INV-RUA903 Pfarrscheune Rein, 1788-1789 (Dossier (Bauinventar))

Archive plan context


Identifikation

Signatur:INV-RUA903
Signatur Archivplan:RUA903
Titel:Pfarrscheune Rein
Ansichtsbild:
1/2
Bildlegende:Ansicht von Westen (2018)
Bezirk:Brugg
Gemeinde:Rüfenach
Ortsteil / Weiler / Flurname:Vorderrein
Adresse:Kirchweg 10
Versicherungs-Nr.:83
Parzellen-Nr.:463
Koordinate E:2659597
Koordinate N:1262145

Chronologie

Entstehungszeitraum:1788 - 1789
Grundlage Datierung:Literatur

Typologie

Objektart (Einzelobj./Teil Baugr./Baugr.):Teil einer Baugruppe
Weitere Teile der Baugruppe:Reformierte Pfarrkirche (RUA901), Pfarrhaus (RUA902) und Waschhaus (RUA904)
Nutzung (Stufe 1):Landwirtschaftliche Bauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Pfarrscheune

Schutz / Status

Ins Bauinventar aufgenommen (INV):1/1/1995

Dokumentation

Autorschaft:Emanuel Zehender (1720-1799), Berner Staatsbaumeister
Würdigung:Stattliche Pfarrscheune, welche 1788-89 gleichzeitig mit dem Pfarrhaus nach Plänen des Werkmeisters Emanuel Zehender erstellt wurde. Der Bau ragt zweigeschossig unter einem behäbigen Halbwalmdach auf. Grosse, teilweise noch mit Muschelkalkgewänden eingefasste Toröffnungen zeugen von der ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzung, welche bis ins 20. Jahrhundert bestand. 1912 wurde die Heubühne von Architekt Albert Froelich zu einem Unterrichtslokal umgebaut und mit zusätzlichen Fenstern versehen, von welchen die drei nach Südosten gerichteten in gestaffelter Anordnung und mit dekorativem Rundbogenabschluss den Hauptakzent bilden. Im Innern wird der Raum, der vom Kirchhof her über einen direkten Zugang erschlossen ist, von Holzstützen in ein tonnengewölbtes Mittelschiff und niedrigere, kreuzgratgewölbte Seitenschiffe gegliedert. Auf einem Sporn des Reinerbergs über dem Wasserschloss gelegen, bildet die Pfarrscheune mit der Kirche von 1863-64, dem zugehörigen Wohnhaus und dem Waschhaus (Bauinventarobjekte RUA901, 902 und 904) eine intakte Baugruppe von hohem Situationswert im Ortsteil Vorderrein.
Bau- und Nutzungsgeschichte:Gleichzeitig mit dem Pfarrhaus wurde 1788-89 auch die zugehörige Ökonomie erneuert. Sie war nun nicht mehr unter demselben Dach integriert, sondern kam als freistehender Bau mit einigen Metern Abstand neben dem neuen Pfarrhaus zu stehen. Die Pläne für die Pfarrscheune stammten wie beim Wohnhaus vom Berner Staatsbaumeister Emanuel Zehender (1720-99). An die Baukosten trug die Stadt Brugg zwei Drittel, Bern einen Drittel bei [1].
Nach dem Abbruch des Sigristenhauses 1865, einem umgenutzten ehemaligen Wohnsitz der Familie Lauterburg, fehlte ein Unterrichtslokal, so dass man sich mit einer gemieteten Stube in der Nachbarschaft behelfen musste [2]. Trotz pädagogischer und sanitarischer Bedenken von Seiten der Kirchensynode wartete die Kirchgemeinde bis 1912 mit entsprechenden Massnahmen. 1912 wurde der bekannte Architekt Albert Froelich, Brugg/Charlottenburg, damit beauftragt, im Ober- und Dachgeschoss der nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Pfarrscheune ein Unterweisungszimmer einzubauen. Dieses war von Beginn weg mit einer Heizung ausgestattet, so dass bis zum Einbau einer elektrischen Heizung 1927 in der Kirche bei winterlicher Kälte auch die Gottesdienste hier abgehalten wurden. Der Zugang erfolgt vom Kirchhof her, wo der bereits vorhandene Eingang ein säulengestütztes Vordach mit gemauerter Brüstung erhielt. Im Rahmen dieses Umbaus kamen auf Höhe der schartenartigen Lüftungsöffnungen an den Traufseiten im mittleren Bereich je drei weitere Fenster hinzu, und die nach Südosten gerichtete Stirnfront wurde mit einer gestaffelten Dreiergruppe von grossen Rundbogenlichtern geöffnet. Bereits zu diesem Zeitpunkt muss das mittlere Tor verkleinert worden sein. 1926 wurden die Tennen zu Garagen umgenutzt.
