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Umwelt & Natur

PFAS im Kanton Aargau

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), auch "Ewigkeitschemikalien" genannt, bauen sich in der Umwelt kaum ab und können für die menschliche Gesundheit schädlich sein. Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu PFAS im Kanton Aargau.

Hinweis:Einschränkungen und Verzehrsempfehlungen Hecht und Egli

Für den kommerziellen Fischfang am Hallwilersee ergeben sich aufgrund von Höchstgehaltüberschreitungen Einschränkungen für den Hecht, der bis auf Weiteres weder vermarktet noch unentgeltlich abgegeben werden darf. Das Amt für Verbraucherschutz (AVS) empfiehlt ausserdem Verzehrseinschränkungen bei den Fischen aus dem Hallwilersee: Maximal ein Hechtfilet à 120 Gramm pro Monat respektive einer Portion Egli alle zwei Monate.

Allgemeine Informationen

Was sind PFAS und woher kommen sie?

Bei per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) handelt es sich um eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Industriechemikalien. Seit den 1970er-Jahren werden sie in grossem Umfang eingesetzt. Viele PFAS sind fett-, schmutz- und wasserabweisend und thermisch und chemisch äusserst stabil. Diese Stoffeigenschaften sind vorteilhaft und nützlich in einer Vielzahl an Produkten und Prozessen, aber problematisch in der Umwelt und für die Gesundheit.

PFAS sind in der Umwelt nahezu nicht abbaubar und werden daher auch als "Ewigkeitschemikalien" bezeichnet. Sie stellen ein Risiko für die Gesundheit und die Umwelt dar. PFAS reichern sich im menschlichen Körper, in Organismen, Tieren und Sedimenten sowie in Pflanzen an.

Wegen ihrer speziellen Stoffeigenschaften werden PFAS in zahlreichen Anwendungen und Produkten eingesetzt, beispielsweise in Feuerlöschschäumen (AFFF), Antihaftbeschichtungen von Küchenutensilien, fett- und wasserabweisenden Textilien, beschichteten Papieren und Kartons, Antihaftbeschichtungen von Küchenutensilien, Kunststoffen, Medizinprodukten und vielen weiteren Anwendungen.

Was sind die Auswirkungen von PFAS auf die menschliche Gesundheit?

PFAS gelangen hauptsächlich über die Ernährung in den menschlichen Körper und können sich dort anreichern. Nach heutigem Wissensstand sind für einige PFAS gesundheitsschädigende Wirkungen bekannt (zum Beispiel für die Perfluoroctansulfonsäure PFOS und die Perfluoroctansäure PFOA), bei vielen bestehen aber noch grosse Kenntnislücken. Risikobewertungen der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) kommen zum Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen den PFAS-Gehalten im Blut und einer verminderten Konzentration von Antikörpern nach einer Impfung besteht. Impfungen können damit weniger wirksam sein. Hohe PFAS-Gehalte im Blut können weitere negative Auswirkungen haben, beispielsweise auf die Leber, die Cholesterinwerte oder auf das Geburtsgewicht. Gewisse Stoffe werden auch mit einem erhöhten Risiko für Nieren- oder Hodenkrebs in Verbindung gebracht.

Situation im Kanton Aargau

Der Kanton Aargau hat in einigen Bereichen bereits Daten zur Belastung mit PFAS erhoben und plant weitere Untersuchungen. Das Ziel ist, genauere Erkenntnisse zu gewinnen, wo mit erhöhten PFAS-Belastungen zu rechnen ist und was mögliche Ursachen und Quellen sind. Wo bereits Regelungen, etwa in Form von Grenzwerten oder Höchstgehalten an PFAS vorhanden sind, sorgt der Kanton für die Einhaltung der Regelungen.

Lebensmittel

Kann ich Lebensmittel, die ich in Aargauer Supermärkten kaufe, ohne Bedenken verzehren?

Ja. Nach heutigem Wissensstand können Lebensmittel, die in Aargauer Supermärkten verkauft werden, ohne Bedenken verzehrt werden. Dies bestätigen die Ergebnisse der nationalen PFAS-Kampagne 2025 (PDF, 2 Seiten) des Verbands der Kantonschemikerinnen und Kantonschemiker der Schweiz (VKCS) und des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), an der sich auch der Kanton Aargau beteiligt hat.

