INV-RHE907 Bahnhofsaal, 1934-1935 (Dossier (Bauinventar))

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General information

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Ref. code:INV-RHE907
Ref. code AP:RHE907
Title:Bahnhofsaal
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Bildlegende:Ansicht von Nordwesten (2023)
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Rheinfelden
Ortsteil / Weiler / Flurname:Bahnhofsquartier
Adresse:Bahnhofstrasse 21
Versicherungs-Nr.:521
Parzellen-Nr.:268
Koordinate E:2626659
Koordinate N:1266850
Situationsplan (AGIS):https://www.ag.ch/geoportal/apps/onlinekarten/?layers=dp_denkmalpflege::topicmaps.geo.ag.ch&basemap=base_landeskarten_sw::topicmaps.geo.ag.ch,1,true¢er=2626659.93,1266830.66&z=13&info=2626659.065376288,1266850.1653283571,1&search=rheinfelden+ag,gg25

Accessions characteristics

Creation date(s):1934 - 1935
Grundlage Datierung:Baugesuch, Literatur

Information on related materials

Autorschaft:Ernst Schelling (1885–1955)
Würdigung:"Bahnhofsaal" genannter Theaterbau, der im Auftrag der Brauerei Feldschlösschen von deren Betriebsarchitekten Ernst Schelling von 1934–1935 errichtet wurde und sich schnell zu einer regional bedeutenden Kulturinstitution entwickelte. Das aussen wie innen in seiner historischen Bausubstanz weitgehend erhaltene Gebäude besitzt mit seiner neoklassizistischen Architektur und seinem Art-déco Bauschmuck, der ikonographisch sowohl auf die Bauherrin wie auch auf die Bauaufgabe eingeht, einen hohen historischen, bautypologischen und baukünstlerischen Wert. Die Wandmalereien im Theatersaal stammen vom regional bedeutenden Basler Künstler Burkhard Mangold. Mit seiner Lage zwischen Bahnhof und Altstadt sowie seiner städtebaulich wirkungsvoll inszenierten und auf Monumentalität angelegten Schaufassade zur Kaiserstrasse hin, ist der "Bahnhofsaal" für das Ortsbild von höchster Bedeutung.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Mit der Inbetriebnahme der Bözberg-Eisenbahnline 1875 und der Eröffnung eines Bahnhofs in Rheinfelden, wurde das Areal neben dem Aufnahmegebäude auf der Nordseite der Bahngleise zu einem interessanten Bauplatz für den Tourismus, weshalb der Eigentümer Johann Blatt (1815–1884) 1877/78 an dieser Lage ein Hotel errichten liess. Nach dessen Tod ging die Liegenschaft in den Besitz seines Schwiegersohns und Feldschlösschen-Mitgründers Theophil Roniger (1844–1913). Das Hotel Bahnhof integrierte sich gut in das expansive Geschäftsprinzip von Roniger, dessen Sohn Adolph (1880–1961) Feldschlösschen ab 1913 zur grössten Brauerei der Schweiz machte. 1934 erfolgte eine Erweiterung des Hotels, die auch einen Theatersaal umfasste.
Die Planung des grossen und technisch komplexen Saalbau-Projekts oblag dem Feldschlösschen-Betriebsarchitekten Ernst Schelling (1885–1955). Dieser betreute seit 1902 seitens des Frankfurter Architekturbüros Langeloth die Brauereigebäude im Burgenstil südlich der Bahnlinie. Neben seiner Tätigkeit für Feldschlösschen war Schelling in den 1940er- und 1950er-Jahren auch Rheinfelder Stadtrat und Mitglied der Altstadtkommission.
Mit dem Bau des neuen Theatersaals schuf Ernst Schelling im Auftrag der Feldschlösschen-Brauerei ein architektonisch wie funktional herausragendes Gebäude, das im Fricktal damals seinesgleichen suchte. Im Begleitschreiben zur Baueingabe vom 26. Dezember 1933 formulierte der damalige Feldschlösschen-Direktor, Adolph Roniger, dezidiert das Ziel des Projekts: "Die Theatereinrichtung soll allen Ansprüchen genügen, womit die Theaterfrage für die Gemeinde erledigt sein soll." Ein zeitgemässer und grosser Veranstaltungssaal war in Rheinfelden bereits seit längerer Zeit ein Bedürfnis, das mit dem neuen Bauwerk befriedigt werden konnte. Der Saal bot rund 700 Personen Platz und verfügte über eine bemerkenswerte technische Ausstattung. Dazu zählten eine Hinter- und Unterbühne sowie ein Schnürboden.
Mit dem Stadttheater auf dem Areal des Hotel Bahnhof, das umgangssprachlich und fest etabliert "Bahnhofsaal" genannt wird, gelang es der Brauerei Feldschlösschen, sich auch im kulturellen Bereich gegenüber der lokalen Konkurrentin Salmenbräu zu profilieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der sogenannte Salmensaal, ein Veranstaltungssaal aus dem 19. Jahrhundert mit einer Kapazität von etwa 300 Personen, als wichtigstes kulturelles Veranstaltungszentrum der Stadt fungiert. Dieser befand sich im ersten Obergeschoss des rückwärtigen Gebäudeteils der Brasserie Salmen an der Marktgasse 10, wo ursprünglich ebenfalls gebraut wurde. Der Salmensaal existiert heute nicht mehr.
Der neue Theatersaal wurde nach einer kurzen Bauzeit am 17. Mai 1935 eröffnet und entwickelte sich schnell zu einem etablierten Kulturbetrieb in der Region. Bis heute präsentiert sich der Saal, abgesehen von kleineren baulichen Eingriffen, weitgehend im Zustand der Bauzeit [1].
