INV-RHE928 Hotel Solebad Schützen, 1891-1921 (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE928
Ref. code AP:RHE928
Title:Hotel Solebad Schützen
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Bildlegende:Gesamtansicht von Süden (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Bahnhofstrasse 19
Versicherungs-Nr.:191, 479
Parzellen-Nr.:989
Koordinate E:2626636
Koordinate N:1266992
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626617.26,1266976.43&z=13&info=2626636.162961407,1266992.3337068616,1

Accessions characteristics

Creation date(s):between 1891 and 1921
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Hotel, Badhotel, Kurhaus

Information on related materials

Autorschaft:Gebrüder Gustav und Julius Kelterborn, Basel (Aufstockung Hauptgebäude und Dépendance), H. A. Liebetrau (Zwischentrakt)
Würdigung:Das aus dem Schützenhaus mit Gastwirtschaft von 1818 hervorgegangene Hotel Schützen war 1846 der erste Solebadbetrieb in Rheinfelden, weshalb ihm für die Bädergeschichte der Stadt Rheinfelden eine grosse Bedeutung zukommt. Einst unmittelbar vor der Ringmauer errichtet, nimmt der Kernbau seit dem Abbruch der Stadtmauerpartie und dem Bau einer Verbindungsstrasse 1855 einen prominenten Platz am Eingang zur Altstadt ein. Seine heutige Gestalt erhielt der vielgliedrige Baukomplex während der Blütezeit des Bädertourismus vom ausgehenden 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die einzelnen Gebäude bewahren nach einer kürzlich erfolgten Sanierung und Restaurierung nicht nur ihre äussere Erscheinung, sondern auch im Innern Elemente der historischen Ausstattung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Der Gebäudekomplex des Hotels Schützen ist das Resultat einer ab 1818 in Etappen erfolgten Baugeschichte [1]: 1818 liess Kaspar Kalenbach vor der Stadtmauer ein neues dreigeschossiges Schützenhaus mit Wirtschaft und Wohnräumen und davon abgesetztem neuem Schiessstand errichten. Der nachfolgende Eigentümer Joseph Frommherz erwirkte 1846, zwei Jahre nach der Entdeckung der Salzlager bei Rheinfelden, eine Konzession zur Nutzung der Sole zu Heilzwecken und erstellte östlich des Hauptgebäudes einen eingeschossigen Satteldachbau mit Badeinrichtung. Schon 1854 wurde dieser unter dem Magdener Arzt und Balneologen Johann Baptist Bürgi durch einen zweigeschossigen Neubau ersetzt. In seiner Broschüre "Die Soolbäder zu Rheinfelden" beschrieb der Arzt die Anlage: "In der Anstalt befinden sich zur bequemen Aufnahme von wenigstens 60 bis 70 Gästen freundliche vorzüglich meublirte Zimmer mit angenehmer Aussicht auf Gärten und Wiesen oder auf das reizende Rheintal, zwei grosse Speisesäle, ein Gesellschafts-, Audienz-, Billard- und Lesezimmer mit entsprechender Lectüre und musikalischen Instrumenten und endlich zweckdienliche heitere Badezellen mit Douche-Apparaten neuester Art und mit einem Appartement zur Anwendung der Sole-, Mutterlauge- und Fichtennadeldampfbäder" [2]. Nach Abbruch 1855 des nördlich benachbarten Ringmauerabschnitts konnte die zugehörige Scheune nach Norden verlängert und zu Gesellschaftsräumen und Gästezimmern umgenutzt werden. Um 1880 wurde westlich des Hauptgebäudes im Bereich des zugeschütteten Heimendeckenlochgrabens ein Garten angelegt.
Ab 1889 prägten drei Generationen der Familie Kottman die Entwicklung des Betriebs. Seine heutige Gestalt verdankt der Baukomplex Friedrich Kottmann, der den "Schützen" Ende des 19. Jh. kontinuierlich ausbaute und technisch à jour hielt: Kottmann ergänzte den Hauptbau 1891/92 im Osten durch die parallel zur Stadtmauer gestellte "Dépendence Beausite" mit 18 Zimmern, Badezimmern und Toiletten mit Wasserspülung. Diese gestaltete sich ursprünglich als zweigeschossiger Sichtbacksteinbau unter Mansarddach. Anlässlich der Aufstockung des Hauptgebäudes um 1900 durch die Gebrüder Kelterborn aus Basel wurden das Treppenhaus erneuert und die Balkone ersetzt. 1909 erfolgten durch dieselben Architekten Liftanbauten sowie die Aufstockung der Dépendance. In der Zwischenkriegszeit wirkte Heinrich A. Liebetrau als Hausarchitekt. Von ihm wurden 1915 der Musikpavillon, 1917 der Umbau der Küche im benachbarten Haus Kapuzinergasse 2 und 1920/21 der Neubau des Badehauses zwischen Hauptbau und Dépendance mit Bädern und Gästezimmern projektiert. 1931 plante er die Eingangshalle an der Südseite des Hauptgebäudes.
1962 wurde die Anlage durch Architekt Adolf Mergenthaler mit dem ersten Sole-Hallenschwimmbad ergänzt. In den Jahren 1988–1992 fand ein grosser Um- und Ausbau zu einem medizinisch-therapeutisch ausgerichteten Mehrspartenbetrieb statt mit Hotel, Restaurant, Privatklinik und Kellertheater.
