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Aus der Praxis

Artenreichere Wiesen dank spätem Emdschnitt im Herbst

Versuchsfläche in Biberstein beim Heuschnitt im Mai. Foto: Jonas Landolt, Agrofutura AG

Typische Wiesenpflanzen nehmen ab – oft wegen zu früher oder fehlender Schnitte. Die zweite Phase des Schnittzeitpunktversuchs zeigt: Ein spätes Emd fördert die Artenvielfalt. Wer noch nicht geemdet hat, sollte jetzt raus – für mehr Vielfalt im Frühjahr!

Versuchs-Einzelfläche mit drei verschiedenen Emdschnittzeitpunkten (v. l. n. r): Kein Emd, frühes Emd Mitte August, spätes Emd Mitte September. Foto: Agrofutura AG

In artenreichen Wiesen wird immer häufiger beobachtet, dass typische Pflanzenarten abnehmen. Mögliche Gründe dafür können starre Schnittzeitpunkte und zu wenige oder ausbleibende Schnitte sein. Um eine solide Grundlage zu schaffen, wurde durch die Agrofutura AG ein Schnittzeitpunktversuch gestartet und durchgeführt. In der ersten Phase (2012–2017) konnte gezeigt werden, dass ein später Emdschnitt das Blütenangebot auf Magerwiesen erhöht (siehe Labiola-Newsletter vom August 2018(öffnet in einem neuen Fenster)). Nun ist Phase 2 (2018–2024) beendet und wir stellen die Ergebnisse dazu vor.

Vergrasung der Magerwiesen ohne Emdschnitt

Veränderung des Deckungsgrads der fünf untersuchten Artengruppen mit verschiedenen Emdschnittvarianten auf der Zweischnitt-Magerwiese in Biberstein zwischen 2012 und 2024.

In der zweiten Phase konnten die bisherigen Ergebnisse bestätigt werden: Bei Magerwiesen ist der Emdschnitt und dessen Zeitpunkt entscheidend für die Pflanzenvielfalt. Das zeigte sich noch deutlicher in der zweiten Projektphase. Ein später Emdschnitt im September fördert insbesondere kleine Gräser-, Seggen- und Kräuterarten. Ohne Emdschnitt ist eine deutliche Abnahme vieler Arten erkennbar und grössere Gräserarten wie die Aufrechte Trespe (Bromus erectus) nehmen im Bestand zu, was zu einer Vergrasung der Magerwiesen führen kann. Das Emden – insbesondere das späte Emden – verdient deshalb mehr Beachtung.

Emdvarianten neu auch auf der Fromentalwiese untersucht

Aufgrund der positiven Ergebnisse auf der Magerwiese wurde in der zweiten Projektphase auch auf der Fromentalwiese ein früher und später Emdschnitt getestet. Zudem wurden Heuschnittvarianten zusammengelegt, woraus sich folgende Schnittvarianten ergaben: früh (25. Mai), DZV (15. Juni), spät (15. Juli) oder alternierend geschnittener Heuschnitt. Der Versuch wurde von mehreren Aufnahmen begleitetet. Dabei wurden die Veränderungen in der Artenzusammensetzung beziehungsweise im Deckungsgrad von verschiedenen Arten, sowie die Auswirkungen auf die Versamung angeschaut.

Spätes Emd auch für Fromentalwiesen wichtig

Veränderung des Deckungsgrads der fünf untersuchten Artengruppen mit verschiedenen Emdschnittvarianten auf der Fromentalwiese in Anwil (BL) zwischen 2018 und 2024.

Auch bei der Fromentalwiese veränderte sich der Deckungsgrad einzelner Artengruppen mit dem Emdschnittzeitpunkt. So profitierten wie bei der Magerwiese kleine Gräser-, Seggen- und Kräuterarten vom späten Emd wie beispielsweise der Purgier-Lein (Linum catharticum) oder die kleine Braunelle (Prunella vulgaris). Ein Versuchszeitraum von sechs Jahren ist kurz. Bei einer Weiterführung des Versuchs ist denkbar, dass noch mehr Veränderungen auf der Fromentalwiese beobachtet werden könnten.

Heuschnittzeitpunkt spielt bei der Versamung eine Rolle

Bei beiden Wiesentypen hatte der Heuschnittzeitpunkt einen geringen Einfluss auf die Vegetationsveränderung verglichen zum Emdschnitt. Bei der Fromentalwiese waren leichte Vorteile beim Juni- und Julischnitt zu erkennen. Einzelne Arten wie die Feld-Witwenblume (Knautia arvensis) profitierten davon. Der Zeitpunkt des Heuschnittes ist aber für die Versamung entscheidend. So können bis im Juli mehr Arten versamen. Im Versuch konnte bisher jedoch kein direkter Zusammenhang zwischen der Versamung und der Häufigkeit der Arten festgestellt werden, weshalb für die Vermehrung eine Art wohl noch andere Faktoren (z.B. Lichtverfügbarkeit) entscheidend sind.

September ist ein guter Zeitpunkt zum Emden

Da sich die Vegetationsperiode im Zuge des Klimawandels tendenziell verlängert, sollte der Emdschnitt auf extensiv genutzten Wiesen so spät wie möglich durchgeführt werden, damit diese nicht zu hoch in den Winter gehen und Kräuter im Frühling genügend Licht zum Keimen und Wachsen haben. Für Magerwiesen ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Emdschnitt. Bei Fromentalwiesen lohnt es sich auch noch später im Jahr einen Blick darauf zu werfen. Ist die Vegetation nach dem Emdschnitt 15 bis 20 cm nachgewachsen (2-Faustregel), ist eine weitere Nutzung als schonende Herbstweide sinnvoll.