INV-RHE975 Ev.-ref. Pfarrhaus, 1909-1910 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE975
Ref. code AP:RHE975
Title:Ev.-ref. Pfarrhaus
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Bildlegende:Ansicht von Nordwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Gartenweg
Adresse:Gartenweg 2
Versicherungs-Nr.:705
Parzellen-Nr.:297
Koordinate E:2626936
Koordinate N:1267022
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626935.97,1267011.12&z=13&info=2626936.0696951156,1267022.0526179604,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1909 - 1910
Grundlage Datierung:Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:RHE902 ev.-ref. Kirche
Nutzung (Stufe 1):Sakrale Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Pfarrhaus
Epoche / Baustil (Stufe 3):Heimatstil

Information on related materials

Autorschaft:Erwin Rudolf Heman (1876–1942)
Würdigung:Evangelisch-reformiertes Pfarrhaus, das 1909/10 nach Plänen des Basler Architekten Erwin Heman (1876–1942) errichtet wurde. Als Werk eines regional bedeutenden Architekten, das für die Entstehungszeit sehr charakteristische Heimatstilformen zeigt, kommt dem Gebäude ein architekturhistorischer Wert zu. Trotz baulicher Veränderungen an den Fenstern, der Farbgebung der Fassade und im Gebäudeinnern, sind wesentliche Heimatstilelemente wie der unter dem Dach umlaufende Putzdekor, die unterschiedlich gestalteten Fassaden, das Treppengeländer und die bemalte Holzdecke erhalten. Das Pfarrhaus und die evangelisch-reformierte Pfarrkirche (Bauinventarobjekt RHE901) bilden zusammen ein qualitätvolles bauliches und kulturgeschichtliches Ensemble, das mit seiner Lage an einer Strassenkreuzung im südöstlichen Vorstadtbereich eine prominente Stelle im Stadtgefüge einnimmt.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die Kirchgenossenschaft der Reformierten bestand in Rheinfelden seit 1854 und wurde 1900 in eine staatlich anerkannte Kirchgemeinde überführt, zu der auch Kaiseraugst, Magden und Olsberg gehörten. Von 1854 bis 1895 fanden ihre Gottesdienste in der Margarethenkapelle (Bauinventarobjekt RHE921) statt. Für einen reformierten Kirchenneubau wurde 1892 ein Wettbewerb ausgeschrieben, welchen der norddeutsche Architekt Johannes Vollmer (1845–1920) mit einem neogotischen Entwurf gewann. Die Detailpläne und die Bauausführung 1894/95 übernahmen hingegen die Basler Gebrüder Gustav und Julius Kelterborn (Bauinventarobjekt RHE901) [1].
Das zugehörige reformierte Pfarrhaus wurde erst ein paar Jahre später 1909/10 nach Plänen des Basler Architekten Erwin Rudolf Heman (1876–1942) errichtet [2]. Heman betrieb seit 1903 ein eigenes Architekturbüro in Basel, war 1908 Gründungsmitglied des Bundes Schweizer Architekten (BSA) und baute zahlreiche grosse Einfamilienhäuser und einige öffentliche Gebäude in der Region. Beeinflusst von der englischen und deutschen kunstgewerblichen Reformbewegung, prägte Heman einen regional differenzierten, originellen Heimatstil, teilweise in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ellen Heman-Vetter, die ein "Atelier für Kunstgewerbe und Dekoration" führte [3]. Auch beim reformierten Pfarrhaus in Rheinfelden könnte das Innere ein Gemeinschaftswerk sein, wie ein Vergleich mit dem Haus Refardt in Basel nahelegt [4].
Nachträgliche bauliche Veränderungen am Pfarrhaus fanden vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jh. statt. So wurden bei einer Renovation 1969 die ursprünglichen Rundbogenfenster der Veranda im Erdgeschoss durch eckige Fenster ersetzt und an der Ostfassade ein zweiteiliges Fenster um eine Öffnung erweitert. Eine weitere Renovation erfolgte 1983, wobei neue Fenster eingesetzt und Küche und Bäder erneuert wurden [5].