Beschreibung:Der "Bahnhofsaal" genannte Theaterbau im Stil des Neoklassizimus steht an prominenter Stelle nahe beim Bahnhof. Das grosszügige Grundstück wird südlich vom Bahngleis, westlich von der Bahnhofstrasse und nördlich von der Kaiserstrasse begrenzt. Der langgestreckte Saalbau unter einem schwachgeneigten, kaum wahrnehmbaren Walmdach besteht aus mehreren hintereinander gestaffelten Kuben, die mit der jeweiligen räumlichen Funktion korrespondieren: Vestibül mit Kasse, Garderobe mit Toiletten, Saal mit Balkon, Bühne und Hinterbühne. Die Hauptfassade entlang der Kaiserstrasse steht auf einem betonierten Sockel mit vorgeblendeten Rustikaquadern, die eine Terrasse tragen. Hinter den Nischen und Rundbogentoren in der Sockelzone befanden sich ursprünglich Autogaragen. Die streng gegliederte und ornamentierte Schauseite strukturieren von Kunststeinbändern gefasste Fensterbahnen, die in ihrer geschossübergreifenden Anlage der Fassade einen monumentalen Zug verleihen. Brüstungsfelder mit applizierten Blumenmedaillons unterteilen die Fenstereinheiten in der Horizontalen. Das mittlere Medaillon zeigt das Feldschlösschen-Signet. Die Fassade wird gegen oben mit einem Konsolfries und einem Kranzgesims abgeschlossen. Durch den dunkleren Kunststein erfahren die Fenstergewände eine farbliche Differenzierung und das mit Kunststeinplatten verkleidete Gebäude eine vertikale Strukturierung. Der Eingang ist an der westlichen Stirnfassade platziert und wird von der Bahnhofstrasse über eine segmentbogenförmige Treppenanlage erreicht. Das Doppelportal wird von einem Steingewände eingefasst, das mit figürlichen Reliefs verziert ist. Die Darstellungen zeigen passend zur Bauherrschaft und zur Bauaufgabe stilisierte Hopfenranken, Braugerste, zwei Flötenspieler, eine Korbträgerin und Vögel. Die Türgriffe zeigen das Feldschlösschen-Signet. Die rückwärtigen Fassaden gegen Süden und gegen Osten sind rein funktional ohne Bauschmuck ausgeführt.
Das Innere ist eine geschickt inszenierte Raumabfolge vom Kleinen zum Grossen. Vom Eingang gelangt man zuerst in ein Entrée mit Kassenschalter und grossflächigen, rötlichen Marmorplatten an den Wänden sowie einer Stuckdecke mit schlichtem, profiliertem Rahmen. Es folgt die sorgfältig gestaltete Garderobenhalle mit ziegelroten Fliesen an den Wänden und Terrazzo imitierendem Linoleumboden. An der Längswand gegenüber dem Garderobenschalter finden sich in die Raufasertapete eingelassen drei antikisierende Musendarstellungen. Von hier aus gelangt man auch zu den Damen- und Herrentoiletten.
Der Theatersaal ist als stützenloser, hoher Raum mit Bühne und Empore ausgebildet. Die Längswände des Saales sind durch flache Wandpfeiler mit Palmettenkapitellen in regelmässige Felder gegliedert. Die Bühnenöffnung ist von einem silberfarben gestrichenen Eierstabfries gerahmt, ein Ornament, das im Deckenschmuck wieder aufgenommen wird. Ein hüfthohes Naturholztäfer begleitet die Wand und findet in der Verblendung der Vorbühne eine stärker vertikal strukturierte Fortsetzung. Erwähnenswert sind auch die bauzeitlichen Fenster, resp. Türöffnungen zur Nordseite hin. Auf der fensterlosen Südseite schmücken mythologische und allegorische Figuren im Zusammenhang mit Theater, Musik, Rhetorik und Tanz als Wandmalereien die Felder. Die Malereien wurden vom Künstler Burkhard Mangold (1873–1950) angefertigt, der oft von der Brauerei Feldschlösschen engagiert wurde, sei es für die Gestaltung von Plakaten oder Bauschmuck [2]. Die beiden Scheinwerferkästen an den Enden der Emporenbrüstung ergänzen das Bildprogramm mit figürlichen Schnitzereien eines Mandolinenspielers (Norden) und einer Tänzerin (Süden). In der Mitte der Emporenbrüstung verweist farbig gefasst das Feldschlösschensignet auf die Bauherrin.
Das Bühnenhaus bewahrt die grosse und tiefe Bühne, den Schnürboden und mehrere technische Elemente aus der Bauzeit im Untergeschoss.
Anmerkungen:[1] Baugeschichte nach Furter 2021 u. Leemann 2023.
[2] Zur Zuschreibung an Mangold siehe Leemann 2023, S. 54–62.
Erwähnung in anderen Inventaren:- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung.
- Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung, Einzelobjekt 3.0.20.
Literatur:- Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 267–268.
- Chris Leemann, Das Stadttheater Rheinfelden - im Saalbau Hotel Bahnhof. In: Rheinfelder Neujahrsblätter, Bd. 79 (2023).
- Fabian Furter, Ehemaliges Hotel und Saalbau Bahnhof Rheinfelden. Architekturhistorisches Gutachten, 2021.
Quellen:- Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 521, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden.
- Stadt Rheinfelden Baugesuchsarchiv, Baugesuch ohne Nr., 1934.
Reproduction conditions:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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URL:http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142339
 

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