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INV-RHE903 Waldfriedhof mit Abdankungskapelle, 1925-1926 (Dossier (Bauinventar))
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General information |
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Accessions characteristics |
| Creation date(s): | 1925 - 1926 |
| Grundlage Datierung: | Baugesuche, Literatur |
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Typologie |
| Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.): | Baugruppe |
| Nutzung (Stufe 1): | Sakrale Bauten und Anlagen |
| Nutzungstyp (Stufe 2): | Friedhof |
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Information on related materials |
| Würdigung: | 1925/26 angelegter Waldfriedhof mit Abdankungskapelle und Aufbahrungshalle, der sich in einem guten Erhaltungszustand präsentiert. Der Waldfriedhof in Rheinfelden gehört zusammen mit denjenigen in Schaffhausen (1914) und Davos (1922) zu den ersten Waldfriedhöfen in der Schweiz und ist deshalb von grosser architektur- und gartenhistorischer Bedeutung. Mit seiner von Anfang an bestehenden Kombination verschiedener Bestattungsmöglichkeiten in einer Zeit, wo die Kremation noch neu war, ist er auch ein wichtiges kulturgeschichtliches Zeugnis für einen sich wandelnden Umgang mit dem Tod. Die landschaftsarchitektonischen Qualitäten der Anlage liegen vor allem im alten Baumbestand und dem naturnahen Charakter, der in Verbindung mit den alten Grabsteinen, denen teilweise auch eine personengeschichtliche Bedeutung zukommt, eine pietätvolle Atmosphäre erzeugt. Die Abdankungskapelle weist mit ihrer Gestaltung, die würdevoll antikisierende und traditionelle Formen verbindet und im Innern mit Wandmalereien von Jakob Strasser geschmückt ist, einen hohen baukünstlerischen Wert auf. |
| Bau- und Nutzungsgeschichte: | Für die Erstellung eines Waldfriedhofes hatten sich der Gemeinderat und die Baukommission der Stadt Rheinfelden bereits 1914 ausgesprochen. Darauf wurden im östlichen Waldgebiet der Stadt, im sogenannten "Wasserloch", Probegrabungen durchgeführt, um die Tauglichkeit des Bodens zu ermitteln, welche sich als gegeben erwies [1]. Ausschlaggebend für die Lage des Waldfriedhofs war neben dem Salinenwald auch das 1910/11 an der Riburgerstrasse errichtete Bezirksspital, das über die Jahrzehnte zu einem grossen Regionalspital wuchs. Zudem wurde die bestehende Friedhofsanlage im äusseren Westteil des Parkes des Hôtels des Salines (Bauinventarobjekt RHE936) wohl aufgrund von Platzproblemen sowie wegen hygienischen Bedenken aufgrund der Nähe zu der damals florierenden Hotelanalge aufgegeben. Von der dortigen Friedhofsnutzung zeugt noch die Gottesackerkapelle mit Beinhaus (kantonales Denkmalschutzobjekt RHE011). Mit einigem zeitlichem Abstand, der dem Ersten Weltkrieg geschuldet sein dürfte, wurde ab 1923 die Bau- und Planungsphase des Waldfriedhofs in Rheinfelden in Angriff genommen, indem ein Wettbewerbsverfahren stattfand. Umgesetzt wurden 1925–1926 die Pläne des Gartenarchitekten Albert Baumann (1891–1976) in Zusammenarbeit mit dem Rheinfelder Architekten und damaligen Bauverwalter Alfred Hürsch, wobei letzterer auch die Bauleitung für die gleichzeitig mit dem Friedhof errichtete Abdankungskapelle übernommen hatte [2]. Baumann gehörte zu den führenden Persönlichkeiten der Schweizer Reformgartenbewegung und war insbesondere aufgrund seiner Lehrtätigkeit an der Gartenbauschule Oeschberg BE bekannt. Mit der künstlerischen Ausschmückung der Abdankungskapelle mit vier