Von den gesamthaft rund 900 amtlich erhobenen Proben tierischer Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Eier) überschritten 7 Proben (0,8 Prozent) die gesetzlichen Höchstwerte. Die kantonalen Behörden haben die betroffenen Produkte beanstandet und es wurden Massnahmen angeordnet, um solche Höchstwertüberschreitungen zukünftig zu verhindern. Von rund 280 untersuchten Milch- und Milchproduktproben (Käse, Joghurt, Rahm und Butter) überschritten 3 Proben (1,1 Prozent) den in der EU-Empfehlung 2022/1431 festgelegten Richtwert.

Die Befunde dieser Kampagne lassen darauf schliessen, dass in der Schweiz und somit auch im Kanton Aargau kein generelles, flächendeckendes Problem in Bezug auf die Einhaltung der PFAS-Höchstwerte vorliegt. Aufgrund möglicher lokaler Belastungen sind vereinzelt Überschreitungen nicht vollständig auszuschliessen. Der Kanton Aargau führt die Kontrollen im Rahmen des Vollzugs durch und ergreift bei Bedarf umgehend geeignete Massnahmen zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten.

Wurden PFAS in Aargauer Fischen nachgewiesen?

Ja. In nahezu allen untersuchten wildlebenden Fischen aus Aargauer Gewässern wurden Spuren von PFAS nachgewiesen. Die Überschreitungen der gesetzlichen Höchstgehalte wurden bisher jedoch lediglich bei Hechten aus dem Hallwilersee sowie bei Alet aus der Bünz und der Reuss festgestellt. Die untersuchten Fische aus Aargauer Zuchtbetrieben weisen hingegen keine PFAS-Belastung auf.

Detaillierte Informationen lesen Sie im Ergebnisbericht zur PFAS-Belastung der wildlebenden Fische in Aargauer Gewässern (PDF, 10 Seiten, 428 KB).

Weshalb gibt es bei PFAS-Belastungen in Fisch eine Verzehrsempfehlung und kein Verzehrverbot?

Ein Verzehrsverbot kann nur bei akuter Gesundheitsgefährdung angeordnet werden. Dies ist bei PFAS-Befunden in Fisch nicht der Fall. Das Risiko ist vor allem langfristig. PFAS können sich im Körper anreichern. Gesundheitliche Auswirkungen können durch eine wiederholte Aufnahme über längere Zeit und nicht durch den einmaligen Verzehr einer Fischmahlzeit entstehen. Ein massvoller Konsum von Egli und Hecht aus dem Hallwilersee ist angezeigt. Aus diesem Grund hat das Amt für Verbraucherschutz (AVS) eine Verzehrsempfehlung für diese Fische abgeleitet.

Die Verzehrsempfehlungen basieren auf der von der EFSA (2020) festgelegten, tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge (TWI) von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht für die Summe von PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS. Die Berechnung erfolgt auf Grundlage eines Körpergewichts von 70 Kilogramm und einer Portionengrösse von 120 Gramm.

Welche Verzehrsempfehlungen gibt es für Aargauer Fisch?

Laut dem kantonalen Monitoring sind Hecht und Egli aus dem Hallwilersee am stärksten mit PFAS belastet. Deshalb hat das Amt für Verbraucherschutz für diese Fischarten Verzehrsempfehlungen abgeleitet:

  • Hecht aus dem Hallwilersee höchstens 1 Portion (120 Gramm-Filet) pro Monat
    oder
  • Egli aus dem Hallwilersee höchstens 1 Portion (120 Gramm-Filet) alle zwei Monate

Besonders empfindliche Personengruppen (Schwangere, Kinder, ältere und vulnerable Personen) sollten sich unbedingt an die Verzehrsempfehlungen halten.

Ausser Hecht und Egli können die untersuchten wildlebenden Fischarten (Alet, Felchen, Forelle, Barbe) im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung bedenkenlos gegessen werden.

Gibt es auch Verzehrsempfehlungen für andere Fischarten im Kanton Aargau?

Nein, für andere Fischarten hat das AVS bisher keine Verzehrsempfehlungen abgeleitet.

