INV-RHE953 Alleeweg 20, 1926-1927 (Dossier (Bauinventar))

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General information

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Ref. code:INV-RHE953
Ref. code AP:RHE953
Title:Alleeweg 20
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Bildlegende:Ansicht von Nordosten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kapuzinerberg
Adresse:Alleeweg 20
Versicherungs-Nr.:859
Parzellen-Nr.:183
Koordinate E:2626697
Koordinate N:1266567
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626690.11,1266566.39&z=13&info=2626697.0141367973,1266567.1595080297,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1926 - 1927
Grundlage Datierung:Baugesuch

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa

Information on related materials

Autorschaft:Heinrich A. Liebetrau
Würdigung:Wohnhaus mit integriertem Büro, das 1926–27 vom Rheinfelder Architekten Heinrich A. Liebetrau, dem seinerzeit wohl bedeutendsten Architekten Rheinfeldens, als Eigenheim errichtet wurde. Liebetrau zeichnet für zahlreiche private Wohnhäuser auf dem Kapuzinerberg verantwortlich. Als Bauwerk, das ganz nach seinen Vorstellungen konzipiert und umgesetzt wurde, ist das Wohnhaus im Stil der gemässigten Moderne mit Anklängen an den Expressionismus ein aussagekräftiges Zeugnis für die architektonische Haltung Liebetraus. Das Haus ist in seiner Gesamterscheinung samt Vorplatzgestaltung sowie in der Raumstruktur zum grossen Teil erhalten und bewahrt mit Böden, Türen, diversen Holzeinbauten und einem Kachelofen wesentliche Elemente der hochwertigen bauzeitlichen Ausstattung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Der Erbauer des Hauses, Heinrich A. Liebetrau (1886–1953), war nach einer Bautechnikerlehre bei Gustav Stehelin in Basel beim renommierten Architekturbüro Curjel & Moser in Karlsruhe tätig, für das er in Rheinfelden die Leitung des Rathausumbaus übernahm [1]. Im Anschluss machte sich Liebetrau in Rheinfelden selbständig und etablierte sich als gefragter Architekt. Als Liebetrau 1926 an bevorzugter Lage auf dem Kapuzinerberg sein eigenes Wohnhaus realisierte, war das Quartier erst locker besiedelt und von weitläufigen Baumgärten geprägt. Die damalige Randlage bot freien Blick in die Landschaft und eine reizvolle Kulisse für den Garten. Dieser war mit lebensgrossen Menschenfiguren ausstaffiert, wie sie sich bei der Eingangspforte erhalten haben. Das Nebengebäude diente später als Pferdestall und Remise, während die Sattelkammer im Keller des Hauptgebäudes eingerichtet war. Am Wohnhaus selbst wurde über die Jahre wenig verändert, so dass der Grundriss und die bauzeitliche Ausstattung in wesentlichen Teilen erhalten blieben. Als Ersatz für die schmale bauzeitliche Pergola, wofür die beiden Mauerspangen in der Nordwestecke dienten, wurde später auf der Westseite des Hauses eine grössere erstellt. Im vermehrt genutzten Dachgeschoss wurde im Laufe der Zeit die gartenseitig bestehende Gaube verbreitert und das westliche Spitzfensterchen durch ein Fenster mit Rundbogen ersetzt. Ebenfalls zu den jüngeren Öffnungen gehört der Durchlass im Obergeschoss auf das Dach der Garage. Noch unter Liebetrau erfolgte die Aufstockung der beiden gartenseitigen Terrassen in Leichtbauweise, die von der heutigen Eigentümerschaft zu verglasten Häuschen mit vorgeblendeten Querstäben umgestaltet wurde – ein Kompromiss, der dem ursprünglichen Entwurf entgegenkommt. Die heutige Eigentümerschaft erwarb die Liegenschaft um das Jahr 2000 von den beiden Töchtern Liebetraus. Während der Grundriss im Bereich von Küche und Wohnzimmer seither eine stärkere Öffnung erfuhr, wurde der zwischenzeitlich zu einem Fenster vermauerte mittlere Gartenausgang wiederhergestellt. Ein vermutlich nachträglich hinzugekommenes Cheminée wurde entfernt. Im Obergeschoss wurde der Wohnbereich in der westlichen Haushälfte durch eine verglaste Wand vom Treppenhaus und von den Büros abgetrennt. Die gartenseitige Terrasse erhielt auf der ganzen Länge eine Überdachung. Bis zur jüngsten Modernisierung der Küche besass diese die ursprünglichen Schrankeinbauten. Ein Umbau des ebenfalls noch teilweise bauzeitlichen Badezimmers ist in Planung oder unterdessen ausgeführt.
