INV-RHE932 Gartenweg 52 u. 54, 1928-1929 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE932
Ref. code AP:RHE932
Title:Gartenweg 52 u. 54
Preview:
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Bildlegende:Ansicht von Nordwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Gartenweg 52 u. 54
Versicherungs-Nr.:892; 891
Parzellen-Nr.:345; 346
Koordinate E:2627161
Koordinate N:1267138
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2627180.82,1267120.73&z=13&info=2627161.0832492295,1267138.3950687214,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1928 - 1929
Grundlage Datierung:Baugesuch

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Mehrfamilienhaus
Epoche / Baustil (Stufe 3):Konservative Moderne

Information on related materials

Würdigung:Doppelzweifamilienhaus von 1928/29, das unter der Leitung des Architekten Solenthaler für zwei in der Bierbrauerei tätige Bauherren errichtet wurde und eines der ersten Häuser am damals neu angelegten Gartenweg östlich der Altstadt darstellt. Die beiden Haushälften mit je zwei übereinanderliegenden Wohneinheiten sind aussen und innen identisch, aber spiegelsymmetrisch konzipiert und unter einem durchgehenden Walmdach zusammengefasst. Dadurch entsteht der Eindruck eines stattlichen Einfamilienhauses, womit es sich einerseits gezielt in die damalige Bebauungsstruktur des Quartiers eingliederte, andererseits auf die in den 1920er-Jahren hoch aktuelle Architekturdebatte über neue Formen des Wohnens eingeht. Zeittypisch sind ebenfalls die liegenden Proportionen der Fenstersprossierung und Türgestaltung. Das Doppelzweifamilienhaus ist deshalb ein historisch, soziologisch und bautypologisch bedeutender Bauzeuge einer in der Architektur- und Wohngeschichte bewegten Epoche.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Doppelzweifamilienwohnhaus gehört zu den ersten Häusern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entlang des neu angelegten Gartenwegs östlich der Altstadt entstanden. Es wurde 1928/29 unter Leitung des Architekten Solenthaler für die beiden Bierbrauer Hans Hardmeier (Gartenweg 52, Vers.-Nr. 892) und Mario Colombo (Gartenweg 54, Vers.-Nr. 891) errichtet [1]. Ursprünglich umfasste es zwei Haushälften mit je zwei separaten Wohneinheiten. Im Hausteil Gartenweg 52 wurden die beiden Wohneinheiten zu einer verbunden. Für die spiegelsymmetrisch angelegte Fassade und die Wirkung der rückwärtigen Gartenfassade etwas beeinträchtigend sind der Anbau einer aussenliegenden Metallwendeltreppe bei der Veranda und ein gedeckter Sitzplatz beim Hausteil Gartenweg 52.
Beschreibung:Das Doppelzweifamilienwohnhaus befindet sich im Quartier östlich der Altstadt zwischen der Salinenstrasse und den Bahngeleisen, wo es auf der Südseite des Gartenwegs steht. Der dreigeschossige Baukörper ist als verputzter Massivbau ausgeführt und trägt ein Walmdach mit kleinen Dachlukarnen. Das Wohnhaus besteht aus zwei Reihenhäusern, die jeweils zwei übereinanderliegende Wohneinheiten umfassen. Beide Haushälften werden von einem kleinen Vorgarten und einem grösseren, rückwärtigen Stück Land umgeben. Ehemals führte ein Lattenzaun um beide Grundstücke herum; beim Gartenweg 54 sind die Steinpfeiler der bauzeitlichen Umzäunung noch erhalten.
Sowohl die Fassaden als auch die innere Organisation der beiden Gebäude sind identisch, aber spiegelsymmetrisch konzipiert worden. Die strassenseitige Längsseite umfasst drei Achsen pro Hausteil; zwei Fensterachsen gegen aussen und gegen die Mitte den eingezogenen Eingangsbereich mit darüberliegenden Balkonen. Die Gewände der Fenster und Türen sind aus beigem Kunststein gefertigt. Die beiden Hauseingänge bewahren die hölzernen Türblätter. Besonders zeittypisch für die 1920er-Jahre sind die liegenden Proportionen bei den Türfüllungen und Fenstersprossierungen sowie die vergleichsweise schmalen Fenstereinrahmungen. Die beiden Schmalseiten zeigen ebenfalls zwei Achsen an Rechteckfenstern mit Jalousieklappläden, wobei in der Mitte zusätzlich noch kleine Rechtecköffnungen für die Belichtung der dahinterliegenden Badezimmer eingelassen sind. Der Gartenseite ist je ein eingeschossiger, durchfensterter Verandaanbau mit darüberliegendem Balkon vorgelagert.
Im Innern gelangt man vom Hauseingang zunächst auf das Treppenhaus, welches die einzelnen Geschosse miteinander verbindet. Es bewahrt in beiden Hausteilen die bauzeitliche Holztreppe mit wellenförmig gedrechselten Staketen sowie den Bodenbelag aus den ebenfalls sehr zeittypischen hellbeige-gelblichen Solnhofener Platten. Erhalten sind auch die Türblätter der vier Eingänge zu den separaten Wohnungen, so dass die ursprüngliche Konzeption als Doppelzweifamilienhaus immer noch erfahrbar ist. Die Wohnungen sind jeweils durch einen Gang, an dessen Ende das Badezimmer liegt, in eine südliche und nördliche Haushälfte geteilt. Während in der südlichen auf den Garten orientierten das Wohnzimmer und ein Schlafzimmer untergebracht sind, befinden sich gegen die Strasse hin die Küche sowie ein weiteres Zimmer. Die Balkone über den Eingängen sind im bauzeitlichen Grundriss als "Putzbalkone" beschriftet, was auf die damals aktuellen architektonischen Überlegungen zum Thema Wohnhygiene referenziert. Die Heizungsschächte bzw. Kamine liegen hinsichtlich Wohnkomfort geschickt platziert jeweils zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer in der südlichen Haushälfte sowie zwischen Schlafzimmer und Küche in der nördlichen Haushälfte. In den Wohnungen hat sich die bauzeitliche Raumstruktur im Wesentlichen erhalten; ebenso mehrere Türrahmen, Türblätter und Riemenfussböden.
Mit seiner spiegelsymmetrischen Gestaltung mutet das Mehrfamilienhaus wie ein stattliches Einfamilienhaus an, womit es sich einerseits gezielt in die Einfamilienhausstruktur des Quartiers eingliederte, andererseits auch auf die in den 1920er-Jahren hoch aktuelle Architekturdebatte über neue Formen des Wohnens eingeht. Die radikalen Erneuerungsbestrebungen des Wohnens sowohl städtebaulich als auch architektonisch sowie in ökonomischer, technischer und sozialer Hinsicht zeigten sich beispielsweise bei der vom Deutschen Werkbund initiierten Weissenhofsiedlung in Stuttgart von 1927 oder dem 1929 publizierten Manifest "Befreites Wohnen" des berühmten Architekturhistorikers Sigfried Giedion.
Anmerkungen:[1] Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 12 (1928); Der Vorname des Architekten ist auf den Bauplänen unleserlich.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Gebiet 0.0.48.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 891 (Gartenweg 54) u. Nr. 892 (Gartenweg 52), Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 12 (1928).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142364
 

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