INV-RHE933 Ehem. Dampfwäscherei des Hôtel des Salines, 1910-1911 (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE933
Ref. code AP:RHE933
Title:Ehem. Dampfwäscherei des Hôtel des Salines
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Bildlegende:Ansicht von Westen (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Roberstenstrasse
Adresse:Roberstenstrasse 22
Versicherungs-Nr.:724
Parzellen-Nr.:460
Koordinate E:2627167
Koordinate N:1267394
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2627171.22,1267389.63&z=13&info=2627166.8411262217,1267394.2422504784,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1910 - 1911
Grundlage Datierung:Brandkataster, Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:RHE936 Grand Hôtel des Salines
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Nebengebäude Gewerbebetrieb

Information on related materials

Würdigung:1910/11 als Dampfwäscherei des Grand Hôtels des Salines errichtetes Gebäude nach Plänen des für Rheinfelden bedeutenden Architekten Heinrich A. Liebetrau. Mit seinem äusserlich weitgehend erhaltenen Erscheinungsbild besitzt es einen bautypologischen Seltenheitswert, da sich kaum vergleichbare eigenständige Waschanstalten erhalten haben. Als Bautyp ist es Ausdruck eines zeittypischen neuen Bewusstseins für Hygiene und neuer sanitärer Technik. Als Nebengebäude zu einem paradigmatisch das behaglich-schöne Leben symbolisierenden Grandhotel in einem Kurort kommt der ehemaligen Dampfwäscherei ein kulturhistorischer und soziologischer Wert zu, da sie als architektonisches Zeugnis auf die grossen Klassenunterschiede und wirtschaftliche Ungleichheit hinter dem Glanz der Belle Époque referenziert.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das 1882 zu einem der führenden Solebadhotels der Nordwestschweiz ausgebaute Grand Hôtel des Salines (Bauinventarobjekt RHE936) prägte die Kurort- und Tourismusgeschichte Rheinfeldens ganz wesentlich [1]. Zur Beliebtheit des Hotels in der Belle Époque hat u.a. die fortschrittliche sanitäre Technik beigetragen, die Hygiene und Komfort gewährleistete. Aus diesem Grund beabsichtigte der Hoteldirektor Josef Viktor Dietschy, eine von der Hotelanlage räumlich getrennte Waschanstalt zu errichten. Gleichzeitig wurde für die damals sehr wertvollen Automobile der Hotelgäste ein Garagengebäude mit abschliessbaren Rollladen erstellt, welches zudem ein Bad für die Chauffeure und im Obergeschoss Zimmer für Chauffeure und Bedienstete beherbergte. Dampfwäscherei und Autogarage wurden im Winter 1910/11 ausserhalb des Hotelparks und in einer Entfernung von ca. 250 m vom Hauptgebäude erstellt. Die Pläne lieferte der Architekt Heinrich A. Liebetrau (1886–1953) [2], der später ab 1913 in Rheinfelden ein eigenes Büro betrieb. Liebetrau arbeitete zuvor von 1906–1912 im renommierten Architekturbüro von Robert Curjel und Karl Moser in Karlsruhe, welche ihrerseits die Hausarchitekten des Salinenhotels waren.
Im Untergeschoss des Wäschereigebäudes befand sich der Kesselraum mit Kohlekeller, im Erdgeschoss lagen die eigentlichen Betriebsräume, nämlich Sortierraum, Waschraum mit Apparatur zum Trocknen, Mangel- und Bügelraum sowie ein Flickzimmer. Separiert waren die Einfahrt für die schmutzige und die Ausfahrt für die gereinigte Wäsche. Zwischen diesen beiden Türen lag das Kontrollzimmer. Im Obergeschoss befanden sich die Zimmer für das Personal sowie ein Reservoir, das durch eine eigene Pumpanlage mit Rheinwasser gespeist wurde. Der Dachraum war als beheizbarer Trockenraum eingerichtet. Die gesamten technischen Installationen stammten von den Gebrüdern Sulzer, Winterthur [3].
