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INV-RHE943 Gasthaus "Drei Könige", 1763-1764 (Dossier (Bauinventar))
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General information |
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Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1763 - 1764 |
| Grundlage Datierung: | Literatur |
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Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Einzelobjekt |
| Nutzung (Stufe 1): | Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Gasthaus, Gasthof |
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Information on related materials |
| Würdigung: | Gasthof "Drei Könige", der sich aus einem Kernbau von 1763/64 sowie Anbauten aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts zusammensetzt. Das Gebäude bewahrt seine U-förmige Anlage und die spätklassizistische Erscheinung aus dem 19. Jahrhundert. Im Innern ist hingegen nur wenig historische Ausstattung erhalten. Indem es an exponierter Lage den Auftakt zur östlichen Vorstadt bildet, kommt ihm eine städtebauliche Bedeutung zu. Von lokalhistorischem Wert ist es, weil es mit dem Kernbau einerseits vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegensatz zwischen Stadt und Vorstadt während des Ancien Régime zeugt, andererseits mit den Erweiterungen aus dem 19. Jahrhundert auch an den florierenden Kurtourismus der Belle Époque erinnert. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Bereits seit dem 14. Jh. bestand an der Stelle des Gasthauses "Drei Könige" in der östlichen Vorstadt Rheinfeldens eine Taverne. Der Standort an der Landstrasse nach Zürich und in unmittelbarer Nähe zur Zollstätte vor dem Obertor (Kantonales Denkmalschutzobjekt RHE002) erwies sich als äusserst geeignet, da abends die Stadttore geschlossen und die Händler auf Gaststätten ausserhalb der Stadtmauern angewiesen waren. 1739 übernahm der Ochsenwirt Peter Adam Kalenbach den bestehenden Tavernenbetrieb. Kalenbach beabsichtigte, ein neues Wirtshaus zu bauen, doch verschiedene, vor allem wirtschaftliche und politische Einwendungen gegen das Projekt führten zu einem jahrzehntelangen Prozess. Erst seine Witwe, Maria Anna Kalenbach, und sein Schwager, Josef Keller konnten 1763/64 den Kernbau des heutigen Gebäudes errichten lassen [1]. Die Bauabrechnung nennt neben dem Maurermeister Johann Michel Ehrat, dem Zimmermeister Andreas Hüninger und dem Schmied Jakob Pflueger auch Johann Jakob Böchin, der das Wirtshausschild malte [2]. Bis 1904 blieb das Gasthaus "Drei Könige" im Besitz der Familie Kalenbach, wobei mehrere An- und Umbauten stattfanden. Im dritten Viertel des 19. Jh. erhielt der Kernbau rückwärtig gegen Nordosten Anbauten mit einer Metzgerei, einer Küche, einem Backhaus und einem Saal mit zusätzlichen Gästezimmern im Obergeschoss [3]. Dabei wurde der traufständige Kernbau gegen Nordwesten um zwei Fensterachsen verlängert und seine strassenseitige Trauffassade um einen Kniestock erhöht. So entstand die bis heute vorhandene U-förmige Anlage mit zwei parallelen Quertrakten zum Kernbau. Aus dieser Ausbauphase stammen auch die beiden Gewölbekeller unter dem nordseitigen Erweiterungsbau [4]. Im frühen 20. Jh. wurde der Gasthof unter den neuen Besitzern in ein Kurhaus mit Solebädern umgebaut, womit die Blütezeit des Hotels begann. Um 1910 wurde an den nördlichen Quertrakt eine eingeschossige Veranda angebaut. Zudem ergänzten eine freistehende Dependance und ein Gartenpavillon die Anlage. Beide wichen zwischen 1963 und 1970 der Wohnüberbauung aus drei Mehrfamilienhäusern. 1971 gelangte das Gasthaus "Drei Könige" in den Besitz der Stadt Rheinfelden. 1977 erfolgte durch das Rheinfelder Architekturbüro Immos + Hirt eine Sanierung, um das Gebäude nach wie vor als Restaurant nutzen zu können, wobei die Grundstruktur im Innern im Wesentlichen unverändert blieb. 1986 wurde eine Aussenrenovation durchgeführt, wobei das Giebelfeld der Südostfassade mit Backsteinen aufgemauert wurde. 2012 wurde der Restaurantbetrieb eingestellt. 2013/14 fanden kleinere Renovierungsarbeiten statt, um das Gebäude für den Schulbetrieb nutzen zu können. 2020 wurde zusätzlich eine Kindergartenabteilung im Gebäude untergebracht [5]. |