Warum wird für Alet keine Verzehrsempfehlung ausgesprochen, obwohl bei Alet ebenfalls Überschreitungen der gesetzlichen PFAS-Höchstgehalte festgestellt wurden?

Das AVS hat bei Alet aus Bünz und Reuss Überschreitungen der PFAS-Höchstgehalte festgestellt. Die PFAS-Belastung liegt im Vergleich zu Hecht und Egli aber deutlich tiefer. Zudem wird Alet nicht kommerziell vermarktet und im Vergleich zu anderen wildlebenden Speisefischen insgesamt weniger häufig konsumiert. Aus Sicht des AVS besteht deshalb kein Anlass für eine formelle Verzehrsempfehlung.

Spielt die Grösse oder das Alter des Fisches eine Rolle?

Ja. Grössere und ältere Fische zeigen tendenziell höhere PFAS-Gehalte. Je nach Kontamination der Umgebung können jedoch auch in jüngeren Fischen höhere PFAS-Gehalte vorliegen.

Kann ich die PFAS-Belastung durch Zubereitung reduzieren?

PFAS sind hitzestabil und sowohl fett- als auch wasserlöslich. Durch das Kochen reduziert sich die Belastung kaum.

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Fischerei

Welche Fische darf ich als Berufsfischer noch verkaufen?

Felchen und Egli aus dem Hallwilersee dürfen weiterhin verkauft werden. Für Hecht aus dem Hallwilersee gilt dagegen ein Verkaufsverbot, weil die gesetzlichen Höchstgehalte gemäss Schweizer Lebensmittelrecht überschritten sind. Hecht aus dem Hallwilersee darf weder verkauft noch unentgeltlich abgegeben werden. Die Höchstgehalte sind in der Kontaminantenverordnung geregelt. Für Hecht im Hallwilersee gilt ab sofort (1. März 2026) ein Fangverbot für die Berufsfischerei.

Was gilt für Hobbyfischer im Vergleich zu Berufsfischern?

Die gesundheitliche Bewertung sowie die Verzehrsempfehlungen gelten grundsätzlich für alle Konsumentinnen und Konsumenten gleich. Hobbyfischer können selbst entscheiden, wie oft sie welche der gefangenen Fischarten essen. Berufsfischer unterliegen hingegen zusätzlich lebensmittelrechtlichen Vorgaben zur Vermarktung. Weil die gesetzlichen Höchstgehalte für Hecht aus dem Hallwilersee überschritten sind, gilt ab 1. März 2026 ein Verkaufsverbot für diesen Raubfisch, während der Eigengebrauch weiterhin erlaubt ist. Die Einhaltung der Verzehrsempfehlungen im Privatgebrauch wird ausdrücklich empfohlen.

Dürfen Restaurants noch Egli oder Hecht anbieten?

Felchen und Egli aus dem Hallwilersee dürfen weiterhin in Restaurants angeboten werden. Für Hecht aus dem Hallwilersee gilt dagegen ab 1. März 2026 ein Verkaufsverbot, weil die gesetzlichen Höchstgehalte gemäss Schweizer Lebensmittelrecht überschritten sind.

Werden Berufsfischer entschädigt?

Nein, dazu gibt es im Kanton Aargau keine gesetzliche Grundlage.

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Gewässer

Welche Kenntnisse hat der Kanton über das Vorkommen von PFAS in Gewässern?

Die Abteilung für Umwelt des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hat bereits verschiedene Massnahmen ergriffen. Die vorhandenen Daten werden auf den entsprechenden Websites der Abteilung für Umwelt laufend publiziert.

Fliesst noch mehr PFAS in den Hallwilersee?

Es gibt keine Messdaten, die Aussagen zu einem Trend der PFAS-Konzentrationen im Hallwilersee ermöglichen. PFAS sind überall im Niederschlag und in Böden enthalten. So werden auch in Zukunft PFAS in den Hallwilersee eingetragen werden. Allerding wurde und wird die Verwendung von PFAS stark eingeschränkt. Der Kanton Luzern plant, die beiden einzigen Kläranlagen aufzuheben, deren Wasser noch in den Hallwilersee gelangt. Vor diesem Hintergrund kann erwartet werden, dass die PFAS-Konzentrationen langfristig abnehmen.

Wie wirkt es sich auf das Ökosystem im See aus, wenn bestimmte Fische nicht mehr kommerziell befischt werden?

