INV-RHE972 Struveweg 2, 1956-1957 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE972
Ref. code AP:RHE972
Title:Struveweg 2
Preview:
1/2
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Roberstenquartier
Adresse:Struveweg 2
Versicherungs-Nr.:1360
Parzellen-Nr.:1588
Koordinate E:2627379
Koordinate N:1267870
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2627395.57,1267851.57&z=13&info=2627378.9508031425,1267869.9522652167,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1956 - 1957
Grundlage Datierung:Baugesuch

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Wohnhaus
Epoche / Baustil (Stufe 3):Nachkriegsmoderne

Information on related materials

Autorschaft:Silvio Fumasoli
Würdigung:Das 1956/57 vom Rheinfelder Architekten Silvio Fumasoli erbaute Einfamilienhaus überzeugt durch eine einfache, funktionale Gliederung der Baumasse und der Raumstruktur. Die Loslösung von der traditionellen Hausform mit Satteldach und der spielerisch wirkende Umgang mit dem geometrisch aufgefassten Baukörper zeichnen den Bau als charakteristischen Vertreter der 1950er-Jahre aus. Durch die volumetrische Staffelung wird der Garten Teil des architektonischen Konzepts. Das Haus ist eine Weiterentwicklung des Entwurfs für das Wohn- und Atelierhaus an der Spitalstrasse 9 (Bauinventarobjekt RHE988) und vermittelt in stilistischer Hinsicht ansatzweise zu Fumasolis konsequent modular konstruiertem Wohnhaus an der Carl-Güntert-Strasse 23 (Bauinventarobjekt RHE940).
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Haus wurde 1956/57 für die Familie von Arthur (1917–1997) und Martha Heiz-Bolliger erbaut. Arthur Heiz war in Windisch als Sohn eines Streckenwärters bei der Eisenbahn in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und 1952 in Rheinfelden zum Bezirksschullehrer gewählt worden. Nach seiner Pensionierung wirkte er dreissig Jahre lang als Konservator des Fricktaler Museums [1]. Ausführender Architekt war Silvio Fumasoli, der 1954 Gründungsmitglied der Wohnbaugenossenschaft Rheinfelden war und 1955 das sehr ähnliche Wohn- und Atelierhaus an der Spitalstrasse 9 (Bauinventarobjekt RHE988) realisierte. Die im März 1957 erstellten und realisierten Pläne für das Wohnhaus tragen im wörtlichen Sinn Fumasolis Handschrift. Interessanterweise beruhen diese weitgehend auf einem Projekt, das bereits im Januar 1957 von Bauingenieur und Architekt Siegfried Oberer, Frenkendorf, vorgelegt worden war und einem Bebauungsvorschlag des "Technischen Bureaus, Rheinfelden", von E. Basler aus dem Oktober 1956 folgte. Aufgrund der frappanten Ähnlichkeit mit dem 1955 errichteten Wohnhaus an der Spitalstrasse 9 scheinen Fumasolis Ideen aber von Anfang an in den Entwurf eingeflossen zu sein. 1962 projektierte Fumasoli das in modularer Stahlskelettbauweise konzipierte Wohnhaus an der Carl-Güntert-Strasse 23 (Bauinventarobjekt RHE940). Das Wohnhaus am Struveweg 2 stellt in Bezug auf die architektonische Entwicklung ein Bindeglied zwischen den beiden Häusern dar. Gemäss einer 2014 veranlassten Farbuntersuchung war die Farbgebung der Holzfassade ursprünglich gelb [2].
1978 wurden die Küche umgebaut und 1982 die bauzeitliche Haustür ausgewechselt. 1989 wurden anstelle der originalen bandartig angeordneten Schwingflügelfenster (System Gretsch-Unitas) dreiteilige Fenster mit aussenliegenden Storenkästen eingebaut, wodurch das Lichtmass der Fenster andere Proportionen erhielt. 1993 erfolgte der Ersatz des Welleternitdachs mit neu über die Randkante gezogenen Elementen.
