Ein trauriger Reigen...
Es braucht nur wenige Sekunden, eine Spraydose und ein in Monaten entstandenes Kunstwerk wird zerstört. So geschehen über das Pfingstwochenende 2026 in der Kantonsschule Wettingen. Das erst wenige Monate alte Wandbild von Klodin Erb wurde Opfer eines unsinnigen Vandalenakts.
Gibt man in Google das Stichwort "Vandalenakt" ein, spukt das System eine KI-generierte Übersicht mit folgendem Wortlaut aus (Abfrage vom 22. Juli 2026):
"Ein Vandalenakt bezeichnet die vorsätzliche Zerstörung oder Beschädigung fremden Eigentums (wie an der Kantonsschule Wettingen oder auf dem Attisholz-Areal). In der Schweiz fällt dies unter Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) und wird von den lokalen Polizeibehörden verfolgt, die bei Vorfällen regelmässig Zeugenaufrufe starten." Die Kantonsschule Wettingen hat es also bereits in das KI-Universum geschafft. Es sei dahingestellt, ob dies gut oder schlecht ist …
Fakt ist, dass über Pfingsten Vandalen in der Kantonsschule Wettingen gewütet haben und neben der Verwüstung der Bibliothek und dem Verstreuen der Bücher auf die Dachflächen des Kreuzgangs auch das Wandbild der Künstlerin Klodin Erb mit Graffitis versprayt haben.
Die Künstlerin und ihr Werk
Klodin Erb gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen der Schweiz – in der von der Bilanz im Juni 2026 publizierten Liste der einflussreichsten Schweizer Kunstschaffenden belegt Klodin Platz 20 und bezüglich der besten Ausstellungspräsentation gar Platz 2.
Das Wandbild, in sogenannter Fresko-Technik erstellt, d.h. die Malerei wird in den noch feuchten Verputz eingebracht und später in Secco-Technik, also im trockenen Zustand, noch zusätzlich überarbeitet und finalisiert, nimmt die ganze Nordgiebelwand der Lernhalle des neuen Westtrakts/Hönggerhauses der Kantonsschule Wettingen ein und misst 5x10 Meter. Es zeigt einen "Reigen der Alraunen", ein spielerischer Tanz von wurzelartigen Wesen.
Der Vandalenakt am Pfingstwochenende
Am Pfingstwochenende 2026 wurde es nun von Vandalen mit schwarzer Farbe besprayt mit den überaus gehaltvollen Slogans "FCK KSWE" und "FCZ" und zudem mit einem Portrait eines Schulleitungsmitglieds beklebt. Dass sich die Täterschaft aus dem Kreis der Kantonsschule Baden und dem Fanumfeld des FCZ rekrutiert, ist somit offensichtlich – was genügend Raum für Spekulationen über deren intellektuelle Kapazität zulässt: Ist das Äquivalent des aus dem Lateinischen stammenden Ausdrucks "Matura" nicht im Deutschen gleichbedeutend mit "Reife"? Diese ist hier nicht erkennbar.
Wie weiter mit dem Wandbild
Schlimm an diesem Vandalenakt ist zudem, dass die Restaurierung dieses Werks, das erst wenige Monate vorher feierlich enthüllt worden ist, ein ungemein schwieriges Unterfangen sein wird: Die schwarze Farbe ist tief in den Verputz eingedrungen, da wo sich die unteren Farbpigmentschichten des Gemäldes befinden. Die Künstlerin Klodin Erb wird gemeinsam mit Restauratoren aus den Bereichen Verputz und Wandmalerei das Werk zu retten versuchen. Es ist zu hoffen, dass die Täterschaft eruiert werden kann und diese auch zur Rechenschaft gezogen wird.
Ein Wunsch zum Schluss
Leider erfüllt sich nach dieser Tat der Wunsch von Klodin Erb nicht, den sie in der Eröffnungsbroschüre zum Neubau formuliert hat:
Möge es [das Wandbild] Bestand haben – nicht nur physisch, sondern auch in jenem grösseren Sinn, den wir nicht kontrollieren, aber immer wieder ersehnen.
Jugendliche Idioten haben diesen Bestand sinnlos in Frage gestellt und es zeigt sich einmal mehr, dass Kulturgüter in Gefahr sind … nicht nur in Kriegs- und Katastrophengebieten! (Reto Nussbaumer)