Wandbildern wurde der in Rheinfelden lebende Kunstmaler Jakob Strasser (1896–1978) beauftragt, der sie 1931/32 ausführte. Am 1. August 1926 fand die erste Beerdigung statt. In den 1920er-Jahren stellte der Waldfriedhof in der Schweiz noch eine neue Form von Friedhofsanlagen dar. Als dessen Erfinder gilt der renommierte Friedhofsarchitekt Hans Grässel (1860–1939) mit dem Waldfriedhof in München von 1907, welcher international Beachtung fand. Grässel lehnte damit die damals gängige, pompöse auf Monumentalität und Repräsentation angelegte Friedhofs- und Grabgestaltung ab und strebte nach der Einbettung in vorhandene Waldlandschaften. Mit seinen Ideen stand er am Anfang der Friedhofsreformbewegung zu Beginn des 20. Jh., die sich aufgrund von Industrialisierung, Urbanisierung und der damit einhergehenden Massengesellschaft entwickelte. Gartenhistorisch liegt die Erfindung des Waldfriedhofs zwischen dem geometrischen, künstlich angelegten Parkfriedhof des 19. Jh. und dem architektonischen Friedhof, der Funktionalität und Effizienz in den Vordergrund stellt. Grässel konnte 1914 auch als Entwerfer für den ersten Waldfriedhof in der Schweiz in Schaffhausen gewonnen werden. Ein zweiter früher Waldfriedhof entstand 1918 mit dem Waldfriedhof Davos durch den Architekt Rudolf Gaberel (1882–1963). Diese frühen Waldfriedhöfe wurden sicherlich vorbildhaft für den Rheinfelder Waldfriedhof herangezogen [3]. Im gleichen Jahr, in dem man den Waldfriedhof in Betrieb nahm, wurde zudem der Rheinfelder Feuerbestattungsverein gegründet mit dem Ziel der Förderung, Einführung und dem Betrieb der Feuerbestattung. Da die Kremation zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erhebliche Kostenfrage war, bemühte sich der Verein, den Mitgliedern aus Rheinfelden günstige Konditionen beim Krematorium in Basel zu verschaffen. Die Aufbahrungshalle (Leichenhalle) wurde erst 1937/38 wahrscheinlich durch Ernst Friedrich, seit 1935 Hürschs Nachfolger als Bauverwalter, errichtet, wobei auch Heinrich A. Liebetrau Pläne geliefert hatte [4]. Zur Diskussion standen auch eine eventuelle Verbindung der Aufbahrungshalle mit den Urnengräbern oder eine mit der Abdankungshalle. Die Baukommission entschied aber, die Leichenhalle sollte möglichst verdeckt in den Bäumen nördlich der Abdankungshalle zu stehen kommen. Wesentliche Veränderungen und Ergänzungen erfolgen ab 1947 durch den Gartenarchitekten Helmut Vivell, Sohn des bekannten Gartenarchitekten Adolf Vivell (1878–1959). Er legte die Urnenmauern im westlichen Bereich an und schuf weitere Familiengräber für Erd- und Urnenbeisetzungen bis zur Bahnstrasse hin. Neu gestaltet wurde auch das Umfeld der Kapelle. Ab den 1990er-Jahren fanden fast keine Neugestaltungen mehr statt. Eine Ausnahme bildet die Anlage des Gemeinschaftsgrabes oberhalb der Urnenmauern. Ansonsten folgten nur noch Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten, sodass der Waldfriedhof in seiner grundlegenden Gesamtanlage bis heute erhalten ist [5]. |
