INV-RHE954 Lichsweg 16, 1924-1926 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE954
Ref. code AP:RHE954
Title:Lichsweg 16
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Bildlegende:Blick von Südosten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kapuzinerberg
Adresse:Lichsweg 16
Versicherungs-Nr.:833
Parzellen-Nr.:215
Koordinate E:2626761
Koordinate N:1266693
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626761.03,1266654.31&z=13&info=2626761.0541453436,1266693.1036750446,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1924 - 1926
Grundlage Datierung:Baugesuch; Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Information on related materials

Autorschaft:Heinrich A. Liebetrau
Würdigung:Die vom Habitus eines bernischen Landsitzes inspirierte Heimatstilvilla wurde 1924–26 vom bedeutenden Rheinfelder Architekten Heinrich A. Liebetrau für den Vizedirektor der Kraftübertragungswerke Rheinfelden erbaut. Sie ist ein qualitätvoller siedlungsgeschichtlicher Bauzeuge für die im frühen 20. Jahrhundert kontinuierlich fortschreitende Bebauung des gegenüber dem historischen Stadtkern erhöht gelegenen Kapuzinerbergs. Liebetrau projektierte an der begehrten Wohnlage einige stattliche Wohnhäuser. Der Bau gehört zu einer Gruppe von repräsentativen Wohnhäusern und Villen neobarocken Einschlags, wie sie in den 1920er-Jahren bei statusbewussten Bauherrschaften mit eher konservativem Geschmack besonders beliebt waren. Die von einem Garten umgebene Villa zeigt sich in der äusseren Erscheinung weitgehend unverändert und bewahrt im Innern einen Teil der qualitätvollen bauzeitlichen Ausstattung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das vom Rheinfelder Architekten Heinrich A. Liebetrau (1886–1953) projektierte Wohnhaus wurde 1924–26 für Arthur Gfeller-Wiederkehr, den Vize-Direktor der Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), erbaut [1]. Dabei scheinen gegenüber der Baueingabe von Anfang an Abweichungen bestanden zu haben. Vorgesehen waren ursprünglich vier statt zwei Fensterachsen nach Süden und Osten und ein gestufter zweigeschossiger Altan auf der Nordseite. Stattdessen wurde ein polygonaler Treppenturm realisiert und mit dem angedeuteten Erker nach Osten mit dreiteiligem Fenster und breitem Kielbogenabschluss eine romantisierende Formensprache gewählt. Wie ein im Brandkataster vermerkter Nachtrag von 1926 vermuten lässt, könnte auch der südseitige Sitzplatz eine unmittelbar im Anschluss an die Fertigstellung des Hauses erfolgte Ergänzung sein – zumindest ist er auf dem Ansichtsplan nicht vorhanden.
Die spätere Eigentümerin der Liegenschaft, die Kraftwerk Laufenburg AG, beabsichtigte 1973 tiefgreifende Um- und Anbauten, die jedoch nicht ausgeführt wurden. Von der heutigen Eigentümerschaft wurde der Grundriss im Erdgeschoss teilweise aufgelöst, so dass Küche, Ess- und Wohnzimmer mit Veranda einen einzigen Raum bilden. Die Böden wurden mehrheitlich in hochwertigem Fischgratparkett in Eiche erneuert sowie im Treppenhaus eine adäquate Wandbespannung angebracht. Die Haustüren wurden ersetzt. Der südseitige Sitzplatz wurde 2019 auf die heutige Grösse erweitert.
Die Doppelgarage unter Walmdach ist eine Ergänzung von 1960 durch die Kraftwerk Laufenburg AG (nicht im Schutzumfang enthalten).
Beschreibung:Das villenartige Wohnhaus ist um Gartentiefe zurückversetzt und mit seiner Hauptfassade nach Süden auf den Lichsweg ausgerichtet, von wo ein Weg zum seitlich angelegten Hauseingang führt. Die dahinter liegende Garage ist über einen Privatweg auf der östlichen Seite erschlossen.
Der wohlproportionierte Bau ist in der Gesamterscheinung mit geknicktem Walmdach, Eckquaderung und axialer Fenstergliederung vom Typus des bernischen Landsitzes abgeleitet, zeigt aber das für den Heimatstil typische Aufbrechen dieser Grundanlage zugunsten einer variierten, von anderen Baustilen überlagerten und von der inneren Raumstruktur heraus konzipierten Fassadengestaltung.
