INV-RHE921 Margarethenkapelle mit ehemaligem Siechenhaus, 17. Jh.-18. Jh. (Dossier (Bauinventar))

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General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE921
Ref. code AP:RHE921
Title:Margarethenkapelle mit ehemaligem Siechenhaus
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Bildlegende:Ansicht von Südosten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kaiserstrasse
Adresse:Kaiserstrasse 34
Versicherungs-Nr.:493
Parzellen-Nr.:41
Koordinate E:2626241
Koordinate N:1266837
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626262.25,1266825.70&z=13&info=2626241.2299622325,1266837.3606624636,1

Accessions characteristics

Creation date(s):17th cent. - 18th cent.
Grundlage Datierung:Bauarchäologische Untersuchung

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Einzelobjekt
Nutzung (Stufe 1):Sakrale Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Kapelle

Information on related materials

Würdigung:Gebäudekomplex bestehend aus der Margarethenkapelle aus den 1660er-Jahren, dem ehemaligen Siechenhaus von 1702 sowie einem ins 19. Jh. zurückreichenden dazwischenliegenden Verbindungsbau. Das Siechenhaus und die Kapelle bewahren beide noch einen wesentlichen Anteil ihrer bauzeitlichen Substanz und ihrer äusseren Erscheinung. Mit ihrer gesellschaftlichen Funktion und ihrer Stellung an einer wichtigen Verkehrsachse kommt ihnen eine kulturhistorische sowie städtebaugeschichtliche Bedeutung zu. Die Gebäude stehen prominent am westlichen Ortseingang und prägen den Strassenraum.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Es wird vermutet, dass um die Mitte des 13. Jh. in der Kloos ein Siechenhaus für die von der städtischen Gemeinschaft abgesonderten Leprakranken gegründet wurde. Wie damals üblich baute man diese Einrichtung ausserhalb der Stadtmauern, wo sie aber an der Landstrasse von Frick nach Kaiseraugst an einer wichtigen Verkehrsachse zu stehen kam. Die Wahl eines Standortes mit viel Durchgangsverkehr ist darauf zurückzuführen, dass das Siechenhaus für die Pflege der Kranken auf Spenden angewiesen war. Die 1349 durch eine Kaplaneistiftung bezeugte Margarethenkapelle wurde im Dreissigjährigen Krieg stark beschädigt und gemäss dendrochronologischer Untersuchung des Dachstuhls in den 1660er-Jahren wieder aufgebaut. 1666 wurde die Kapelle neu eingesegnet und erhielt 1699 einen neuen Altar. Das nur notdürftig reparierte Siechenhaus wurde 1701/02 von Werkmeister Hans Adam Steüdli neu erbaut. Das Jahr 1702 ist auch als Inschrift am Türsturz des strassenseitigen Hauseingangs des Siechenhauses festgehalten. Ab 1756 diente das ehemalige Siechenhaus als städtisches Armenhaus ("Spittel") der Unterbringung und Verpflegung mittelloser Einwohner. Beim Bau der Kloosstrasse (heute Habich-Dietschy-Strasse) 1812/13 legte man die Wegführung so, dass das Armenhaus samt Kapelle in der neuen Strassengabelung zu liegen kam. 1818 errichtete man einen Scheunenneubau für den angegliederten Landwirtschaftsbetrieb. 1854 bis 1895 fanden in der Margarethenkapelle reformierte Gottesdienste statt. 1881 wurde die Kapelle renoviert. 1892/93 wandelte man das städtische Armenhaus in ein Altersasyl um, dabei erfolgte eine tiefgreifende Renovation des ehem. Siechenhaus und der Ersatz der Scheune durch einen etwas längeren Annex mit Speisezimmer und zusätzlichen Wohnräumen. Gemäss Brandkataster diente das ehem. Siechenhaus im späteren 19. und frühen 20. Jh. zudem auch als "Wanderherberge". 