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INV-RHE976 Schulhaus Robersten, 1966-1968 (Dossier (Bauinventar))
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General information |
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Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1966 - 1968 |
| Grundlage Datierung: | Baugesuch |
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Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Einzelobjekt |
| Nutzung (Stufe 1): | Öffentliche Bauten und Anlagen |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Schulanlage |
| Epoche / Baustil (Stufe 3): | Nachkriegsmoderne |
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Information on related materials |
| Autorschaft: | Robert Frei + Erwin Moser, Aarau, Zweigbüro in Rheinfelden (Mitarbeit Hans Zimmermann) |
| Würdigung: | In der Materialisierung zeittypische, konzeptuell jedoch an die 1950er-Jahre anknüpfende Schulanlage in Sichtbeton, die sich auszeichnet durch eine skulpturale Auffassung der Volumetrie mit wechselseitig geneigten Pultdächern und Sheddach-artigen Oberlichtern, eine kindgerechte Massstäblichkeit im Pavillonsystem, nach pädagogischen Grundsätzen gestaltete Klassenbereiche sowie eine sorgfältige Einbindung des Grünraums in die Gesamtplanung. Das Schulhaus Robesten verdankt seine architektonische Ausdruckskraft der klaren, einfachen und funktionalen Gliederung der Baumasse sowie dem farblichen Zweiklang aus den naturbelassenen Materialien Beton und Kupferblech und überzeugt als gut erhaltener Schulbau seiner Zeit. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er-Jahre sowie die Ansiedelung und den Ausbau grosser Chemieunternehmen in der Region Basel und im Fricktal, setzte in Rheinfelden ab den 1960er-Jahren eine rege Bautätigkeit ein. Im bislang erst teilweise mit kleinen Wohnhäusern entlang des Strassennetzes bebauten Roberstenquartiers entstanden zunehmend Mehrfamilienhäuser, wodurch eine markante Zunahme an Schülerinnen und Schülern erwartet wurde. 1960 zonierte die Gemeinde daher die als geeigneter Standort erachtete Parzelle um und schrieb 1963 einen Projektwettbewerb für eine neue Schulanlage aus. Zur Teilnahme waren nebst Architekten in und aus Rheinfelden sechs renommierte Büros eingeladen wie Burckhardt Architekten, Förderer + Otto + Zwimpfer aus Basel oder Barth und Zaugg aus Aarau. Die Jury war u. a. mit Roland Rohn aus Zürich, Arthur Dürig vom Basler Architekturbüro Bräuning, Leu, Dürig sowie dem Kantonsbaumeister K. Kaufmann aus Aarau mit bekannten Namen besetzt. In der engeren Auswahl setzte sich das Projekt von Erwin Moser und Robert Frei aus Zürich gegenüber den Entwürfen von Hans Zwimpfer und Walter Förderer aus Basel sowie Arthur Wyss aus Rheinfelden durch. Dafür ausschlaggebend waren die Einfachheit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlage, wobei insbesondere die kindergerechte Massstäblichkeit gelobt wurde. Die Realisierung erfolgte 1966–68 [1]. Die dem Projekt zugrunde liegenden Überlegungen erörterte der Architekt Robert Frei in den Rheinfelder Neujahrsblättern von 1969 [2]. Ausgehend von der Feststellung, dass Schulbauten in Form und Ausdruck die dahinterstehende Geisteshaltung zur Erziehung widerspiegeln, erklärte er, dass es ihm als Architekten neben der Gestaltung in erster Linie darum gegangen war, den hygienischen und pädagogischen Erfordernissen gerecht zu werden. Die Berücksichtigung des kindlichen Massstabs war eine wichtige Voraussetzung dafür. Dieser äusserte sich