| Beschreibung: | Der Waldfriedhof befindet sich im Osten Rheinfeldens zwischen den Bahngleisen und der Zürcherstrasse. Der Zutritt auf die knapp fünf Hektar grosse Anlage erfolgt über die Riburgerstrasse. Der Friedhof wird vom bereits vorher bestehenden Wald gerahmt und setzt sich aus mehreren Teilbereichen zusammen, in welchen die unterschiedlichen Grab- und Bestattungsarten zusammengefasst sind. Die Gräberfelder erscheinen wie Lichtungen aus dem Wald "ausgeschnitten". Sie sind über geschwungene oder formal angelegte Hauptwege miteinanderverbunden. Eine Allee führt vom Haupteingang zur Abdankungskapelle. Das unmittelbare Umfeld der Kapelle ist mit symmetrischen Rasen- und Pflanzflächen gestaltet. Nördlich führen Wege zu der später dazugekommenen Aufbahrungshalle. Im gegen Osten anschliessenden Bereich beginnen die Gräberfelder. Prägend ist dabei ein ovaler Rundweg mit zentraler Hauptachse und mehreren Nebenachsen, welche die verschiedenen Grabfelder erschliessen. Im Zentrum des Ovals befindet sich ein rundes bodenebenes Wasserbecken mit einem Kreuz in einer kreisrunden, mit Hecken gefassten Platzsituation. Den Abschluss der Hauptachse bilden die aus Kunststein hergestellten Urnenmauern. Die untersten drei Urnenmauern sind freistehend. Darauf folgen weitere Urnenmauern, die in zwei Etagen in den Hang gebaut wurden und so den natürlichen Geländesprung überbrücken. Diese terrassierten Bereiche sind über zwei Haupttreppen, eine kleine Nebentreppe oder den Rundweg zu erreichen. Im Zentrum der höher gelegenen Friedhofsfläche liegt das von Wald umgebene Gemeinschaftsgrab aus neuerer Zeit. Der südliche Friedhofsteil wird durch den Rundweg abgeschlossen. An diesen ist ein weiteres Grabfeld mit Urnenreihengräbern aus jüngerer Zeit angegliedert. Hier befindet sich mit dem Pontoniergrab auch das einzige Sondergrab des Waldfriedhofs. Die strikt symmetrisch gestaltete Abdankungskapelle, die gleichzeitig mit der Friedhofsanlage entstand, ist ein eingeschossiger, über die Längsseiten erschlossener Massivbau über rechteckigem Grundriss. Ein geknicktes Walmdach mit achteckigem Dachreiter deckt den Saalbau, dem an den Schmalseiten je ein kleiner Anbau mit dreiseitigem Walmdach angeschlossen ist. Die auf die Allee ausgerichtete Hauptfassade wird durch einen Portikus mit Dreiecksgiebel auf vier Pfeilern ausgezeichnet. An der rückwärtigen, fünfachsigen Fassade überdeckt ein kleines, von Holzbügen gestütztes Walmdach den axialen Eingang. Durch grosse hochrechteckige Fensteröffnungen, deren Sohlbänke kantig vorstehen, fällt Licht in den Innenraum. Die Gewände der Türen und Fenster sowie die Gesimse und Kapitelle der Vorhalle bestehen aus grauem Kunststein. Die Eingangstüren zum Saal- und Anbau sind identisch als Füllungstüren mit Oberlicht gestaltet. Sowohl die Decke der Vorhalle als auch die verschalte Dachuntersicht ziert ein Kasettenmuster. Das Kapelleninnere präsentiert sich als ungeteilter Saal mit einer hölzernen Decke, die in ihrer Form das äussere Walmdach nachzeichnet, auf halber Höhe aber gekappt ist und flach abschliesst. Die Unterteilung der kassettierten Deckenfläche folgt der Gliederung der Mauerflächen durch vorspringende Pfeiler. Dazwischen sind an den Längswänden grosse Fensteröffnungen und an der Rückwand vier farbige Ölbilder des Künstlers Jakob Strasser gesetzt (1931/32). Links findet sich eine Mutter-Kind-Darstellung, die mittleren beiden Bilder stellen die Grablege und Auferstehung Christi dar und rechts sieht man den hl. Martin, der seinen Mantel teilt. Das Innere erhält durch die konsequent durchdachte Gestaltung des Gesamtraumes ein einheitliches, harmonisches Erscheinungsbild. Die 1937/38 entstandene Aufbahrungshalle ist ein verputzter Massivbau über rechteckigem Grundriss unter einem Walmdach mit kleinen regelmässig gesetzten Rundgauben. Die südliche Stirnseite, hinter der sich das Foyer befindet, ist mit einem grosszügigen sechsteiligen Reihenfenster versehen. Die Eingänge befinden sich an der westlichen Längsfassade - Zugang ins Foyer für