|
INV-RHE926 Rheinbrücke, 1911-1912 (Dossier (Bauinventar))
| |
General information |
|
Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1911 - 1912 |
| Grundlage Datierung: | Inschriftentafel am Brückenpfeiler |
|
Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Einzelobjekt |
| Nutzung (Stufe 1): | Verkehrs- und Infrastrukturbauten |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Brücke |
|
Information on related materials |
| Autorschaft: | Robert Maillart, Joss & Klauser |
| Würdigung: | Rheinbrücke von 1911/12, die vom renommierten Ingenieur Robert Maillart in Zusammenarbeit mit dem Berner Architekturbüro Joss & Klauser erstellt wurde. Die Betonbrücke mit insgesamt fünf Stichbögen besteht aus zwei Brückenteilen, die im stumpfen Winkel am nordöstlichen Kopf der Rheininsel zusammentreffen. Sie gehört zusammen mit der zeitgleich entstandenen Rheinbrücke von Laufenburg zu den frühen Betonbrücken der Schweiz. Eine Pionierleistung stellte dabei die Verwendung von Betonquadern dar, die auf der Baustelle entsprechend der jeweiligen Belastung aus verschiedenen Betonsorten und Zuschlagstoffen gegossen wurden und mit leichteren, kostengünstigeren Lehrgerüsten erbaut werden konnten. Das System liess Maillart 1911 patentieren. Die schlicht gehaltene, aber elegante Rheinfelder Bogenbrücke passt sich den topographischen Gegebenheiten an, integriert sich ausgezeichnet ins Stadtbild und stellt eine harmonische Verbindung von traditioneller Steinbrückenarchitektur mit modernster Bautechnik dar. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Die heute das schweizerische und badische Rheinfelden verbindende Rheinbrücke von 1911/12 besass etliche Vorgängerbauten. Die 1198 belegte erste Rheinfelder Brücke gehörte mit jenen von Laufenburg (1207) und Basel (1225) zu den wichtigsten Übergängen am Oberrhein. Ihre Geschichte ist geprägt von Naturkatastrophen wie Hochwassern und Bränden sowie von kriegerischen Auseinandersetzungen wie dem Dreissigjährigen Krieg und den Napoleonischen Kriegen, die jeweils zu einer Zerstörung und einem nachfolgenden Wiederaufbau führten [1]. Der Vorgängerbau der heutigen Brücke war die gedeckte Holzbrücke von Blasius Balteschwiler (1752–1832), die 1808 fertig gestellt wurde (vgl. Bauinventarobjekt RHE990). Bei einem Brand 1897 wurden grosse Teile dieser Brücke zerstört, worauf die Firma Buss & Comp. in Pratteln BL noch im selben Jahr eine Notbrücke aus Eisen errichtete [2]. Danach folgten lange Verhandlungen bezüglich eines Brückenneubaus. Ende des Jahres 1908 kam es zur Ausschreibung eines Wettbewerbes und im Mai 1909 zur Prämierung von vier Projekten der insgesamt 45 Projekteingaben [3]. Da das Preisgericht keines der vier Bauvorhaben ohne Abänderung zur Ausführung freigeben wollte, kam es zu einem zweiten Wettbe¬werb in engerem Kreis. Es beteiligten sich nur noch die beiden Firmen Buss & Comp. und Maillart & Co. Der Ingenieur Robert Maillart (1872–1940) arbeitete für den Entwurf der Rheinfelder Brücke mit dem Berner Architekturbüro Joss & Klauser zusammen. Das Preisgericht empfahl der Gemeinde das abgeänderte Maillart-Projekt. Sowohl die Brückenbaukommission als auch der Gemeinderat stimmten diesem Vorschlag am 8. Januar 1910 zu. Da die Firma Buss & Comp., welche die Notbrücke errichtet hatte, auf einer Vorzugsklausel vom Jahre 1897 beharrte, mussten beide Firmen nochmals neu offerieren. Der definitive Entscheid zugunsten des Projektes von Maillart & Co. fiel erst nach längeren Verhandlungen. Vor dem Bau der neuen Betonbrücke und dem Abbruch der alten Brücke wurde ein Notsteg errichtet. Am 16. Oktober 1912 wurde die neue Betonbrücke für den Personen- und am 15. Dezember für den Fuhrwerkverkehr freigegeben. Die Rheinfelder Brücke gehört mit der zeitgleich entstandenen Rheinbrücke in Laufenburg (Kantonales Denkmalschutzobjekt LAU032), ebenfalls von Maillart, Joss & Klauser, zu den frühen Betonbrücken der Schweiz. Dabei kam ein neuartiges Gewölbekonstruktionsverfahren zur Anwendung, welches Robert Maillart 1911 patentieren liess. Dafür genügten leichtere, kostengünstigere Lehrgerüste, die nur einen Teil des Bogengewichts aufzunehmen hatten. Als Vorbilder für die Brücken in Rheinfelden und Laufenburg dürften Maillart, Joss & Klauser die Mittlere Brücke in Basel (1903–1905, Gestaltung Emil Faesch und Friedrich von Thiersch) und die Isarbrücken in München (1899–1905, Gestaltung Friedrich von Thiersch) gedient haben [4]. Die Brücke präsentiert sich in einem guten Erhaltungszustand. Nachträgliche bauliche Massnahmen beschränken sich auf eine neue Asphaltierung der Trottoirs 1997 und die jüngsten Sanierungen in den Jahren 2009–2011 [5]. |
