INV-RHE955 Alleeweg 11, 1902-1903 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE955
Ref. code AP:RHE955
Title:Alleeweg 11
Preview:
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Bildlegende:Ansicht von Südwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kapuzinerberg
Adresse:Alleeweg 11
Versicherungs-Nr.:396
Parzellen-Nr.:212
Koordinate E:2626690
Koordinate N:1266665
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626703.68,1266629.25&z=13&info=2626689.9441294745,1266665.3217363786,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1902 - 1903
Grundlage Datierung:Baugesuch; Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Information on related materials

Autorschaft:Andreas Zuber-Baumann, Aarau
Würdigung:Die für den Anwalt und Gerichtspräsidenten Arnold Doser erbaute Villa war 1903 einer der ersten repräsentativen Wohnsitze auf dem Kapuzinerberg. Vom Aarauer Architekten Andreas Zuber in neugotischer Formensprache entworfen, ist der romantisierende Historismusbau ein zeittypischer Bauzeuge für die damals einsetzenden Besiedelung dieses Stadtgebiets. Die markanten, dem Wetter ausgesetzten Treppengiebel sollten mit der nach oben zunehmenden Rustizierung wohl den Eindruck erster Anzeichen von Zerfall erwecken, womit der Bau ganz im Sinne des "Gothic Revival" als Ausdruck der Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit zu verstehen ist. Die mit einer bewegten Dachlandschaft, Schmiedeeisen und Hausteinelementen in rotem Sandstein aufwendig instrumentierte Villa birgt im Innern einen wesentlichen Teil der qualitätvollen bauzeitlichen Ausstattung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Die am nördlichen Rand des Kapuzinerbergs stehende Villa gehört zu den frühesten Wohnhäusern des Quartiers. Sie wurde 1902/03 vom Aarauer Architekten Andreas Zuber für den Rechtsanwalt und Gerichtspräsidenten Karl Arnold Doser-Gruber (geb. 1864) erbaut [1], von dem sie nach dessen Tod 1935 zunächst an die Tochter Wilhelmine Doser überging und 1947 von ihren Erben an den vormaligen Eigentümer Robert Berner verkauft wurde. Der östliche Teil des grossen Grundstücks war an Feldschlösschen-Direktor Roniger veräussert worden, als sich der Sohn Dosers auszahlen liess. Die Villa war ursprünglich als Einfamilienhaus konzipiert. Gemäss Grundrissplänen waren im Hochparterre nach Südwesten das Wohnzimmer, nach Südosten eine Veranda, daran anschliessend ein Schlafzimmer und ein weiteres Zimmer sowie in der Nordostecke die Küche, das Bad und die Toilette untergebracht. Vier weitere, nicht näher definierte Zimmer befanden sich zusammen mit einer Veranda und einer Toilette im ersten Stock. Bemerkenswert ist die Planung von drei Fremdenzimmern, die neben einer Mägdekammer und einer "Plunderkammer" im Dachgeschoss angesiedelt waren. Im Laufe der Zeit wurde das Haus in drei Stockwerkswohnungen unterteilt, was eine Abtrennung des Treppenhauses durch verglaste Türen zur Folge hatte. Kleinere Veränderungen im Grundriss fanden teilweise im Bereich von Küche und Bad statt. Vor wenigen Jahren wurden die letzten bauzeitlichen Fenster im Dachgeschoss erneuert.
Beschreibung:Die schlösschenartige Villa steht an prominenter Ecklage auf einem grossen Grundstück, das zum Strassenraum hin von einem schlichten Schmiedeeisenzaun umfriedet wird. Zum Alleeweg öffnet ein Gartentor, zum Lichsweg bestand bis vor kurzem zwischen zwei gemauerten Pfosten mit zeittypischen Ziegeldächlein ein aufwendiger verziertes zweiflügliges Einfahrtstor. In ihrer malerisch aufgelösten Architektur ist die Villa ein typischer Jahrhundertwendebau, wobei der scheinbar komplexen volumetrischen Gestaltung ein einfaches Konzept zugrunde liegt. In der Grundanlage besteht sie aus einem zweigeschossigen Baukörper unter Pyramidendach und zwei nach Norden und Süden ausgerichtete, zueinander punktsymmetrisch gespiegelte Eckrisalite unter Satteldach mit Treppengiebeln. Während sich die Risalite je über die halbe Gebäudebreite erstrecken, wird die andere Hälfte jeweils von einer Veranda oder einem Balkon eingenommen. Damit das Dach bis über die Veranda in der nordwestlichen Ecke reichte, behalf man sich eines Knicks. Die allseitig mit zweireihig angeordneten Schleppgauben belebte Dachlandschaft wird von einem Turmhelm komplettiert, der zu einem polygonalen Treppenrisalit auf der Westseite gehört. Die Turm- und Dachspitze besitzen bauzeitliche Kugelaufsätze; die Dachflächen sind einschliesslich der abgeschrägten Giebelstufen mit Biberschwanzziegeln gedeckt.
