|
INV-RHE912 Zigarrenmanufaktur Wuhrmann, 1896 (Dossier (Bauinventar))
| |
General information |
|
Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1896 |
| Grundlage Datierung: | Literatur |
|
Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Teil einer Baugruppe |
| Weitere Teile der Baugruppe: | RHE913 Kaiserstrasse 27 |
| Nutzung (Stufe 1): | Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Fabrikgebäude, Manufakturgebäude |
| Epoche / Baustil (Stufe 3): | Historismus |
|
Information on related materials |
| Würdigung: | 1896 errichtetes Produktionsgebäude der Zigarrenmanufaktur Wuhrmann, das trotz Umnutzung aussen wie innen viel bauzeitliche Substanz bewahrt. Es dokumentiert anschaulich die Blütezeit der Rheinfelder Tabakindustrie und gehört zu den besterhaltenen Vertretern dieser Bautypologie im Kanton Aargau. Der markante, dreigeschossige Baukörper unter einem Satteldach besitzt eine zeittypische, dekorative Backsteinfassade. Im Innern sind insbesondere die beiden grosszügigen, gut belichteten Hallen für die Zigarrenproduktion in den Obergeschossen mit ihrer intakten Stützenkonstruktion aus gusseisernen Säulen bemerkenswert. Mit der nebenstehenden Fabrikantenvilla (Bauinventarobjekt RHE913) bildet die ehemalige Zigarrenmanufaktur ein baukulturelles und industriegeschichtlich bedeutendes Ensemble. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Ab der Mitte des 19. Jh. etablierte sich in Rheinfelden das Gewerbe der Zigarrenfabrikation. Es wurde von Fachkräften aus Deutschland, Holland und Dänemark sowie aus dem Elsass in die Stadt Rheinfelden gebracht, deren verkehrstechnisch günstige Lage sich nach der Eröffnung der Bözbergbahnlinie 1875 noch verbesserte. Die verwendeten Tabake kamen aus Übersee, hauptsächlich aus Indonesien, Brasilien, USA, Kuba und der Dominikanischen Republik. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. existierten in Rheinfelden bereits sieben Zigarrenfabriken, die zunächst bestehende Bauten sowohl in der Altstadt als auch in der Vorstadt nutzten. Auch das 1876 gegründete Unternehmen von Albert Wuhrmann, der aus dem Elsass stammte, befand sich zuerst in der Altstadt an der Marktgasse 59. Nachdem er sich 1895 mit Ernst Moff zusammengeschlossen hatte, errichteten die beiden 1896 ein eigenständiges Manufakturgebäude an der Kaiserstrasse [1]. Ein Jahr später wurde dieses mit einer Heisswasserzentralheizung und einem Warenaufzug ausgerüstet. Auf dem rückwärtigen Areal befand sich ein Magazingebäude, das auch einen Wohlfahrtsraum für die Arbeiter beherbergte [2]. Kurz nach der Übernahme durch Albert Wuhrmann-Heuberger (2. Generation) fusionierte der Betrieb 1910 mit der in Rohrbach BE beheimateten Firma Doge zu einem Unternehmen mit 180 Angestellten. 1948 wurde das Firmenverhältnis zwischen Wuhrmann und Doge aufgelöst, worauf sich das Unternehmen "A. Wuhrmann & Cie. AG" nannte. Eine partielle Mechanisierung fand im Vergleich zu anderen Betrieben verhältnismässig spät in den 1960er-Jahren statt [3]. 1969 wurde an der rückwärtigen Südseite neben dem Treppenhausrisalit eine Fensterbrüstung ausgebrochen [4]. Wahrscheinlich erfolgte gleichzeitig der Fensteraustausch im zweiten Obergeschoss an der strassenseitigen Nordfassade. 2008 wurde die Zigarrenproduktion in Rheinfelden aufgegeben und das Familienunternehmen Wuhrmann an den Zigarrenproduzent Villiger Söhne AG veräussert [5]. Auf dem Areal hinter dem Produktionsgebäude entwarf das Architekturbüro Bäumli+John einen Holzbau mit Büros und Wohnungen [6]. An das ehemalige Produktionsgebäude wurde 2011 rückwärtig eine metallene Fluchttreppe angebaut [7]. Es dient verschiedenen kulturellen Nutzungen, beherbergt Büroräume und einen Kindergarten im Erdgeschoss. |