Die Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht des Sees sind aktuell nicht abschätzbar. Da bekannt ist, dass sich die Raubfischarten auch selber regulieren, wird von nur geringen Änderungen im See ausgegangen.

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Trinkwasser

Was ist die aktuelle Situation beim Trinkwasser?

Seit 2017 gelten in der Schweiz Trinkwasser-Höchstwerte für drei PFAS-Einzelverbindungen, die für den Gesundheitsschutz von besonderer Bedeutung sind. Diese Höchstwerte werden in absehbarer Zeit durch strengere PFAS-Anforderungen ersetzt. Das Trinkwasser aller Aargauer Gemeinden hält die aktuell geltenden PFAS-Höchstwerte ein. Wenn die neuen, strengeren Höchstwerte in Kraft treten, werden vereinzelte Grundwasserfassungen eine PFAS-Höchstwertüberschreitung und somit eine mangelhafte Wasserqualität aufweisen. Lösungen für den Umgang mit den betreffenden belasteten Fassungen sind in Vorbereitung und die erforderlichen Abklärungen zur Ursache der Grundwasserbelastung laufen.

Eine der kleinsten PFAS-Verbindungen, namentlich die Trifluoressigsäure (TFA), findet sich weit verbreitet in der Umwelt. Sie ist in fast allen Grundwasserfassungen nachweisbar. TFA ist bezüglich Gesundheitsrisiken in den festgestellten Konzentrationen nach heutigem Wissensstand unproblematisch. In etwa der Hälfte der Trinkwasserversorgungen sind auch grössere PFAS-Verbindungen im Spurenbereich nachweisbar. PFAS zählen somit zu den häufigen und bedeutsamen Mikroverunreinigungen im Trinkwasser.

Detaillierte Informationen finden Sie unter folgenden Links:

Wie stellt der Kanton sicher, dass Trinkwasserfassungen unter den Grenzwerten für PFAS bleiben?

Die Aargauer Wasserversorgungen sind gut vernetzt und der Kanton fördert den weiteren Ausbau der Wasserversorgungsinfrastruktur und der regional koordinierten Wasserversorgungsplanung. In diese Planung fliessen die Aspekte der Grundwasserqualität ein. Dadurch wird eine Trinkwasserversorgung sichergestellt, die auch in Zukunft ein hohes Niveau für den Gesundheitsschutz bezüglich PFAS bietet.

Das AVS beurteilt zudem bei den regelmässigen Inspektionen der Wasserversorgungen, ob die Betriebe die Qualität ihres abgegebenen Trinkwassers auch bezüglich PFAS angemessen überwachen, und es nimmt Kontrollmessungen an amtlich erhobenen Proben vor.

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Boden

Ist der Boden mit PFAS belastet.?

Klärschlamm kann eine wichtige Quelle lokaler PFAS-Belastungen sein. Auf nachweislich stark mit Klärschlamm gedüngten Parzellen wurden PFAS analysiert. Es konnten keine stark erhöhten Werte festgestellt werden.

Weitere Infos sind auf der folgenden Webseite zu finden:

Prüfperimeter Bodenaushub & chemischer Bodenschutz

Gibt es PFAS-Hotspots im Kanton Aargau?

Bekannte Hotspots stammen vom Einsatz von PFAS-haltigen Löschmitteln ab Anfang der 1970er Jahre. Standorte, die mit grosser Wahrscheinlichkeit mit PFAS belastet sind, werden in den kantonalen Kataster der belasteten Standorte (KBS) eingetragen. Erste Standorte wurden bereits saniert, bei weiteren laufen Untersuchungen.

Detaillierte Informationen finden Sie auf folgenden Webseiten:

Wie wird sichergestellt, dass landwirtschaftliche Betriebe – insbesondere solche mit Flächen, auf denen früher Klärschlamm ausgebracht wurde – über mögliche Risiken informiert und bei Bedarf unterstützt werden?

Die Information und Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe erfolgen über das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg. PFAS-Themen sind integrierte Bestandteile der Bildungs- und Beratungsangebote.

Kontakt

umwelt@ag.ch (für Fragen zu PFAS im Boden)

landwirtschaft.aargau@ag.ch (für Fragen zu PFAS in der Landwirtschaft)