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G3 Integration

Bei der Integration der ausländischen Bevölkerung besteht im Kanton Aargau Handlungsbedarf: ausländische Jugendliche erreichen weniger häufig einen Schulabschluss auf Sekundarstufe II als Schweizer Jugendliche und die Arbeitsmarktintegration der ausländischen Bevölkerung gestaltet sich schwieriger.

Zielrichtung aus Nachhaltigkeitssicht

Die gesellschaftliche Integration aller Menschen unterschiedlicher Herkunft und Rasse, unterschiedlichen Geschlechts, Alters oder sozialer Stellung, unterschiedlicher religiöser, weltanschaulicher oder politischer Überzeugung sowie unterschiedlicher körperlicher und geistiger Verfassung ist wesentlich für eine funktionierende Gesellschaft.
Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ist in allen Lebensbereichen relevant. Sie bedarf der Zusammenarbeit aller Akteure und eines positiven Umgangs mit Heterogenität. Grundlegende Voraussetzung für Integration ist eine gute Bildung für alle Gesellschaftsgruppen sowie die Teilnahme am Berufsleben. Sie ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben, den selbstständigen Erwerb des Lebensunterhalts und die Teilhabe in anderen Lebensbereichen. Der Kanton Aargau verfolgt in der Integrationsförderung den Regelstrukturansatz. Die Integration erfolgt primär in der Schule, im Arbeitsmarkt oder im Bildungswesen, das heisst in den bestehenden integrationsrelevanten Regelstrukturen.

Die Integration der ausländischen Bevölkerung dient als Indikator für die gesamtgesellschaftliche Integration und wird anhand der Abschlussquote Sekundarstufe II nach Nationalität und der Arbeitslosenquote nach Nationalität beurteilt.

Stand Integration 2020

Der folgende Text beschreibt den Stand der Indikatoren G3.1 (2015–2018) und G3.2 (2000–2019)

Von den in der Schweiz geborenen Schweizer und Schweizerinnen haben im Aargau 2018 94,7 Prozent bis zum 25. Altersjahr einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erreicht, demgegenüber sind es bei, im Ausland geborenen, ausländischen Jugendlichen nur 78,0 Prozent. Auch wenn ausländische Jugendliche in der Schweiz geboren werden, ist immer noch ein Unterschied feststellbar. Bei ihnen erreichen 86,9 Prozent einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Der Aargau liegt bei allen genannten Kategorien über dem Schweizer Schnitt (BFS 2020b).

Auch beim Einschlagen des Bildungswegs nach der obligatorischen Volksschule sind Unterschiede zwischen den Schweizern und ausländischen Staatsangehörigen im Kanton Aargau erkennbar. 88 Prozent der Schweizer Schulabgängerinnen und -abgänger beabsichtigten 2020 direkt in eine berufliche Grundbildung oder Allgemeinbildung überzutreten. Bei der ausländischen Bevölkerung liegt dieser Anteil bei 66 Prozent. Währenddem diese Quote bei der Schweizer Schulabgängerinnen und -abgänger seit 2016 stabil geblieben ist, ist diejenige der ausländischen Bevölkerung seit 2016 um 3,3 Prozent gesunken.

Fremdsprachige Schülerinnen und Schüler sind in der Realschule deutlich überproportional, in der Bezirksschule unterproportional vertreten. Rund 40 Prozent der fremdsprachigen Lernenden besuchen in der Oberstufe die Realschule, während dem es bei Deutschsprachigen nur 16 Prozent sind. Je nach Sprache sind die Unterschiede noch grösser. Rund 50 Prozent der albanisch sprechenden Schüler und Schülerinnen besuchen die Realschule (Statistik Aargau 2020).

Die Arbeitslosenquote der ausländischen Bevölkerung im Aargau ist seit Jahren mehr als doppelt so hoch wie diejenige der Schweizer Bevölkerung, der Unterschied ist seit 2016 jedoch leicht gesunken. Personen aus Deutschland und Österreich haben eine ähnliche tiefe Arbeitslosenquote wie der Schweizer Durchschnitt. Demgegenüber ist die Arbeitslosigkeit bei Personen aus Nicht-EU/EFTA-Staaten besonders gross (BFS 2017).

