehenden Mauerband, das die Bewegung der Windwerkbrücke aufnimmt und zum anderen Ufer weiterführt," gerühmt und zur Ausführung empfohlen [2]. Zwar ist überliefert, dass die Bauherrschaft offenliess, den einen oder anderen Projektverfasser zur Beratung beizuziehen, doch wie stark die Gebrüder Pfister in die Ausarbeitung involviert waren und die Realisation begleiteten, ist unklar. Der Name des Verfassers des zugrunde liegenden Entwurfs ist nicht bekannt.
Eingebaut wurden je zwei Kaplanturbinen der Hersteller Escher Wyss in Zürich und Voith in Heidenheim (D). Die Generatoren stammen von Brown Boveri & Cie. in Baden und BBC Mannheim (D). Am 23. August 1931 konnte die letzte der vier Maschinengruppen in Betrieb genommen werden. Mit einer Leistung von 120 Megawatt ist das Wasserkraftwerk aufgrund des Gefälles nach wie vor das grösste aller elf Laufwasserkraftwerke am Oberrhein zwischen Bodensee und Basel [3].
Spätere bauliche Eingriffe in die Architektur des Maschinenhauses und der Windwerksbrücke gab es nur wenige. Am augenfälligsten sind zwei kleine Dachaufbauten auf dem Maschinenhaus in Verlängerung des Firstes, wodurch das Dach weniger stark zurücktritt als ursprünglich vorgesehen. Zudem dürfte der Fassadenanstrich nachträglich erfolgt sein; ziemlich sicher war das Maschinenhaus wie die Pfeiler der Windwerkbrücke ehemals als Sichtbetonbau ausgeführt.
In den 1970er-Jahren wurde erstmals eine Revision der Maschinengruppen vorgenommen. 1988 wurde der Betrieb automatisiert und von analoger Technik auf ein Prozessleitsystem umgestellt. Seit Mai 2023 läuft im Hinblick auf die erfolgte Konzessionsverlängerung bis 2070 eine technische Grossrevision zur Verbesserung der Effizienz und Betriebssicherheit. In diesem Zusammenhang werden die Laufräder der Kaplanturbinen ersetzt, die Leitschaufeln umgerüstet sowie die Generatoren und die Leittechnik revidiert [4].
Beschreibung:Das Wasserkraftwerk Ryburg-Schwörstadt liegt ganz im Nordosten Rheinfeldens, nahe der Grenze zur Gemeinde Möhlin. Als Grenzkraftwerk steht es ungefähr je hälftig auf dem Boden beider Länder: das 111 Meter lange Stauwehr mit der Windwerksbrücke auf Schweizer Seite und das 128 Meter lange Maschinenhaus grösstenteils auf Deutscher Seite, wobei die Landesgrenze innerhalb des Maschinenhauses als Kuriosum zwischen der ersten und der zweiten Maschinengruppe in Fliessrichtung verläuft [5]. Das Maschinenhaus ist ein langgezogener Riegel unter annähernd flachem Walmdach. Die in armiertem Beton aufgeführten Fassaden sind unverputzt und längsseitig durch die dichte Aneinanderreihung von je 32 hoch und schmal proportionierten Fenstern vertikal gegliedert. Nur auf der Unterwasserseite tritt unter kräftigem, kantigem Sohlbankgesims ein Sockelgeschoss zutage, das mit einer Reihe annähernd quadratischer Fensteröffnungen und regelmässig angeordneten Türen versehen ist. Das obere Drittel des Baukörpers, in dem sich im Innern zwei Krane befinden, ist als geschlossenes Mauerband belassen, das gleichfalls zusammen mit der Windwerkbrücke die Horizontale betont. Ein schlichtes Schmuckelement in der Art eines Kranzgesimses bildet die obere, schräg ausgestellte Fassadenkante. Das Blechdach, das diese umschliesst, ist ziegelrot gestrichen.