Beschreibung:Das von einem grosszügigen Garten umgebene Wohnhaus mit Garage und die bauzeitliche Einfriedung bilden ein Ganzes, das auch die Gestaltung des Zugangs in das Gesamtkonzept einschliesst. Zu diesem Eindruck trägt auch die wohl auf die Bauzeit zurückgehende, einheitliche Farbgebung aller gemauerten Bestandteile in dunklem Rosa bei. Während die Garage mit ihrer Einfahrt auf einen gepflasterten Vorplatz am Alleeweg ausgerichtet ist, befindet sich der Haupteingang zum Haus nordseitig am Privatweg. Die bündig mit der Garage verlaufende Mauer öffnet sich hier pfortenartig, indem zwei lebensgrosse Sitzfiguren auf Beton- und Hausteinsockeln den Einlass flankieren. Hinter einigen Treppenstufen zum erhöhten Vorplatz öffnet sich ein schmiedeeisernes Gartentor, das dasselbe Zackenornament zeigt wie das bauzeitliche Türblatt des dahinterliegenden Hauseingangs.
Das längliche, zweigeschossige Wohnhaus schliesst mit einem knappen Satteldach ab, das mit einer Hohlkehle zur Fassade überleitet. Währenddessen verleihen die annähernd flach gedeckten Annexe, horizontalen Vordächer und markanten Mauerspangen im Nordwesten der volumetrischen Gesamterscheinung eine moderne Note. Charakteristisch für die Moderne sind auch die Betonung der Horizontalen in den Proportionen und der querformatigen Gliederung von Fenster und Türen sowie die teilweise gewändelos in die Mauerflächen eingelassenen Öffnungen. In den gezackten Detailformen von Giebelfenster oder Hauseingang klingt zusätzlich der Expressionismus an.
In der Grundanlage mit den beidseitig vorspringenden Veranden und in der Gestaltung der verputzten Fassaden zeigt der Hauptbaukörper (ohne Garage) eine Tendenz zur Symmetrie. Jede Fassade ist jedoch in Abhängigkeit mit den dahinter liegenden Räumen unterschiedlich gegliedert. Ein wiederkehrendes Element sind die von breiten Gewänden mit schmalen Rahmen und kantigen Gesimsen eingefassten Fenster, wie sie an den zweiachsigen Stirnseiten und am Obergeschoss der Eingangs- und der Gartenfassade auftreten. Es gibt sie in annähernd quadratischem oder halbiertem Format. Ein weiteres Stilmerkmal sind die meist querformatigen, an der östlichen Stirnseite im OG zu einem Band zusammengefassten Fenster, die ohne Gewände in die Mauer eingelassen sind. Dahinter befinden sich das ehemalige Architekturbüro von Liebetrau, Nasszellen oder die innere Erschliessung des Hauses. Ebenso war die Garage von Anfang an durch ein derartiges Fenster grosszügig belichtet. Einen besonders hohen Fensteranteil zeigt die Gartenseite des Hauses, wo das Erdgeschoss durch eine Folge von Gartenausgängen belichtet wird. Beide Veranden werden, in Abweichung vom ursprünglichen Bauplan (siehe Bilddokumentation), über Eck von bodentiefen Fenstern umfasst, die nur durch pfeilerartige Eckstücke unterbrochen sind. Es dürfte sich hierbei um eine spontane Anpassung handeln, mit der Liebetrau der moderneren Variante den Vorzug gab, wenn er dabei auch die Fensterläden beibehielt. Der Bereich zwischen den Veranden bildet eine gegenüber dem Gartenterrain erhöhte Terrasse. Die Gartenausgänge schützte bis zur Überdachung das über die ganze Länge verlaufende, mit der Brüstung der Vorbauten bündige Vordach.
