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Bauberatung

Neues Leben für die Wölflinswiler Pfarrscheune

Nach dreieinhalb Jahrhunderten Geschichte ist wieder Leben in die Pfarrscheune in Wölflinswil eingekehrt. Das kantonale Schutzobjekt dient seit seiner Einweihung im September 2025 als Kirchgemeindehaus der Kirchgemeinde Oberhof / Wölflinswil. Von der Holzkonstruktion aus dem 17. Jahrhundert bis zu den gefundenen Feierabendziegeln – die behutsame Restaurierung bewahrt Spuren der Zeit und schafft Raum für Gemeindeleben.

Die Pfarrscheune Wölflinswil wird zum Kirchgemeindehaus

Nord- und Ostfassade. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Nach intensiver Planung und behutsamer Umsetzung konnte die Restaurierung der Pfarrscheune in Wölflinswil erfolgreich abgeschlossen werden. Das über 370 Jahre alte kantonale Schutzobjekt dient neu als Kirchgemeindehaus mit Pfarreisaal, Foyer und Pfarrbüro.

Bauhistorische Bedeutung

Tenn bzw. neues Foyer und Eingangsbereich des Kirchgemeindehauses. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Die Pfarrscheune spielt als historisch gewachsenes Baudenkmal eine besondere Rolle innerhalb des grossen, ummauerten Gevierts des Pfarrhofs. Sie steht mit ihrer Traufseite gegenüber dem Toreingang und schafft eine Art Vorhof auf dem Weg zum Pfarrhaus.

Ursprünglich als Holzbau um 1650 errichtet, wurde die Pfarrscheune, die wohl vor allem der Einlagerung des Zehnten diente, bereits um 1657/1661-62 vollständig versteinert (mit Steinmauern "ummantelt"). Diese frühe Umwandlung in einen Steinbau mag erstaunen, insbesondere für kirchliche und obrigkeitliche Scheunen im Fricktal und Jurasüdfuss stellen Versteinerungen ab dem 17./18. Jahrhundert jedoch keine Seltenheit dar.

1777 erfolgte mit der im Süden an die Zehntenscheune angebauten Fruchtschütte eine Erweiterung, die die Nutzfläche des Gebäudes mehr als verdoppelte. Während der Südteil der Lagerung von Getreide und Heu diente, geht die Kantonasarchäologie davon aus, dass der Nordteil fortan als Stall genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert folgte ein tiefgreifender Umbau: 1845/46 wurde der ältere Nordteil teilweise abgebrochen und es entstanden Stallungen, eine Waschküche sowie ein Gemüsekeller. Die Lagerung des Zehnten schien nun nicht mehr die vorherrschende Funktion der Scheune zu sein, die Bewirtschaftung des Pfrundgutes rückte in den Vordergrund.

Denkmalpflegerische Herausforderungen

Aufgang 1. Obergeschoss, Vorplatz des neuen Kirchgemeindesaals. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Die steinerne Gebäudestruktur konnte mit Ausnahme eines Türdurchbruchs vollständig erhalten bleiben. Besonders faszinieren die „Negativabdrücke“ der ursprünglichen Holzkonstruktion in den Bruchsteinmauern, die als stille Zeugen der frühen Bauphase erhalten blieben. Diese Spuren wurden sorgfältig dokumentiert und in die neuen Nutzungsbereiche integriert. Durch die Entfernung der lose liegenden Bohlen im Dachraum beeindrucken die beiden Gebäudeteile mit ihren gänzlich sichtbaren und komplett erhaltenen historischen Dachkonstruktionen. Nur die einfache Laubenkonstruktion auf der Wetterseite des Gebäudes war in einem schlechten Zustand und musste ersetzt werden. Durch den Entscheid für einen Aufschiebling konnte die Laube leicht erhöht und begehbar gemacht werden.

Neue Laube. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Ein weiterer denkmalpflegerischer Schwerpunkt lag auf dem Erhalt und der materialgerechten Instandsetzung der äusseren und inneren Oberflächen: Die historischen, sehr unterschiedlichen Putze wurden erhalten und wo notwendig mit Kalkputz ergänzt, jegliche neue Einbauten (Nasszellen, Küche, Trennwände, Treppe) wurden in Fichte/Tanne gearbeitet und die historischen Ziegel gereinigt und wieder eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Handwerkenden und Restaurator:innen war dabei entscheidend.

Gelungene Zusammenarbeit

Kirchgemeindesaal. © Kantonale Denkmalpflege Aargau

Die Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung zwischen Bauherrschaft, Architekten, Handwerkenden und Denkmalpflege. Die offene, konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit trug massgeblich zum Gelingen des Projekts bei.

Die Pfarrscheune Wölflinswil ist heute nicht nur ein funktionales Pfarrgemeindehaus, sondern auch ein gutes Beispiel für den behutsamen Umgang mit historischem Baubestand. (Judith Bertram)