Das sowohl stirnseitig als auch von der Unterwasserseite her zugängliche Innere des Maschinenhauses bildet eine Halle von einheitlicher Gestaltung, die durch eine differenzierte Farbigkeit auffällt. Die gelblich-hellen Wände weisen entsprechend der Skelettbauweise eine Rasterung auf. Die Decke ist als Rabitzdecke konstruiert und besitzt mehrere mit einem Gitter kaschierte Lüftungsöffnungen, durch die die verbrauchte Luft mittels Ventilatoren durch den Zwischenraum unter dem Dach Richtung Stirnseiten abgesaugt wird. Die Oberfläche im Sockelbereich besteht in farblichem Zusammenspiel mit dem ziegelroten Boden (in der Bilddokumentation wegen Revisionsarbeiten abgedeckt) aus dunkelrotem Klinker, ebenso an der Basis der Gehäuse für die Generatoren. Die darüberliegende Zone ist auf der Oberwasserseite mit querrechteckigen Platten verkleidet. Erhalten sind u. a. auch die Geländer zu den Treppen und zur Galerie sowie das Zifferblatt zur Wanduhr.
Die Windwerkbrücke umfasst fünf Wehrpfeiler aus Beton mit quadratischen Fensteröffnungen, abgeschrägten Durchgängen und granitverkleidetem oberen Abschlüssen, Unterbau und Wehrschwelle sowie vier Öffnungen zur Regelung des Wasserdurchflusses. Die Doppelschützen sind in der ursprünglichen eindrücklichen genieteten Stahlausführung erhalten, ersetzt sind hingegen die Ketten mit der zugehörigen Schutzabdeckung, um sie zu heben und zu senken. Das ebenfalls genietete Windwerkhaus ist eine schlichte und filigrane Stahlkonstruktion mit gewölbtem Blechdach, wobei sich die frühe Moderne in den durchgehenden, querformatig unterteilten Fensterflächen sowie im Kran mit dem elegant geschwungenen Geländer zeigt. Auch bei diesem Bauwerk beeindruckt das farblich gestaltete Innere mit seiner nahezu unveränderten Einrichtung.
Die ganze Stauwehranlage dient auch als öffentliche Wehrbrücke für den Fussgänger- und Veloverkehr.
Zum Kraftwerk gehört an Land auf Rheinfelder Seite ausserdem ein gleichzeitig errichtetes Magazingebäude mit Zollstation, das 1940 nach Plänen von Heinrich A. Liebetrau erweitert und mit einer Werkstatt ergänzt wurde. Der schlichte Bau zeichnet sich durch ein erkerartiges Eckfenster des Zollbüros aus.
Abgesehen von der Bootsübersetzanlage mit Kran auf Schweizer Seite befinden sich alle weiteren Gebäude und Einrichtungen wie der Kommandoraum oder die Freiluftschaltanlage auf deutscher Seite.
Anmerkungen:[1] Zitat: Rollier 1930, S. 9.
[2] Zitat sowie Angaben zum Wettbewerb siehe: Rollier 1930, S. 2–10, 10 (Zitat).
[3[ Vgl. https://www.krsag.ch/, abgerufen am 28.11.2025.
[4] Vgl. https://www.naturenergie-holding.ch/grossrevision-krs, abgerufen am 28.11.2025.
[5] Vgl. https://www.ag.ch/de/themen/staat-politik/entwicklungsleitbild/newsletter-fuer-diemenschen-
im-aargau/oktober-2024?dc=6dc94f3b-6e20-489c-90a3-2518d1e179e2_de, abgerufen
am 28.11.2025.
Literatur:- Arist Rollier, Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt. Moderne Bauaufgaben und Heimatschutz, in: Heimatschutz, Bd. 25 (1930), Heft 1, 1930, S. 2–10.
- Vom Rhein-Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt, in: Schweizerische Bauzeitung Bd. 91/92 (1928), Heft 15, 181–186.
- Vom Rhein-Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt, in: Schweizerische Bauzeitung Bd. 95/96 (1930), Heft 13, 157–159.
- Vom Rhein-Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt, in: Schweizerische Bauzeitung Bd. 99/100 (1932), Heft 13, 239–244.
- Neues Bauen im Kanton Aargau 1920–1940, hg. v. SIA Sektion Aargau, Kanton Aargau, Aargauer Heimatschutz, Baden 1996.
Quellen:- ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv: LBS_H1-015079.
- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers.-Nr. 965 (Magazingebäude), 1025 (Stauwehr), 1026 (Maschinenhaus), Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche Nr. 7 (1940, Anbau an Magazingebäude), Nr. 79 (1987, Sanierung Maschinenhaus).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142413
 

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