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Aus der Praxis

Nützlings-Quiz: Natürliche Helfer im Kulturland

Ein ausgehöhlter Brombeerstängel mit einer Wespenlarve und einem Rüsselkäferlarven-Vorrat.
Nützling im Schlaraffenland: Die Wespenlarve (rechts) ernährt sich vom Rüsselkäferlarven-Vorrat im Brombeerstängel. Alle Fotos: Entomologie/Botanik, ETH Zürich; Fotograf: Albert Krebs

Im Foto-Quiz porträtieren wir fünf häufige Nützlingsarten – erkennen Sie die Tiere?

Zwischen Ackerkulturen und Biodiversitätsförderflächen herrscht ein reges Hin- und Her. Mehrere hundert Nützlingsarten nutzen Brachen und andere Blühflächen als Nahrungsquelle, Unterschlupf oder Winterquartier. Für den Beutefang wandern die natürlichen Helfer in die Ackerkulturen ein, um Blattlaus, Rüsselkäfer & Co. den Garaus zu machen. Im Foto-Quiz portraitieren wir fünf häufige Nützlinge. Erkennen Sie, um welches Tier es sich handelt?

Nützlings-Quiz

Marmeladenschwebefliege mit orangem gestreiften Körper auf einer Gänseblume.

Fruchtbare Langstreckenfliegerin

Marmeladenschwebfliege (Episyrphus balteatus)

Sie gehört bei uns zu den häufigsten vorkommenden Schwebfliegenarten. Im Gegensatz zu Wespen und Bienen verfügen sie nur über ein Flügelpaar und kurze Fühler, auch der schwebende Flug (in der Luft auf der Stelle fliegen) ist typisch für die Art.

Ihre räuberisch lebenden Larven sind besonders effektive Nützlinge: sie ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen. Während dieses Entwicklungsstadiums können sie bis zu 700 Blattläuse fressen. Da ein Weibchen rund 1'000 Eier legt, können sie einen beachtlichen Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulierung leisten. Eindrücklich ist auch ihr Zugverhalten: Ähnlich wie Zugvögel, überwintern sie im Süden und kommen im Frühjahr über die Alpen wieder zu uns in den Norden.

Florfliege mit hellgrünem schmalen Körper und durchsichtigen Flügeln auf einer Blume.

"Golden Eye" mit bissfreudigem Nachwuchs

Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea)

Die ausgewachsene Florfliege ist an ihrem langen, schmalen hellgrünen Körper, den filigranen, durchsichtigen Flügeln sowie an den goldgelben Augen gut zu erkennen. Ihre Larven gehören zu den bedeutendsten Nützlingen in der Landwirtschaft. Ihr Beutespektrum umfasst Spinnmilben, Blattläuse (bis zu 100 am Tag) sowie die Larven zahlreicher anderer Schadinsekten. Der Beutefang erfolgt mit den zangenartigen Mundwerkzeugen. Da die Weibchen ihre Eier vor dem Einwandern der Schädlinge ablegen, wird deren Populationswachstum von Beginn an eingedämmt.

Eine Faltenwespe mit schwarzem Körper und schmalen gelben Streifen mit Larve.

Einzelgängerin auf Rüsselkäfer-Mission

Faltenwespe (Gymnomerus laevipes)

Auf den ersten Blick kann sie leicht mit einer gewöhnlichen Wespe ver-wechselt werden. Sie ist jedoch für Menschen eine friedlich lebende Art, oft alleine unterwegs und hat einen schwarzen Körper mit schmalen gel-ben Streifen. Für ihren Nachwuchs nagen sie das Mark von Brombeerstängeln aus, kleiden die Wand mit Lehm aus und füllen den Hohlraum mit gelähmten Rüsselkäferlarven. Die Wespe legt die Eier in die Stängel, dort überwintert der Nachwuchs als Larve und ernährt sich vom Nahrungsvorrat. Im Frühjahr verpuppen sie sich und schwärmen als neue Wespengene-ration aus.

Ein ausgehöhlter Brombeerstängel mit einer Wespenlarve und einem Rüsselkäferlarven-Vorrat.

Allrounderin mit Tiefgang

Gewöhnliche Schmalbiene (Lasioglossum calceatum)

Wie die Honigbiene hat auch sie ein behaartes gelbschwarz gebändertes Muster. Sie ist allerdings schmaler und kleiner und kann am Hinterleib eine rote Färbung aufweisen. Ihr breites Nahrungsspektrum reicht von Korb- und Kreuzblütlern bis zu Rosengewächsen. Sie ist deshalb wichtige Be-stäuberib von Äpfeln, Birnen, Raps, Erdbeeren, Sonnenblumen und weiteren Kulturpflanzen. Als erdnistende Wildbiene legt sie eine grosse Zahl von Brutzellen in selbst gegrabenen Gängen in Erde oder Sand an. Das darin abgelegte Ei wird mit Pollen und Nektar als Nahrung ausgestattet.

Eine Glockenblumen-Scherenbiene mit schwarzem Körper auf einer Glockenblume.

Spezialistin mit exklusivem Speiseplan

Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi)

Wie der Name bereits vermuten lässt, ist diese Wildbiene auf Glockenblumen spezialisiert. Sie sammelt den Nektar ausschliesslich von dieser Pflanze. Der Blütenkelch dient als Himmelbett. Um ausreichend Pollen sammeln zu können, ist die Scherenbiene von Mai bis August auf extensive Wiesen mit blühenden Glockenblumen angewiesen. Die Abhängigkeit ist gegenseitig: Ohne die Scherenbiene, würden Glockenblumen an zahlreichen Standorten verschwinden und unsere Wiesen um eine Qualitäts-Zeigerart ärmer.

Scherenbienen nisten oberflächlich in hohlen Stängeln oder in Käferfrassgängen in Totholz, nutzen aber auch künstlich angelegte Nistgelegenheiten wie Bohrlöcher im Holz. Die Glockenblumen-Scherenbiene ist schwarz mit heller Bänderung. Im Vergleich zur Honigbiene ist sie deutlich kleiner und weniger stark behaart.

Hinweis:Nützlinge fördern mit Labiola

Ein durchgehendes Blütenangebot lässt sich mit Brachen, Säumen, Nützlingsstreifen, der Massnahme "Kleeblüte in Trachtlücke" oder einer gestaffelten Wiesennutzung erreichen. Als Nistplätze und Winterquartiere sind folgende Strukturen wertvoll: mehrjährige Stängel in ungemähten Teilflächen von Brachen und Säumen, überwinternde Rückzugstreifen, Hecken, aufgeschnittene Brombeerstängel, Sandhaufen, offener Boden, Totholz und weitere Kleinstrukturen. Zu den Nützlingen zählen alle Bestäuber sowie alle Kleintiere, die landwirtschaftliche Schädlinge vertilgen. Häufig sind die Larven räuberisch unterwegs, während sich die erwachsenen Tiere von Pollen und Nektar ernähren.