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Heinrich Zschokke, ein Leben für Freiheit und Demokratie

Heinrich Zschokke hat in der Bildung und in anderen Gebieten Aussergewöhnliches geleistet – nicht zuletzt für den Kanton Aargau.

Im Verlauf der Geschichte gibt es Persönlichkeiten, die Herausragendes geleistet und Wissenschaft, Politik oder Kunst massgeblich mitgeprägt haben. Einer dieser Persönlichkeiten, ist der neben anderen Reformpädagogen wie Johann Heinrich Pestalozzi ein wenig in Vergessenheit geratene, Heinrich Zschokke.

Kurze Biografie Heinrich Zschokke

Heinrich Zschokke, Aarau, 1842, gemalt von Julius Schrader © Stadtmuseum

Zschokke wurde am 22. März 1771 im deutschen Magdeburg geboren und starb am 27. Juni 1848 auf Gut Blumenhalde bei Aarau. Früh verlor er seine Eltern und wuchs unter eher ärmlichen Verhältnissen auf. In Frankfurt an der Oder machte er das Studium in Philosophie und Theologie mit Doktortitel. Als Journalist und Lehrer hielt er sich finanziell über Wasser, kam aber durch sein freiheitliches Denken mit der Obrigkeit in Konflikte. In Preussen hielt es daher den der Aufklärung verbundenen Heinrich Zschokke nicht mehr länger und so wendete er sich, wie auch andere Gleichgesinnte von seinem Heimatland ab und wanderte in die damalige Helvetische Republik aus.

In den nächsten Jahrzehnten, die politisch-gesellschaftlich viele grosse Umbrüche mit sich brachten, war er Schulleiter in Graubünden, Regierungskommissar in Stans, Regierungsstatthalter in Basel. Danach verlegte er sein Wirken in den neu gegründeten Kanton Aargau. Dort lernte er seine Frau, die Pfarrerstochter Anna Elisabeth Nüsperli (1785–1858) kennen und heiratete sie. Seine Aktivitäten waren sehr umfangreich und man staunt ob der Energie und Tatkraft, die Zschokke über so lange Zeit hochhielt. Er hatte ausserordentlich viele Kontakte zu hochstehenden und gewichtigen Personen dieser Zeit. In Aarau lernte er unter anderem den Verleger Heinrich Remigius Sauerländer kennen, der 1807 das Verlagshaus Sauerländer gründete.

Der Verlag und sein Verlagsprogramm wollte massgeblich zur Volksaufklärung und Volksbildung beitragen. Die Leserinnen und Leser sollten den Sinn für einen politisch liberalen, demokratischen Staat bekommen. Zschokke war im Verlag Herausgeber und Chefredakteur des Schweizerboten. Diese Zeitung war in ihrer Anfangszeit der Drucklegung herausragend für die liberale Gesinnung.

Kulturkanton Aargau

Schwarz-weiss Fotografie einer Gruppe von jungen Männern auf einer Wiese vor einem Bergrücken. Alle haben Wanderstöcke und Rucksäcke dabei und Hütte auf dem Kopf.
Schulreise an der Alten Kantonsschule 1886; Signatur StAAG ZwA 2009.0021/0149 © Kanton Aargau, Staatsarchiv

Am 2. März 1811 gründeten Heinrich Zschokke und Remigius Sauerländer zusammen mit anderen in Aarau die "Gesellschaft für Vaterländische Kultur", später "Kulturgesellschaft". Diese sorgte schweizweit für Aufsehen erregte und gab dem Kanton Aargau – bereits damals – den Spitznamen "Kulturkanton", dies nicht ohne Bewunderung und etwas Neid.

Ein wichtiges Anliegen war für Heinrich Zschokke die Bildung, vor allem der Jugend. Als Volkspädagoge sah Zschokke die Schwachstellen der angehenden jungen Berufsleute. Daher galt es laut Zschokke:

In unserem Freistaat einer mannigfaltigeren Ausbildung unsere Jünglinge, nicht nur zu Gelehrten allein, auch zu kenntnisvollen Geschäftsleuten, Fabrikanten, Kaufleuten, Landwirthen, Handwerkern, Künstlern [zu machen]

Heinrich Zschokke Teil einer Rede gehalten am 21. Juni 1819 im Grossen Rat Aarau

Aus dieser Erwartung heraus schlug Zschokke der Kulturgesellschaft vor, ein Polytechnikum zu gründen, der "Bürgerliche Lehrverein". Die Kulturgesellschaft stimmte zu. Dieses Bildungsinstitut existierte von 1819 bis 1830. Da Zschokke in vielen Bereichen engagiert war, konnte er nach gewisser Zeit der Schule nicht mehr als Vorsteher dienen. Seine Nachfolger hatten diese Energie und Beharrlichkeit nicht zur Verfügung, mit der er persönlich ausstaffiert war. Daher gab es immer wieder Wechsel im Personal, dass zur Schwächung der Schule beitrug. Nachtäglich wurde auch die 1826 gegründete Gewerbeschule zur Konkurrenz. Der "Bürgerliche Lehrverein" wurde 1830 aufgelöst, seine Ideen lebten aber in Nachfolgeinstitutionen weiter.

Fazit

Statue eines Mannes. Im Hintergrund Bäume.
Zschokke Denkmal in Aarau. © picswiss.ch/Roland Zumbühl.

Anhand dieses kleinen Umrisses lässt sich erkennen, was für eine herausragende Persönlichkeit Heinrich Zschokke war. Er hatte grosse Ideale, gepaart mit einer Energie, die ihm erlaubte, in der Bildung und in anderen Gebieten Aussergewöhnliches zu leisten – nicht zuletzt für den Kanton Aargau. Es gilt das Leben und die Schriften von Heinrich Zschokke neu zu entdecken, als Citoyen mit Weitsicht und tragfähigen Visionen.