Der untere Sockelbereich des Hauses ist in Granitsteinblöcken abgesetzt, mit welchen auch die südwestliche und die südöstliche Ecke des Hauses rustikal betont sind. Dasselbe Steinmaterial wurde für Treppenstufen und Bodenplatten verwendet. An der Westfassade liess Liebetrau aus Granit einen Wandbrunnen anbringen, über dem eine verwitterte Keramikplatte mit dem Monogramm Liebetraus ("HAL") sowie den Berufszeichen Zirkel und Winkeldreieck eingelassen ist. Weitere Keramik am Bau findet sich in Form einer Majolika aus Sevilla aus dem Jahr 1925 in der Westfassade der Garage. Die dekorative Verwendung von Klinker wie hier beim Garagentor ist typisch für die 1920er- und 1930er-Jahre und könnte somit bauzeitlich sein.
Durch die Haustür gelangt man in einen Windfang, von dem sich geradeaus eine zweite Tür mit Glasfüllungen auf den unteren Wohnbereich öffnet und eine Treppe links direkt ins Obergeschoss zum ehemaligen Büro führt. Die innere Erschliessung erfolgt über einen Längskorridor, der sich zu einer Sitznische mit eingebauten Bänken, Regal und Schrank weitet. Eine Tür in der Mitte des Korridors unterteilt das Erdgeschoss in zwei Hälften: eine westliche mit den nach Süden ausgerichteten Wohnräumen und der Küche in der Nordwestecke sowie eine östliche mehr private mit dem Schlafzimmer, einem weiteren Zimmer nach Süden, dem Badezimmer und der Toilette in der Nordostecke. Eine steinerne Treppe mit schlichtem Handlauf führt der Nordfassade entlang ins Obergeschoss, wo sich im östlichen Teil das ehemalige Architekturbüro von Liebetrau befindet. Der grosszügig belichtete Raum bot gemäss Plan Platz für vier Arbeitsplätze. Damit verbunden war ein kleinerer, nach Süden ausgerichteter Raum mit zwei weiteren Arbeitstischen. Der östliche Teil des Gangs war als Vorplatz für drei weitere Räume und eine Toilette vom halböffentlichen Bereich abgetrennt. In die heute bestehende, weiter westlich positionierte Glaswand ist die Tür zur Dachbodentreppe integriert.
Das Haus bewahrt trotz einiger Veränderungen einen wesentlichen Teil seiner qualitätvollen bauzeitlichen Ausstattung, darunter Türen und Einbauschränke aus holzsichtigem Tannenholz und Böden. Hervorzuheben ist der farblich aussergewöhnlich differenzierte und sich harmonisch einfügende Mosaikboden in Bad und Korridor, der sich sehr gut erhalten hat. Im Obergeschoss ist der Erschliessungsbereich mit roten Feinsteinzeugplatten belegt. Die Wohnräume weisen bauzeitliches Fischgratparkett und Dielen aus Eichenholz auf, während das Parkett im Büro erneuert wurde. Der Dielenboden im Dachbereich erhielt zwischenzeitlich einen Farbanstrich. Aus der Bauzeit stammen auch der türkisfarbene Kachelofen im Wohnzimmer und vermutlich das von der Wand zur Decke überleitende Schrägprofil. Zwei Deckenlampen gehören zum Bestand des Hauses. Von besonderem Zeugniswert ist das Badezimmer mit der für Liebetrau typischen abgerundeten Badewanne und dem eingebauten Wärmefach für das Handtuch (vgl. Bauinventarobjekt RHE987).
Die im früheren Inventar erwähnten Wappenscheiben der Familien Liebetraus und seiner Frau Maria Katharina Kalenbach sind nicht mehr an Ort vorhanden.
Anmerkungen:[1] Zu Liebetrau: Edith Hunziker, "Liebetrau, Heinrich Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047830/2008-11-25/, abgerufen am 05.11.2025. – Isabel Haupt, "ohne die früher beliebte Altertümelei". Der Umbau des Rheinfelder Rathauses in den Jahren 1908 bis 1911 durch Curjel & Moser, in: Kunst + Architektur in der Schweiz, hg. v. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Heft 4, Bern 2014, 68–77.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Kunstführer durch die Schweiz, Bd. 1, hg. v. d. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, S. 168.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9, Bern 2011, S. 272/273.
Quellen:- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 014 (1926) (Neubau); Nr. 8 (1963) (Umbau Stall/Remise); Nr. 135 (2002) (Garagentor und -tür); Nr. 047 (2011) (Terrassenüberdachung); Nr. 122 (2012) (Sonnenkollektoren).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142385
 

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