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Bericht Nachhaltige Entwicklung: Zusammenfassung

Bereits zum fünften Mal zeigt der Kanton Aargau mit einem Fachbericht umfassend und integrativ, wo er aus Sicht der nachhaltigen Entwicklung steht. Der Fokus liegt auf der Entwicklung der Jahre 2016 bis 2020. Die Zusammenfassung beschreibt die wichtigsten Resultate und Herausforderungen unter den Stichworten "Klimawandel im Aargau", "Der Aargau zum Wohnen und Arbeiten", Gesellschaftliche Ungleichheiten im Aargau" sowie "Der Aargau mit starken Institutionen und stabilem Staatshaushalt".

Basis für die Beschreibung des Entwicklungsstands bilden die Fakten aus 32 Themenbereichen der nachhaltigen Entwicklung, welche die 3 Nachhaltigkeitsdimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt abdecken. Diese Rundumschau zeigt, dass der Aargau insbesondere in der Dimension Umwelt seit 2016 einige Fortschritte erzielt hat. In den Dimensionen Gesellschaft und Wirtschaft bleiben die Werte der betrachteten Indikatoren mehrheitlich konstant. In allen 3 Dimensionen bleiben sie herausfordernd. Als neuer Referenzrahmen zur Beschreibung der nachhaltigen Entwicklung im Aargau wurde erstmals die Agenda 2030 der UNO mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, SDGs) beigezogen. Der vernetzende Charakter der Agenda 2030 ermöglicht eine integrative Sicht auf den Stand der Nachhaltigkeit im Kanton Aargau. Der Kanton Aargau, wie die gesamte Schweiz sind bereits weit fortgeschritten, um verschiedene der global geltenden SDGs zu erreichen. Besonders hervorheben lassen sich für den Kanton Aargau SDG 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden) und SDG 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen), wo verschiedene positive Entwicklungen auszumachen sind. Als herausfordernd zeigen sich insbesondere die SDGs 4 (Hochwertige Bildung, vor allem in Zusammenhang mit Chancengerechtigkeit), SDG 6 (Sauberes Wasser), SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), SDG 10 (Weniger Ungleichheiten) sowie das SDG 13 (Klimaschutz).

Klimawandel im Aargau

Die Auswirkungen des Klimawandels wurden in den letzten Jahren im Aargau zunehmend spürbar. Die Zielerreichung "Netto Null bis 2050", aber auch die notwendigen Anpassungsmassnahmen an veränderte klimatische Bedingungen werden als Herausforderungen erkannt. Eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien erfordert weitere Anstrengungen. Als bedeutender Stromproduzent steht der Aargau mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie vor zusätzlichen grossen Aufgaben. Mit seinen starken Technologie-, Forschungs- und Innovationsinstitutionen ist der Kanton Aargau jedoch gut aufgestellt, um den Klimaschutz zugunsten einer qualitativ wachsenden Wirtschaft als Chance zu nutzen. Im Bereich der Klimaanpassung gilt es unter anderem den Wasserhaushalt den geänderten Verhältnissen mit zunehmender Trockenheit und Überschwemmungen anzupassen. Im Fokus steht auch die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung und der saisonal erhöhte Trinkwasser­verbrauch. Die Trinkwasserqualität ist zusätzlich durch den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln und weiteren Mikroverunreinigungen gefährdet. Die klimatischen Veränderungen als auch raumrelevante Nutzungsansprüche wie Siedlungsentwicklung oder Naherholung setzen die Biodiversität unter Druck. Die heute bestehenden Flächen an wertvollen Lebensräumen und deren Vernetzung genügen nicht, um den langfristigen Erhalt der Biodiversität zu sichern.

Der Aargau zum Wohnen und Arbeiten

Die im schweizweiten Vergleich überdurchschnittliche Zuwanderung zeigt, dass der Kanton Aargau als Wohnkanton beliebt ist. Die Wohnqualität hat sich bezüglich Lärmbelastung, den Wohnkosten und der Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr verbessert. Im Aargau wird zwar weiterhin jeden zweiten Tag die Fläche in der Grösse eines Fussballfelds überbaut, trotzdem macht der Kanton bei der Siedlungsentwicklung nach innen, und damit beim nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden, Fortschritte. Neben den Bewohnerinnen und Bewohnern profitieren auch Unternehmen von einer überdurchschnittlich hohen Standortattraktivität. Gleichwohl entwickeln sich die Wirtschaftsleistung und das wirtschaftliche Potenzial der Steuerpflichtigen (Ressourcenpotenzial) unterdurchschnittlich. In Anbetracht des Strukturwandels und der demografischen Entwicklung bleibt die Verfügbarkeit von Fachkräften ein Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Gerade bei Frauen ist das Fachkräftepotenzial nicht ausgeschöpft, was die tiefere Erwerbsquote und der höhere Teilzeitanteil der Frauen widerspiegelt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt diesbezüglich eine Herausforderung dar.

Gesellschaftliche Ungleichheiten im Aargau

Im Aargau bestehen in verschiedenen Belangen ungleiche Chancen zwischen den Bevölkerungs­gruppen. Personen mit Migrationshintergrund – insbesondere ost- und aussereuropäische Staatsangehörige – haben eine geringere Lebensqualität als Schweizerinnen und Schweizer bezogen auf die Wohnsituation, die Gesundheit oder das subjektive Wohlbefinden. Auch in der Bildung, die für den Aargau eine wichtige Ressource und Voraussetzung für das Erreichen aller Nachhaltigkeitsziele ist, bleibt die Inklusion herausfordernd, das heisst, alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen oder besonderen Lernbedürfnissen sollen ihr Potenzial voll entfalten können. Aktuell wird der Bildungsabschluss auf Sekundarstufe II von deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer erlangt als von ausländischen Jugendlichen. Entsprechend finden sich auch signifikante Unterschiede zwischen den Nationalitäten im Arbeitsmarkt und der Sozialhilfe. Letzteres betrifft insbesondere auch Kinder und Jugendliche. Sie stellen mit Abstand die grösste Altersgruppe der Sozialhilfeempfangenden dar. Dies erhöht ihr Risiko, auch als Erwachsene auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

Der Aargau mit starken Institutionen und stabilem Staatshaushalt

Der Kanton Aargau bewegt sich im Spannungsfeld von diversen Entwicklungen, die seinen Handlungs­­­spielraum beeinflussen. Herausforderungen wie der Klimawandel mit Risiken, die auch den Aargau betreffen, mögliche Krisen im Zusammenhang mit der Globalisierung, aber auch der anhaltende gesellschaftliche Wertewandel erfordern einen Kanton Aargau mit starken, glaubwürdigen Institutionen, die transparent handeln, sowie einen Kanton der über einen stabilen Staatshaushalt verfügt. Mit verschiedenen Sanierungsprogrammen und der Umsetzung der Gesamtsicht Haushaltsanierung konnte der Kanton den finanziellen Handlungsspielraum zurückgewinnen. Ebenfalls zum Ausgleich beigetragen haben höhere Beiträge aus dem nationalen Finanzausgleich sowie höhere Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank. So konnten in den letzten Jahren Schulden abgebaut und ausgeglichene Jahresergebnisse vorgewiesen werden. Dies ist eine gute Voraussetzung, um die anstehenden Herausforderungen anzugehen und erfolgreich zu bewältigen.