INV-RHE922 Strandbad, 1932 (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE922
Ref. code AP:RHE922
Title:Strandbad
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Bildlegende:Ansicht von Nordosten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Adresse:Baslerstrasse 70
Versicherungs-Nr.:966
Parzellen-Nr.:573
Koordinate E:2625358
Koordinate N:1266760
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2625363.30,1266745.27&z=13&info=2625358.199865798,1266760.1275446154,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1932
Grundlage Datierung:Brandkataster, Baugesuch

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Öffentliche Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Schwimmbad
Epoche / Baustil (Stufe 3):Neues Bauen

Information on related materials

Autorschaft:Heinrich A. Liebetrau (1886–1953)
Würdigung:1932 vom lokal bedeutenden Architekten Heinrich A. Liebetrau (1886–1953) errichtetes Strandbad am linken Rheinufer. Die grosszügige Anlage besteht im Wesentlichen aus den Wasserbauten, einer Liegewiese und einem langen Gebäuderiegel im Stil des Neuen Bauens mit Kasse, Kiosk, Garderoben und Sanitäranlagen. Das Strandbad ist ein architektonisches und kulturhistorisches Zeugnis der wachsenden Sport- und Naturbegeisterung des frühen 20. Jahrhunderts sowie der in der Architektur des Neuen Bauens propagierten Forderung nach Licht, Luft und Sonne. Bautypologisch verkörpert das Rheinfelder Flussbad einen interessanten Entwicklungsschritt innerhalb der Freibadarchitektur, der zwischen den geschlossenen neoklassizistischen Dreiflügelanlagen und den offenen, aus frei angeordneten Bauvolumina zusammengesetzten Anlagen des Neuen Bauens anzusetzen ist. Innerhalb des Kantons Aargau reiht sich das Rheinfelder Strandbad somit typologisch zwischen die Freibäder von Aarburg (1931) und Baden (1934).
Bau- und Nutzungsgeschichte:Vor dem Hintergrund der wachsenden Sport- und Naturbegeisterung des frühen 20. Jh. sowie der in der Architektur beispielsweise von Sigfried Giedion propagierten Forderung nach Licht, Luft und Sonne entstand in Rheinfelden das Bedürfnis nach einem Freibad am Rhein. Im Frühling 1930 bewilligte die Einwohnergemeindeversammlung einen Kredit zur Erstellung einer "modernen Badeanstalt" [1]. Darauf meldete der Architekt Heinrich A. Liebetrau (1886–1953), der nach seiner Tätigkeit für das renommierte Architekturbüro Curjel und Moser in Karlsruhe seit 1913 ein eigenes Büro in Rheinfelden führte, dem Gemeinderat, dass er bereit sei, mit einer Delegation der Baukommission Besichtigungen bereits bestehender Anlagen vorzunehmen und gratis eine Entwurfsskizze für ein Strandbad in Rheinfelden anzufertigen [2]. Bereits im November 1930 legte der Gemeinderat ein entsprechendes Projekt für ein "Fluss-, Licht- und Sonnenbad" im sogenannten "Augarten" (westlich der Altstadt) vor, das die Einwohnergemeindeversammlung mit einigen Änderungsanliegen genehmigte. Dazu berief der Gemeinderat eine 15-köpfige Spezialkommission mit Mitgliedern aus den Bereichen Architektur, Handwerk, Sport, Pädagogik und Politik, darunter auch zwei Frauen. Als zuständiger Architekt war auch Liebetrau Mitglied; präsidiert wurde die Kommission vom Architekten R. Schelling. Während des Baus übernahm Liebetrau die Bauleitung. Am 6. Juni 1932 wurde das Strandbad mit einem Tag der offenen Tür eröffnet [3].
Der zuständige Ingenieur M. Schnyder, Burgdorf, hatte bereits 1930 das Flussbad in Aarau erweitert und konnte die dortigen Erfahrungen nun in Rheinfelden für das in den Fluss gestellte Bassin aus einer Eisenbeton-Fertigkonstruktion anwenden. Dies war insbesondere vorteilhaft, da sich die Erstellung eines Bassins aufgrund der grossen Wassergeschwindigkeit des Rheins als anspruchsvoll erwies. Seine Wasserbauten für die Flussbäder von Aarau und Rheinfelden publizierte Schnyder wohl deshalb 1933 in der Schweizerischen Bauzeitung und wies darauf hin, dass "die Aufgabe […], Eisenbetonbassins in die fliessenden Gewässer selbst zu stellen" eine neue technische Herausforderung sei [4]. Die Eisenbetonteile, inklusive der fabrikmässig hergestellten Balken und Platten, führte das Lenzburger Bauunternehmen von Theodor Bertschinger aus. Das ursprüngliche Rheinbassin umfasste ein 5 Meter tiefes Becken mit Sprungturm für Schwimmer und ein 1 Meter tiefes für Nichtschwimmer.
Nachträgliche bauliche Veränderungen fanden insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jh. statt, so wurden die Rheinbassins 1964 im westlichen Bereich der Liegewiese mit einem zusätzlichen Schwimmbassin ergänzt. 1975 wurde westlich davon eine Kunsteinbahn errichtet und mit dem Strandbad zur Freizeitanlage "KuBa" zusammengelegt. 1993 wurden die beiden Rheinbassins durch eine befestigte Uferanlage ersetzt und der östliche Bereich des Nichtschwimmerbeckens aufgeschüttet. Im Mittelbau kam es im Laufe der Zeit zu Nutzungsänderungen, insbesondere im Obergeschoss, wo ursprünglich das Restaurant betrieben wurde [5]. Die wesentlichen bautypologischen und konzeptionellen Elemente des Flussbades sind trotz der baulichen Eingriffe erhalten.