die Angehörigen - und an der nördlichen Stirnseite für die Mitarbeitenden. Die Aufbahrungsräume und die Tiefkühlzelle liegen in der Mitte des Gebäudes. Mit ihrer Dachform greift die Aufbahrungshalle die Gestaltung der Abdankungskapelle von 1925/26 auf und integriert sich mit seinem traditionellen Formenrepertoire harmonisch in die damals schon bestehende Anlage des Friedhofs. Auf dem Waldfriedhof befinden sich auch Grabstätten bedeutender historischer Persönlichkeiten wie z.B. der in Rheinfelden als Mäzen tätige Feldschlösschen-Direktor Adolph Roniger-Hürlimann (1880–1961) oder der Urheber der Malereien in der Abdankungskapelle, Jakob Strasser (1896–1978). |
| Anmerkungen: | [1] Schweizerische Bauzeitung, Bd. 63/64 (1914) S. 73. [2] Stadt Rheinfelden, Archiv Stadtbauamt, F5 Friedhof, Bestattungen, 2. Friedhofanlagen, Friedhofbauten, 2. Einzelne Bauten und Areale, Waldfriedhof, Übrige und komplexe Akten, Schachtel 1; Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Waldfriedhof Rheinfelden, Entwicklungsleitbild, Zürich 2014, S. 5. [3] Martin Illi: "Friedhöfe", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.11.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007864/2005-11-07/, konsultiert am 22.09.2025. Zum Waldfriedhof Schaffhausen siehe Zara Tiefert-Reckermann, Der Waldfriedhof Schaffhausen, Schweizerischer Kunstführer, GSK (Hg.), Bern 2014. [4] Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderates Rheinfelden, Sitzung vom 5. Juni 1937, hier ist davon die Rede, dass Liebetrau Pläne lieferte, man aber die Pläne der Bauverwaltung bevorzugte; zu Friedrich siehe Albert Neeser, Ernst Friedrich, Bauverwalter. In: Rheinfelder Neujahrsblätter 1979, S. 64–66; im Entwicklungsleitbild von Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, 2012, S. 6, wird ein Emil Rusch als Planverfasser angegeben, der ein Mitarbeiter von Liebetrau gewesen sein könnte. [5] Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Waldfriedhof Rheinfelden, Entwicklungsleitbild, Zürich 2014, S. 5–7. |
| Erwähnung in anderen Inventaren: | - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS), nationale Bedeutung. - ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, 4258-15. |
| Literatur: | - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9: Der Bezirk Rheinfelden, Bern 2011. S. 252. - Alessandra Widmer, Albi Wuhrmann, Leben-Sterben-Auferstehung-Leben. Zum künstlerischen Erbe von Jakob Strasser (1896–1978), in: Rheinfelder Neujahrsblätter, Bd. 67 (2011), S. 84–97. - Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Waldfriedhof Rheinfelden, Entwicklungsleitbild, Zürich 2014. - Ambühl & Vogelsang, Untersuchungsbericht. Befunduntersuch und Vorschlag Massnahmen Kapelleninnenraum, Objekt: Friedhofkapelle Waldfriedhof Rheinfelden. - Anja Bandi, Chris Leemann, Christine Fuhrmann, 100 Jahre Waldfriedhof Rheinfelden. In: Rheinfelder Neujahrsblätter 2026, S.90-121. |
| Quellen: | - Staatsarchiv Aargau (StAAG): CA.0001/0571–0573 (1899–1938) Vers. Nr. 840, Brandkataster Gemeinde Rheinfelden. - Stadt Rheinfelden, Archiv Stadtbauamt, F5 Friedhof, Bestattungen, 2. Friedhofanlagen, Friedhofbauten, 2. Einzelne Bauten und Areale, Waldfriedhof, Übrige und komplexe Akten, Schachtel 1. |
| Reproduction conditions: | © Kantonale Denkmalpflege Aargau |
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URL for this unit of description |
| URL: | http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=142335 |
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