Der mit einem zeittypischen groben Verputz verkleidete zweigeschossige Baukubus wird von einem glatt verputzten Kellersockel und gefugten Ecklisenen eingefasst. Nach oben schliesst der Baukörper mit einem geknickten Walmdach mit Biberschwanzziegeldeckung ab. Dieses bewahrt bauzeitliche Details wie das karniesförmige Traufgesims, die mit Leisten gegliederte Dachuntersicht sowie polygonale Wassersammler zu den geschwungenen Fallrohren. Filigrane Giebel- und Dachabschlüsse in Form von schmalen Hohlkehlen haben sich auch zur südseitigen Lukarne, zum Erker und zum rückseitigen Treppenhausrisalit erhalten.
Die zweiachsig gegliederten Fassaden werden auf allen Seiten von zusätzlichen Elementen aufgelockert. Die Südansicht beherrscht neben einer zweiachsigen Lukarne in der Mittelachse ein aus der Mittelachse verschobener Altan. Der rechtwinklig an den Hauptbaukörper anschliessende Anbau ist mit der Vorderfront nach aussen gewölbt. Die Veranda öffnet sich im Erdgeschoss mit einer grosszügigen Fensterreihe und einem seitlichen Ausgang zum Sitzplatz auf den Garten hin, während in die gemauerte Brüstung zum darüberliegenden Balkon Geländer aus Schmiedeeisen mit schlichten Ornamenten integriert sind. Auf der Ostseite wird der an die Veranda grenzende Wohnbereich durch einen erkerartigen Fassadenvorsprung mit dreiteiligem Fenster und blechverkleidetem Eselsrückengiebel ausgezeichnet. Die symmetrisch gestaltete Rückfront des Hauses prägt ein zwischen die beiden Fensterachsen gefügter polygonaler Treppenhausrisalit mit gedrungenem, knappem Turmhelm, der auf Höhe des Zwischenpodests zum Dachgeschoss mit einem Rundfenster abschliesst. In den unteren Geschossen befinden sich ein Rechteckfenster und der Gartenausgang. Zum erhöhten Hauseingang auf der Westseite führt ein Vorbau mit einläufiger Treppe und säulengestütztem Vordach, das mit einem karniesförmigen Traufgesims zum Gebälk überleitet. Die hellgrau gefassten, sorgfältig scharrierten Fenstergewände dürften wie vermutlich auch die Türrahmung und der Trog des westseitigen Wandbrunnens aus Muschelkalk gefertigt sein.
Durch den Hauseingang gelangt man zunächst in einen Windfang. Wie dies für eine als Einfamilienhaus konzipierte Villa zu erwarten ist, beherbergt das Erdgeschoss als eigentliches Wohngeschoss die repräsentativeren Räume mit Salon, Esszimmer und Veranda, die heute zusammengefasst und zur Küche hin geöffnet sind. Im rückwärtigen Hausteil sind die Wohndiele mit Toilette und Treppenhaus sowie die Küche untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich drei Zimmer sowie das Badezimmer, das heute in den Bereich des ehemaligen Schrankzimmers erweitert ist. Weitgehend unverändert erhalten sind das Treppenhaus und die qualitätvolle bauzeitliche Ausstattung des Eingangsbereichs, der als vertäfelte Wohndiele mit Glastür zum Windfang, Wandschränken und Radiatorenkasten gestaltet ist. Der direkte Durchgang zum Wohnzimmer ist aufgehoben und mit einem Spiegel versehen. Zu den Zimmern im Obergeschoss haben sich die Füllungstüren aus der Bauzeit samt Rahmen erhalten. Ein zugehöriger Wandschrank wurde ins Badezimmer integriert.
Anmerkungen:[1] Angaben zur Baugeschichte gemäss den jeweiligen Baugesuchen im Bauarchiv Rheinfelden.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), Einzelelement, Erhaltungsziel A.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 833, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 15 (1924/25); Nr. 43 (1960) Garage; Nr. 11 (1973) nicht ausgeführter Umbau.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142386
 

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