1969 wurde die Dampfwäscherei von der reformierten Kirche unter Berücksichtigung der äusseren Gestalt zum Kirchgemeindehaus umgenutzt. 1987 wurde das Garagengebäude als Pfarrhaus umgenutzt und erweitert und so stark überformt, dass die ursprüngliche Nutzung kaum noch nachzuvollziehen ist (Autogarage Vers.-Nr. 725 gehört nicht zum Schutzumfang). 2001 wurde an die Südfassade der ehem. Dampfwäscherei eine eingeschossige Veranda angebaut und die Nord- und Ostfassaden erhielten neue Vordächer. Zudem fanden Umbauten im Innern statt. 2008 wurde der Lagerraum im Untergeschoss zu einem Jugendraum umgestaltet [4].
Beschreibung:Das 1910/11 als Dampfwäscherei des Grand Hôtels des Salines errichtete reformierte Kirchgemeindehaus liegt östlich der Altstadt an der Roberstenstrasse. Seine Hauptfassade richtet sich zum Stadtpark hin aus, der an seinem südlichen Ende von der Roberstenstrasse begrenzt wird. Den kleinen Vorgarten umgab ehemals eine steinerne Umfassungsmauer, die bei dem durch die Kirchgemeinde ausgeführten Umbau des Hauses entfernt wurde.
Der breitgelagerte, eingeschossige Mauerbau der ehemaligen Waschanlage ist verputzt und wird von einem mit Biberschwanzziegel gedeckten, hohen Mansardwalmdach – im Dachgeschoss mit stehendem Stuhl – überragt. Ein niedriger Sockel aus rustizierten roten Sandsteinquadern umläuft das gesamte Gebäude. Die strassenseitige Hauptfassade dominiert ein von zwei Walmdachgauben flankiertes Zwerchhaus mit vier Einzelfenstern und einer Fledermausgaube auf seiner Dachfläche. Das Erdgeschoss wird allseitig von grossen Rechteckfenstern mit rötlichen Kunststeingewänden und kleinteiliger Sprossierung erhellt. Während die strassenseitige Hauptfassade acht Achsen umfasst, weisen die beiden Schmalseiten je drei Achsen auf. Die beiden Türen der Hauptfassade zeugen noch von den separierten Zugängen für die schmutzige Wäsche (rechts) und die gereinigte Wäsche (links). Die Mansarddachflächen der Schmalseiten sind je mit einer dreiachsigen Walmdachgaube versehen, auf den darüberliegenden Walmen sind Fledermausgauben. Die rückwärtigen Dachflächen sind analog gestaltet, wobei das Mansardgeschoss von dieser Seite von einer durchgehenden sechsachsigen Schleppgaube erhellt wird.
Im Innern bietet das Erdgeschoss heute neben kleineren Räumlichkeiten und Küche einem grossen Saal Platz. Das Mansardgeschoss wurde vollständig modernisiert.
Anmerkungen:[1] Zum Grand Hôtel des Salines siehe Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 261–264.
[2] Zu Liebetrau siehe Edith Hunziker: "Liebetrau, Heinrich Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047830/2008-11-25/, konsultiert am 29.09.2025.
[3] Liebetrau 1922, S. 358–355.
[4] Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 5 (1969); Nr. 2001-135 (2001); Nr. 2008-033 (2008).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
Literatur:- Heinz Weber, Das "Grand Hôtel des Salines" im Dornröschenschlaf. In: Rheinfelder Neujahrsblätter 1996, S. 78.
- Franz Joseph Dietschy, Das Solbad Salinenhotel Rheinfelden 1848–1882, 1882–1922, Rheinfelden 1922.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 724, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 5 (1969); Nr. 2001-135 (2001); Nr. 2008-033 (2008).
- Heinrich Liebetrau, Nebengebäude des Grand Hotels "Des Salines" in Rheinfelden. In: Die schweizerische Baukunst, Bd. 4 (1922), H. 22, S. 358–355.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142365
 

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