Über dem Kellersockel aus Jurakalksteinen uneinheitlichen Formats sind die Fassaden verputzt, wobei im unteren Bereich vereinzelt, nach oben zunehmend und an den Treppengiebeln ganzflächig grob behauene Steinblöcke hervortreten – ein Kunstgriff, dessen sich der Architekt wohl bediente, um den Anschein zu erwecken, das Gebäude sei schon sehr alt und der Verputz bereits abgefallen. Sämtliche Fenster sind mit geohrten und gekehlten Hausteingewänden aus rotem Sandstein eingefasst. Sie sind nur teilweise axial angeordnet und tragen mit ihren unterschiedlichen Formaten zur Belebung der Fassaden bei. Das dreiteilige Staffelfenster und ein Zwillingsfenster im Erdgeschoss verweisen auf die dahinter liegenden Wohnräume, weit gespannte Stich- und Korbbogenöffnungen zeichnen die Veranden aus. Beide Treppengiebel zieren Fensterpaare mit Rundbogen und den Treppenlauf im Turm begleiten gestufte Stichbogenlichter mit floraler Farbverglasung. Die Fenster verfügten von Anfang an über Rollläden in innenseitig integrierten Kästen.
Eine Granittreppe mit organisch ornamentiertem Schmiedeeisengeländer und Gusseisenpfosten führt zum Hauseingang neben dem Treppenturm. Dieser bewahrt das bauzeitliche eichene Türblatt mit diagonal gegliederten Füllungen, vergittertem Fenster und kunstvollen Zierbeschlägen. Durch den Eingang gelangt man ins Vestibül, das mit einem Terrazzoboden und einem Täfer ausgestattet ist. Wie aufgrund der aufwendig beschnitzten Balkendecke und des Terrazzobodens nachvollziehbar ist, setzte sich die Vorhalle ursprünglich jenseits der Wand zur unteren Wohnung fort. Die verglasten Trennwände zu den oberen Stockwerkswohnungen sind nachträglich eingebaut worden. Die bauzeitliche Ausstattung des Treppenhauses ist vollständig erhalten. Es besticht durch ein passend zum Wandtäfer beschnitztes Geländer, floral verzierte Farbfenster, Fischgratparkett sowie Decken mit Holzverkleidung und Stuck. In den Wohnungen hat sich mit wenigen Anpassungen im Bereich der Nasszellen die bauzeitliche Raumstruktur und Ausstattung erhalten. Letztere umfasst kassettierte Füllungstüren samt Rahmen, Parkettböden und Decken mit Stuckprofil und im Erdgeschoss das mit mahagonifarben gebeiztem Tannenholztäfer verkleidete Wohnzimmer samt Bälkchendecke. Von den gemäss bauzeitlichen Grundrissplänen wohl ehemals zahlreichen Kachelöfen bestehen noch je ein rechteckiger Turmofen mit grün glasierten Reliefkacheln im Obergeschoss und im Dachgeschoss.
Anmerkungen:[1] Von Architekt Andreas Zuber-Baumann stammen u. a. das Francke-Gut (1902) und das Restaurant Affenkasten in Aarau (1904) sowie das Schulhaus in Unterentfelden (1910–11).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), Einzelelement, Erhaltungsziel A.
Literatur:- Kunstführer durch die Schweiz, Bd. 1, hg. v. d. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, S. 168.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9, Bern 2011, S. 272.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 396, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142387
 

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