Beschreibung:Das Strandbad befindet sich am linken Rheinufer westlich der Altstadt von Rheinfelden. Die grosszügig konzipierte Anlage umfasst neben den Wasserbauten und dem Sprungturm Liege-, Spiel- und Sportwiesen samt Baumbestand und einen Gebäudetrakt mit Kasse, Restaurant, Umkleidekabinen, Garderoben und Sanitäranlagen. Die Gebäulichkeiten des Strandbades konzentrieren sich auf einen parallel zum Rhein verlaufenden Riegel, welcher den Schwimmbadbereich klar gegen aussen abgrenzt und somit die Badenden vor Blicken schützt. Stilistisch zeigt der Bau die kubische Formensprache des Neuen Bauens, wobei er sehr schlicht gehalten ist. Das Zentrum des Riegels bildet das flachgedeckte, zweigeschossige Eingangsgebäude. Im Erdgeschoss sind hier die Kasse und ein Kiosk integriert. Im Obergeschoss befand sich ursprünglich das Restaurant. Die Rohrgeländer im Obergeschoss erinnern an die Reling eines Schiffes. Der Einbezug nautischer Gestaltungselemente ist nicht nur allgemein für die Architektur des Neuen Bauens charakteristisch, sondern bietet sich insbesondere bei der Bautypologie Freibad aufgrund des Bezugs zum Wasser an. Der Mittelbau wird von eingeschossigen Trakten flankiert, welche die Umkleidekabinen und Garderobenschränke beherbergen. Den östlichen und westlichen Abschluss der Garderobentrakte bilden zwei rechtwinklig abgewinkelte Eckbauten, welche für die WCs und Duschen konzipiert wurden. Die Umkleideflügel wurden beide an ihren Enden nachträglich aufgestockt.
Von der ursprünglichen landschaftsarchitektonischen Gestaltung wurde für die inzwischen erneuerte Bepflanzung die konzeptionelle Anordnung von zwei Baumreihen parallel zum Rhein übernommen: eine entlang des langestreckten Gebäudes und eine näher beim Fluss, wobei letztere ursprünglich wohl als Abgrenzung zwischen dem Bereich zum Sonnenbaden am Ufer und jenem zum Turnen in der Mitte fungierte.
Charakteristisch für die Freibadarchitektur der 1930er-Jahre ist der Sprungturm, der noch als konzeptionelles Element besteht und dessen Formen von der heutigen Metallkonstruktion nachempfunden werden. Der von Liebetrau skulptural aus Beton gestaltete Turm mit 1-, 3- und 5-Meter-Sprungbrettern wurde inzwischen durch eine Metallkonstruktion ersetzt. Nachdem das Wasserspringen seit den olympischen Spielen von 1904 für Männer und 1912 auch für Frauen zur sportlichen Disziplin geworden war, bot der Sprungturm in den Freibädern um 1930 eine zusätzliche Freizeitattraktion und mit dem Sprung durch die Luft gleichsam ein neues körperliches Raumerlebnis.
Bautypologisch verkörpert das Rheinfelder Flussbad einen interessanten Entwicklungsschritt innerhalb der Freibadarchitektur, der zwischen den geschlossenen neoklassizistischen Freibädern, wie Solothurn (1927), Burgdorf (1929) und Aarburg (1931), und den zur Umgebung offenen Freibädern des Neuen Bauens, wie Biel (1932), Heiden (1934) oder dem Terrassenschwimmbad in Baden (1934), einzureihen ist [6].
Anmerkungen:[1] Archiv Stadtbauamt Rheinfelden, L2. Liegenschaften – Eigentum, Bau und Unterhalt, Augarten Strandbad, 1933 Neubau, Bericht und Antrag für die Erstellung eines Fluss-, Licht, und Sonnenbades im "Augarten", 20.7.1931.
[2] Archiv Stadtbauamt Rheinfelden, L2, Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates Rheinfelden, Sitzung vom 11. Juli 1930; zu Heinrich A. Liebetrau siehe Edith Hunziker: "Liebetrau, Heinrich Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047830/2008-11-25/, konsultiert am 11.08.2025.
[3] Wullschleger 2022.
[4] SBZ 1933, S. 53.
[5] siehe [3].
[6] Zur Freibadarchitektur allgemein siehe Karin Artho, Die schönsten Bäder der Schweiz. Ein Führer des Schweizer Heimatschutzes zu 29 ausgewählten Freibädern (1869–1999), Schweizer Heimatschutz (Hg.), Zürich 2000, Pasquale Zarriello, Evolution zum Neuen Bauen – Freibäder der Moderne in der Schweiz. unv. Diss. Universität Bern 2015.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, 4258-16.
Literatur:- M. Schnyder, Die Flussbäder Aarau und Rheinfelden aus Eisenbeton-Fertigkonstruktionen. In: Schweizerische Bauzeitung, 1933, S. 53–57.
- Ruedi Wullschleger, Dokumentarfilm "Strandbad. Sommergefühl pur" 2022, 23 min. (https://www.kuba-rheinfelden.ch/strandbad.60de.html, konsultiert am 12.8.2025)
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 966, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden, Archiv Stadtbauamt Rheinfelden, L2. Liegenschaften – Eigentum, Bau und Unterhalt, Augarten Strandbad, 1933 Neubau; 1964 Erweiterung.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142354
 

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