| Beschreibung: | Das ehemalige Gasthaus "Drei Könige" befindet sich im Südosten des mittelalterlichen Stadtkerns auf der Nordseite der Zürcherstrasse. Obwohl der städtebauliche Kontext des Gebäudes durch die in den 1960er-Jahren errichtete Wohnüberbauung und die in den 1980er-Jahren realisierte Strassenunterführung der Bahnlinie stark verändert wurde, bildet es noch immer den Auftakt zur östlichen Vorstadt von Rheinfelden und steht an einer exponierten Stelle im Ortsbild. Der zweigeschossige Kernbau von 1764 ist mit seiner Längsseite traufseitig auf die Strasse ausgerichtet und trägt ein mit Biberschwanzziegel gedecktes Satteldach. Konstruktiv handelt es sich um ein Sparrendach auf liegendem Stuhl. Die Trauffassade zeigt vier Achsen rechteckiger Fenster und ist zudem mit einem Wirtshausschild mit der Darstellung der hl. Drei Könige geschmückt (kantonales Denkmalschutzobjekt RHE032, Original im Fricktaler Museum). An der südöstlichen Giebelfassade haben sich drei Fenster mit Stichbogen und Schlussstein erhalten, die wahrscheinlich noch aus der Bauzeit in den 1760er-Jahren stammen. Betrachtet man den Kernbau von dieser Seite, fällt seine asymmetrische Dachform auf, die dadurch zustande kam, dass die strassenseitige Fassade um einen Kniestock erhöht wurde. Dies erfolgte wohl im dritten Viertel des 19. Jh. als die rückwärtigen Anbauten den Kernbau ergänzten. Bei den Anbauten handelt es sich um zwei zweigeschossige Quertrakte unter Satteldächern (konstruktiv ebenfalls Sparrendächer) sowie um ein quadratisches, eingeschossiges Waschhaus unter einem Pyramidendach, das an den nördlichen Quertrakt angrenzt. Durch die Anbauten erhielt der Gasthof einen U-förmigen Grundriss. Bei den Ergänzungen schien man darauf geachtet zu haben, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht, denn die Fassadengestaltung von Kernbau und Anbauten wurden einander im Stil des Spätklassizismus angeglichen. Wenn auch der Abstand variiert, so zieht sich die axialsymmetrische Anordnung der Fenster doch über die ganze Fassade. Die steinernen Fenstergewände sind mit Jalousieläden ausgestattet und umfassen sprossierte Fenster. Unter der kassettierten Dachuntersicht verläuft ein Würfelfries und die Dachränder im Bereich der Traufkante sowie beim Ortgang im Südosten sind mit Sägezier geschmückt. Im Innern fanden mehrfache bauliche Veränderungen statt. Im Hinblick auf die historische Bausubstanz sind insbesondere ein wahrscheinlich aus der Bauzeit im 18. Jh. stammender blassblauer Kachelofen im Erdgeschoss des Kernbaus an der Nordostseite sowie das sog. "Holländerstübli" und der Saal im Erdgeschoss des nördlichen Quertrakts aus dem 19. Jh. erwähnenswert. Im "Holländerstübli" ist mit dem Kamin und seinen bemalten Kacheln, der Wandmalerei, dem teilweise bemalten Wandtäfer und der kassettierten Decke Ausstattung aus dem frühen 20. Jh. erhalten, die an die Blütezeit des Hotelbetriebs erinnert. Der angrenzende Saal bewahrt eine profilierte Gusseisensäule, Brusttäfer und Fischgratparkett. In den anderen Räumen im Erdgeschoss und im Obergeschoss sind vereinzelt Ausstattungselemente aus Holz, wie Parkett, Riemenböden, Täfer und Einbauschränke erhalten. Unter dem nördlichen Quertrakt befindet sich ein Gewölbekeller. Die eingeschossige Veranda aus der Zeit um 1910 ist stark überformt und gehört wie auch der eingeschossige Anbau an der Südostseite nicht zum Schutzumfang. |
| Anmerkungen: | [1] Burkart 1972, S. 66–76. [2] Hunziker Parzellendossier P 264, StAAG AA/6688/7, 24.10.1763, 17.9.1764 (Bauabrechnung) [3] StAAG: CA.0001/0570, Vers.-Nr. 365. [4] Furter 2021, S. 5. [5] Furter 2021, S. 5–7; Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 18 (1977); 2013-087 /2013); 2016-010 (2016). |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Einzelobjekt 0.0.51. |
| Literatur: | - Sebastian Burkart, Wie der Gasthof zum Dreikönig entstand. In: Rheinfelder Neujahrsblätter 1972, S. 66–77. - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 257. - Edith Hunziker, Zusatzmaterialien zum Kunstdenkmälerband, Parzellendossier Zürcherstrasse 9, P.264 (unpubliziert, Kantonale Denkmalpflege Aargau) - Fabian Furter (in Zusammenarbeit mit Ambrosius Widmer), Gasthaus Drei Könige Rheinfelden, Gutachten im Auftrag der Stadt Rheinfelden, 29.1.2021. - Machbarkeitsstudie Beer Merz Architekt:innen SIA BSA, Drei Könige Rheinfelden, Machbarkeitsstudie, 4.8.2022. |
| Quellen: | - Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0570 (1876–1898) Vers.-Nr. 365; CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 427, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden. - Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche Nr. 18 (1977); 2013-087 /2013); 2016-010 (2016). |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
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URL for this unit of description |
| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142375 |
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