Anlässlich der letzten Handänderung 2014 wurden die Küche und die Nasszellen erneuert, über dem Tonplattenboden im Gang des Erdgeschosses ein Eschenholzparkett verlegt, die Türbeschläge ausgewechselt und kleinere Veränderungen im Grundriss vorgenommen; die Küche ist seither mit dem Esszimmer verbunden und durch eine Schiebetür vom Gang getrennt. Bei der Treppe wurde der mangelnden Stabilität der dünnen Metallstäbe als Abschrankung nachgeholfen, indem diese durch eine unauffällige Holzleiste an der Bodenkante zum Obergeschoss fixiert wurden. Im Wohnzimmer wurde das rechteckig vorkragende Cheminée mit Natursteinverkleidung aus der Bauzeit ausgebaut, wobei der zugehörige Steinboden als Feld erhalten blieb.
Beschreibung:Das Wohnhaus steht in einem erst spät überbauten Einfamilienhausquartier nordöstlich der Stadt, zwischen der Roberstenstrasse und dem Rheinufer. Es besteht aus zwei bezüglich ihrer Grundfläche annähernd gleich grossen Baukörpern unter gegengleich flach geneigten Pultdächern, die um die Hälfte ihrer Länge versetzt sind. Der näher zur Strasse vorgerückte Teil ist als Hauptbaukörper zweigeschossig und mit Bandfenstern im Erd- und Obergeschoss nach Südosten orientiert. Der dazu verschobene nach hinten gerückte Teil ist eingeschossig. Er ist mit grosszügigen stirnseitigen Fenstern und einem Gartenausgang auf den Innenhof gerichtet, der von einer seitlichen Einfassungsmauer in Verlängerung der Südostfassade und vom Hauptbaukörper gebildet wird. Während die stark durchfensterten Fassaden und die nach Nordwesten gerichtete Längsseite des niedrigeren Baus mit einer horizontalen Holzverschalung versehen sind, sind die anderen Fassaden mural geprägt. Der Hauptbau ist in verputztem Backsteinmauerwerk ausgeführt, der niedrigere Annex in Beton. Einzelne wie zufällig wirkende Akzente setzen unterschiedlich grosse quadratische Fenster und zwei weitere Gartenausgänge. Die Dächer sind mit Welleternit eingedeckt. An der Schnittstelle der beiden Baukörper ist ein breitrechteckiger Kamin der Nordostfassade entlang hochgeführt. Den an der südwestseitigen Stirnfront des Hauptbaukörpers angelegten ebenerdigen Hauseingang hebt ein kubischer Windfang hervor.
Das Innere des Hauptbaus ist in eine Erschliessungszone entlang der Nordwestfassade und in eine Abfolge von Zimmern auf der Südostseite gegliedert. Die Raumstruktur beruht entsprechend der Einteilung der Bandfenster auf Einheiten von zweieinhalb Metern Breite. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Räume zu je einer Einheit und die heute zu eine Doppeleinheit zusammengefassten Räume der Küche und des Esszimmers. Von letzterem gelangt man in das Wohnzimmer, das drei Viertel des eingeschossigen Gebäudeteils einnimmt, während ein Viertel als Schuppen für den Garten dient. Im hinteren Teil der Erschliessungszone ist eine Nasszelle abgetrennt. Der Grundriss im Obergeschoss folgt im Wesentlichen demselben Muster, wobei das südöstliche Zimmer in den Bereich über dem Eingang erweitert ist. Die Verbindung zwischen den Wohngeschossen erfolgt über eine Holmtreppe aus Eschenholz, die eine filigrane Abschrankung aus Metallstäben besitzt, wie sie sich auch in Fumasolis Wohnhaus an der Carl-Güntert-Strasse 23 (Bauinventarobjekt RHE940) findet. Die Eschenholzböden stammen mit Ausnahme desjenigen im Erdgeschoss-Gang aus dem bauzeitlichen Baubestand. Die Stufen der Kellertreppe bestehen aus geschnittenem Beton.
Anmerkungen:[1] Kurt Theiler, Arthur Heiz-Bolliger 1917–1997, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 1998, S. 154–156.
[2] Farbuntersuchung durch Bruno Häusel, Restaurator. Bericht vom 16. Mai 2014, Beilage zur Baugesuch Nr.29 (2014). – Auch die Holzfassade des Hauses Spitalstrasse 9 (Bauinventarobjekt RHE988) von Silvio Fumasoli hatte gemäss Eigentümerschaft ursprünglich eine gelbe Farbfassung.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Quellen:- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche Nr. 6 (1957); Nr. 29 (2014).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142404
 

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