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Bruno Benz, Freiwilliger von Bibliothek und Archiv Aargau
Seit 2024 transkribieren und erforschen Freiwillige von Bibliothek und Archiv Aargau und Museum Aargau gemeinsam den Briefwechsel von Julie von Effinger (1837–1912), der letzten Bewohnerin von Schloss Wildegg. In redaktionellen Beiträgen teilen sie ihre persönlichen Gedanken und Recherchen zu den Inhalten und Themen der Briefe. Autor Bruno Benz folgt in diesem Beitrag den Spuren der Julie von Effinger nach Glarus.
Im Jahr 1861, in der Nacht vom 10. Mai auf den 11. Mai, wütete ein Grossbrand in Glarus. Ein starker Föhn trieb die Flammen von Haus zu Haus. Diese waren vorwiegend mit Holzschindeln gedeckt. Der Ort wurde zu zwei Dritteln zerstört; die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner obdachlos. Es gab einige Tote.
Durch die neu geschaffene Schweiz (1848) ging eine bis anhin nie dagewesene Hilfs-und Spendenkampagne und bekundete den schweizweiten Zusammenhalt.
Auch auf Schloss Wildegg las man vom Unheil und Julie, damals 22 Jahre alt, war bestürzt. Der erste Eintrag in ihrem Tagebuch ist vom Montag, 13. Mai. Die Texte sind auf Französisch verfasst (Übersetzung von Bruno Benz mit Hilfe von Google Translate).
13. Schönes Wetter. Die Menschen sind erschüttert und fassungslos angesichts der vielen Details über den tragischen Brand von Glarus. Die armen Menschen, welche Gefühle, welch grausames Leid und welch unersetzlichen Verlust durch die Zerstörung von ¾ der Stadt. Ihnen wird von allen Seiten geholfen, und Zürich zeichnet sich durch seine lobenswerten Bemühungen aus.
Die Unterstützung für Glarus ist enorm. Helfer Strauss wollte, ganz Geizkragen, ein paar alte Kämme spenden.
ich habe ….mit meiner Mutter überlegt, was wir nach Glarus mitnehmen könnten…Wir haben Küchenutensilien und Bettwäsche ausgesucht; ausserdem trenne ich mich von zwei Kleidern.
Mein Vater hat eine Liste mit 664 Franken, die die Bewohner des Schlosses und der Hellmühle gesammelt haben, und auch die Bediensteten haben etwas dazugegeben. Wir werden diesen Betrag morgen selbst nach Glarus bringen.
Fahrt nach Glarus. Vater Rudolf begleitet Julie. Ankunft in Glarus:
Die Bahnlinie führt von dort in ein enges Tal, das von den steilen Bergen Schilt und Wiggis geprägt wird. Der Anblick bei der Ankunft in Glarus, wo die Bahnlinie endet, ist weniger furchteinflössend als erwartet. Vor uns erheben sich all die Gebäude, die noch stehen, eine lange Häuserreihe, die Fabriken, das Rathaus und ein neues Hotel, das sich noch im Bau befindet. Alles war abgebrannt, bis auf die Steine, die aufgeraut und weiss waren [callinés et blanches]. Die Ruinen sahen eher aus wie die Überreste einer von einem Erdbeben zerstörten Stadt als wie ein von Flammen verwüsteter Ort. Gerade wurden die verbliebenen Mauern mit großen, daran befestigten Gestellen abgerissen, die von einer Menge Arbeiter lärmend gezogen wurden. Die Steine waren durch die Heftigkeit des Feuers gelöst worden, daher war die Arbeit nicht besonders schwierig. Als die Mauern einstürzten, stieg eine Staubwolke auf. Die Hauptstrasse, die sehr eng gewesen sein muss und zur Kirche führte, von der nur noch der Turm erhalten ist, ähnelt Pompeji, abgesehen von der klassisch-italienischen Architektur. Da wir um 1 Uhr in Glarus ankamen und um 6 Uhr wieder abreisen mussten, weil keine Unterkunft mehr frei war, versuchten wir, die uns zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich zu nutzen. Mein Vater ging zunächst zum Gemeindhaus, um sein Geld abzugeben. Dort trafen wir in Abwesenheit von Pfarrer Tschudi „ [dann weiter]-- Herrn Brunner, den Vorsitzenden des Hilfskomitees. Er zählte einfach das Geld, und nachdem er sich für seine Einfachheit entschuldigt hatte, gab er uns die Quittung. Zwei Herren aus der Gemeinde Ramsen im Kanton Schaffhausen waren ebenfalls dabei und gaben jeweils 500 Franken ab, der eine war der Pfarrer, der andere der Priester. Sie schienen beste Freunde und unzertrennlich zu sein. Abgesehen von Arbeitern begegneten wir auf den Strassen kaum Menschen, und es fiel uns sogar schwer, Informationen zu erhalten; Bettler und Bedürftige waren nicht zu sehen. Ein Spaziergang in Ennenda und durch alle Stadtteile sowie drei Skizzen verschiedener Orte füllten unsere Zeit bis zum Abend. Da wir dachten, in Glarus nichts zu essen zu finden, hatten wir uns vor unserer Ankunft einige hartgekochte Eier mitgenommen. Am Bahnhof bekamen wir jedoch ein Kotelett mit Kartoffeln. Wir konnten unter dem Gepäck unsere Pakete aus Wildegg wiederfinden, die wohlbehalten angekommen waren. Die Menschen, die ihre Häuser behalten hatten, beeindruckten mich mit ihren herzlichen und glücklichen Gesichtsausdrücken. Der Glarus-Typus erschien mir kultiviert, mit intelligenten Gesichtszügen und dunklem Teint. Um 6 Uhr abends Abfahrt nach Wesen.
später ist noch die Notiz angefügt:
---deren protestantischer Pastor, Herr Müller, machte einen gebildeten und freundlichen Eindruck. Er hatte Glarus bei der Kleiderverteilung unterstützt. Alle Namen der bedürftigen Brandopfer sind an die Tür des Schulhauses geschrieben; sobald jemand dort Kleidung erhalten hat, wird sein Name von der Liste gestrichen, und er darf erst wiederkommen, wenn er an der Reihe war. Die Verteilung und Sortierung der Kleidung obliegt jungen Damen aus Glarus.
Bruno Benz, Freiwilliger von Bibliothek und Archiv Aargau