Am helllichten Tag
Tatort Fricktal: Eine Diebesserie hielt die katholischen Kirchgemeinden in der Region im Sommer 2024 auf Trab. Eine Vielzahl wertvoller liturgischer Ausstattungselemente wurde über mehrere Wochen entwendet und grösstenteils irreparabel zerstört.
Einbruchserie in Frick, Zeiningen und Wegenstetten
Im Juli und August 2024 waren gleich drei kantonal geschützte Fricktaler Gotteshäuser von Einbrüchen und Einschleichdiebstählen betroffen: die Kirchen St. Agatha in Zeiningen, die Kirche St. Peter und Paul in Frick sowie die Michaelskirche in Wegenstetten. Mit erschreckender Skrupellosigkeit entwendete der immer gleiche Täter wertvolle sakrale Gegenstände. Vergoldete Kruzifixe, Altarkreuze, Kelche, Ewiglicht-Ampeln, Altarglocken aus Messing, Kommunionteller, Weihrauchschiffchen sowie massiver Kerzenschmuck wurden teils gewaltsam zerlegt, um an das verarbeitete Metall zu gelangen. Der materielle Gesamtschaden sowie die angerichteten Sachbeschädigungen belaufen sich allein in Zeiningen auf rund 30'000 Franken.
Ein Grossteil der Beute wurde bei einem Recyclingunternehmen in der Region abgegeben und gemäss Aussagen "sofort eingeschmolzen". Das restliche, stark zerstörte Material lagerte der Täter in Kisten; es konnte später von der Polizei sichergestellt werden.
Verlust auf vielen Ebenen
Der Täter aus der Region konnte gefasst werden. Im November 2025 wurde er vom Bezirksgericht Rheinfelden zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Doch auch wenn die strafrechtliche Aufarbeitung abgeschlossen ist, bleiben die Wunden vor Ort spürbar. Neben dem materiellen Wert der zerstörten Ausstattungselemente beschäftigt die Kirchgemeinden und die Denkmalpflege der emotionale und historische Verlust.
So zum Beispiel in Zeiningen: Das zerstörte Ewiglicht, das im Chorraum mittig vor dem Altar hing, wird von der Kirchgemeinde besonders stark vermisst. In den beschlagnahmten Kisten wurde es in 51 Einzelteilen und schwer beschädigt wiedergefunden. Obwohl die Kirchgemeinde von der Versicherung nur einen Minimalbetrag erhalten wird – aufgrund der tagsüber unverschlossenen Kirchentore handelt es sich rechtlich nicht um einen Einbruch, sondern um einen Einschleichdiebstahl –, entschloss man sich dazu, einen Restaurierungsversuch zu unternehmen.
Der beauftragte, erfahrene Metallrestaurator meldete sich nach einigen Tagen Arbeit jedoch resigniert: Obwohl er nach der ersten Begutachtung angenommen hatte, das Ewiglicht retten zu können, stellte er fest, dass die Schäden zu gross waren. Die Quetschungen seien so massiv, dass sich überall Mikrorisse gebildet hätten. Diese gingen bei der Rückformung auf und führten unweigerlich zu Brüchen – eine Restaurierung sei damit leider unmöglich.
Verschlossene Kirchenportale?
Als Konsequenz aus den Vorfällen haben die Verantwortlichen der Kirchgemeinden reagiert: Neben angepassten Sicherheitsroutinen wurden in verschiedenen Gotteshäusern moderne Kamerasysteme installiert. Ziel ist es, die verbliebenen historischen Schätze zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren. Wie in Zukunft der Spagat zwischen Sicherheit und den gewohnt offenstehenden Kirchenportalen gelingt, bleibt vorerst eine offene Frage. (Judith Bertram)