Beschreibung:Die noch aus dem späten 18. Jh. stammenden Bauten des Pfarrhofs, bestehend aus Wohnhaus, Scheune und Waschhaus, stehen in lockerer Abfolge der Kirchhofmauer entlang aufgereiht. Sie bilden den südöstlichen Abschluss des markant auf einem Hügelsporn des Reinerbergs gelegenen Kirchenbezirks. Weithin sichtbar ist die 1863-64 parallel dazu errichtete Kirche mit dem talseitig aufragenden Frontturm. In der östlichen Ecke der Anlage steht das Pfarrhaus, an das die ehemalige Pfarrscheune mit einigen Metern Abstand weiter südwestlich anschliesst. In Analogie zum Wohnhaus ist die der Kirche zugewandte Stirnfront der Scheune nahezu mit der Kirchhofmauer bündig, während sich der Baukörper auf dem tieferen Terrain des angrenzenden Wieslands nach Südosten erstreckt.
Der unter einem knappen Halbwalmdach geborgene Baukörper ist in Bruchsteinmauerwerk aufgeführt. Die Fassaden sind mit einem Besenwurf verputzt, wobei sich die Ecken als glatte Lisenen abheben. Noch immer ablesbar ist an der südwestlichen Trauffassade die ursprüngliche landwirtschaftliche Nutzung mit Tenn oder Remise, Dreschtenn und Stall, wobei die Einfahrt des Dreschtenns seit dem Einbau des Unterrichtslokals 1912 im darüber liegenden Bereich ein neues, kleineres Gewände aufweist. Den im Scheitelpunkt mit einem Schlussstein geschmückten Toren entsprechen auf der rückwärtigen Traufseite ein kleines Rundbogen- (Dreschtenn) und ein Rechteckportal (Futtertenn oder Remise), während der Stall auf beiden Seiten eine Rechtecktür und ein kleines vergittertes Rechteckfenster zeigt. In streng achsensymmetrischer Anordnung sind sowohl traufseitig als auch Lüftungsschlitze ins Mauerwerk eingelassen. Sie sind grösstenteils vergittert und wie sämtliche bauzeitlichen Öffnungen mit Hausteingewänden aus Muschelkalk eingefasst. Ergänzend zu den historischen Fensteröffnungen sind im mittleren Bereich der Heubühne jeweils drei nahezu quadratische Fenster eingelassen, die sich durch eine moderne, gewändelose Gestaltung vom alten Baubestand abheben. Die Südwestfassade bestimmen seit dem Saaleinbau von 1912 drei gestaffelte, mit einem Rundbogen abschliessende Fenster, von welchen das mittlere durch seine besonders breite und hohe Form und die dekorative radiale Sprossierung im Bogenfeld den Hauptakzent setzt. Aus der topografischen Situation heraus ergibt sich so je nach Blickrichtung eine unterschiedliche Wirkung des Gebäudes. Zum Kirchhof hin gestaltet sich der breitgelagerte, dachbetonte Bau behäbig und unspektakulär, während er vom offenen Wiesland her betrachtet eine stattliche Höhe aufweist und mit den gestaffelten Rundbogenfenstern, mit welchen sich der Bau nach Südwesten öffnet, eine feierliche Note erhält.
Der wenn auch nicht bauzeitliche, so doch bereits länger bestehende stirnseitige Zugang vom Kirchhof her zur ehemaligen Heubühne ist seit dem Umbau 1912 durch ein von Holzsäulen gestütztes Vordach geschützt. Durch den Eingang mit dem diagonal aufgedoppelten Türblatt gelangt man zunächst in ein Vestibül mit seitlichen Nebenräumen und dann geradeaus in das Unterweisungslokal. Dieser Raum gestaltet sich als ein durch Holzstützen dreischiffig gegliederter Saal mit hohem, gewölbtem Mittelschiff und niedrigeren, kreuzgratgewölbten Seitenschiffen. Gemäss Bauplan bestand am südöstlichen Ende des Raums ein niedriges, bühnenartiges Podest, das an den Ecken von den noch heute vorhandenen hölzernen Pilastern eingefasst war. Die Wände sind bis auf Fensterhöhe mit braunem Nadelholztäfer verkleidet, das an den Ecken mit Fasen und Zapfen verziert ist.
Anmerkungen:[1] Baumann 1998, S. 101.
[2] Baumann 1998, S. 118.
Erwähnung in anderen Inventaren:- ICOMOS Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz, Kanton Aargau, Rüfenach, 4112-05.
Literatur:- Max Baumann, Rein und Rüfenach. Die Geschichte zweier Gemeinden und ihrer unfreiwilligen Vereinigung, Baden 1998, S. 97-110, 118.
- Michael Stettler, Emil Maurer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 2, Basel 1953, S. 389.
- Kunstführer durch die Schweiz, Bern 2005, S. 72.
Quellen:- Kantonale Denkmalpflege Aargau, Fotoarchiv.
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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