darin, dass eine einstöckige Bauweise gewählt wurde – in bewusstem Gegensatz zur zunehmend höher erwarteten Bebauung der Umgebung – und in der moderaten Raumhöhe im Innern, die heute insbesondere in den Erschliessungsbereichen gedrungen erscheinen mag. Auch die differenzierte Gestaltung und Unterteilung des Aussenraums anstelle eines einzigen grossen Platzes dürfte teilweise darin begründet sein. Zum anderen waren die Gartenhöfe sicherlich für Unterrichtssequenzen im Freien gedacht, weshalb die Klassenzimmer über direkte Ausgänge verfügen. Die Wertschätzung der Natur äussert sich auch in der Intention der Architekten, dass sich ihr Bauwerk mit der Zeit dank der Bepflanzung zu einem Ganzen entwickelt. Neuen Unterrichtsformen wie z. B. Gruppenarbeiten oder spielerischen und kreativen Tätigkeiten dienen insbesondere die flexibel nutzbaren Bastelnischen, die allen Klassenzimmern zugeordnet sind. Garderobenvorplatz, Bastelnische, Schulzimmer und Garten bilden für jede Klasse eine wahrnehmbare funktionale und gestalterische Einheit, in der sich das einzelne Kind wohl fühlen soll. Leitidee war die wohnliche Schulstube im Sinne Pestalozzis, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und Stimmung ein positives Gefühl und somit Lernklima schafft. In gestalterischer Hinsicht entschieden sich die Architekten für die soliden Materialien Beton, Kupfer, Holz und Klinker, welche bewusst in ihrer natürlichen Farbigkeit und Struktur belassen wurden. Den hygienischen Anforderungen schliesslich versuchte man gerecht zu werden, indem auf die Ausrichtung und Zweiseitigkeit der Belichtung geachtet und damit auch die Möglichkeit zur Querlüftung gegeben wurde. Diese Gedanken waren nicht neu, sondern prägten bereits in den 1950er-Jahren die Diskussion über den zeitgemässen Schulbau, die durch die Ausstellung "Das neue Schulhaus" von 1953 im Zürcher Kunstgewerbemuseum Fahrt aufgenommen hatte. Der kuratierende Architekt und Redaktor der Zeitschrift "Das Werk", Alfred Roth, hatte 1950 unter gleichem Titel ein Buch publiziert, worin er die schon in den 1930er-Jahren verlautete Forderung nach Zweckmässigkeit statt Repräsentation im Schulhausbau wiederaufnahm. Als wegweisende Anlage gilt das Pavillonschulhaus Chriesiweg in Zürich-Altstetten, das 1955–57 von den Architekten Fred Cramer, Werner Jaray und Claude Paillard der Architektengemeinschaft CJP, Zürich, projektiert wurde. Im Bericht dazu verweist Paillard teilweise auf dieselben Aspekte wie Frei [3]. Ein Vergleich der beiden Schulanlagen zeigt denn auch – angefangen bei den zeilenförmigen Schulhaustrakten, der Dachlandschaft und dem freistehenden Hochkamin bis zur inneren Raumstruktur mit zusätzlicher Arbeitsnische – deutliche Parallelen auf und lässt darauf schliessen, dass das Schulhaus Chriesiweg bei der Projektierung des Roberstenschulhauses als wichtige Inspirationsquelle diente (vgl. Bilddokumentation). Zu Pestalozzis Schulstube war 1961 in der Zeitschrift "Das Werk" ein Artikel erschienen, auf den sich Robert Frei in seinen Erläuterungen zu beziehen scheint [4]. Vor diesem Hintergrund weist sich das Roberstenschulhaus trotz seiner massiven Gebäudehülle noch klar als Vertreter der in den 1940er- und 1950er-Jahren verwurzelten, oftmals "leichtfüssigeren" Pavillonbauweise aus, und steht in Kontrast zu zeitgenössischen oder sogar jüngeren Bauten wie Jaques Schaders Kantonsschule Freudenberg (1954–60) in Zürich), die als "Befreiungsschlag aus dem Heimeligen" gilt [5]. Als Vergleichsbeispiel in Bezug auf die Materialisierung