Restaurierung der Stuckdecke im Regierungsgebäude Aarau
1739 liess Hauptmann Abraham Rothpletz hinter dem Gasthof Zum Löwen, den er abbrechen liess, ein stattliches privates Wohnhaus „in französischem Stil" errichten. Dieses erste grosse Landhaus ausserhalb der Stadt bildet heute den Mitteltrakt des Regierungsgebäudes. Die Regierung des jungen Kantons erwarb 1807 den wieder zum Gasthof gewordenen Bau und beschloss 1811, diesen zum kantonalen Rathaus auszubauen. Die im Treppenhaus erhaltene Stuckdecke wurde 2014 umfassend restauriert.
Baugeschichte und Würdigung
Im 1. Obergeschoss über dem Treppenaufgang wird die grosszügige, quadratische Eingangshalle von einer qualitätvoll bemalten Decke mit hochwertigen Régence-Stuckaturen von 1741 überspannt. Die Restauratoren entdeckten 2014 bei Untersuchungen ältere Farbschichten und restaurierten die Stuckaturen und Malereien. Polychrome Stuckaturen und illusionistische Deckenmalereien verleihen dem Raum „einen Anflug heiterer Festlichkeit" (Zit. Peter Felder, 1964, S. 8). Feingeschwungenes Bandel-, Rahmen- und Gitterwerk, Kartuschen und naturalistische Pflanzenmotive besetzen in symmetrischer Anordnung die kräftige Hohlkehle. Sie fassen die Malereien und figürlichen Reliefs in konzentrischer Anordnung und in ikonologischer Entsprechung zu einem Ensemble zusammen.
Die Thematik der Decke ist eine sinnreiche Allusion auf die Lebensschicksale des Bauherrn und zeigt im gemalten Deckenspiegel eine Himmelsszene mit der göttlichen Vorsehung inmitten der Gottheiten des Olymps. In den Ecken befinden sich zwischen sitzenden allegorischen Stuckfiguren der Tugenden bemalte Medaillons mit den Einzelgestalten von Juno, Ceres, Apollon und Neptun. Über den Wandmitten sind in flachen Stuckreliefs die Götter Vulcanus, Mars, Minerva und Diana dargestellt. Sie werden von rötlichen Gitterwerkkartuschen mit kleinen goldenen Blumen an den Kreuzungspunkten flankiert. Vegetatives Rankenwerk mit goldenen Akzenten verbindet die Mittelstücke mit den Eckmotiven, dazwischen sind vollplastische Gipsranken angebracht. Der Wandaufbau über dem marmornen Louis XV-Cheminée ist mit zartem Bandelwerk mit Blumen und Blättern versehen.
Erhaltene Verträge von Arbeiten in Sakralbauten helfen vielfach bei der Identifikation von Stuckateuren. Entsprechende Dokumente von Profanbauten fehlen jedoch häufig, was eine eindeutige Zuschreibung erschwert. Die Stuckdecke im Regierungsgebäude von Aarau bildet da eine für den Aargau einzigartige Ausnahme. Das allegorische Deckengemälde ist von Johann Ulrich Schnetzler aus Schaffhausen (1704–1763) signiert: "V. Schnetzler pinxit 1741".
Einige Motive wie Füsse und Wolkenteile ragen als plastische Stuckelemente über den Gemälderand hinaus und bilden mit den rahmenden Stuckaturen eine Einheit. Neben Schnetzlers Signatur als Maler bestätigt der Künstler im Stuckrahmen des Gemäldes mit dem schlichten "et fecit" auch seine Arbeit als Stuckateur.
Restaurierung
2014 wurde die Restaurierungsfirma Stöckli AG aus Stans beauftragt, die Befundlage zu klären, um allenfalls ältere, attraktivere Fassungskonzepte für die Neufassung heranzuziehen. Die Restaurierungsfirma stellte fest, dass die Stuckverzierungen und Malereien von bemerkenswerter Qualität und in gutem Zustand erhalten sind. Allerdings war eine umfassende Restaurierung der Decke um 1900 so radikal, dass sämtliche ältere Farbfassungen eliminiert und die Stuckoberfläche teilweise beschädigt wurden. Im Kunstdenkmälerband von 1948 wird die damalige Farbfassung beschrieben als „[…] in blassgrauen, grünen, und rötlichen Tönen gehalten […]".
Im Gegensatz zu den vorgängigen Farbkonzepten konnten die Restauratoren die Farben dieser Fassung im Farbpaket entdecken. Die 2014 angetroffene Weissfassung sämtlicher Stuckaturhintergründe wurde den reizvollen Stuckaturen mit Goldhöhungen nicht gerecht. Man entschied sich daher für die Fassung um 1900. Diese kann die Stuckaturen durch die Goldhöhungen, rötlichen Gitterwerkkartuschen und die grünliche Fassung der flach reliefierten Stuckaturen angemessen akzentuieren. Die Fassung war durch die Beschreibung im Kunstdenkmälerband, die konzeptionellen Inschriften am Objekt und vor allem durch die Befundlage genügend gesichert und macht die Stuckaturen nun vor dem farbig gefassten Hintergrund besser lesbar.