| Beschreibung: | Die Zigarrenmanufaktur Wuhrmann befindet sich auf der Südseite der Kaiserstrasse. Der langgestreckte dreigeschossige Baukörper trägt ein Satteldach und ist mit seiner Hauptfassade auf die Strasse ausgerichtet. Dieser Strassenfassade ist ein für die Wirkung des Gebäudes wichtiger Vorgarten vorgelagert, der mit einer Umfriedung aus Steinsockel und Eisenstaketenzaun begrenzt ist. Rückwärtig besitzt das Gebäude einen Mittelrisalit unter einem Satteldach, der das Treppenhaus beherbergt. Der Fassadenaufbau gliedert sich in einen gequaderten Kellersockel mit querrechteckigen Fenstern, ein verputztes Erdgeschoss, das mit einem einfachen Gurtgesims abschliesst, sowie zwei Obergeschossen in Backstein. Die Hauptfasse weist neun Fensterachsen auf, wobei die Eingangstür in der Mittelachse liegt und über eine einläufige Treppe zu erreichen ist. Die beiden Giebelseiten weisen jeweils drei Fensterachsen auf. Die mit Zementgesimsen versehenen Fenster sind mit Ausnahme des Erdgeschosses durch einen Entlastungsbogen aus rotorangen Ziegelsteinen und Schlussstein ausgezeichnet. An der rückwärtigen Fassade sind die beiden dem Mittelrisalit am nächsten liegenden Fenster je zu Paaren zusammengerückt. Wahrscheinlich waren auch die Fenster des zweiten Obergeschosses an der Strassenfassade so gestaltet, ehe sie nachträglich verändert wurden. Im Innern ist die ehemalige Raumstruktur im Wesentlichen erhalten. Das Erdgeschoss ist in kleinere Raumeinheiten unterteilt, in denen Büros, Sitzungszimmer, Lagerräumlichkeiten und die Spedition untergebracht waren. Die beiden Obergeschosse beherbergen grosszügige, jeweils durch zwei Reihen firstparalleler Gusseisensäulen gegliederte Fertigungshallen. Ausser im zweiten Obergeschoss haben sich die bauzeitlichen Kastenfenster mit Vorfenstern, Sprossierung und Basculeverschluss erhalten. Die einzelnen Stockwerke sind über eine Holztreppe mit Staketengeländer und gedrechseltem Antrittspfosten miteinander verbunden. Erhalten haben sich auch diverse Türrahmen und Türblätter, Zwischenwände mit Krallentäfer sowie vereinzelte mechanische Geräte und Möbel für die Zigarrenproduktion. Verglichen mit anderen Zigarrenmanufakturen im Kanton Aargau gehört das ehemalige Produktionsgebäude des Unternehmens Wuhrmann zu den besterhaltenen dieser Bautypologie [8]. |
| Anmerkungen: | [1] Firmengeschichte gemäss Wuhrmann 2001, S. 10–16. [2] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch o. Nr. 1947. [3] siehe [1]. [4] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch o. Nr. 1969. [5] Als Produkt existiert der Name Wuhrmann weiterhin. NZZ, Villiger übernimmt Traditionsfirma Wuhrmann Cigars, 14.02.2008. [6] Bäumlin+John AG 2021, S. 64. [7] Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch Nr. 2011-160. [8] Weitere Zigarrenfabriken sind beispielsweise die Tabakfabrik "Bäumli" von 1860 in Beinwil am See (Bauinventarobjekt BES921), die Zigarrenfabrik "Hediger & Cie." von 1894/95 in Reinach (Bauinventarobjekt REI919) oder die Zigarrenfabrik an der Kesslergasse 272 in Gontenschwil von 1898 (Bauinventarobjekt GON927). Ähnlich gut erhalten wie in Rheinfelden ist die Zigarrenfabrik "Gautschi, Hauri & Cie." von 1880–1881 in Reinach (Bauinventarobjekt REI904). |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Einzelobjekt 3.0.24, Erhaltungsziel A. |
| Literatur: | - Fotografien einer Stadt. Rheinfelden 1860–1940, Gemeinde Rheinfelden (Hg.), Basel 1980, S. 166. - Albert Wuhrmann. Blauer Dunst aus Rheinfelden. In: Rheinfelder Neujahrsblätter 2001, S. 10–16. - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 248–249. - Bäumlin+John AG, Ausgewählte Projekte, o.O. 2021, S. 64. |
| Quellen: | - Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0570 (1876–1898) Vers.-Nr. 656; CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 498, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden. - Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuche. |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
|
| |
URL for this unit of description |
| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142344 |
| |
Social Media |
| Share | |
| |
|