Langfristige räumliche Entwicklung der Aargauer Mittelschulen
Das Aargauer Mittelschulsystem mit zwei Schulen in Aarau und je einer in Baden, Wettingen, Wohlen, Zofingen sowie seit Sommer 2025 in Stein wird seit Jahren an der Kapazitätsgrenze geführt. Zwischen 2022 und 2050 wird mit einem weiteren demografisch bedingten Wachstum der Anzahl Aargauer Mittelschülerinnen und -schüler gerechnet.
Rund 7'200 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit eine der sieben Aargauer Mittelschulen. Weitere Mittelschülerinnen und Mittelschüler aus dem Aargau werden derzeit noch in Basel-Stadt und Basel-Landschaft beschult. Seit der Eröffnung der Kantonsschule Stein im August 2025 werden diese einlaufend diesem Standort zugewiesen. Ab dem Schuljahr 2032/33 werden dann alle Schülerinnen und Schüler aus dem Fricktal eine Aargauer Mittelschule besuchen. Zusätzlich besteht auch im Aargauer Mittelland aufgrund einer überdurchschnittlich starken demografischen Entwicklung und einer moderat steigenden gymnasialen Maturitätsquote grosser Handlungsbedarf.
Ziele
Im vom Grossen Rat im Jahr 2019 verabschiedeten Planungsbericht zeigte der Regierungsrat auf, wie sich der Schulraumbedarf auf Stufe Mittelschule im Aargau bis 2045 entwickelt und welche Massnahmen zur Bewältigung des prognostizierten Wachstums vorgeschlagen werden. Angestrebt wurde, neben den Ausbauten bestehender Kantonsschulen in Aarau, Baden, Wettingen und Wohlen, die Errichtung von zwei neuen Kantonsschulen: einer im Fricktal und einer im Aargauer Mittelland. Neue Berechnungen aufgrund aktualisierter Bevölkerungsprognosen des Bunds bei der Erstellung des Anhörungsberichts zu einem zusätzlichen Standort im Aargauer Mittelland im Juni 2023 führten dazu, dass der Regierungsrat mit zwei neuen Standorten im Mittelland plante.
Die Aktualisierung der Schülerprognosen im Sommer 2026 und eine Neubeurteilung des zu erwartenden Raumbedarfs ergaben, dass die Errichtung zweier neuer Standorte im Mittelland bis zum Jahr 2055 voraussichtlich nicht erforderlich ist und ein zusätzlicher, achter Standort ausreicht.
Vorgehen
Neue Vorhaben und insbesondere neue Standorte von Kantonsschulen erfordern einen langen planerischen Prozess. Für die Weiterentwicklung der Aargauer Mittelschullandschaft von zentraler Bedeutung ist die Festlegung der Mittelschulstandorte. Für alle im Schulgesetz aufgelisteten Standorte und allfällige Ausbauten ist der Grosse Rat abschliessend zuständig. Die Errichtung neuer Standorte im Fricktal und im Aargauer Mittelland erfordert zusätzlich zur Sicherung eines geeigneten Areals die Anpassung des Schulgesetzes sowie des Richtplans. Die Standorte Stein, Lenzburg und Windisch sind in das Schulgesetz eingetragen worden. Pro Standort ist je ein Verpflichtungskredit für die Projektierung und einer für die Ausführung notwendig. Zudem ist die Erweiterung von bestehenden Kantonschulen erforderlich, um den künftigen Schulraumbedarf zu decken.
Teilprojekte nach Standort
Räumliche Entwicklung der Mittelschulen im Aargauer Mittelland
Zur Deckung des Schulraumbedarfs der Aargauer Mittelschulen bis im Jahr 2050 sind auch im Mittelland Aus- und Neubauten notwendig.
Achter Standort in Windisch
Nebst Ausbauten an bestehenden Standorten wurde der Bau je einer neuen Kantonsschule in Lenzburg und Windisch vorgesehen. Der Grosse Rat beschloss im September 2024 die Aufnahme von Lenzburg und Windisch als zusätzliche Mittelschulstandorte im Schulgesetz sowie die entsprechenden Anpassungen im Kantonalen Richtplan und im Mittelschuldekret. Gleichzeitig genehmigte der Grosse Rat die Verpflichtungskredite für die Landsicherung und die weiteren Planungsschritte. In einem nächsten Schritt wurden zusammen mit den Standortgemeinden die Nutzungsplanverfahren in die Hand genommen.
Die Aktualisierung der Schülerprognosen im Sommer 2026 und eine Neubeurteilung des Raumbedarfs ergaben, dass die Inbetriebnahme eines achten Standorts Mitte der 2030er Jahr dringend notwendig ist. Die Errichtung eines neunten Standorts ist bis zum Jahr 2055 jedoch voraussichtlich nicht erforderlich. Ausgehend von einer umfassenden Abwägung der Einzugsgebiete, der Erstellungskosten, des Potenzials für Synergien und weiterer langfristiger bildungsstrategischer Überlegungen plant der Regierungsrat, den achten Mittelschulstandort in Windisch zu realisieren. Die regionale Bevölkerungsprojektion zeigt, dass der Standort Windisch die am stärksten belasteten Mittelschulstandorte räumlich am wirksamsten entlasten kann.