in Sichtbeton ist etwa die Sekundarschule in Saint-Imier BE (1958–63) von Charles und Frédéric Brugger Architekten, Lausanne, zu nennen. Auch hier waren Massstäblichkeit, die Behandlung der Schulzimmer als konstruktive und funktionale Einheiten, deren Belichtung und die Begrünung der Anlage Richtwerte [6]. Als wesentlichste Umbauten, die sich seit der Erbauung des Roberstenschulhauses auf die Gestaltung auswirken, sind der Ersatz der monumentalen, ehemals doppelt so breiten Aussentreppe an der Carl-Güntert-Strasse (1988), der Einbau von Oberlichtern im Dach der Pausenhalle (1993) und die Ergänzung von zwei Anbauten für zusätzliche Räume an den Trakten B und C im Rahmen der Totalsanierung 2006 zu nennen. Weiter fanden im Laufe der Zeit diverse Instandsetzungsarbeiten statt, wobei u. a. die Fenster ersetzt, die Dächer teilweise (Turnhalle, Flachdächer Trakte) saniert, Sonnenstoren (Oberlichter Schulzimmer) eingebaut und die Sanitäranlagen erneuert wurden. Erneuert wurden auch die Böden in der Turnhalle (1979, 1999) und in den Schulzimmern (2006) [7]. Dennoch blieben die für den architektonischen Ausdruck wesentlichen Elemente der Ausstattung erhalten. |
| Beschreibung: | Das zentral im Roberstenquartier gelegene Schulhaus bildet eine gut integrierte und durchgrünte Anlage in der von Einfamilien- und kleineren Mehrfamilienhäusern geprägten Bebauungsstruktur. Der Komplex gliedert sich in drei parallel zur Carl-Güntert-Strasse und zum Haldenweg angeordnete Schultrakte und eine Turnhalle, die durch eine Pausenhalle miteinander verbunden sind. Die orthogonal zueinander gesetzten Baukörper schliessen mit versetzten Flach- und Pultdächern ab, die mit durchlaufenden und rhythmisch platzierten Sheddächern eine gleichmässig bewegte Dachlandschaft bilden. Sie sind in Sichtbeton errichtet und bestehen im Aufgehenden aus einem frühen Konstruktionssystem aus vorfabrizierten Betonelementen. Als zweites Baumaterial dominiert Kupfer, mit dem sämtliche geneigten Dächer verkleidet sind. Während die drei eingeschossigen Schulhaustrakte als repetitive Elemente Ruhe ausstrahlen und mit vorgelagerten Grünräumen architektonisch zurücktreten, setzt die zur Carl-Güntert-Strasse hin vorspringende und mit ihrem Pultdach markant aufragende Turnhalle einen Akzent. Mit ihrer Hauptfassade fluchtet auch der Treppenaufgang zur Pausenhalle, der ursprünglich die ganze Breite der Plattform einnahm und monumentale Dimensionen besass. Die Eingangsachse korrespondiert mit dem ebenerdigen Zugang vom Haldenweg her, ein weiterer Durchgang besteht zum Sportplatz. Aufgrund des leicht abfallenden Geländes treten der Schulhaustrakt und die Turnhalle an der Carl-Güntert-Strasse samt Untergeschoss zutage. Die zur L'Orsa-Strasse hin errichtete Stützmauer wird am Haldenweg als Umfriedung weitergeführt und schirmt den mit Bäumen, Sträuchern und Zwiebelblühern bepflanzten Grünbereich nach aussen ab. Die offene Pausenhalle, welche die Schultrakte und die Turnhalle als Querriegel miteinander verbindet, bewahrt bis heute den bauzeitlichen Bodenbelag aus Klinker. Sie bietet einen grosszügigen wettergeschützten Aufenthaltsbereich, der wie die inneren Erschliessungsbereiche unter Berücksichtigung der kindlichen Massstäblichkeit bewusst niedrig konzipiert wurde. Im Glasabschluss zum Innenhof befindet sich das 2005 vom Rheinfelder Keramiker, Ofenbauer und Künstler Arnold Zahner (1919–2005) geschaffene Glasbild "kleine Welt – weite Welt". Die Oberlichter im Dach der Pausenhalle sind ebenfalls nachträglich