| Beschreibung: | Wie die Vorgängerbrücken nutzt auch die 1911/12 entstandene Betonbrücke nach Plänen von Robert Maillart den nordöstlichen Kopf der Rheininsel. Dieser wurde neu verkleidet, ansonsten aber nicht verändert, und bildet das Scharnier, worin die beiden Brückenteile in stumpfem Winkel zusammentreffen. Über den linken Flussarm spannen sich zwei Stichbogen von 22 m, über den breiteren rechten Flussarm drei Stichbogen von 30, 40 und wiederum 30 m Spannweite in axialsymmetrischer Anordnung. Beim mittleren dieser Bogen liegt der Scheitelpunkt, zu dem die Fahrbahnen von beiden Brückenköpfen her leicht ansteigen. Die nur teilweise mit Stahl armierte Brücke besteht aus Betonquaderngewölben für die grossen und Stampfbeton für die kleinen Bogen. Die durch den Fluss stark beanspruchten Köpfe der Strompfeiler sind mit Granitquadern verkleidet. Die Widerlager und Pfeilerschäfte erhielten eine Sandsteinquader-Verkleidung, ansonsten besteht die ganze Tragkonstruktion aus Zementbeton. Bei der Gestaltung der Sichtbetonflächen wurde ein besonderer Aufwand betrieben. Mit einem feinkörnigen Vorsatzbeton und mit der Überarbeitung der Betonoberfläche nach dem Ausschalen wurde eine regelmässige, natursteinartige Oberfläche an den vertikalen Aussenseiten und an den Brüstungen erzielt. Die Brückenuntersichten wurden jedoch schalungsroh belassen. Beidseits der kleinteilig gepflasterten Fahrbahn verlaufen asphaltierte Gehwege. Die massiven, oben gerundeten Betonbrüstungen zeichnen die Grundrisse der Strompfeiler nach. In ihren aufgerauten Ansichtsflächen bestimmt das freigelegte Kiesmaterial die Textur, die einer feinkörnigen Nagelfluh ähnelt. Die schlicht gehaltene, aber elegante Rheinfelder Bogenbrücke passt sich den topographischen Gegebenheiten an und ist harmonisch in das Stadtbild integriert. |
| Anmerkungen: | [1] Hunziker, Hoegger 2011. S. 85–86. [2] Fotografien einer Stadt. Rheinfelden 1860–1940, Gemeinde Rheinfelden (Hg.), Basel 1980, o. S. [3] SBZ 1909, S. 45–51. [4] Edith Hunziker, Susanne Ritter-Lutz, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 10: Der Bezirk Laufenburg, Bern 2019. S. 95–98. [5] B-006 Rheinbrücke Rheinfelden Instandsetzung, Technischer Bericht, 2010, S. 6–7. |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Einzelobjekt 0.0.34. - Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS), nationale Bedeutung, Strecke AG 12, Linie AG 12.4. |
| Literatur: | - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 85–86. - Fotografien einer Stadt. Rheinfelden 1860–1940, Gemeinde Rheinfelden (Hg.), Basel 1980, o. S. - Wettbewerb zur Erlangung von Projekten für eine neue Rheinbrücke in Rheinfelden. In: Schweizerische Bauzeitung Bd. 53/54 (1909), S. 45–51. - Robert Maillart. Betonvirtuose. Katalog zur Ausstellung des Instituts für Baustatik und Konstruktion der ETH Zürich, Gesellschaft für Ingenieurkunst, Bd.1. Zürich 1996. - Die Rheinfelder Brücken. Texte und Bilder, Begleitheft zur Ausstellung "Pfeiler, Bögen, Übergänge. Die Rheinfelder Brücken im Wandel der Zeit" im Haus Salmegg, Rheinfelden/Baden, November 1990, Rheinfelden/Baden, Verein Haus Salmegg. Arbeitsgruppe Geschichte [1990]. |
| Quellen: | - Eglin Ristic AG, B-006 Rheinbrücke Rheinfelden Instandsetzung, Technischer Bericht, 2010 (Kant. Denkmalpflege Aargau, Archiv). |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
|
| |
URL for this unit of description |
| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142358 |
| |
Social Media |
| Share | |
| |
|