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Freiwilligenprogramm

(K)eine Hochschule für den Aargau?

Dieser Beitrag wurde im Kontext des Fokusthemas 2025 "Schulzeiten" erarbeitet. Von 1962 bis 1987 verfolgte der Kanton Aargau das Projekt einer Hochschule im Aargau. Das Projekt setzte neue Impulse für bildungspolitische Diskussionen und Reformen auf kantonaler und nationaler Ebene.

Das Projekt einer Hochschule im Aargau gründet auf der Initiative des Grossrats Jakob Hohl (LdU) aus Brugg und drei Mitunterzeichnern. Die Motion wurde 1962 an den damaligen Regierungsrat übergeben. 1978 wurde das Projekt einer Hochschule im Aargau trotz intensiven Ambitionen, Planung und Unterstützung schliesslich ad acta gelegt.

Eine führende Rolle in der Bildungslandschaft

In den 1960er Jahren rückte in der Schweiz die Bildungspolitik stärker in den Fokus der Politik. Unter der Leitung des damaligen Regierungsrats Arthur Schmid wurden auch im Aargau die Themen Bildungsplanung, Lehrpersonenbildung und Bildungsforschung an die Hand genommen. Der Aargau hatte das Ziel, eine schweizweit führende Rolle in der Bildungslandschaft zu übernehmen. Um dies zu erreichen, wurde die Gründung einer Hochschule für Bildungswissenschaft in Aarau als Grundlage gesehen. Das Ziel der Initianten war es, eine Ausbildungsstätte für Lehrpersonen und ein Forschungszentrum zu errichten.

Aufbau der Koordinationsstelle für Bildungsforschung

Der Kanton richtete als erste Massnahme 1970 eine Koordinationsstelle für Bildungsforschung ein. Diese Fachstelle sollte die Forschung koordinieren, Projekte initiieren und das Bindeglied zwischen Praxis und Wissenschaft sein. Diese Stelle war eine Neuheit in der schweizerischen Bildungslandschaft und spiegelte den innovativen Ansatz des Aargaus wider.

Politische Unterstützung

Das Projekt genoss zunächst breite politische Unterstützung. Der Regierungsrat und der Grosse Rat des Kantons Aargau standen hinter der Vision einer eigenen Hochschule für Bildungswissenschaft. Es wurde eine Kommission zur Abklärung der Fakten gegründet. Ein weiterer Ausschuss und eine Fachkommission wurden ernannt und es wurde die Überlegung diskutiert, eine Hochschule für Humanwissenschaft zu gründen.

Volksabstimmung

Werbeplakat mit Karikatur und Text zum Thema Hochschule im Aargau. Die Karikatur zeigt einen von Rüebli umgebenen Kopf und eine Person mit Buch unter dem Arm und gestreckter Schwurhand.
Werbeplakat des Aargauischen Hochschulvereins, vor der Abstimmung 1970. (Fricker: 32)

Nach langen Vorbereitungsarbeiten in der Regierung und im Grossen Rat wurde das Abstimmungsdatum auf den 10. Mai 1970 festgelegt. Aus den vorbereitenden Kommissionen und aus dem Rat kamen wenig Gegenstimmen zum Projekt einer Aargauer Hochschule. Bei der Bevölkerung waren die Meinungen geteilt. Die ländlichen Gegenden lehnten das Vorhaben eher ab, die Städter stimmten eher dafür. Die Abstimmung endete auch mit einem knappen Ausgang: Mit 31'460 Ja-Stimmen zu 28'945 Nein-Stimmen wurde der Vorlage zugestimmt.

Bedenken und Herausforderungen

Wahlinserat der Republikaner zu den Grossratswahlen (Badener Tagblatt, 28.2.1973). (Fricker: 41)

Nach dem Ergebnis der Abstimmung wurde in den Kommissionen vorwärtsgeschaut und weitergearbeitet. Allerdings traten im Laufe der Zeit verschiedene Herausforderungen auf. Es gab finanzielle Bedenken, die Konkurrenz durch bereits bestehende Hochschulen in anderen Kantonen wie Basel, Bern oder Zürich war gross und die Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen war durch die föderalistischen Strukturen schwierig.

Nach 1972 verebbte die Aufbruchstimmung. Im Hintergrund stand die Ölkrise und die damit verbundene Rezession. Die Ablehnung des Bildungsartikels durch die Stände 1973 war ein herber Schlag für die Befürworterinnen und Befürworter.

Rückzug des Projekts

Trotz intensiver Vorarbeiten und der Einrichtung der Koordinationsstelle entschied der Grosse Rat des Kantons Aargau 1976, die Vorlage zur Gründung der Hochschule für Bildungswissenschaft zurückzuziehen. Die Gründe hierfür lagen in den genannten Herausforderungen sowie in einer veränderten bildungspolitischen Stimmung. Die Koordinationsstelle für Bildungsforschung blieb jedoch bestehen und wurde ab 1974 gemeinsam von der EDK und dem Bund weitergeführt und finanziert.

Bedeutung des Hochschulprojekts

Obschon das Hochschulprojekt im Aargau schliesslich nicht realisiert wurde, hatte es nachhaltige Auswirkungen. Die Gründung der Koordinationsstelle trug stark zur Entwicklung der Bildungsforschung in der Schweiz bei. Dazu setzte das Projekt auch neue Impulse für bildungspolitische Diskussionen und Reformen auf kantonaler und nationaler Ebene.

Eine interessante Frage: Wie würde das heutige Bildungssystem im Kanton Aargau aussehen, wenn das damalige Projekt zur Ausführung gekommen wäre?