ergänzt worden. In den zeilenförmigen Schultrakten sind jeweils vier Klassenzimmer aneinandergereiht, die über einen südwestseitigen Korridor erschlossen werden. Gleich beim Eingang von der Pausenhalle her befinden sich die Toiletten. Den Klassenzimmern zugeordnet ist der jeweils zu einem Vorplatz erweiterte Korridorabschnitt mit der gegenüber an der Aussenwand eingerichteten Garderobennische. Die Klassenzimmer sind mit durchlaufenden raumhohen Fensterfronten nach Südosten auf die Gartenhöfe orientiert, auf die sie einen Ausgang besitzen. Aus der Fassade vorspringende Quermauern und ein durchlaufender Betonbalken bilden auf dieser Seite ein funktionales Gestaltungselement als Abschirmung von den benachbarten Klassen bzw. von der Sonne als Bris-Soleil. Während der Korridor flach gedeckt ist, gestaltet sich das Klassenzimmer als überhoher Raum unter wechselseitig geneigten Pult- und Sheddächern, wodurch eine bessere Belichtung der ganzen Raumtiefe und die Querlüftung möglich sind. Mit den auf Sicht belassenen Betonwänden, den mit Tannenholz verkleideten Decken, den Türen, den Garderoben und den Klinkerböden im Korridor, bewahrt das Innere der Schultrakte wesentliche Bestandteile der ursprünglichen Raumgestaltung. Die Linoleumböden in den Klassenzimmern sind ein wertiger Ersatz für die blauen Inlaid-Böden aus der Bauzeit. In den Untergeschossen der Turnhalle und Schultrakte befinden sich neben Schutz- und Archivräumen die Zimmer für Werken und Musik, Mittagstisch, Umkleide und Duschen, Büro und weitere wie Materiallager und Heizung. Die ehemals im Löschwasserbecken der Anlage stehende Bronzeplastik "Artistenfamilie" von Alexander Zschokke (1894–1981) aus dem Jahr 1967 ist seit 2006 in leicht veränderter Aufstellung in die neue Pausenplatzgestaltung integriert. |
| Anmerkungen: | [1] Angaben aus: Backes Zarali Architekten GmbH, Bestandsanalyse Schulhaus Robersten, Rheinfelden, Dokumentation, Basel 2021, S. 9. [2] Vgl. Robert Frei, Das Schulhaus "Robersten" in Rheinfelden, in: Rheinfelder Neujahrsblätter, Rheinfelden 1969, S. 58–59. [3] C. Paillard, Primarschulhaus Chriesiweg in Zürich-Altstetten: Architekten Cramer + Jarray + Paillard SIA, Zürich, in: Das Werk, Bd. 45 (1958), Heft 5, S. 160–166. [4] Benedikt Huber, "Das Schulzimmer als Wohnstube im Sinne Pestalozzis", in: Das Werk, Bd. 48 (1961), Heft 3, S. 73–78. [5] Christoph Allenspach, Architektur in der Schweiz. Bauen im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 2002, S. 87. [6] Collège secondaire à Saint-Imier. Extrait du rapport du jury, in: Das Werk Bd. 46 (1959), Heft 6, S. 116–117. [7] Angaben aus: Backes Zarali Architekten GmbH, Bestandsanalyse Schulhaus Robersten, Rheinfelden, Dokumentation, Basel 2021, S. 10. |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. |
| Literatur: | - Kunstführer durch die Schweiz, Bd. 1, hg. v. d. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, S. 170. - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011, S. 252. - Robert Frei, "Das Schulhaus "Robersten" in Rheinfelden, in: Rheinfelder Neujahrsblätter, 1969, S. 58–59. |
| Quellen: | - Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 19 (1966). - Backes Zarali Architekten GmbH, Bestandsanalyse Schulhaus Robersten, Rheinfelden, Dokumentation und Planbeilage, Basel 2021. |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
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| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142408 |
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