Der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung liegt im Aargau bei einem Viertel und somit im schweizerischen Durchschnitt. Rund 21 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung stammt aus Deutschland, gefolgt von Italien (17 Prozent), Kosovo (11 Prozent) und Türkei (6 Prozent) (BFS 2019a). Im Jahr 2018 wurden im Aargau insgesamt 2‘600 Personen eingebürgert. Die Hälfte davon stammen aus den Ländern Deutschland, Kosovo, Türkei und Italien (BFS 2020a, STATPOP).

In der Schweiz haben Personen mit Migrationshintergrund, besonders ausländische Staatsangehörige, eine signifikant geringere Lebensqualität als schweizerische Staatsangehörige ohne Migrationshintergrund. Dies zeigt sich bei der Wohnsituation, der Arbeit, Ausbildung, Gesundheit oder dem subjektiven Wohlbefinden. Besonders benachteiligt sind ost- und aussereuropäischen Staatsangehörige (BFS 2019b). Signifikante Unterschiede bestehen beispielsweise beim Anteil der Personen, die zahnmedizinische Leistungen nicht in Anspruch nehmen. 2017 waren es schweizweit 2,2 Prozent Personen ohne Migrationshintergrund, die auf zahnärztliche Untersuchungen verzichten, bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund waren es 5,4 Prozent.

Indikator G3.1: Quote Erstabschlüsse Sekundarstufe II nach Nationalität, Aargau

Die Quote der Erstabschlüsse auf Sekundarstufe II nach Nationalitäten misst den Anteil der jungen Erwachsenen bis 25 Jahre, die nach der obligatorischen Schule einen Abschluss der Sekundarstufe II (berufliche Grundbildung und Allgemeinbildung) in der Schweiz erlangen.
Möglichst viele ausländische Jugendliche sollen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II erlangen. In der Schweiz gilt die Zielsetzung, dass 95 Prozent aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen (WBF, EDK 2019).

Quote Erstabschlüsse Sekundarstufe II nach Nationalität, Aargau 2015–2018

(Daten: BFS 2020b)

Die in dieser Grafik dargestellten Daten können im Excel-File abgerufen werden: Excel-Datei abrufen (XLSX, 19 KB)

Entwicklung Indikator in Richtung Nachhaltigkeit
langfristigAussage nicht möglich
kurzfristig (seit 2016)unverändert

Aktualisierung Daten 2023

Arbeitslosenquote nach Nationalität, Aargau und Schweiz 2000–2021

(Daten: BFS 2023)

Die in dieser Grafik dargestellten Daten können im Excel-File abgerufen werden: Excel-Datei abrufen (XLSX, 10 KB)

Entwicklung Indikator in Richtung Nachhaltigkeit
langfristigAussage nicht möglich
kurzfristig (seit 2016)unverändert

Indikator G3.2: Arbeitslosenquote nach Nationalität, Aargau und Schweiz

Der Indikator zeigt die Arbeitslosenquote nach Nationalität. Sie ist das Verhältnis der registrierten Arbeitslosen zu den Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Stellensuchende).
Die Arbeitslosenquote der ausländischen Bevölkerung soll nicht höher sein als jene der Schweizer Bevölkerung.

Arbeitslosenquote nach Nationalität, Aargau und Schweiz 2000–2019

(Daten: SECO 2019)

Die in dieser Grafik dargestellten Daten können im Excel-File abgerufen werden: Excel-Datei abrufen (XLSX, 25 KB)

Entwicklung Indikator in Richtung Nachhaltigkeit
langfristig (seit 2000)negativ
kurzfristig (seit 2016)positiv

Aktualisierung Daten 2023

Arbeitslosenquote nach Nationalität, Aargau und Schweiz 2000–2022

(Daten: SECO 2023)

Die in dieser Grafik dargestellten Daten können im Excel-File abgerufen werden: Excel-Datei abrufen (XLSX, 16 KB)

Entwicklung Indikator in Richtung Nachhaltigkeit
langfristig (seit 2000)negativ
kurzfristig (seit 2016)negativ

