INV-RHE980 Salzmagazin Saline Riburg, 1936-1937 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE980
Ref. code AP:RHE980
Title:Salzmagazin Saline Riburg
Preview:
1/2
Bildlegende:Ansicht von Osten (2024)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Saline Riburg
Versicherungs-Nr.:599
Parzellen-Nr.:775
Koordinate E:2629339
Koordinate N:1268421
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2629301.53,1268428.69&z=13&info=2629338.9121291013,1268421.063472333,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1936 - 1937
Grundlage Datierung:Baugesuch; Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:RHE979 (Alte Verdampferhalle Saline Riburg)
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Lagerhaus, Lagerhalle

Information on related materials

Autorschaft:Heinrich A. Liebetrau
Würdigung:Salzmagazin, das 1936/37 zur Lagerung von losem Speisesalz nach Projekt von Heinrich A. Liebetrau erbaut wurde. Als eine der beiden ältesten noch bestehenden Salzlagerhallen der Saline Riburg ist sie aus statischen und wirtschaftlichen Gründen bewusst traditionell konstruiert, zeigt aber wie andere Bauwerke, die Liebetrau in den 1930er-Jahren realisierte, moderat moderne Gestaltungsmerkmale. Das Dach besass ursprünglich einen Dachreiter mit Glocke, von dem sich vermutlich die alternative Bezeichnung "Kapelle" ableitet. Die Saline Riburg und die Förderung der Sole ist in industrie- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht, insbesondere im Zusammenhang mit der Entwicklung der Stadt als Kurort im 19. und frühen 20. Jh., für Rheinfelden von grosser Bedeutung. Die eingangs des Geländes stehende Salzlagerhalle gehört neben der etwas jüngeren Verdampferhalle zu den ältesten bestehenden Bauten der Anlage und ist zugleich ein Zeugnis für die Vielseitigkeit des Rheinfelder Architekten Liebetrau. Im Schutzumfang ist nur der östlicheTeil der Vers.-Nr. 599.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Obwohl die Salzvorkommen von Bex VD bereits seit 1554 bekannt waren und ab 1684 im Bergwerk abgebaut wurden, musste Salz noch bis in die Mitte des 19. Jh. aus dem umliegenden Europa in die Schweiz importiert werden. Dies änderte sich erst mit der Entdeckung der Salzlager in Muttenz 1836 und der Eröffnung der Saline Schweizerhalle 1837 etwas weiter östlich (Gemeinde Pratteln) durch den deutschen Industriepionier Carl Christian Friedrich Glenck. Durch diesen Erfolg angetrieben, wurde auch im Kanton Aargau nach Salz gebohrt und so entstanden innerhalb kurzer Zeit die Salinen von Kaiseraugst (1843), Rheinfelden (1845) und Riburg (1848) [1]. Die Salzgewinnung in Kaiseraugst wurde infolge schlechter Ausbeute schon 1847 wieder eingestellt (Wiederaufnahme 1865–1909). Der Gründer Johann Urban Kym, Forstinspektor von Möhlin, war inzwischen in Riburg auf ein ergiebigeres Salzlager gestossen und gründete an diesem Standort 1948 eine neue Saline.
Unterdessen, 1845, war in Rheinfelden an der "Kühstelle", in der Nähe der späteren Kraftwerkbrücke und der "Rheinlust" eine dritte Saline eröffnet worden. Nach der Saline und ihren Gründern Theodor Hoffmann-Merian, Vater und Sohn, aus Basel, Theophil L'Orsa-Baumer und Carl Güntert, beide aus Rheinfelden, sowie Johann Gottfried Francke von Wilschdorf, aus Sachsen, wurden im Roberstenquartier mehrere Strassen benannt. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, fehlte es an Kohle, um die Sole in den Pfannen zu sieden, weshalb die Saline Rheinfelden 1942 zugunsten der Saline Riburg stillgelegt wurde. Die Gebäude wurden umgenutzt und die Einrichtungen teilweise nach Riburg und Schweizerhalle transloziert. Die Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen AG vermietete die Gebäude ab den 1950er-Jahren zunächst an Gewerbe- und Industriebetriebe, später wurde das Areal zur Überbauung mit Wohnungen verkauft.
Mit den Salinen und der geförderten Sole begann auch die Entwicklung Rheinfeldens zur Kurstadt. Kurz nach Inbetriebnahme der Saline Rheinfelden meldete der Schützenwirt Josef Frommherz sein Interesse an Sole für Badekuren an und erhielt 1846 die erste Konzession. Die zweite wurde 1847 an Heinrich Wilhelm Dressler für seine Badewirtschaft am Rhein (vgl. Bauinventarobjekte RHE936A und RHE936B) erteilt. Die konzentrierte Sole wurde jeweils in Fässern mit dem Fuhrwerk in die Stadt transportiert. Ab 1925 bestand eine Soleleitung ins Kurzentrum und zu anderen Bädern. Nach der Stilllegung der Saline Rheinfelden wurden für den Kurbetrieb zwei Bohrlöcher aktiv gehalten. Erst 1971 wurde eine Leitung zur Saline Riburg verlegt, die bis heute das Solbad Eden, das Sole uno und die Rehaklinik mit Sole versorgt.
Von den drei Aargauer Salinen, die sich 1874 unter dem Namen Schweizerische Rheinsalinen AG zusammenschlossen, ist die Saline Riburg die einzige noch bestehende.
