INV-RHE913 Kaiserstrasse 27, 1899-1900 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context

 

General information

Information on identification

Ref. code:INV-RHE913
Ref. code AP:RHE913
Title:Kaiserstrasse 27
Preview:
1/2
Bildlegende:Ansicht von Nordwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Kaiserstrasse
Adresse:Kaiserstrasse 27
Versicherungs-Nr.:506
Parzellen-Nr.:78
Koordinate E:2626356
Koordinate N:1266834
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626352.33,1266825.27&z=13&info=2626355.9471128616,1266834.3676707575,1

Accessions characteristics

Creation date(s):1899 - 1900
Grundlage Datierung:Brandkataster

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:RHE912 Zigarrenmanufaktur Wuhrmann
Nutzung (Stufe 1):Profane Wohnbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Repräsentatives Wohnhaus, Villa
Epoche / Baustil (Stufe 3):Historismus

Information on related materials

Würdigung:Repräsentatives Fabrikantenwohnhaus, das 1899/1900 für Adolf Wuhrmann, Mitbesitzer der östlich benachbarten Zigarrenmanufaktur (Bauinventarobjekt RHE912) errichtet wurde. Obwohl das Gebäude in seiner Architektursprache einer neobarocken Villa angeglichen ist, wurde es bereits in der Bauzeit als Zweifamilienhaus konzipiert, womit es eine bautypologisch bemerkenswerte Variation der Fabrikantenvilla darstellt. Die äussere Erscheinung mit reichem Fassadenschmuck und die innere Raumordnung sowie wesentliche Teile der historischen Ausstattung sind erhalten und verleihen dem Gebäude einen baukünstlerischen und handwerklichen Wert. Zusammen mit der Zigarrenmanufaktur bildet das Wohnhaus ein bedeutendes baukulturelles Ensemble, das den Strassenraum der Kaiserstrasse prägt.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Das Fabrikantenwohnhaus wurde 1899/1900 für Adolf Wuhrmann errichtet. Er war Mitbesitzer der östlich benachbarten, 1896 erstellten Zigarrenmanufaktur (Bauinventarobjekt RHE912). Der Name des Architekten oder wahrscheinlicher des Baumeisters, der die Pläne anfertigte, ist nicht überliefert.
2020/21 fand eine Renovierung des Wohnhauses statt, bei der die technischen Installationen erneuert und die Fenster ertüchtigt wurden. In der Erdgeschosswohnung wurden Küche und Bad komplett erneuert und die Dielenböden in den privaten Zimmern durch Fischgrätparkett ersetzt. Dabei orientierte man sich an den Mustern und Massen der aufwendigeren Holzböden in den öffentlichen Räumen (Korridor, Wohnzimmer). Im Mansardgeschoss wurde ein Badezimmer eingebaut [1].
Beschreibung:Das repräsentative Wohnhaus befindet sich auf der Südseite der Kaiserstrasse im Westen der Zigarrenmanufaktur Wuhrmann (Bauinventarobjekt RHE912). Es wird von einem grossen Garten umgeben, in dem ein kleiner hölzerner Walmdach-Pavillon steht. Der Garten bewahrt die bauzeitliche Umfriedung mit einem steinernen Sockel und verzierten Metallstaketen.
Obwohl das Gebäude in seiner Architektursprache einer neobarocken Villa angeglichen ist, handelt es sich um ein, bereits in der Bauzeit als solches konzipiertes, Zweifamilienhaus, was bautypologisch bemerkenswert ist und möglicherweise mit den verschiedenen, in der Zigarrenmanufaktur aktiven Generationen der Familie Wuhrmann zusammenhängt. Einerseits kann so dem Bedürfnis nach grösserer Privatsphäre der Kernfamilie entsprochen werden, andererseits aber auch dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Grossfamilie.
Das grosszügige, zweigeschossige Fabrikantenwohnhaus besitzt einen kubischen Baukörper mit Vor- und Rücksprüngen und trägt ein hohes Mansardwalmdach mit axialsymmetrisch angeordneten Gauben. Die Fassaden zeigen jeweils drei Fensterachsen, sind darüber hinaus aber stark hierarchisiert. Am aufwendigsten ist die auf die Kaiserstrasse orientierte repräsentative Hauptfassade gestaltet. Sie wird von Ecklisenen eingefasst und weist einen Mittelrisalit auf, der im Erdgeschoss wie die Ecklisenen mit Bandrustika akzentuiert ist und oben mit einem gesprengten Segmentbogengiebel abschliesst, in den ein Dacherker als eigenwillige Kombination integriert ist. Die Stichbogenfenster sind an der Hauptfassade, im Vergleich zu jenen der rückwärtigen Gartenfassade, durch einen Schlussstein zusätzlich ausgezeichnet. Die beiden Erdgeschossfenster sind zudem mit einem Brüstungsfeld und antikisierenden Zierkonsolen versehen. Horizontale Akzente ergeben sich durch den Hausteinsockel sowie das umlaufende Sohlbank- und Kranzgesims. Die den Sockel aus Jurakalkstein durchbrechenden Kellerfenster sind mit dekorativen Schmiedeeisengittern ausgestattet. Von gestalterischer und handwerklicher Qualität ist die zweiflügelige Eingangstür, die wie die Fenster aus Eichenholz besteht und durch das grosszügige Oberlicht fast monumentalen Charakter erhält. Geschmückt ist sie mit Holzschnitzereien und feinen Schmiedeeisenarbeiten vor den beiden Lichtöffnungen.
Entlang der rückwärtigen Gartenfassade zieht sich eine zweistöckige Veranda mit fein gearbeiteten Gusseisensäulen, volutenverzierter Staketenbrüstung aus Gusseisen und dekorativen Bodenfliesen. Im Erdgeschoss war der westliche Bereich ursprünglich dreiseitig durch eine Holz-Glas-Konstruktion geschützt, von der sich nur ein Teil an der Westfassade erhalten hat. Unter den jüngeren Farbschichten hat sich an der Aussenfassade bei der Veranda im Erdgeschoss eine Schablonenmalerei erhalten, die nicht freigelegt ist [2].
Im Hausinnern erfolgt die Erschliessung über das Treppenhaus hinter dem Risalit der Hauptfassade. Die drei separaten Wohnbereiche im Erdgeschoss, dem Obergeschoss und dem Mansardgeschoss sind durch schmuckvolle Zwischenwände aus Holz und Glas vom Treppenhaus abgetrennt. Das Treppenhaus bewahrt den bauzeitlichen Boden aus Zementfliesen mit Mosaikoptik; eine Eichenholztreppe mit einem neobarocken Flachbalustergeländer und zierbeschnitzten Antrittspfosten sowie ein Fenster mit farbigen Glasscheiben. In den Geschosswohnungen sind Wohn- und Schlafräume nach Süden auf den Garten ausgerichtet. Die bauzeitliche Ausstattung ist mehrheitlich erhalten und umfasst Stuckdecken, Parkette, profilierte Türrähmen, gestemmte Türen sowie einen Gusseisenheizkörper mit verzierter Warmhaltekammer im Erdgeschoss und Einbauschränke im Mansardgeschoss.
Anmerkungen:[1] Bäumlin+John AG 2021, S. 64.
[2] Bericht Link+Link 23.10.2020 (Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 2020-108 (2020)).
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Baugruppe 3.1, Erhaltungsziel A.
Literatur:- Bäumlin+John AG, Ausgewählte Projekte, o.O. 2021, S. 64–71.
- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 248, 252.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 506, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 88 (1972); 2020-108 (2020).
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

URL for this unit of description

URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142345
 

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