Herausforderungen für das Thema Integration

  • Gute Deutschkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung für den Schulerfolg. Um allen Kindern gute Bildungschancen zu gewähren, nimmt die Forderung der frühen Deutschförderung für Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch zu (DGS 2019).
  • Spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene werden schlecht erreicht und sind nur in geringem Masse in der Lage, vom bestehenden differenzierten Bildungsangebot zu profitieren. Eine Ausbildung auf Sekundarstufe II ist jedoch eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration in den Schweizer Arbeitsmarkt, die eine längerfristige Unabhängigkeit von der Sozialhilfe gewährleistet (BASS 2019).
  • Migrantinnen und Migranten kehren im Alter immer öfter nicht in ihre Herkunftsländer zurück. Das Gesundheitswesen im Allgemeinen, die Alterspflege und Altersarbeit sind bei der Ausübung ihrer Dienstleistungen zunehmend mit spezifischen Bedürfnissen der Migrantinnen und Migranten konfrontiert (Nationales Forum Alter und Migration).
  • Durch die steigende Anzahl unterschiedlicher Kulturen und Religionen und das draus entstehende Spannungsfeld zwischen der Notwendigkeit nach Integration und dem Wunsch nach Individualismus ist die Bildungslandschaft stark gefordert.
  • Die Eingliederung von wenig qualifizierten Arbeitnehmenden bleibt generell schwierig. Der Arbeitsmarkt richtet sich zunehmend auf gut qualifizierte Arbeitskräfte aus. Da zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, je nach Herkunft, häufiger einen schlechteren Bildungsstand aufweisen, kann dies bei dieser Bevölkerungsgruppe zu steigender Arbeitslosigkeit führen.

Quellen

Mitarbeit
Referenzen
  • BASS (Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG) (2019): Auslegeordnung zu spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der Nahtstelle I, Bern: EDK
  • Bundesamt für Statistik BFS (2020a): STATPOP, Wohnbevölkerung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit, Neuchâtel: BFS
  • Bundesamt für Statistik BFS (2020b): Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II und Maturitätsquote, Bern: BFS
  • Bundesamt für Statistik BFS (2019a): STAT-TAB, Einbürgerungen, Neuchâtel: BFS
  • Bundesamt für Statistik BFS (2019b): Lebensqualität der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in der Schweiz 2017, Neuchâtel: BFS
  • Bundesamt für Statistik BFS (2017): Statistischer Bericht zur Integration der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, Neuchâtel: BFS
  • Departement Gesundheit und Soziales DGS, Kantonaler Sozialdienst (2019): Orientierungshilfe für Gemeinden zur Frühen Sprachförderung in Spielgruppen, Kindertageseinrichtungen und Tagesfamilien, Aarau: DGS
  • Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) (2019): Erklärung 2019 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz, Bern: WBF und EDK
  • Staatssekretariat für Migration SEM (2019): Total Bestand ausländische Wohnbevölkerung im Aargau und in der Schweiz 2018, Ausländerstatistik, Bern: SEM
  • Staatssekretariat für Wirtschaft SECO (2019): Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung, Statistik und Arbeitsmarktanalysen, Amstat: Arbeitslose nach Nationalität, Bern: SECO
  • Statistik Aargau (2020): STEP I 2008–2020 – Regelschüler/ innen nach Anschlusslösungen und Ausländerstatus (sowie Schultyp), Verteilung der Lernenden auf die Oberstufenzüge nach Geschlecht und Sprache, Aarau: Statistik Aargau
Links

Für das Thema "Integration" relevante SDGs der Agenda 2030

Die Symbole der 17 SDG in der Übersicht.

Bericht Nachhaltige Entwicklung im Kanton Aargau 2020

Symbolbilder verschiedener Themenbereiche der Nachhaltigkeit.

Bericht Nachhaltige Entwicklung 2020 (PDF, 154 Seiten, 9,8 MB)

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Keyvisual AG Agenda 2030.

Der Kanton Aargau trägt gemeinsam mit dem Bund zur Umsetzung der UNO-Agenda 2030 bei.

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Bild: © Kanton Aargau