Die vorliegende Salzlagerhalle wurde 1936/37 anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Im Situationsplan ist sie als "Neues Salzmagazin" bezeichnet und schliesst östlich an ein bereits bestehendes Magazin an, das heute komplett mit Wellblech verkleidet ist (nicht besichtigt). Im Unterschied zu den älteren Salzmagazinen wurde die neue Salzlagerhalle aus statischen und klimatischen Gründen nicht gemauert, sondern als Holzkonstruktion erstellt [2].
Zur Zeit der Erbauung der Salzlagerhalle wurde die aus den Bohrlöchern gepumpte gesättigte Sole noch in Salzpfannen erhitzt, das Wasser verdampft und das feuchte Salz neben den Pfannen zum Trocknen angehäuft. Mittels Schüttelrinnen und einem Elevator wurde das Salz in die Salzlagerhalle transportiert und über die hochgelegenen Schüttelrinnen auf die hölzernen Silos verteilt. Von diesen gelangte es durch Bodenöffnungen in die Schüttelrinne im Untergeschoss, die das Salz mit einem Elevator zum Absackraum brachte, wo es in Säcke gefüllt, gewogen und auf Bahnwagen verladen wurde. 1941 wurde die Verdampferhalle (Bauinventarobjekt RHE979) gebaut, mit der die Salzlagerhalle seither über eine Passerelle verbunden ist.
Die Salzlagerhalle ist weitgehend unverändert erhalten. Entfernt wurden die Holzsilos im Innern sowie die östliche Hälfte der Schüttelrinnen-Brücke.
Beschreibung:Das sich gleich hinter dem Eingang zum Areal der Saline befindende Salzmagazin steht parallel zu den Bahngeleisen, die den Bau traufseitig erschliessen. Der Bau ist mit der sich dahinter erhebenden Verdampferhalle von 1941 (Bauinventarobjekt RHE979) durch eine Passerelle verbunden. Ostseitig schliesst ein älteres, heute komplett mit Wellblech verkleidetes Magazin an (nicht Bestandteil des Schutzumfangs).
Der lange Baukörper trägt ein gerades Satteldach mit Welleternitabdeckung. Die mit Platten verkleideten Fassaden zeichnen sich durch auffallend grossflächige Fenster mit querformatiger Sprosseneinteilung und Tore unter ausladenden Flugdächern aus, die in elf Achsen angeordnet sind. Die Fenster sind – was bei einem Industriebau erstaunen mag, aufgrund der erwünschten Isolation jedoch nachvollziehbar ist – mit Vorfenstern ausgestattet. Bemerkenswert ist, dass sie wie bei einem mehrgeschossigen Gebäude traditionell in mehreren Zonen angeordnet sind. Zu den Eingängen sind teilweise die hölzernen Torflügel erhalten. Die nordseitig verlaufende Rampe weist einen zeittypischen Klinkerboden auf. Das Innere gestaltet sich als komplett mit Holztäfer im unteren Bereich und mit Platten im oberen Bereich verkleideter Einheitsraum, der durch die parabelförmige Verkleidung der Dachkonstruktion eine kirchenraumartige Wirkung hat.
Eine detaillierte Beschreibung findet sich von Heinrich A. Liebetrau in der Schweizerischen Bauzeitung: "Für die Binder wurde die gewöhnliche Zimmermannskonstruktion gewählt, damit die Arbeit von ortsansässigen Handwerkern ausgeführt werden konnte. Diese bedingte etwas mehr Holz, dafür billigere Verarbeitung. Halle und Binder sind innen nicht nur zur Erreichung glatter, staubfreier Flächen, sondern auch zwecks besserer Isolierung mit Holz verschalt und mit Pavatexplatten verkleidet, die mit verzinkten Kupfernägeln befestigt wurden. Die Fassaden sind mit Holz verschalt und mit 5 mm starken Eternitplatten in der Normalgrösse von 1,50 x 2,50 m verkleidet, die ebenfalls mit verzinkten Kupferstiften befestigt sind. Der Boden ist ganz aus Holz, nur Fundamente und Rampen sind Beton. Die Schüttelrinnen-Brücke über den Silos erhielt mit Rücksicht auf die Besucher der Saline eine besonders reichlich bemessene Breite. Die Schüttelrinnen selbst, die früher in Holz ausgeführt waren, sich aber stark abnutzten, sind hier aus rostfreiem Stahl ausgeführt. Auch die durch die Schüttelrinnen bewirkte Vibration des gesamten Gebäudes erforderte besondere konstruktive Lösungen. Aus diesem Grunde, wie auch der Isolierung wegen, wurden die Aussenwände in Holzkonstruktion mit beidseitiger Plattenverkleidung ausgeführt, wodurch eine Rissbildung vermieden wurde. Zudem bewirkte später eine Neukonstruktion der Schüttelrinnen-Antriebe eine wesentliche Verminderung der Erschütterungen [3]."
An Ausstattung sind Teile der Brückenkonstruktion für die Schüttelrinnen sowie vermutlich bauzeitliche Industrieleuchten erhalten.
Anmerkungen:[1] Zur Geschichte der Salinen: Hunziker, Hoegger 2011, S. 246; Spinnler 1991, S. 27–50.
[2] Liebetrau 1939, S. 60/61.
[3] Zitiert aus: Liebetrau 1939, S. 60/61.
Literatur:- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011, S. 246.
- Kurt Spinnler, Salz und Saline: Geschichte der Saline Rheinfelden, in: Rheinfelder Neujahrsblätter Bd. 47 (1991), S. 27-50.
- H. Liebetrau, Neue Kochsalz-Lagerhalle der Vereinigten Schweizer. Rheinsalinen in Ryburg/Rheinfelden, in: Schweizerische Bauzeitung Bd. 113/114 (1939), Heft 5, S. 60/61.
Quellen:- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. Nr. 6 (1936).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142412
 

Social Media

Share
 
Home|Login|de en fr it
Online queries in archival fonds