Der Aufbau der achten Kantonsschule in Windisch soll analog dem Vorgehen für die Kantonsschule Stein einige Jahre vor Inbetriebnahme des Neubaus in einer Übergangslösung in Betrieb gehen. Es ist dafür vorgesehen, die Modulbauten des Provisoriums der Kantonsschule Stein weiterzuverwenden.
Kapazitätserweiterungen bestehende Standorte
Kantonsschule Wettingen: Erweiterung Westflügel (in Betrieb)
Der Grosse Rat hat 2022 für den Umbau und die Erweiterung des Westflügels an der Kantonsschule Wettingen einen Ausführungskredit über 17,9 Millionen Franken genehmigt. Die Erweiterung ist zum Schuljahr 2025/26 in Betrieb gegangen. Mit der Massnahme stieg die Kapazität der Kantonsschule Wettingen von 47 auf 55 Abteilungen.
Kantonsschule Baden: Ersatz bestehende Provisorien (Bauarbeiten begonnen)
Für den Ersatz der bestehenden Provisorien sowie die räumliche Erweiterung der Kantonsschule Baden hat der Grosse Rat 2023 einen Ausführungskredit genehmigt. Mit der Erweiterung kann die Kapazität von heute 58 auf 66 Abteilungen steigen. Die Bauarbeiten haben begonnen. Die Inbetriebnahme ist auf das Schuljahr 2028/29 vorgesehen.
Kantonsschule Wohlen: Campusanlage (Siegerprojekt nominiert)
In der Entwicklungsstrategie für die Schulen im Aargauer Mittelland zeigt sich, dass der Ausbau der Kantonsschule Wohlen rasch realisiert werden kann. Dies führt zu einer weiteren Entlastung des Mittelschulsystems im Aargauer Mittelland. Für die Erweiterung der Kantonsschule Wohlen von 33 auf 55 Abteilungen wurde die Planung aufgenommen. Die Inbetriebnahme kann voraussichtlich zum Beginn des Schuljahrs 2032/2033 erfolgen.
Alte Kantonsschule Aarau: Räumliche Erweiterung und Arealabtausch (in Planung)
Die Alte Kantonsschule Aarau kann mit einer räumlichen Erweiterung die heutige Kapazität von 55 auf 66 Abteilungen erhöhen. Ein wichtiges Element für den Ausbau bildet die Verlegung der Kantonalen Schule für Berufsbildung, die derzeit auf dem Areal der Alten Kantonsschule Aarau Flächen belegt. Eine weitere Voraussetzung für den Ausbau ist die Möglichkeit, die Sportkapazitäten für die Schule auf 66 Abteilungen auszubauen. Mit dem geplanten Arealabtausch zwischen dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau bietet sich die Möglichkeit, die jetzige Sportanlage Telli abzugeben und auf dem kantonseigenen Areal Rössliguet nahe dem Hauptstandort der Alten Kantonsschule Aarau die langfristigen Sportanlagen der Mittelschule zu erstellen.
Aktueller Stand im politischen Prozess
- Windisch als achter Standort. Entscheid für neunten Standort zurückgestellt. Medienmitteilung vom 28.08.2026
- Bedarf für zwei neue Mittelschulen wird fraglich. Neue Schülerprognosen erfordern Flexibilität bei der Planung von Mittelschulstandorten. Medienmitteilung vom 12.06.2026
- "Mittelschulen im Aargauer Mittelland - Aufnahme von zwei neuen Mittelschulstandorten" Beschluss des Grossen Rats vom 10.09.2024
- Grossratskommission stimmt der Aufnahme von zwei neuen Mittelschulstandorten im Schulgesetz zu. Medienmitteilung vom 22.08.2024
- Regierungsrat leitet nächste Schritte zur Konkretisierung der räumlichen Entwicklung der Aargauer Mittelschullandschaft ein. Medienmitteilung vom 22.12.2023
Neue Kantonsschule Stein
Nach einer Anhörung zu drei möglichen Standorten im Frühjahr 2021 entschied der Grosse Rat am 9. November 2021, dass die Kantonsschule im Fricktal auf dem Areal Neumatt Ost in Stein errichtet werden soll. Dazu wurde die Gemeinde Stein im kantonalen Richtplan als Standort einer Mittelschule festgesetzt und das Siedlungsgebiet um das Areal Neumatt Ost erweitert. Weiter wurde der Geltungsbereich des Mittelschuldekrets auf die zukünftige Kantonsschule Stein ausgedehnt.
Übergangslösung seit 2025/26
Für den raschen Schulstart in Stein musste per Schuljahr 2025/26 Schulraum in einer Übergangslösung zur Verfügung gestellt werden. Dieser wird während vier Jahren benötigt, bis der Neubau per Schuljahr 2029/30 in Betrieb genommen werden kann. Im August 2025 startete die Kantonsschule Stein in der als Modulbau ausgeführten Übergangslösung in direkter Nachbarschaft zur Schule Stein termingerecht ihren Schulbetrieb.
