Hinweis:Ringier Bildarchiv neu in Unterentfelden
Die gesamten Fotobestände des Ringier Bildarchivs haben ein neues Depot bezogen und befinden sich jetzt an der Suhrenmattstrasse 29 in Unterentfelden.
Das Ringier Bildarchiv (RBA) umfasst den gesamten analogen Bildbestand des aargauischen Medienunternehmens Ringier AG sowie fotografische Nachlässe von Ringier-Fotografinnen und -Fotografen. Das RBA ging 2009 in den Besitz des Staatsarchivs Aargau über und ist mit rund 7 Millionen Pressebildern das grösste Fotoarchiv der Schweiz in öffentlicher Hand.
Das Ringier Bildarchiv (RBA) deckt nahezu alle Themen des öffentlichen und privaten Lebens ab – von Politik über Sport, Showbusiness und Kultur bis zur Alltags- und Frauengeschichte. Zeitlich erstreckt sich das Archiv von den 1930er Jahren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, mit einem Schwerpunkt auf den Jahrzehnten von 1950 bis 2000. Darüber hinaus sind die Bestände eine zentrale Quelle für die Geschichte der Pressefotografie und der Medien der Schweiz. Sie geben Aufschluss über die Arbeitsweise von Fotoagenturen und Medienverlagen sowie ihrer Fotografen und Redaktionen. Aus Agentur- und Redaktionsarchiven zusammengesetzt, dokumentiert das Archiv das Wirken und den Wandel der Bildwirtschaft in Bezug auf die Bildproduktion, -verarbeitung und den Vertrieb.
Die gesamten Fotobestände des Ringier Bildarchivs haben ein neues Depot bezogen und befinden sich jetzt an der Suhrenmattstrasse 29 in Unterentfelden.
Das Ringier Bildarchiv ist eine Plattform für die öffentliche Beschäftigung mit Gegenwartsfragen, Zeit- und Mediengeschichte. Es ist ein Lernort für Schulen, Universitäten und andere Bildungsinstitutionen. Sämtliche Angebote zielen auf den Erwerb und die Förderung von Kompetenzen im Umgang mit Fotografien und tragen zum kritischen Lesen und Verstehen von Bildinhalten bei.
Das Stadtmuseum Aarau zeigt und vermittelt im Rahmen dieser Kooperation mit dem Staatsarchiv Aargau Ringier Pressefotografien. Ausstellungen, Workshops für Schulklassen und Führungen für Erwachsene bieten ein breites Angebot für verschiedene Zielgruppen. 2015 wurde das "Schauarchiv" des Ringier Bildarchivs im Stadtmuseum verankert. Es bildet den umfangreichen historischen Fundus im Kleinen ab und gewährt Einblick in die Bildproduktion und die Archivarbeit. Im Rahmen der Kooperation werden auch die Arbeiten in den Fachbereichen Erschliessung, Konservierung und Digitalisierung der Fotobestände sowie der Bilderdienst weitergeführt.
Die Geschichte des Ringier Verlags geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1833 legte Johann Rudolf Ringier (1797–1879) mit der Gründung seiner Druckerei in Zofingen den Grundstein für die Entwicklung des Ringier-Verlags. Innert weniger Jahre baute die Druckerei eine regionale Vormachtstellung auf.
Ringier zog bei der rapiden Technisierung der Massenkommunikation gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit. Ab 1898 baute sein Sohn Paul August (1876–1960) das Familienunternehmen in dritter Generation zum industriellen Druckunternehmen und führenden Presseverlag aus und erreichte damit nationale Ausstrahlung.
Heute ist das Medienunternehmen und Verlagshaus Ringier das grösste und wichtigste der Schweiz. Ringier hat die Schweizer Medienlandschaft vor allem über die Schweizer Illustrierte und den Blick massgeblich mitgeprägt.
Mit der Übernahme der "Schweizerischen Allgemeinen Volkszeitung" stieg Ringier ins Zeitungswesen ein. Doch erst mit der Lancierung der "Schweizerischen Illustrierten Zeitung" (heute "Schweizer Illustrierte") 1911 sprang Ringier auf den Zug der illustrierten Zeitschriften auf und tat dies äusserst erfolgreich. Das Erfolgsrezept lautete gute Literatur, Bodenständigkeit, parteipolitische Neutralität und wirkliche Unterhaltung. Unverzichtbar sind dabei Illustrationen, insbesondere Fotografien. Nach dem Ersten Weltkrieg boomte das Geschäft mit den Illustrierten und Ringier lancierte weitere Titel. Ringier verfügte über kein eigenes Fotografenteam für seine Zeitschriften, sondern kaufte bei Agenturen ein und gab Aufträge heraus. Dies bedeutet, dass Ringier kein eigenes Bildarchiv anlegte, sondern die Aufnahmen zu den Agenturen und Fotografen zurückschickte.
Neuland betrat Ringier 1959 mit der Lancierung der ersten Boulevardzeitung in der Schweiz: dem Blick. Die Tageszeitung sollte eine Bildzeitung sein, so dass Ringiers Bildbedarf vor allem in der Tagesaktualität rasant stieg. 1962 kaufte Ringier den Bilderdienst Arnold Theodor Pfister (ATP). Auf einen Schlag verschuf er sich damit ein gut geschultes Fotografenteam samt Infrastruktur und Ausrüstung, sowie den Exklusivertrag mit der Bildagentur United Picture International (UPI), den er von ATP übernehmen konnte. Nicht zuletzt übernahm Ringier das Bildarchiv von ATP und verfügte damit über einen Bestand von ca. 3 Millionen Fotografien. Ringier führte den Bilderdienst unter dem Namen Ringier Bilderdienst (RiBiDi) als eigenständige Tochterfirma weiter. 1974 wurde der Dienst ins Mutterhaus einverleibt und eine neue Organisation wurde ausgearbeitet.
1980 legte Ringier die Bildarchive der verschiedenen Redaktionen mit jenem des Ringier Bilderdienstes zusammen und führte fortan im Ringier Dokumentationszentrum (RDZ) die Ringier Dokumentation Bild (RDB). Was dabei entstand, war eine Mischung aus Bildagentur und Redaktionsarchiv, die sich von traditionellen Bildagenturen und Redaktionsarchiven unterscheidet.
Dieser Mischcharakter ist eines der herausragenden Merkmale des heutigen Ringier Bildarchivs. Die Ringier Dokumentation Bild wurde im Laufe der Jahre mehrfach umstrukturiert und ausgebaut. Der analoge Bildbestand, der mittlerweile auf 7 Millionen angewachsen ist, verlor mit dem Wechsel zur digitalen Fotografie in den 1990er Jahren zunehmend seine Bedeutung. Ringier führt mit Specter nun ein digitales Bildarchiv.
2009 schenkte die Ringier AG den analogen Bildbestand dem Kanton Aargau. Als Projekt des Staatsarchivs wurde das "Ringier Bildarchiv (RBA)" ins Leben gerufen. Zentrale Argumente für die Übernahme waren die Verwurzelung des Medienunternehmens im Kanton, sowie die zunehmend wichtige Rolle kantonaler Stellen bei der Sicherung des fotografischen Erbes. Zudem entspricht die Übernahme der Strategie des Departements Bildung, Kultur und Sport, sich vermehrt mit dem audiovisuellen Kulturerbe und der Industriegeschichte des Aargaus auseinanderzusetzen.
Das Bildarchiv wird seither systematisch analysiert und archiviert sowie
für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 2014 finden regelmässige Vermittlungsangebote statt.