1975/76 führten die Architekten Peter Hauser und Peter Metzger den Umbau zu einem Alters- und Pflegeheim durch. Dabei wurde die kaum mehr genutzte und verwahrloste Kapelle profaniert und in einen Heimannex mit sechs Zweibett-Zimmern umgewandelt, wofür auch die Kapellennordfassade neu befenstert wurde [1]. Die Institution "Altersheim Kloos" wurde 2016 geschlossen. Nach einer Leerstandsphase wird der Gebäudekomplex zurzeit (Stand Herbst 2025) als Unterkunft für Asylsuchende zwischengenutzt. 2023 führte die Stadtverwaltung einen Wettbewerb durch, um Projektvorschläge für den Umbau und die Erweiterung der Gebäude mit dem Nutzungsschwerpunkt Alterswohnen zu erarbeiten [2].
Beschreibung:Die Margarethenkapelle und das Siechenhaus befinden sich im Westen ausserhalb des ummauerten Stadtgebiets auf der Nordseite der Ausfallstrasse nach Basel. Mit ihrer Lage an der Gabelung von Baslerstrasse und Habich-Dietschy-Strasse treten die Gebäude im Strassenraum prominent in Erscheinung.
Die im 17. Jh. errichtete Kapelle besteht aus einem einschiffigen Langhaus und einem dreiseitig schliessenden Chorpolygon. Auf dem mit Biberschwanzziegeln gedeckten Satteldach sitzt über dem Chorbogen ein spitzbehelmter Dachreiter (noch 1885 mit Zwiebelhelmchen). An die nördliche Chorschrägwand schliesst der vergrösserte Neubau des Siechenhaus-Annexes (1892/83) an. Die südliche Schiffswand durchschneiden zwei Achsen hoch liegender Rundbogenfenster, ergänzt durch ein gleichfalls schmales rundbogiges Fenster in der Chorflanke. Unter der mittleren Fensteröffnung befindet sich ein stichbogig schliessender Kapelleneingang mit betontem Schlussstein. Von den drei ursprünglichen Rundbogenfenstern der Nordfassade erhellten zwei das Schiff und eines das Altarhaus; ihre heutigen Fensterbahnen mit eingesetzten Reliefs sind in Anordnung und Gestaltung erneuert und entstanden im Zusammenhang mit der Profanierung der Kapelle Mitte der 1970er-Jahre.
Das ehemalige Siechenhaus befindet sich im Nordosten der Kapelle und ist durch den Annexbau mit dieser verbunden. Der Bau erhebt sich über einem annährend rechteckigen Grundriss und trägt ein ebenfalls mit Biberschwanzziegeln gedecktes, geknicktes Vollwalmdach. Während die Nordfassade im frühen 20. Jh. durch eine vorgeblendete geriegelte Laubenfront stark verändert wurde, haben sich in der dreiachsigen Ost– und Südfassade quadratnahe Steinrahmenfenster der Bauzeit erhalten. In der Mittelachse der Strassenfront ein Buntsandstein-Türgewände mit schmalem vergittertem Oberlicht und Jahrzahl "1702" am Sturz.
Anmerkungen:[1] Baugeschichte gemäss Hunziker Hoegger 2011 und BAB Gollnick, Bauarchäologische Untersuchung 2019.
[2] Alterswohnen Kloos. Projektwettbewerb 2023.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Einzelobjekt 3.0.25.
- Inventar der historischen Verkehrswege (IVS), nationale Bedeutung, AG 12.4.
Literatur:- Karl Schib, Geschichte der Stadt Rheinfelden, Rheinfelden 1961, S. 290.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 270–71.
- Edith Hunziker, Parzellendossier Kaiserstrasse 34, P.41, 2011, Kantonale Denkmalpflege Aargau, Archiv.
- BAB Gollnick, Rheinfelden AG Gebäudekomplex Kaiserstrasse 34, Bauarchäologische Untersuchung, 2019.
- Alterswohnen Kloos. Projektwettbewerb für Generalplaner im selektiven Verfahren. Bericht des Preisgerichts, Bauherrschaft/Auftraggeber Stadtverwaltung Rheinfelden, 6.12.2023.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0570 (1876–1898) Vers.-Nr. 418, 419; CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 493, 494, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche aus den Jahren 1934, 1944, 1952, 1969, 1974, 1993.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142353
 

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