Neubau per Schuljahr 2029/30
Unter Federführung der Abteilung Immobilien Aargau des Departements Finanzen und Ressourcen wurde für den definitiven Bau der Kantonsschule Stein ein Projektwettbewerb durchgeführt. Das Siegerprojekt "Common Ground" von E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten AG aus Zürich überzeugte sowohl aus architektonischer wie auch betrieblicher Sicht. Für die Kantonsschule Stein beschloss der Grosse Rat im September 2025 einen Verpflichtungskredit für einen einmaligen Bruttoaufwand von 221,6 Millionen Franken. Der bestehende Verpflichtungskredit für die Ausführung der Übergangslösung, befristete Anmietungen, den Landerwerb und die Projektierung des Neubaus wurden dabei eingerechnet. Der Neubau Stein soll per Schuljahr 2029/30 in Betrieb genommen werden.
Aktueller Stand im politischen Prozess
- Kantonsschule Stein (KSST); Neubau inklusive Übergangslösung; Ausführung; Verpflichtungskredit. Beschluss des Grossen Rats vom 23.09.2025 (GR 25.162)
- Verpflichtungskredit für Erstellung Neubau Kantonsschule Stein. Regierungsrat überweist Botschaft an den Grossen Rat. Medienmitteilung vom 23.05.2025
- Video der Medienkonferenz vom 23.05.2025
- "Übergangslösung: Ausführung Modulbau (Kauf) und Anmietungen; Neubau: Projektierung; Verpflichtungskredit". Beschluss des Grossen Rats vom 26.03.2024
- Regierungsrat leitet nächste Schritte zur Konkretisierung der räumlichen Entwicklung der Aargauer Mittelschullandschaft ein. Medienmitteilung vom 22.12.2023
Erweiterung der Kantonsschule Baden
Auch die Kantonsschule Baden hat ihre Belastungsgrenze erreicht. Zudem läuft auf dem Areal in naher Zukunft die Bewilligung der bestehenden Provisorien mit Schulräumen und einer Sporthalle aus. Diese sollen durch einen Erweiterungsbau abgelöst und die Kapazität der Kantonsschule Baden gleichzeitig auf 66 Abteilungen ausgebaut werden.
Der Grosse Rat hat mit Beschluss vom 12.12.2023 einen Verpflichtungskredit von 64,225 Millionen Franken zur Realisierung des aus dem Architekturwettbewerb hervorgegangenen Siegerprojekts und den damit verbundenen weiteren Arbeiten auf dem Areal genehmigt. Aufgrund von Verzögerungen im Baubewilligungsprozess konnten die Arbeiten auf dem Areal erst im Jahre 2025 beginnen. Die Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus ist auf das Schuljahr 2028/29 vorgesehen, es folgen Umbauten im Bestand und der Rückbau der bestehenden Provisorien.
Aktueller Stand politischer Prozess
- "Kantonsschule Baden; Erweiterung auf 66 Abteilungen und Ersatz Provisorien; Ausführung; Verpflichtungskredit". Beschluss des Grossen Rats vom 12.12.2023
- Grossrätliche Kommissionen genehmigen Verpflichtungskredit für Erweiterung der Kantonsschule Baden und Rückbau des Provisoriums. Medienmitteilung vom 20.11.2023
- Erweiterungsbau für die Kantonsschule Baden. Medienmitteilung vom 22.09.2023
Erweiterung der Kantonschule Wohlen
Der Regierungsrat hat im Dezember 2023 einen Verpflichtungskredit über 1,95 Millionen Franken für die Durchführung eines Projektwettbewerbs zur Erweiterung der Kantonsschule Wohlen auf 55 Abteilungen sowie für weitere Planungsschritte beschlossen.
Unter der Federführung der Abteilung Immobilien Aargau des Departements Finanzen und Ressourcen wurde im Jahr 2025 der Projektwettbewerb durchgeführt. Aufgabe war es, eine kompakte und zukunftsorientierte Campusanlage zu konzipieren, die das bestehende Hauptgebäude erhält und dieses respektvoll in die neue Schulanlage integriert. Dieses Gebäude aus dem Jahr 1988 wurde vom renommierten Aargauer Architekturbüro Burkard Meyer Steiger & Partner entworfen und umfasst auch markante Elemente des international bekannten Architekten Santiago Calatrava.
Das Siegerprojekt "Here Comes the Sun" von Franziska Sebastian Müller Architekten GmbH aus Zürich überzeugte mit einer klaren architektonischen Haltung, einer präzisen städtebaulichen Setzung, die den bestehenden Bau respektvoll ergänzt, sowie einer sorgfältigen räumlichen Organisation mit hoher Aufenthaltsqualität. Nach einer kurzen Projektoptimierungsphase startet im Sommer 2026 die Projektierung.
Der Neubau zur Erweiterung der Kantonsschule Wohlen soll auf das Schuljahr 2032/33 in Betrieb genommen werden. Anschliessend wird das Hauptgebäude einer Gesamtsanierung unterzogen.