Beschreibung:Der Gebäudekomplex besteht im Wesentlichen aus dem parallel zur Bahnhofstrasse stehenden Hauptbau und den sich entlang des mittelalterlichen Stadtbaukörpers quer dazu aufreihenden Bauten des Zwischentrakts und der Dépendance:
Der stattliche, viergeschossig aufragende Hauptbau trägt ein schwach geneigtes Walmdach, das mit axial angeordneten Lukarnen auf das ausgebaute Dachgeschoss verweist. Die verputzten Fassaden werden von gefugten Ecklisenen gefasst und durch ein Gurtgesims über dem Erdgeschoss und einen umlaufenden Balkon über dem zweiten Obergeschoss horizontal gegliedert. Die fünf Fensterachsen sind auf der südlichen Schmalseite regelmässig verteilt. An der mit einem zentral angelegten Eingang symmetrisch angelegten Westfassade ist aufgrund der leicht variierenden Abstände zwischen den insgesamt elf Fensterachsen der etappierte Ausbau des nördlichen Gebäudeteils ablesbar. Das erste Obergeschoss ist mit besonders hohen Fenstern als Piano nobile konzipiert. Die Gewände sind mit ausgeprägten Gesimsbekrönungen ausgezeichnet, ebenso am zweiten und in einer einfacheren Weise auch am dritten Obergeschoss. Die drei mittleren Achsen über dem Eingang fasst ein Balkon auf Gusseisenkonsolen mit schmiedeeiserner Brüstung zusammen. In derselben Weise sind die einachsigen Balkone in den zweitäussersten Achsen am zweiten Obergeschoss und das durchgehende Balkonband am dritten Obergeschoss gestaltet. Der von Pilastern flankierte Eingang bewahrt das Türblatt aus der Zeit um 1900, das ein ornamentales Fenstergitter mit den Initialen des Bauherrn "F K" zeigt. Die Fenster zeigen die überlieferte Sprosseneinteilung, wobei die zum Saal gehörenden Fenster des ersten Obergeschosses und die Erdgeschossfenster auf der Westseite die historischen Rahmen mit besonders dekorativer Unterteilung bewahren. Die schlichte und durch Anbauten überformte rückwärtige Längsseite des Hauptbaus besitzt in der Mitte einen blechverkleideten Liftturm von 1900. An diesen schliesst ostwärts der ebenfalls viergeschossige Zwischentrakt unter einem Walmdach an, der sich in den Geschosshöhen, der Fassadengliederung und den Fensterformen an der älteren Dépendance orientiert. Das wiederum mit einem Gurtgesims abgesetzte Erdgeschoss besitzt wie das zweite Obergeschoss Stichbogenfenster. Alle Fenster sind als Fenstertüren mit Einzelbalkon konzipiert, nur am dritten Obergeschoss sind die Balkone zu einem durchlaufenden Band verbunden. Zur Bauetappe der Dépendance von 1909 gehört die zwischen beiden Baukörpern zurückspringende, in der Formensprache des Späthistorismus gestaltete Erschliessungsachse mit Eingang und Treppenhaus mit Farbverglasung und der Inschrift "BAINS". Die mit drei Geschossen und einem Mansardgeschoss gleich hohe Dépendance ist seit einer Umgestaltung verputzt. Über den mittleren vier Fensterachsen durchbricht ein Dacherker mit gezacktem Giebelabschluss und der Inschrift "Schützen" die Traufe. Das Motiv des Balkonbands zieht sich an der zehnachsigen Fassade über sämtliche Geschosse hinweg.
Anlässlich der 2023 abgeschlossenen Gesamtsanierung wurde möglichst wenig in die Raumstruktur eingegriffen. Historische Oberflächen und Elemente der Ausstattung wie Schmiedeeisengeländer, Täfer, einzelne Türen, Stuckdecken, Parkett- und Terrazzoböden, blieben vor allem in den Erschliessungsbereichen wie Treppenhäusern und Korridoren sowie im Kaminzimmer im Erdgeschoss des Hauptgebäudes erhalten. Der Saal bewahrt ein hohes Knietäfer, eine Pilasterwandgliederung und eine Kassettendecke. Die drei zusammengelegten Gewölbekeller unter dem Hauptbau dienen als Veranstaltungsraum.
Von der ursprünglich weitläufigen Gartenanlage des Kurhotels gehört heute nur noch der südlich vorgelagerte Bereich am Schützenweg zur Liegenschaft.
Anmerkungen:[1] Baugeschichte gemäss Hunziker, Hoegger 2011, S. 265-266.
[2] Zitiert in: J. B. Bürgi, Die Soolbäder zu Rheinfelden, Basel 1963.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, Rheinfelden 4258-27.
Literatur:- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011, S. 247, 265-267.
- Max Akermann, Eines der ersten Hotels im Kanton, in: Rheinfelder Neujahrsblätter 1997, S. 91–98.
- Chris Leemann, Schützenhaus, Hotel Soolbad und Klinik im Hotel. Die Bau-Stelle Schützen, Basel 2023.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0570 (1876–1898) Vers.-Nr. 403, 591; CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 191, 479, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv: Fel_008724-RE.
- Fricktaler Museum: FM B.494.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142360
 

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