Beschreibung:Das reformierte Pfarrhaus befindet sich östlich der zugehörigen Pfarrkirche im südöstlichen Bereich der Vorstadt. Das bauliche Ensemble nimmt an einer Strassenkreuzung eine prominente Stelle im Stadtgefüge von Rheinfelden ein. Das Gebäude ist von einem Garten umgeben und gegenüber der Gartenstrasse, von wo aus der Zugang erfolgt, leicht erhöht. Der zweigeschossige Baukörper erhebt sich über einem rechteckigen Grundriss und trägt ein Zeltdach. Das Kellergeschoss ist abgesehen von der gartenseitigen Südostfassade freistehend. Die Fassaden sind durch einen Treppenhausrisalit und eine Eingangslaube im Nordwesten und eine Veranda sowie ein Zwerchhaus an der Südostseite abwechslungsreich gestaltet. Auch die Anzahl Fenster variiert. Ihre Situierung ergibt sich aus der funktionalen Aufteilung im Innern und folgt nicht symmetrischen Prämissen, was ein typischer Grundzug der Reformarchitektur ist. Die ursprünglichen Jalousieläden waren mit Rautenmuster versehen; die bauzeitliche Sprossierung findet sich in den Grundzügen auch bei den aktuellen Fenstern, wobei ursprünglich im oberen Drittel eine kleinteiligere Sprossierung vorhanden war. Unter dem Dachrand verläuft ein dekorativer Putzfries aus einem zweireihigen Quadratraster mit jeweils einer Raute in der Mitte. Gemäss einem Artikel über verschiedene Bauten von Heman in der Schweizerischen Baukunst von 1911 kurz nach Fertigstellung des reformierten Pfarrhauses in Rheinfelden waren die Fassaden braungelb verputzt und kontrastierten mit den braunen Fensterläden sowie mit dem vollständig weiss gestrichen Holzwerk und den geometrischen Dekorationen unter dem Dachgesims [6]. Die Kontrastwirkung ist auch auf der beigefügten Schwarzweissfotografie nachvollziehbar (siehe Bilddokumentation). Die Eingangslaube an der Nordwestfassade war ursprünglich offen und wurde erst nachträglich mit Fensterflächen geschlossen. Sie birgt eine einläufige Steintreppe, die zum Hauseingang führt.
Im Innern hat sich die bauzeitliche Grundrissdisposition im Wesentlichen erhalten. Im Erdgeschoss sind Studierzimmer, Wohnzimmer, Esszimmer, Küche und Badzimmer im Uhrzeigersinn um den Eingangsbereich und das Treppenhaus angelegt. Letzteres wird durch die Fenster des Treppenhausrisalits belichtet. Im erwähnten Artikel in der Schweizerischen Baukunst heisst es zur Grundrissdisposition: "Der Grundriss ist gut gelöst und interessant; bemerkenswert ist der verhältnismässig kleine Raum, den die Nebengelasse, Küche, W.C., Eingang und Treppenhaus beanspruchen. Das Haus enthält sieben Zimmer, Veranda, Küche, Waschküche, Bad, Keller und geräumigen Estrich sowie eine Mägdekammer." [7] An bauzeitlicher Ausstattung hat sich über alle Geschosse im Treppenhaus die hölzerne Treppenbrüstung in Heimatstilformen erhalten und im westlichen Gartenzimmer im Erdgeschoss die Holzdecke mit dekorativ bemalten Leisten.
Anmerkungen:[1] Hunziker, Hoegger 2011. S. 256.
[2] Hunziker Parzellendossier Zürcherstrasse reformierte Pfarrkirche / Reformiertes Pfarrhaus, Gartenstrasse 2.
[3] Zu Erwin Rudolf Heman siehe Isabelle Rucki, Dorothee Huber (Hg.), Architektenlexikon der Schweiz. 19./20. Jahrhundert, Basel 1998, S. 260–261. In Rheinfelden hat Heman beispielsweise auch das ehem. Bankgebäude an der Bahnhofstrasse 15 errichtet.
[4] Domus Antiqua Helvetica, Haus Refardt, Basel, https://www.domusantiqua.ch/de/die-haeuser/details/?id=66 (konsultiert am 4.7.2025)
[5] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche Nr. 34 (1969); Nr. 43 (1983).
[6] Baeschlin 1911, 74.
[7] siehe [6].
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- H. A. Baeschlin, Landhausbauten und Reihenhäuser, in: Die Schweizerische Baukunst, Bd. 3 (1911), H.5, S. 63–74.
- Kunstführer durch die Schweiz 2005, S. 169.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 257.
- Edith Hunziker, Zusatzmaterialien zum Kunstdenkmälerband, Parzellendossier Zürcherstrasse reformierte Pfarrkirche / Reformiertes Pfarrhaus, Gartenstrasse 2 (unpubliziert, Kantonale Denkmalpflege Aargau).
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 705, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche Nr. 34 (1969); Nr. 43 (1983).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142407
 

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